Club WM 2007 in Bosnien Teil 1

  • von H. Plass
  • 03. März 2008 um 14:52
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Die Strecke - der naturbelassene Fluss Krupa

Willkommen im Sumpfgebiet mit den meisten, größten und gefährlichsten Schlangen Europas. Auf Wildnis pur und ein sehr schönes Naturgewässer konnten sich die Teilnehmer der 27. Club WM vom 9. bis 10. Juni in Bosnien/Herzigovina am Flüsschen Krupa freuen.
Wie bei internationalen Veranstaltungen nicht unüblich, wurden auch im kleinen Fluss Krupa, nahe der Stadt Clapjina, im Vorfeld Fische besetzt. Karpfen und Karauschen sollten für gute Fangmöglichkeiten sorgen und jeweils ca. 50 Meter stromauf und stromab der Strecke wurden Netze gespannt, die die Fische auf der Strecke halten sollten. Der bis zu 7 Meter tiefe Fluss führte relativ kaltes Wasser und die Fische wären sicherlich daran interessiert gewesen, die angrenzenden Flachwasserseen mit wesentlich mehr Nahrung und wärmerem Wasser aufzusuchen. Also mussten sie irgendwie die Woche auf der WM Strecke bleiben, denn in dem sehr klaren Wasser waren kaum Fische. Auch wenn der Fluss durchschnittlich nur 25 Meter breit war, so herrschte durch die Wassertiefe doch ein ordentlicher Druck auf den Netzen und ein bisschen Treibgut erschwerte die Situation, so dass die Netze irgendwann nachgaben und die eingesetzten Fische das Weite suchten.


In dem Sumpfgebiet fühlten sich viele Tiere wohl

Theoretisch zumindest, doch praktisch zeigten die Fangergebnisse, dass um jeden größeren Fisch gekämpft werden musste und Nullfänge in den ersten Tagen nicht die Ausnahme waren. Verlässlich war dagegen das Wetter. Wenn auch nicht auf die Minute genau, so gab es doch jeden Tag ein kräftiges Gewitter. Waren die Temperaturen bis zum Nachmittag so bei schwülen 28° Grad Celsius, so gab es im Laufe des Nachmittags immer ein kräftiges Gewitter und eine entsprechende Abkühlung. Da es an den meisten Plätzen aber ja nur um wenige Fische ging, wurde meist nur der Vormittagsdurchgang für ein intensives Training genutzt und am Nachmittag eher gebastelt oder bei den anderen Teams geschaut. Denn die saßen teilweise in Regionen, wo es Fische zu fangen gab und später sollte sich noch zeigen, dass es elementar wichtig sein würde, zu wissen, auf welchem einzelnen Platz mit welcher Methode der Kescher zu füllen sein würde.


Nachmittags wurde gebastelt oder geschaut, was in der Box des nächsten Tages gefangen wurde

Die Fische, meist Scardolas (ähnlich unserer Karausche) und vereinzelt auch Karpfen erwiesen sich auf der Strecke sehr standorttreu. Während auf dem eigenen Ufer kaum ein Fisch zu fangen war und auch der Kopfrutenbereich überwiegend keine Fische brachte, so kam es auf die Uferbeschaffenheit am gegenüberliegenden Ufer umso mehr an. Dort gab es Seerosenfelder, überhängende Bäume, überhängende Büsche, im Wasser liegende Bäume oder auch mal nichts. Ein Fall also für die Rollenrute, vorzugsweise Bologneserute. Hindernisse im Wasser waren gut, denn in den Hindernissen standen die Fische. So waren Plätze mit Seerosen eigentlich immer für kleine Fische gut und bestenfalls konnte man die Pose unter über den Fluss ragende Büsche treiben lassen. Dort standen dann auch die dickeren Fische, doch von diesen Plätzen gab es nicht viele. Eher war es so, dass überhängende Äste, Büsche oder auch im Wasser liegende Bäume am gegenüberliegenden Ufer direkt in der Mitte des Angelplatzes waren. Die Angelplätze waren zudem mit 10 Metern sehr eng gesteckt und nun galt es die Bolopose direkt vor dem Hindernis zu platzieren bzw. so dicht wie möglich an das Hindernis zu werfen, um dann noch einige Meter Trieb mitzunehmen. Nun zeigte sich wer Werfen kann und schnell waren die Büsche und Bäume am gegenüberliegenden Ufer geschmückt wie die Weihnachtsbäume.


