Europameisterschaft 2008

  • von Steffen Quinger
  • 04. Juli 2008 um 17:21
  • 0
29.06.2008, Deutschland hat einen Europameister!!!

Gut, nicht Europameister im Fußball und für das Team hat es am Ende „nur“ für Platz 7 gereicht, aber die deutsche Nationalhymne erklang laut und deutlich und eine deutsche Fahne schwebte am Ende der Veranstaltung an der Spitze vor allen anderen nach oben!

Wann gab es das in den letzten Jahren schon zu einer WM oder EM?
(Das erfolgreiche deutsche Damenteam möge die einseitige Herrensichtweise verzeihen!)

Aber zum Anfang.
Die Morava ist ein relativ träge fließender und leicht schmutziger Fluss in der Tschechei, der durchaus Ähnlichkeit hat mit unserer Vereinigten Mulde oder Saale vor 10 Jahren. Und wie in solchen „schmutzigen“ Flüssen üblich, ist dieser Fluß voller Fisch, in diesem Fall  Brassen, Welse, Barben, Güstern, Nasen und Ukelei.
Hier sollte nun die Europameisterschaft 2008 ausgerichtet werden. Das deutsche Team um den Trainer Peter König mit Ralf Herdlitschke, Lutz Weißig, Harald Windel, Stefan Posselt, Günter Horler und Andreas Dalke reiste wie üblich bereits eine Woche vorher an, um die für das Gewässer beste Taktik und Technik herauszufinden.
Ergänzt wurde das Team um den Delegationsleiter Steffen Quinger und das Helferteam mit Lutz Schenke, Oli Flam, David Krause und Steffi Bloch.


Team Germany

Schnell wurde klar, dass nur mit großen Fischen richtig Punkte zu machen waren und diese waren zwar fast immer da, aber nur schwer zum Anbeißen zu verführen und noch schwerer am Platz zu halten.
Die Lösung die gefunden wurde, war das regelmäßige cuppen mit schwerer Flusserde, die immer angepasst an die jeweilige Situation eine entsprechende Lebendködermenge enthielt.
Trumpf waren dabei geschnittene Würmer, aber auch eine Mischung aus großen und kleinen Mückenlarven. Durch diese konnten gezielt größere Fische auf den Angelplatz gezogen werden.


Andreas Dalcke mit einem schönen Trainingsbrassen

Die dafür benötigten Montagen bestanden schwerpunktmäßig fast ausschließlich aus „Lollys“ von 1,5 -!!  4 Gramm. Diese Montagen, mit komplett aufgelegten Vorfach (teilweise auch länger aufgelegt mit 2 – 3 kleineren Bleischroten), brachten die notwendige Ruhe ,um Barben, Brassen aber auch Welse bis zu 3 Kilo zum Anbiss zu verführen.
Tests im Training ergaben, das „Ukeln“ auf den Kleinfisch über 3 Stunden max. 3 – 4 Kilo bringen könnte, einfach zu wenig um vorn mitzumischen, auch die Bolorute überzeugte niemanden so richtig, zu wenig Bisse, Trumpf blieb für alle die 13m Rute.
Mit dem Futter war man sich schnell klar, das kostenfrei von der Firma MOSELLA zur Verfügung gestellte Futterkontingent brachte mit dem Klassiker „Explosiv“ genau die richtige Mischung für den tschechischen Fisch. Ergänzt mit Maiskuchen und einigen „geheimen“ Zutaten war man sich hier schnell einig, das haut hin!!


Nur noch wenige Stunden Einzeleuropameister: Umberto Ballabeni aus Italien

Während früher häufig versucht wurde, erfolgreiche Nationen zu kopieren, hielt man sich diesmal im Beobachten der andern Teams zurück, was letztendlich viel Ruhe und Sicherheit ins Team brachte. Auch passte die Chemie zwischen den Leuten ideal und die Stimmung war über die ganze Woche gut.
Problematisch war nur kurzfristig das Wetter. Bedingt durch starke Regenfälle im Umland stieg der Fluss und zwang so im offiziellen Training am Freitag die Teams zu Montagen bis zu 12 Gramm und alle fragten sich, was am nächsten Tag zu erwarten war? Gerüchte kursierten von einer Hochwasserwelle bis zu einem halben Meter und entsprechender Zunahme der Strömung!


