Weltmeisterschaft in Italien, Durchgang 1

  • von ct Redaktion
  • 10. Oktober 2008 um 17:09
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Drei, zwei, eins und los fliegt die Rakete, die 2 Sekunden später hoch über dem Navigabile Kanal in Spinedasco das Signal zur Startfütterung gibt.


Nur noch wenige Sekunden bis zur Startfütterung

Die deutsche Mannschaft ging mit Peter Schührer auf A 13, René Bredereck auf B 21, Ralf Herdlitschke auf C 28, Marco Beck auf D 36 und Thomas Pruchnowski auf der E 6 in den jeweils 37 Teilnehmer starken Sektoren ins Rennen. Die im Training entwickelte Futterstrategie wurde nur auf der kurzen Bahn noch etwas modifiziert, so dass am Anfang wie gehabt 8 bis 10 apfelsinengroße Futterballen aus purem Futter mit einigen zusätzlichen Maisflocken und einem achtel Liter toter Maden auf 12,50 Meter geworfen wurden. Dazu wurden vier bis fünf kleine Kugeln mit einem 50/50 Mix aus Terre de Riviere und Terre de Somme, die sehr stark mit grauem Lehm abgebunden wurden inklusive 100 Gramm Mückenlarven mit dem Polecup gefüttert. Dann noch 3 bis 4 Kugeln aus geklebten Maden mit etwas Kies auf die 13 Meter Bahn und fertig war die Anfangsfütterung auf der langen Kopfrute. Vorne auf die Schräge wurde loses Futter und zwei bis drei Hände Maden geworfen, wobei zusätzlich noch zwei Polecups eingeweichtes Ei-Cake von Zammataro abgekippt wurden, so dass Futter, Maden und Ei-Cake sich auf der Schräge verteilten und eine schöne Spur bildeten.


Die Sektoren D und E bei der Anfangsfütterung

Die Italiener und Engländer warfen dagegen auch die Erde mit Mückenlarven auf die 12,50 Meter Spur und brachten somit mehr Material und auch eine größere Wolke ins Wasser, die Belgier vertrauten dagegen wie so oft auf schwarzes Futter und schwarze Erde. Überwiegend wurde auf der Kopfrute die Strategie der zwei eng nebeneinander liegenden Futterplätze gewählt, so dass es nur in der Menge des Futters, der Erde und der am Anfang eingebrachten Köder Unterschiede gab, die aber nicht sehr weit auseinander lagen. Als Hakenköder kamen meist ein bis zwei Maden zu Einsatz, teilweise waren allerdings auch Bündel von 5 bis 6 Maden erfolgreich oder eine zusätzlich angehängte Mückenlarve brachte den nächsten Biss.


Zwei Maden waren der Standardköder

Der Wind hatte stark zugenommen und an das Madenschießen war nicht mehr zu denken und auch die Montagen mussten etwas schwerer gewählt werden. 1,5 Gramm schienen zu Beginn das richtige Gewicht zu sein, denn der Wind blies nach links, die Unterströmung drückte die Pose aber in die entgegengesetzte Richtung. Der Anfang war schleppend und krumme Ruten waren nur zufällig zu sehen, so dass in den ersten 20 Minuten kaum Fische gefangen wurden, doch dann ging es langsam los.
Im E Sektor verlor der Italiener Jacopo Falsini erst zwei gute Fische bevor er nach 20 Minuten die erste gute Karausche einnetzte.


Jacopo Falsini mit seiner ersten Karausche

Alle fünf Minuten oder nach jedem Fische schob er nachdem sich die Fische eingestellt hatten eine kleine Kugel mit Erde und Mücken zusammen mit einem kleinen Bällchen geklebter Maden mit dem Pole Cup hinaus. Regelmäßig fing er nun seine Fische, wohin gegen es bei Thomas Pruchnowski auf  E 6 und dem Engländer Steve Gardner auf E 3 sehr schleppend anlief. Ganz gut wurde anfänglich noch auf den hohen Nummern gefangen, doch noch zeichnete sich nicht ab, wer das Rennen machen würde.