Teilweise ragten die Bäume und Büsche sehr weit in den Fluss hinein

Wohl dem, der genügend Boloruten und Posen dabeihatte. Die deutsche Mannschaft hatte im Schnitt zwei bis drei Match- oder Boloruten dabei und das war definitiv zu wenig. Bestenfalls waren die Boloruten 6 bis 7 Meter lang, leicht und mit einer Spitzenaktion, denn es gab viele Fehlbisse der kleinen Fische und nach einem kurzen Anschlag ohne Fischkontakt, konnte man die Pose teilweise noch bis zum nächsten Biss laufen lassen. Nun waren Geschick und gute Kontakte gefragt und Marco Beck konnte mit beidem dienen. Normale Flussposen wurden zu Laufposen umgebaut und aus Frankreich war bekannt, dass zum Donnerstag Jean Desque und Gilles Caudin von der Firma Sensas in Bosnien eintreffen wurden. Nach einigen Gesprächen konnte somit das noch fehlende Material (Ruten, Posen, Schnur) organisiert werden, wofür der Firma Sensas hier noch mal ein großes Dankeschön gebührt.


Enorm wichtig, ein gut organisiertes Betreuerteam

Die ersten beiden Trainingstage liefen sehr ernüchternd.

Am schlechtesten wurde in der B Box gefangen. Hier blieben 70 % der Teilnehmer während des Trainings ohne Fisch und die deutsche Mannschaft hatte das Glück während der Trainingssession in einem Bereich zu sitzen, von dem man wusste, dass auf der anderen Seite Fische zu fangen waren. Dort war hinter einem breiten Seerosengürtel noch ein versumpftes Seerosenfeld und darin schienen einige Fische zu stehen. Die sowieso sehr standorttreuen Fische kamen dann nach der Anfangsfütterung für maximal 20 Minuten an die Seerosenkante und es konnten ein bis drei Fische pro Angler gefangen werden. Danach konnte man getrost einpacken oder noch die ab und zu vorbeischwimmenden 3 cm langen Blaubandbärblinge auf Sicht beangeln. Für die Waage nicht relevant waren die Bärblinge in einigen Bereichen extrem wichtig, um den Nullfang auszuschließen und so war während der Durchgänge ein kurzer Stock mit feinstem Geschirr für die Teilnehmer Pflicht. Wer also gerade im B Sektor nicht in den wenigen „fischreichen“ Bereichen saß, für den konnte der Tag ganz schön lang werden. Da an der Seerosenkante das Ufer sofort sehr steil auf 6 Meter abfiel, war es unbedingt notwendig so dicht wie möglich an die Seerosenkante zu werfen. Dabei erwiesen sich Laufposen als erfolgreicher, da sie aufgrund des kürzeren Abstands vom Blei bis zur Posen dichter an die Seerosen geworfen werden konnten. Wurde der Haken jedoch in die Seerosen geworfen, war die Scheuchwirkung beim Lösen entsprechend. Gleiches galt natürlich für das Futter, das ebenfalls präzise vor dem Seerosengürtel platziert werden musste. Hier waren neben anglerischen Geschick also auch gute Nerven gefragt.


