Bericht über die EM 2006 in Frankreich

  • von Michael Borchers
  • 04. Juli 2006 um 14:17
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Zunächst noch mal eine kleine Streckenbeschreibung. Der Kanal Vilaune ist entlang der Wettkampfstrecke sehr kurvig (180° - Kurve, wenn der D-Sektor Wind von vorn hatte, hatte der B-Sektor Wind von hinten und der A-Sektor Wind von der Seite). Der A-Sektor und E-Sektor lag für sich allein in einer Außenkurve, auf Kopfrutenlänge war es zwischen 1,5 und 3,5 m tief, teilweise auf benachbarten Plätzen.

Das deutsche EM Team 06



Bei ca. 18-20m erreichte man eine Tiefe von 4 m und ab ca. 25-30m erreichte man die Sohle bei einer Wassertiefe von 5,50m – 6m. Der Sektor B lag an der extremen 180°-Innenkurve, die niedrigen Nummern fanden die 4m-Linie auf 20-25m, bei den hohen Nummern war diese Tiefe erst bei 40-45m erreichbar. Die C- und D-Sektoren lagen fast auf einer geraden Linie, die Tiefenverhältnisse dort entsprachen fast denen in A oder E, nur auf der Kopfrute gab es meist etwas flacheres Wasser.
Auch die Sektoren B-D wurden zum Wettkampf getrennt, mit Abständen von gut 100m zwischen den Sektoren. Dadurch wird versucht mehr Gerechtigkeit zu erreichen, da so jede Nation in den Genuss von Außenplätzen kommt.

die Strecke die Strecke im Training 


Im Vorfeld erreichte uns die Information, dass die größeren Fische in einer Wassertiefe von 4-4,5m zu fangen sind, egal auf welcher Länge diese erreicht wird. Durch unser eigenes Training und die Beobachtung anderer Teams (insbesondere die Engländer wurden konsequent „überwacht“) bestätigte sich diese Information weitestgehend.
Leider hatten wir nicht eine Trainingsbox, bei der auf Kopfrutenlänge eine Tiefe von wenigstens 3,5m vorlag, dadurch brachten Kopfrutentests nur Fische bis max. 100g und die Kopfrute wurde von uns als nicht effektiv bewertet.
Im B-Sektor waren wir uns nicht sicher, welche Länge auf der Matchrute die beste ist, die 4m-Tiefe auf 45m brachte keine besseren Fische als eine Tiefe von 3-3,50m auf 25m. Feststellen konnten wir noch, dass die Bolorute nur Sinn machte, wenn der Wind günstig von hinten kam, ansonsten kamen Slider mit 3-8g Blei auf der Schnur zum Einsatz.

Die Trainingserfahrungen deuteten darauf hin, dass alles von einer richtigen Futtertaktik abhängen wird, was sich letztendlich auch bestätigen sollte. Wir merkten im Training, dass eine Fütterung mit hochkonzentrierten Köderbällen aus schwerer Erde eher die Katzenwelse aktivierte, die aber im Durchschnittsgewicht nicht die ideale Beute abgaben.

 Claus Mueller im Training Marco Beck mit einem guten Brassen

Wir versuchten eine Futtertaktik zu finden, die möglichst die Brassen und Güstern holt und weniger Katzenwelse. Probiert wurde mit Wolken von gelb bis braun und Futtermischungen pur und mit Terre de Somme. Die besten Ergebnisse bei uns gab es mit einer Futtermischung 2kg River Vanille, 1kg Carp fine, 1kg Gros Gardon und 1kg Match Blend (alles Sensas) sowie 4kg Terre de Somme, diese wurde in ein Drittel des Futters untergerührt. Besonders wichtig wurden die Bonusfische (Meeräschen bis über 2kg) eingeschätzt, diese tauchten in kleineren Gruppen meist auf mehreren nebeneinander liegenden Plätzen auf, dann galt es „Krach zu machen“. Ständige Bälle mit viel Ködern lockten meist 1 bis 2 Meeräschen auf den Platz. Als Köder wurden 1l Mücken, ¾-1l Caster, ½ l Wurm und ein paar rote Maden u. Pinkys verwendet.

