Weltmeisterschaft 2008 in Italien Teil 1

  • von ct Redaktion
  • 12. September 2008 um 15:40
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Lange Gummizüge, große Fische und direkte Duelle, die es in sich hatten, das war die 55. Weltmeisterschaft am 6. und 7. September am Navigabile Kanal in Spinedasco.


Lange Gummizüge und spannende Drills gab es bei der 55. Weltmeisterschaft

37 Nationen waren nach Italien gekommen, so dass sich die WM-Strecke über mehr als 3 Kilometer hinzog. Bei wenigen Schattenplätzen und Temperaturen über 30° Celsius war es für die teilnehmenden Angler eine schweißtreibende und kräftezehrende Woche für die sie jedoch am Ende mit einer tollen Organisation und tausender enthusiastischer Zuschauer belohnt wurden. Gefangene Fische wurden beklatscht, Fische über einem Kilogramm euphorisch gefeiert und am Ende der Durchgänge artig applaudiert und die Hochachtung vor der sportlichen Leistung demonstriert. Ein Ausmaß an Enthusiasmus, den die meisten der Teilnehmer so sicherlich noch nicht erlebt hatten.


Viele Zuschauer säumten die Strecke und applaudierten den Aktiven

Im Vorfeld der Weltmeisterschaft wurde von insgesamt sehr wenigen Fischen auf der Strecke berichtet. Kleine Kaulbarsche, einige Ukeleis, wenige, aber dafür sehr große Brassen und dazu einige Karauschen in allen Größen.
Champions-team Trainer Peter König entschied sich daher im Vorfeld statt wie üblich sechs, sieben Angler zu nominieren und während des Trainings zu schauen, wer mit den dortigen Verhältnissen am besten zurecht kommen würden. Zudem laborierte Burkhard Heil noch an den Folgen eines Muskelrisses im Oberarm und es war nicht klar, inwieweit er ungehindert fischen konnte. Marco Beck, Ralf Herdlitschke, Thomas Pruchnowski, Stefan Posselt, René Bredereck, Peter Schührer und Burkhard Heil sollten es also für das deutsche Team richten und an die erfolgreiche Europameisterschaft anknüpfen. War es in den Vorjahren so, dass die fünf angelnden Teilnehmer und der Ersatzmann bereits vorher feststanden, um keinen Konkurrenzdruck zu schüren und die Zusammenarbeit zu fördern, so sollte sich die Mannschaft am Navigabile Kanal im Training finden.


Die deutsche Mannschaft bei der Eröffnungsfeier in Cremona

Doch entgegen aller Erwartungen begann die Trainingswoche anders als vermutet und die deutsche Mannschaft startete am Montag mit zwei Gewichten um die 9 Kilogramm. Ob nun wie im Vorfeld nicht unüblich noch Fische besetzt wurden oder durch Veranstaltungen in den Vormonaten mehr Fische auf die Strecke gezogen waren wurde nicht ganz klar, aber unzufrieden machte die neue Situation natürlich auch keinen. Brassen bis 2 Kilogramm, Karauschen bis 1,5 Kilogramm und Karpfen bis 4 Kilogramm stellten nun die Hauptfische dar und nur die zahlreich vorhandenen Minikaulbarsche entsprachen noch den Vorabinformationen. Selten aber fangbar waren zudem Rapfen bis 3 Kilogramm und Welse in allen Größen und diese beiden Fischarten sollten später noch entscheidende Rollen spielen.


Schöne Rapfen waren ein gewichtiger Beifang

Der Kanal war bei einer Wassertiefe von ca. 3 Metern schnurgerade und optisch ausgeglichen, doch unter Wasser sah es wohl etwas anders aus. Bei 35 Metern Breite fiel das betonierte Ufer in einem 45° Grad Winkel gleichmäßig ab und eigentlich auch nicht anders möglich durften nur die vorderen Füße der Sitzkiepe oder Plattform auf der Schräge stehen, die sich unter Wasser bis auf eine Entfernung von ca. 4 Metern fortsetzte und dann im schwächer werdenden Winkel in die Kanalsohle überging.

     
        Auf der einen Seite der Brücke Sonne pur...                   ...Schattenplätze in Sektor B und C

Im B und C Sektor gab es allerdings längere und sehr hohe Baumreihen, so dass die Plätze bis zur 13 Meter Kopfrutenbahn im Schatten lagen und sich hier teilweise die großen Brassen wohler fühlten. Mitten im B Sektor gab es am gegenüberliegenden Ufer zudem ein Stahlwerk, dass zwar die ganze Woche für einigen Lärm sorgte, doch gerade im Bereich des Stahlwerks waren überdurchschnittlich gute Fänge möglich.