Überhängende Bäume und Büsche waren beorzugte Standplätze der Fische

Eine beachtliche Ausdauerleistung bewies allerdings das belgische Team. Die von der Firma Milo ausgerüstete und damit gut an den roten T-Shirts erkennbare Mannschaft fischte stur und einheitlich mit der Kopfrute auf 13 Metern und fing pro Trainingstag zusammen 3 bis 5 Fische mit einem maximalen Gesamtgewicht von 80 Gramm. Das konnte nicht wirklich Spaß machen und man durfte gespannt sein, ob dort gepokert wurde oder möglicherweise keine Wurfruten im Gepäck waren


Auch die holländische Mannschaft um Jan van Schendel hatte ihre Probleme

Zum Ende der Trainingstage schienen sich die kleinen Fische verteilt zu haben und es waren auch mehr geworden, so dass zumindest auf den meisten Plätzen kleine Fische zu fangen waren. Die kroatische Mannschaft war mit den Gegebenheiten vor Ort bestens vertraut und zeigte, wie es geht. An leichten Boloruten mit Spitzenaktion wurde die 6 Gramm Pose punktgenau mit einem Unterhandwurf vor das gegenüberliegende Ufer gesetzt. Fast jeder Wurf brachte einen kleinen Fisch und der kontinuierliche Ablauf war sehenswert. Dieser Ablauf erinnerte an das Angeln mit der Telestippe, nur dass zwischendurch der Rollenbügel bedient und die Montage eingekurbelt wurde. Unterhandwurf – die Pose stellt sich – Biss – Anhieb – den Fisch mit der Hand gefangen – den Fisch gelöst –  mit dem Fisch in der Hand, den Rollenbügel geöffnet und direkt wieder mit dem Unterhandwurf ausgeworfen – den Fisch in den Kescher gesetzt – usw. Das war klasse und man konnte sehen, dass sich der Vorjahresweltmeister bestens vorbereitet hatte. An den wenigen guten Plätzen mit reichlich Holz im Wasser bekamen sie auch ab und zu einen Karpfen auf dasselbe Geschirr und landeten diese teilweise. Trotz der kleinen Fische fischten sie also mit kräftigen Haken und entsprechenden Schnüren, denn die eng gesteckten Plätze ließen keine Fluchten der größeren Fische zu.


Eng war es und zu 90 % kam die Rollenrute zum Einsatz

Einzig die Italiener, Engländer und Kroaten verstanden es, Karpfen überhaupt an den Haken zu bekommen und dazu noch in den Kescher. Bei der deutschen Mannschaft blieb es alleine Rene Schmidt vorbehalten dreimal mit den Karpfen auf Tuchfühlung zu gehen. Am vierten Trainingstagsaß er auf einem der augenscheinlich bekannten Plätze mit einem versunkenen Baum auf der anderen Uferseite. Die Pose etwas stromauf geworfen, konnte er den Köder direkt unter den Baum treiben lassen und der oder die Karpfen ließen sich nicht lange bitten. Bereits beim Aufbau buckelte immer wieder ein Fisch der 3 kg Klasse zwischen dem Geäst und die Bolorute war sofort nach dem Anhieb kreisrund. Der erste Karpfen ging noch am 16er Vorfach verloren zwei weitere schlitzten aus, nachdem sie bereits zwei Plätze stromab geschwommen waren und das Gerät nun auf ein 22er Vorfach erhöht wurde. Die Wildkarpfen waren bei geschlossener Bremse und bis in Handteil gebogener Rute nicht zu halten. Hier zahlte sich sicherlich die Erfahrung der Engländer und Italiener aus den Carpodromes aus, denn sie schafften es ab und zu einen der Karpfen im Sektor zu halten und zu keschern.


Darren Frost aus England verstnd es einige Karpfen zu fangen

Teilweise waren am letzten Trainingstag nun auch auf dem eigenen Ufer die kleinen Fische in großen Stückzahlen angekommen. Dabei zogen in dem sehr klaren Wasser nun große Schwärme von allerdings nur 2 bis 3 Gramm stromauf und stromab. Die Schwärme waren allerdings so groß wie auch selten, doch wer einen solchen Schwarm auf seinem Platz stellen konnte, dem war es möglich über hundert Fische in der Stunde zu fangen. Es zeigte sich jedoch, dass die kleinen Fische nur schwer zu halten waren, doch es war möglich 30 bis 40 Stück zu fangen, bevor der Schwarm gänzlich durchgezogen war.
Eine einheitliche Taktik konnte aufgrund der unterschiedlichen Plätze kaum ausgegeben werden und die 11köpfige deutsche Mannschaft reagierte bereits frühzeitig entsprechend.


