Die EM 2007 in Italien Teil 2

  • von ct Redaktion
  • 29. Juni 2007 um 12:25
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Teil 2


Der Franzose Eric Lubin

Es ging also darum, die vielen Bisse auch häufig zu verwandeln und dafür wurde ein Futterplatz in einer Flucht zum Angler 0,5 bis 1 Meter vor der Pose angelegt. Hier wurde mit dem Pole Cup Futter mit Mais und wahlweise Mückenlarven sowie geklebte Maden gecuppt. Auf die Pose wurden dann einmal pro Minute 3 bis 4 Maiskörner geworfen und dreimal pro Minute lose Maden (15 bis 20 Stück) ca. 1,5 bis 2 Meter vor die Pose. Die losen Maden sollten die kleinen Fische sammeln und ablenken, der Tisch für die größeren Exemplare war etwas weiter draußen gedeckt. Doch auch hier durfte nicht auf dem Futter geangelt werden, sondern bei leichter Strömung nach links eher einen Meter rechts neben dem Futter. Die Karauschen sind ständig in Bewegung, so dass es hier trotzdem genügend Bisse gab, die auch verwandelt werden konnten, zudem waren die Stückgewichte etwas höher.
Steve Gardner zeigte dies im D Sektor am ersten Tag in Perfektion. 17 Bälle mit Mückelarven und Mais und zusätzlich 3 Bälle mit geklebten Maden cuppte er auf  7 Meter und fing sofort Fisch auf Fisch. Dabei schmiss er ständig lose Maden und wechselte später auf das Katapult, als der Wind stärker wurde. Als er nach ca. 45 Minuten einen Karpfen hakte, steckte er die restlichen Teile seiner Kopfrute nach, um der Flucht des Karpfen zu folgen und schoss während der Verlängerung weiter Maden. Diese Feinheiten zeichneten die Spitzenangler aus, während das große Feld der Angler sicherlich mit Drill und Landung des Karpfens genügend beschäftigt gewesen wäre. 205 Fische standen am Ende auf seiner Tafel und er gewann mit 9490 Gramm den Sektor.


Der Engländer Steve Gardner

Etwas anders sah es beim Italiener Stefano Premoli aus, der „nur“ 166 Fische und 9100 Gramm fing und damit zweiter wurde. Premoli fütterte abwechselnd lose Maden auf die kürzere Spur und ein Bällchen geklebte Maden einen halben Meter vor die Pose. Zudem angelten die Italiener, wie wir nach der Veranstaltung erfahren konnten mit größeren Haken (eiförmig, Gr. 12) und einer, wohl speziell in Italien erhältlichen größeren Made (Gossa). Dies hatte zur Folge, dass die Karauschen und Karpfen der 20 Gramm Klasse den Köder gar nicht erst ins Maul bekamen. Der international erfahrene Josef Konopasek aus der Tschechischen Republik brachte gar nur 140 Fische zur Waage, allerdings war auch ein Karpfen der 2 Kilogramm Marke darunter und Thomas Pruchnowski fing mit 154 Fischen ebenfalls eine ordentliche Stückzahl, doch die Fische waren etwas zu klein und mit 7420 Gramm belegte er den 8. Platz. Stark angelte in diesem Sektor noch der Holländer Christian Surquin, der direkt neben Steve Gardner saß und den englischen Betreuerstab schon etwas in Unruhe versetzte, als er den Takt erhöhte und teilweise ein schnelleres Tempo als Steve Gardner vorlegte. 184 Fische waren es am Ende und auch hier fehlte der eine oder andere bessere Fisch, so dass es am Ende aber ein guter 4. Platz wurde.  Ähnlich verhielt es sich bei Günter Horler, der ebenfalls eine gute Stückzahl mit 179 Fischen hinlegte und damit 9ter wurde. Im C Sektor verlor Lutz Weissig erst 2 gute Karpfen und dann leider auch den Faden. Erst nach einiger Zeit kam er mit Hilfe der Betreuer wieder in die Spur und es dauerte einige Zeit bis der Futterplatz wieder aufgebaut war.


Da war er noch dran ...