Marco Beck hatte es nicht einfach und jeder kleine Fisch war wertvoll

Im D Sektor saß Marco Beck auf der D 36 auf der falschen Seite des Sektors, der eigentlich mehr Brassen bringen sollte und als am schwierigsten galt. Da zwischen den Sektoren jedoch immer 150 Meter Platz waren, blieb die Hoffnung, dass die Fische noch in den Sektor hineinziehen und die Endplätze profitieren sollten, doch auf den kleinen Nummern gab es Karpfen und dicke Karauschen. Der Amerikaner Mick Thill und der Slovake Peter Baranek machten deutlich, wie eng Freud und Leid beieinander lagen und drillten gleichzeitig an nur um das 13 Meter Teil verkürzten, steil in den Himmel ragenden Ruten jeweils einen großen Karpfen, der sie sicher weit nach vorne gebracht hätte.


Nach über 10 Minuten Drill verabschiedete sich dieser Karpfen noch

Doch beiden verloren ihren Fisch fast zur gleichen Sekunde und landeten im Mittelfeld. Perfekt abgestimmtes Gerät in Bezug auf die Haken und Gummizüge war notwendig und auch eine Portion Erfahrung beim Drill großer Karpfen und Karauschen war vorteilhaft. Der Engländer Des Shipp zeigte wie es geht, drillte behutsam und unspektakulär, um im richtigen Moment den Druck zu erhöhen und die Karpfen sicher zu keschern.


Des Shipp aus England zeigte, wie man die Karpfen in den Kescher bekam

Ralf Herdlitschke saß im C Sektor mit der C 28 nah an dem Bereich, an dem die deutsche Mannschaft am Freitag noch trainierte und die Fische waren am Haken aber nicht im Netz. Einige große Karpfen gingen durch Ausschlitzen des Hakens verloren, so dass am Ende wesentlich mehr als der noch ordentliche 9 Platz möglich gewesen wäre.


Ralf Herdlitschke war nicht wirklich zufrieden

Der noch 24 Stunden amtierende Weltmeister Alan Scotthorne fing 3 Plätze rechts 30 Gramm mehr als Ralf, der Italiener Stefano Defendi rechts neben Ralf dagegen 400 Gramm weniger. Auf Platz Nr. 29 erreichte Jacopo Angelini aus San Marino mit 7750 Gramm das Höchstgewicht im Sektor, so dass der Bereich sicher gut war, doch es gehörte für jeden auch das letzte Quäntchen Glück dazu, um die großen Fische zu landen und damit ganz vorne zu sein.

     
       Minutenlange Drills sorgten für Spannung ...          ... bis der Karpfen endlich nach Luft schnappte

Oder man hatte einfach auch Pech und dann doch wieder Glück und auch ein bisschen Unglück. Wie René Bredereck zum Beispiel. Glück mit dem Los, denn der Bereich am Stahlwerk war bekanntlich gut und dort saß René auf der B 21. Dazu der Italiner Gianluigi Sorti auf B 19 und Will Raison aus England auf B 18. Das Duell des Tages und der Bereich der Strecke, an dem man die Zuschauer stapeln konnte. Ein guter Karpfen für Sorti, eine dicke Karausche für Raison und der Ungar Balázs Csoregi auf B 17 hielt auch gut mit. Fische gingen verloren, minutenlange Drills zehrten an den Nerven der Angler und Zuschauer und die gekescherten Fische wurden frenetisch beklatscht. Allgemeines Seufzen bei verlorenen Fischen oder verschlagenen Bissen wechselte umgehend wieder mit ausschweifendem Jubel. Nur auf B 20 konnte einem der Österreicher Markus Balogh etwas leid tun, der sich am munteren Fangen nicht so recht beteiligte und am Ende kein Kilo fing. Nachfüttern war wichtig und die fangenden Angler um ihn herum fütterten intensiv nach.