Die deutsche Mannschaft des CdA Starlsund

Jeden Platz optimal zu beangeln würde entscheidend sein und die Betreuer traten in den Vordergrund. Einerseits wurde beschlossen, dass Ralf Herdlitschke trotz seiner überdurchschnittlichen anglerischen Fähigkeiten den Posten des Chefcoaches übernahm und die 5 Betreuer nun an den verbleibenden Trainingstagen feste Sektoren übernehmen würden. Mike Osterwald (A), Erik Jung (B), Rene Schmidt (C), Enrico Menzel (D) und Sven Brehe (E) notierten ab sofort auf welchem Platz in ihrem Sektor mit welcher Methode Fische gefangen werden konnten. Am Ende der Woche war dann von jedem Sektor ein Profil erstellt und nach der Verlosung konnte jeder Betreuer dem in seinem Sektor sitzenden Angler die nötigen Informationen zu dem entsprechenden Platz geben.
Denn in Sektor A konnten bis zum Platz 11 Scardolas und Karpfen gefangen werden und in Sektor B waren nur auf den Plätzen 14 bis 21 Fische über 10 Gramm zu erwarten. Sektor B und C wurden durch eine Behelfsbrücke getrennt, über die jeden Tag alle Auto fuhren. Stromab (B) gab es keine Fische, stromauf (C) wimmelt es von kleinen Fischen, so dass die kleinen Nummern in C auf jeden Fall gut waren und auf den Plätzen 1 bis 5 zudem noch jeden Tag Karpfen gefangen wurden. In Sektor D war im einstelligen Platzbereich überwiegend nur Kleinfisch zu fangen, danach kamen einige gute Plätze mit überhängenden Bäumen und Buschwerk, wo 5 bis 6 kg an Scardolas gefangen werden konnten.


Die italienische Mannschaft, das Team Ravanelli Trabucco

Der Sektor E war dann der einzige Sektor, wo auf einigen Plätzen zwischen 15 und 22 mit der Kopfrute Döbel und Meeräschen gefangen werden konnten. Auf der ganzen Strecke gab es in jedem Sektor zudem einige sehr markante Plätze mit Rückströmungen, Seerosenlücken (in die man werfen und so sehr dicht an der Seerosenkantelangtreiben lassen konnte) oder aber auch sehr hängerträchtige Plätze, die als solche nicht zu erkennen waren, bei den Betreuern aber auf der Liste standen. Trotzdem gab es natürlich eine große Unsicherheit, denn es gab einfach zu viele schlechte Plätze, Regionen, in denen währen der ganzen Trainingswoche kaum ein Fisch gefangen wurde, Bäume die ein Drittel über den Fluss ragten und ein Anwerfen des gegenüberliegenden Ufers kaum zuließen. Dazu fing das deutsche Team zu wenig größere Fische und keinen Karpfen und so wurde am Ende der Woche die Taktik festgelegt. Marco Beck, Lutz Schenke, Henric Plaß, Andreas Dalcke und Peter Schührer sollten an den Angeln sitzen und dem Platz entsprechend agieren. Hauptaugenmerk wurde auf die Kleinfische und eine große Stückzahl gelegt, sofern ein platz gelost würde, der gemäß den Aufzeichnungen auch größere Fische brächte, würden Chefcoach und Betreuer entsprechend eingreifen. Dazu wurde dann auch eine „böse“ Bolorute mit 25er Hauptschnur und 22er Vorfach montiert. Sollte einer der Angler auf einem der bekannten Karpfenplätze sitzen, so würde er die Rute bekommen.


Das deutsche Team bei der Eröffnungsfeier

Nach der Eröffnungsfeier folgte die Verlosung der Plätze und insbesondere am ersten Tag meinte es das Losglück gut mit der deutschen Mannschaft. Am Ende gestalteten sich die Ergebnisse dann wie folgt.

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