Bei Ralf Herdlitschke verhielt es sich ähnlich wie bei Thomas und Günter. Fischzahl o.k., kein Karpfen dabei und die Fische im Schnitt 10 Gramm zu leicht, so dass es am Ende ein 9ter Platz war. Mit im Sektor der Europameister vom Vorjahr Guido Nullens, der am Ende nur 17ter wurde.


Guido Nullens aus Belgien

Die Ergebnisse waren damit soweit, wie vom deutschen Team erwartet, doch es gab eine Enttäuschung, die so eigentlich nicht zu erwarten war. Marco Beck, der in punkto Technik und Schnelligkeit auf jeden Fall mit den Top-Nationen mithalten kann, versemmelte leider den ersten Durchgang. Für uns völlig unverständlich, schien es doch im Training noch so, dass Marco mit seiner Technik und Schnelligkeit für ein gutes Ergebnis stehen würde. Zu kleine Fische und einige Beißpausen verhagelten aber das Ergebnis gründlich. Die folgende Auswechslung war die Konsequenz.


Marco Beck im Training

Am zweiten Tag war das Beißverhalten etwas zögerlicher und es wurden anfangs überwiegend kleine Fische bis 50 Gramm gefangen. Ralf Herdlitschke pokerte die letzten 20 Minuten noch auf einen Karpfen und hatte am Ende trotzdem 200 Fische stehen. Will Raison fischte an diesem Tag in seinem Sektor mit 260 Fischen die höchste Stückzahl der Veranstaltung, eine Wahnsinnsleistung.


Der Engländer Will Raison

Die deutsche Mannschaft hatte an diesem Tag kein glückliches Händchen mit den Karpfen. Lutz Weissig verlor erneut einen besseren und hätte wohlmöglich seinen Sektor gewonnen, doch ein 4ter Platz war auch aller Ehren wert. Thomas Pruchnowski verlor gar 3 Karpfen und auch Günter Horler und Henric Plaß haderten mit ihren ausgeschlitzten Fischen, die sie vielleicht noch in die Einstelligkeit gebracht hätten. Natürlich verloren alle ihre Fische, so dass am Ende der 11. Platz die Selbsteinschätzung und das anglerische Potential unserer Mannschaft bei dieser Veranstaltung widerspiegelte. Mit Glück, „wenn“ und „hätte“ wäre sicherlich auch ein einstelliges Ergebnis möglich gewesen, der Weg auf die vorderen Plätze war aber diesmal nicht möglich.
Nationen wie Ungarn oder auch Serbien, die bei der Club WM stark auftrumpften und auch technisch versierte Angelei zeigten, kamen hier an ihre Grenzen. Mit Italien, England, Frankreich, aber auch Polen und Belgien, setzen sich Mannschaften durch, die diese Form der Angelei am perfektesten beherrschten und spiegelten auch das Ergebnis wieder, was im Vorfeld von den Experten erwartet wurde.


Der spätere Vize-Europameister Jacopo Falsini mit einem weiteren guten Fisch

Die deutsche Mannschaft teilte die Woche über die Unterkunft mit der holländischen Mannschaft und es gab einen freundschaftlichen Austausch, der in Zukunft hoffentlich etwas intensiviert wird. Ebenfalls mit der polnischen Mannschaft und der Mannschaft der Tschechischen Republik haben wir weiterhin Kontakt geknüpft und werden auch außerhalb der Welt- und Europameisterschaft einige internationale Vergleiche angeln können.
Während des ersten Durchgangs trafen wir auch Randolf Grebenstein mit Frau und Ivo Vince an der Strecke, der unweit Urlaub machte. Ivo hat dann spontan einige tolle Fotos für uns geschossen, vielen Dank dafür.
Die deutsche Mannschaft möchte sich auch bei den Sponsoren Sensas, Rive und Mosella bedanken. Ohne die Unterstützung der Sponsoren wäre es nicht möglich mit einem 10köpfigen Aufgebot zu einer 10tägigen Veranstaltung zu fahren. Herzlichen Dank auch an Glaucko Tubertini von der Firma Tubertini, der uns vor Ort mit einigem fehlendem Zubehör ausrüstete.

Herzlichen Glückwunsch an die erfolgreichen Teams aus Italien, England und Frankreich.



Zum 1. Teil

Montagenzeichnung: Jan Käbler
Fotos: Stefan Posselt, Ivo Vince, Henric Plaß
Text: Stefan Posselt, Henric Plaß


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