Peter Schührer mit einer schönen Trainingskarausche

Im D Sektor war es auf den hohen Nummern schlammiger und auch hier war die Brasse der Hauptfisch, Karauschen und Karpfen eher selten.
Karauschen und Karpfen hießen Futter, Maden und Mais, für Brassen waren auch in Italien Mückenlarven in Erde erste Wahl und wären nicht auch die Kaulbarsche ganz verrückt nach den kleinen roten Larven, so hätte es ein entspanntes Angeln werden können, doch das wäre vielleicht auch zu einfach gewesen.
Nach einigen Eindrücken von der Strecke und den Erfahrungen der ersten beiden Trainingstage fand die deutsche Mannschaft bereits ein System, dass sich auch bis zum Schluss als erfolgreich herausstellen sollte und nun in der Feinabstimmung noch optimiert werden musste. Futtertaktisch musste in erster Linie auf die gewichtigen Karpfen und Karauschen gesetzt werden, die Brassen durften aber auch nicht ganz außer Acht gelassen werden, denn immer wieder mischten sich neben kleineren Brassen auch Exemplare über 1 Kilogramm unter die gefangenen Fische. Im Groben sah es dann so aus, dass auf 12,50 Meter Futterbälle mit Maden geworfen und dazu noch einige Kugeln mit Erde und Mückenlarven auf die gleiche Bahn gecuppt wurden. Auf die 13 Meter Bahn wurden dann geklebte Maden gecuppt. Zusätzlich wurden auf die Schräge in 3 bis 4 Meter Entfernung sehr loses Futter und lose Maden geworfen.

     
                  Leichte Terre de Somme...                                ... und schwere, klebende Terre de Rieviere

In der Feinabstimmung hieß es dann zu schauen, in welchem Bereich der Strecke wie viel Futter und Erde und welche Anzahl an  Ködern optimal für die Anfangsfütterung wären. Danach galt es herauszufinden, in welchem Rhythmus und mit welchen Ködern nachgefüttert werden musste, um regelmäßig Bisse zu bekommen und dabei noch die großen Exemplare zu selektieren.
Eine typische Anfangsfütterung bestand dann 8 bis 10 geworfenen, apfelsinengroßen Futterbällen mit einem achtel Liter Maden, wobei beim Futter auf pures, leicht abgedunkeltes Turbo hell von van den Eynde mit einigen eingeweichten Maisflocken gesetzt wurde. Dazu wurde vier bis fünf kleine Kugeln mit einem 50/50 Mix aus Terre de Riviere und Terre de Somme, der sehr stark mit grauem Lehm abgebunden wurde inklusive 100 Gramm Mückenlarven mit dem Polecup gefüttert. Dazu noch 3 bis 4 Kugeln aus geklebten Maden mit etwas Kies auf die 13 Meter Bahn und fertig war die Anfangsfütterung auf der langen Kopfrute.


Ein bisschen gröberes, abgedunkeltes Futter war bei den meisten Teams im Einsatz

Futter in der Nachfütterung erwies sich schnell als nachteilig, Madenschießen mit der Madenschleuder und gecuppte Madenbälle waren dagegen gut. Hier galt es den Rhythmus zu finden und auch den Brassen musste immer mal wieder eine Kugel mit Erde und Mückenlarven nachgeschoben werden. Die Fische reagierten zudem auf das Geräusch des Nachfütterns und so wurde teilweise loser Kies mit der Madenschleuder geschossen, um die Aufmerksamkeit der Fische wieder auf das Fressen zu richten. Regelmäßig, das hieß ca. alle fünf Minuten nachzufüttern war notwendig, doch es durfte nicht zu viel sein. 10 bis 15 Maden mit der Schleuder oder ein maximal wallnußgroßer Madenball waren dabei mehr als ausreichend. Dabei wurden die Maden nur leicht geklebt bzw. nur vorsichtig gedrückt, so dass sich die Kugel bereits im Mittelwasser teilte.