Leichte Lutscher und eiförmige Posen waren erste Wahl

Also wurde abends noch fix das Notfallpaket mit schweren Montagen geschnürt, denn sicher ist sicher!
Abends die abschließende Teambesprechung mit der Marschrichtung die Brassen zu fangen, Kleinfischfang mit der Speedrute nur im äußersten Notfall, Bolorute mitfüttern aber gleichfalls nur im Notfall versuchen. Wichtig, regelmäßig cuppen und auf das Beißverhalten bei Bedarf mit veränderten Futterrhythmen reagieren. Jedem Angler wurde ein „Coach“ zugeordnet, der den jeweiligen Sektor beobachtete und über Funk mit allen andern in Verbindung stand. Dem Angler im Sektor wurden relevante Informationen kurzfristig durchgeben.
Die nach CIPS erlaubten 2,5 Liter Lebendköder sollten mit jeweils 1 L Mückenlarven, 1 L Würmer, ¼ L Caster und mit ¼ L rote Maden ausgereizt werden.
So gerüstet sah man den alles entscheidenden Losschlüssel am Samstag früh gefasst entgegen.


Startschuss zum ersten Durchgang

1. Durchgang 

Trotz Gerüchten und der halboffiziellen Ankündigung blieb die erwartete Hochwasserwelle aus, im Gegenteil das Wasser sank sogar während des Wettkampfes um ca. 20 cm.
Schnell war klar, dass Peter König im Lostopf ein gutes Händchen hatte und dem deutschen Team mit A 19, B 5, C 2, D 7 und E 15 relativ gute Plätze in der sehr auseinander gezogenen Strecke aus dem Topf gezogen hatte.

Sektor A / Ralf Herdlitschke

Hier saß mit Ralf Herdlitschke sicherlich auf dem Platz 19 der deutsche Angler, der an diesem Fluss im Training am besten klar kam. Trotz anfänglichen Startproblemen setzten aber alle im Team auf die bewusste letzte Stunde bei Ralf, die erfahrungsgemäß ihm die großen Brassen an den Haken brachten.
Lag Ralf noch nach ca. 2 Stunden im Mittelfeld, konnte er im Endeffekt in der letzten Stunde viel Boden wett machen und dem neben ihm angelnden Ungarn Magyar Szilard klarmachen, dass sauberes Ukeln nicht alles ist. 
Es siegte überlegen der Russe Siptsov Yury auf dem Platz 10 mit über 11 kg vor dem Mitglied der tschechischen Angeldynastie Josef  Konopasek mit 6.670 Gramm.
Ralf konnte hier mit seinen 6.200 Gramm einen hervorragenden 3. Platz belegen.


Ralf Herdlitschke beim Keschern eines weiteren Brassen

Sektor B / Lutz Weissig

Lutz zeigte eine sehr gute Leistung
Mit dem Platz 5 im Sektor war Lutz Weißig nicht unzufrieden, schwer wurde es aber durch den auf B2 sitzenden Ungarn Nagy Atilla und auf B3 sitzende Clubweltmeister Dieter Friedrichs aus Holland.
Mit einem Steve Gardner auf der 9 und der lebenden Legende Jean Desque auf der 21 sicher nicht der leichteste Sektor der Veranstaltung.
Hier war der Start für viele im Sektor so schlecht, das z.B. der Finne Rintamaa Pekka und der Litauer Miskinis Henrikas, aber auch ein Jean Desque 3 Stunden lang ihr Glück nur auf Ukelei versuchten. Mit über 300 Fischen und knapp über 2,7 Kilo langte das aber gerade mal für Platz 16, 17 und 18. Lutz ließ sich nicht beirren und setzte die vereinbarte Taktik sauber um, Anfangfütterung geworfen und das regelmäßige Cuppen mit genau dosierten Ködermengen brachten ihm die großen Fische an den Haken, denen andere im Sektor vergeblich nachstellten.
Der Ungar auf B2 setze auf große Madenbälle und geworfene Futterbälle, die ihn zwar etliche kleinen Welse an den Haken brachten aber nicht das erforderliche Endgewicht um gegen Lutz mithalten zu können.