Am ersten Tag entschieden wir uns alle nur eine Länge zu befüttern, da bei einer möglichen ständigen Befütterung die 17l Futter knapp werden konnten. Mit unserem Ergebnis vom ersten Tag waren wir sehr zufrieden, Platz 3 war für uns nach den Trainingseindrücken nicht unbedingt zu erwarten! Einzig Marco Beck hatte eine wirklich hohe Nummer eingefahren (was fast allen anderen Nationen außer Frankreich auch passierte), aber einen Vorwurf kann ihm keiner machen. Er saß im B-Sektor (im flachen Bereich), hatte die 4m-Kante aber noch in guter Entfernung (25m, dazu Wind im Rücken). Deshalb entschied sich Marco, diese Entfernung zu angeln, was sich im Nachhinein als falsch erwies. Da fast alle Nachbarn kürzer fütterten zog sich der Fisch doch näher ans Ufer und Marco musste zusehen. Vielleicht hätte Marco die Spur zeitig wechseln sollen, aber jeder, der schon mal in einer ähnlichen Situation war, wird verstehen, wie schwer eine solche Entscheidung ist.

Überraschend nach dem ersten Tag war für alle Nationen, dass die Belgier in 3 Sektoren mit der Kopfrute zum Erfolg kamen! Schon ab einer Wassertiefe von 3m war die Kopfrute offensichtlich angelbar, was sich außer den Belgiern keiner traute!


 Guenther Horler Thomas Pruchnowski

Deshalb ging die Taktik am 2. Tag dahin, dass die Kopfrute ab 3m Tiefe mit gefüttert werden sollte und entsprechend der Situation im Sektor zwischen Match und Pole gewechselt wird. Dies wurde aber nur bei Ralf Herdlitschke im Sektor D notwendig, alle anderen hatten keine Tiefe auf der Kopfrute, die eine Option gewesen wäre. Ralf hatte in D einen Außenplatz (D1), aber direkt neben ihm ein Belgier (Eric di Venti) und ein Franzose, die am ersten Tag ebenfalls eine 1 bzw. 2 fischten. Besonders zwischen Ralf und Eric entwickelte sich ein heißer Fight, Eric legte am Anfang einen Brassen und eine Meeräsche als Vorsprung vor, sonst fingen beide in 3 Stunden alle größeren Fische parallel.
Zwischendurch konnte Ralf aber deutlich mehr kleine Fische fangen, so dass er den Vorsprung immer mehr wettmachen konnte. Die Entscheidung über den Treppchenplatz fiel in der letzten halben Stunde, da konnte Eric noch eine Meeräsche einnetzen, die Ralf nicht kontern konnte. An der Waage hatte Eric rund 1,5kg mehr als Ralf (das Durchschnittsgewicht einer Äsche!).

Für Peter Schührer geriet der 2. Tag zum Drama. Schon am ersten Tag musste Peter zusehen, wie Guido Nullens neben ihm auf dem Außenplatz das Höchstgewicht fing. Als dann am zweiten Tag neben ihm ein Angler aus Litauen mit technisch begrenzten Fähigkeiten anfing, die Brassen zu ziehen und er mit allen Mitteln dennoch kaum einen Fisch weglocken konnte, war die Welt nicht mehr rund. Offensichtlich gab es wohl doch bevorzugte Plätze, auch ein Da Silva aus Frankreich musste sich neben Guido Nullens mit 3 kg zu 14 kg geschlagen geben. Generell ist noch anzumerken, dass am zweiten Tag auffällig viele gute Platzierungen von den Außenplätzen kamen, was am ersten Tag noch nicht so der Fall war.


Das Podium

Die Belgier: Als einzigen auffälligen Unterschied bei den Belgiern konnte nur ausgemacht werden, dass sie ein richtig grobes Brassenfutter mit vielen Partikeln und Biskuit verwendeten und bei den Ködern anstelle von Castern mehr Würmer und rote Maden einsetzten. Ähnlich wie bei der Brassenangelei in Deutschland wurden ständig Würmer nachgeschnitten, Mücken wurden erst beim Nachfüttern zugegeben. Möglicherweise war die Brassenangelei im Kanal Vilaune doch mehr deutsch, als wir das glauben wollten...?!

der verdiente Sieger- das Team Belgien

Stefan Posselt
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