Mit der optimalen Strategie gab es ein Netz voll dicker Fische

Auf die Schräge wurde 2 bis 2 Hände loses Futter, eine Hand lose Maisflocken und ca. 100 Maden geworfen, die dann teilweise auf der Schräge liegenblieben oder bis zum Übergang in das Kanalbett trudelten. Die Nachfütterung erfolgte mit losen Maden und vielleicht auch mal 4 bis 5 Maiskörnern und so viel Geräusch wie möglich. Die Maden also mit Schwung auf die Wasseroperfläche so dass es regelrecht prasselte und auch die Maiskörner machten ein schönes „Plopp“. Alle paar Minuten konnte hier nachgefüttert werden, so dass immer einige Maden die Schräge herunterrollten.Erstaunlicherweise bissen gerade auf der Schräge die größten Fische. Brassen bis 2 Kilogramm und größere Karpfen waren dort keine Seltenheit und war ein Fisch gehakt, so musste das 4- oder 5-teilige Kit sofort aufgesteckt werden, denn nur mit dem Top-Set waren die Fische nicht zu kontrollieren und gingen verloren. Während auch auf 13 Meter die Brassen und Karauschen noch gut zu kontrollieren waren, gab es bei den Karpfen doch viele Verluste durch das Ausschlitzen der Fische oder das Aufbiegen des Hakens.


Fast schon gekeschert, konnte auch dieser Karpfen konnte noch entkommen

Die Schnüre waren schnell mit entsprechenden Durchmessern von 0,14mm bis 0,16mm montiert, doch die Haken durften nicht zu groß sein, sonst verminderte sich die Anzahl der Bisse drastisch. Und bei den täglichen 30° Celsius galt es reaktionsschnell zu sein, denn die Pose dippte nur kurz unter die Oberfläche und das war es dann auch meist schon. Die Fische saugten den Köder nur kurz ein, um ihn danach sofort wieder auszuspucken und dementsprechend schnell musste der Anschlag erfolgen. Saubere Bisse kamen dagegen eher von kleinen Fischen, doch die brachten keinen so richtig nach vorne. Gingen Anfang der Woche noch Posen von 0,5 bis 1,5 Gramm und Haken um die Größe 16 gut, so war es am Donnerstag der Trainingswoche schon schwieriger und am Freitag dann letztendlich Posen von 0,30 Gramm und 20er bis 22er Haken mit einer Made erfolgreich, doch die Fische hatten noch immer dieselbe Kraft. Am Freitag hatte die deutsche Mannschaft noch einmal das englische Nationalteam in der Nachbarbox neben sich und beide Teams mühten sich redlich.


Des Shipp beim Drill eines weiteren guten Fisches

Während man allerdings bei den letzten Welt- oder auch Europameisterschaften das Gefühl hatte, dass die englische Mannschaft bis zum Schluss ernsthaft trainiert und die Dinge ausprobiert, die nachher Erfolg versprechen würden, war es diesmal so, dass die kurze Spur die letzten Tage nicht mehr befüttert und beangelt wurde. Entweder waren sie sich bezüglich der möglichen Fänge im Uferbereich sehr sicher oder die kurze Bahn spielte in ihren Überlegungen keine Rolle mehr, man durfte gespannt sein. Beim englischen Team kamen die Woche über vor allem Will Raison und Des Shipp mit den Verhältnissen am besten zurecht, im deutschen Team hatte Ralf Herdlitschke die Woche den besten Eindruck hinterlassen und Teamchef Peter König hatte noch die undankbare Aufgabe vor sich einen Angler als Reservisten zu benennen und einem Angler mitzuteilen, dass er nicht zum Einsatz kommen würde.


Stefan Posselt mit einem kleineren Trainingskarpfen

Am Ende traf es Stefan Posselt, dem die Reservistenrolle zukam und der somit auf einen Einsatz im 2. Durchgang hoffen durfte und Burkhard Heil, der bei seinem ersten internationalen Einsatz erwartungsgemäß maximal als Reservist zum Zuge kommen würde, dem aufgrund der 7 aktiven aktiven Angler aber an beiden Tagen nur die Rolle eines Betreuers zukam.
Insgesamt wurde jedoch trotz der Konkurrenzsituation im Team sehr konstruktiv zusammengearbeitet, so dass es hoch motiviert in die Durchgänge ging.
Die italienische Mannschaft kam am heimatlichen Gewässer erwartungsgemäß gut zurecht und auch die Belgier und Ungarn fingen durchweg ihre Fische. Bei 37 Nationen und somit 550 Meter langen Sektoren sollte es aber auch hilfreich sein, innerhalb des Sektors in den Bereichen zu sitzen, in denen schon die ganze Woche besser gefangen wurden, denn die Fische waren ziemlich standorttreu.

Teil 2 folgt in Kürze

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