Daumen hoch! Das war stark gefischt von Lutz Weissig

Die Gegenwehr aus Holland (6.120 Gramm) und Ungarn (4.670 Gramm)  sah teilweise recht ordentlich aus brachte aber am Ende nicht das erhoffte Endgewicht.
Bis zum Wiegen auf Platz 21 sah Lutz wie der sichere Sieger mit seinen 6.650 Gramm aus, aber die oberen Außenplätze in B zeigten klar ihren Vorteil mit 7.870 Gramm, 18.640 Gramm und 13.190 Gramm. Ein sehr guter Platz 4 für Lutz.

Sektor C / Günter Horler
 
22 Kg Brassen !!! Im Sektor C auf C 2 setzte Günter von Anfang an die Maßstäbe, hier gibt es nicht viel zu schreiben. Sauberes Einsetzen der Montage, regelmäßiges konzentriertes Cuppen und der variantenreiche Einsatz der „Lolly“-Montagen brachten  ihm rund 22 Kilo, vorzugsweise Brassen. Nur der Lette Peteris Lideris kam auf dem Platz 23 mit 10 kg nur "annähernd" in Günters Gewichtsregion. Klarer Sieg für Günter.


Das erste volle Netz von Günter Horler auf dem Weg zum Titel

Sektor D / Harald Windel

Mit Alan Scotthorne, Guido Nullens, Umberto Ballabeni wieder ein Topsektor!!
Harald Windel kam auf seiner 14 gut klar und fing auf die abgestimmte Art und Weise über 12,5 kg Grundfisch, ausreichend um einen Guido Nullens abzuhängen, aber nicht genug um einen Alan Scotthorne oder Umberto Ballabeni abzuhängen.
Der Sektor D sicher einer der durchwachsensten Sektoren, hier kam eindeutig auch mehr Fisch von der Mitte, die Außenplätze konnten hier im Gegensatz zu den Sektoren A, B und C deutlich weniger punkten. Leider musste Harald in den letzten Sekunden des Wettkampfes einen großen Brassen, zeitlich bedingt so stark drillen das er ihn verlor. Hier wäre eine Verbesserung bis auf Platz 2 möglich gewesen. Platz 6 nach dem Wiegen für Harald.


Ein 6. Platz durch Harald Windel im ersten Durchgang war super

Sektor E / Stefan Posselt

Stefan Posselt auf der E 8 saß mit Jacopo Falsini, Eddy van der Hogen und Will Raison in guter Gesellschaft, die Platzziffer 15 für Will Raison und die 13 für Jacopo Falsini zeigen den Wert von Stefans Platzziffer 14.
Auch hier kamen die hohen Gewichte von den äußeren Plätzen, so dass eine Gegenwehr aus der Mitte heraus nur schwer möglich war.


Stefan Posselt mit einer schönen Güster

Fazit nach dem 1. Tag

Überraschend belegte das junge russische Team nach dem ersten Tag mit der Platzziffer 22 den ersten Platz, die Serben folgten mit einer 26 und bestätigt durch die guten Trainingsresultate konnte sich das Deutsche Team mit der Platzziffer 28 gut vor den auf Platz 4 stehenden Polen (PZ 40) absetzen.
Relativ überraschend abgeschlagen standen Frankreich, Italien und Ungarn.
Abends dann Teambesprechung, was ändern, wie mit dieser Situation umgehen?
Einstimmig wurde festgelegt die Taktik nicht zu ändern,  nur die Angler für Sektor D und E sollten einen höheren Anteil an großen Mücken erhalten um hier besser auf den starken Fischbestand an großen Fischen reagieren zu können.


Nach dem 1. Durchgang ging es in die Analyse

Zum 2. Teil

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