Drillen und Cuppen im Minutentakt und trotzdem noch ein Lächeln für die Zuschauer

Alle fünf Minuten wurde der Pole Cup mit geklebten Maden geschoben und wenn es der Wind zuließ auch immer wieder Maden geschossen. Der Futterneid der überwiegend großen Fische musste geschürt werden und wer nichts zum Fressen anbot hatte schnell das Nachsehen. René Bredereck hatte den perfekten Rhythmus gefunden, bekam regelmäßig seine Bisse und fing seine Fische. Einen Karpfen von 3 Kilogramm hatte er bereits im Netz, der nächste war im Drill und hatte den Gummi schon länger als die Rute gezogen. Nervenaufreibende Minuten begannen, doch der Fisch kam immer näher Richtung Kescher und plötzlich verhakte sich das Vorfach im Keschernetz. Ein Schlag mit dem Schwanz eine kräftige Flucht und weg wäre er gewesen, doch der Karpfen blieb ruhig und Rene konnte die Schnur aus dem Netz befreien und zum zweiten Kescherversuch ansetzen, bevor der Karpfen Zentimeter vor dem Kescher ausschlitzte, kurz an der Oberfläche liegenblieb und dann langsam in die Tiefe trudelte. Noch war eine halbe Stunde Zeit und alle fingen ihre Fische.

     
          Ein guter Karpfen für Gianluigi Sorti ...                             ... und Will Raison mit letzter Kraft

Aufgrund der Größe war kaum zu sagen, wer hier die Nase vorne hatte und insgesamt konzentrierten sich alle mehr auf das italienisch-englische Duell, das nach wie vor spannend bis zu letzten Sekunde war und seinen Höhepunkt fand, als Will Raison 15 Sekunden vor Schluss noch eine gute Karausche hakte. Anhieb, der Gummizug kam 2 Meter aus der Rute und Will stand auf der Kiepe. 2 Teile abgesteckt und ins Grass geworfen zeigte die Rute senkrecht zum Himmel. Die obersten zwei Teile raschelten bereits im Baum über ihm und die 500 Gramm Karausche hüpfte über das Wasser in seinen Kescher. Die Rakete für das Schlusssignal muss sich bereits in der Luft befunden haben als er den Kescher anhob und den Fisch in wirklich allerletzer Sekunde landete. Standing Ovations von den Rängen und Shakehands zwischen Gianluigi Sorti und Will Raison beendeten das Duell des Tages und nun waren alle auf die Waage gespannt.


Shakehands nach einem tollen Fight und Standing Ovations der Zuschauer

Der Ungar Balázs Csoregi legte mit 11.580 Gramm vor und wurde am Ende vierter. Dann kam Will Raison, der 13.270 Gramm wog und damit 1800 Gramm mehr hatte als sein Nachbar Ginaluigi Sorti, der am Ende nur fünfter wurde. Der Österreicher Markus Balogh war mit 840 Gramm schnell gewogen und dann kam René Bredereck. 12.320 Gramm waren es nach zweimaligem wiegen und damit der zweite Platz im Sektor. Wie viele andere hatten auch wir dieses Gewicht auf unserem Zettel notiert, doch in der offiziellen Liste wurden nur 12.300 Gramm vermerkt und diese auch vom deutschen Stab abgezeichnet. Keinem fielen im Trubel die fehlenden 20 Gramm auf und wer hätte auch gedacht, dass der Schweizer Jean-Jaques Iseli auf Platz 27 12.300 Gramm zur Waage brachte und es so am Ende zur Punkteteilung kam.

     
                            Will Raison                                                                       René Bredereck

Das war einfach unglücklich und passiert sicherlich auch nur einmal im Anglerleben. Mehr schmerzte da schon der Karpfen, der eigentlich schon im Kescher war und den Sektorensieg gebracht hätte. Am Ende war es auf jeden Fall fürs Erste erstmal eine Wahnsinnsleistung in diesem stark besetzten Sektor, den Lokalmatador hinter sich zu lassen und den englischen Topangler Will Raison fast bezwungen zu haben. Auch mit 2,5 Punkten war am kommenden Tag noch alles möglich, denn die Strecke war platztechnisch nicht so gerecht, dass nicht noch der eine oder andere Favorit ins Straucheln kommen sollte.

     
                            Balázs Csoregi                                                                  Gianluigi Sorti

Der A Sektor war sicherlich der ungerechteste Sektor. Eine kleine oder eine große Nummer musste her aber nicht Platz 13, den Peter Schührer loste. Platz hin oder her, waren 1.550 Gramm auch mit dem Blick auf die Nachbarplätze auf jeden Fall zu wenig und am Ende war es nur der 27. Platz und nach der WM in Ungarn im letzten Jahr die zweite Auswechslung für Peter Schührer nach dem ersten Durchgang.
Wie hatten sich Marco Beck in Sektor D und Thomas Pruchnowski in Sektor E geschlagen? Durchwachsen konnte man sagen. Zweimal Platzziffer 23 war sicherlich nicht das, was man sich erhofft hatte, wobei die Plätze zeigten, dass Marco in seinem Bereich der hohen Nummern die meisten seiner Nachbarn hinter sich ließ, Thomas Pruchnowski dagegen nicht so schlecht saß, dass er noch einige Plätze hätte gut machen können. Doch generell war es so, dass ein guter Karpfen im Netz gleich gewaltige Platzsprünge ausmachte und viele Angler einen Karpfen an der Rute hatten, aber auch sehr viele Fische verloren gingen. Der 17. Platz nach dem ersten Tag war somit nicht das angepeilte Ziel eines einstelligen Platzes aber der zweite Durchgang folgte ja noch.


Willy Wheeler aus Irland erangelte sich eine gute Ausgangsposition für den 2. Durchgang

Zwei Angler, die später noch aufs Siegertreppchen durften, legten den Grundstein für ihren Erfolg einerseits mit dem richtigen Plätzen und dem richtigen Händchen oder einfach nur dem Glück des Tüchtigen. Willy Wheeler aus Irland saß im A Sektor auf der 34 im optimalen Bereich und wurde mit 7.910 Gramm zweiter und bei Steve Gardner im E Sektor sah es sehr lange sehr dünn aus, was die Anzahl der Fische und das Gewicht seines Fanges betraf. Doch alle Engländer befütterten intensiv die kurze Bahn mit losen Maden. Nicht 10 oder 15 lose Maden, sondern immer gleich 40 bis 50 prasselten auf die Oberfläche und rieselten die Uferschräge hinunter. Alle fünf Minuten wurden die Maden mit Geräusch auf Wasser geschmissen.


Alan Scotthorne warf wie alle Engländer regelmäßig lose Maden auf die Kurze Bahn

Eine Regelmäßigkeit, die keine andere Nation so durchzog und die zumindest bei Steve Gardner belohnt wurde. Denn aus dem Nichts fing er auf der kurzen Bahn einen 3 Kilogramm Rapfen, der ihn auf den 3. Platz katapultierte. Jacopo Falsini hatte durchweg gute Karauschen gefangen und wurde mit 8.310 Gramm zweiter hinter dem Südafrikaner Jaco Goodwin, der auf Platz 35 9.580 Gramm fing. Die Südafrikaner fingen bereits im Training ihre Fische und irgendwie schien ihnen die Angelei zu liegen, so dass sie den ersten Durchgang in der Mannschaftswertung mit einem beachtlichen 9. Platz abschlossen. Und es gab einige Überraschungen, wie beispielsweise die Schweden auf dem 4. Platz und die hoch gehandelten Favoriten aus Italien, die an ihrem Heimatgewässer nur 8ter wurden. Doch es folgte ja noch der zweite Durchgang.

In Kürze dann der vierte und letzte Teil unserer WM Serie 

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