Handicap WM 2009 in Portugal

  • von Jörg Möller
  • 31. August 2009 um 02:39
  • 0
Bevor ich mit unserem Bericht beginne, möchten wir uns als Angler, Trainer und Betreuer zunächst beim DAV, insbesondere in Person von Hans-Peter Weineck, den Sponsoren (die Firma Ockert mit Polo-Shirt's, Matchruten und Rollen, der Firma Dotzel mit Hosen, Fleece Jacken und Kappen und der Firma Mosella mit Lockstoff und Futter) für Ihre Unterstützung bedanken.

Ebenfalls bedanken möchte ich mich, und das auch stellvertretend für meine Mannschaftskameraden, bei den unermüdlichen Helfern Wolfgang Bake, Michael Hahn, Siegfried Fuchs, Wolfgang Klatt, Detlef Bake, Teamkapitän Fritz Emonts und dem Trainer Erwin Zange.

Jetzt aber zum eigentlichen Bericht, über eine für uns sportlich extrem schlecht verlaufenden Weltmeisterschaft.
Große Probleme bereitete uns im Vorfeld, der Transport des Angelgerätes und die bei einer Handicap-WM halt benötigten zusätzlichen Rollstühle und Hilfsmittel nach Portugal. Dies konnte erst durch einen großen Mercedes Sprinter, der von der Firma Fuchs zur Verfügung gestellt wurde, gelöst werden. Spontan erklärten sich Fritz und Detlef bereit den Materialwagen 2400 km nach Portugal zu fahren.

Am 01.08. starteten Fritz Emonts und Detlef Bake mit dem Materialtransporter Richtung Portugal. Nach einer reinen Fahrtzeit von 23,5 Stunden erreichten sie Ponte de Sor und bezogen Quartier in der Hergade de Sanguinheira. Am Montag nahmen sie dann in Lissabon den Rest der deutschen Mannschaft in Empfang, die aus drei Richtungen kommend mit dem Flugzeug angereist waren. Nachdem das Quartier bezogen war, ging der erste Weg an die Angeltrecke am Rio Sor.

Am Dienstag wurde dann die Strecke genauer unter die Lupe genommen und die ersten anderen Teams begrüßt, die sich ebenfalls dort eingefunden hatten.

Strecke
Die Angeltrecke am Rio Sor

Nach dem Auslosen der Trainingsboxen am Mittwochmorgen wurde festgelegt wer wie fischen sollte. Während Reinhard Eder und Jörg Möller in der ersten Trainingsrunde nur mit der Matchrute auf unterschiedlichen Bahnen fischten, versuchten Roland und Christian Neuendorf die 11,50m Bahn. Jürgen Paul fischte auf der 7,50m Bahn. Die Fangergebnisse waren nicht das, was wir uns erhofft hatten. Lediglich auf der kurzen Bahn wurden regelmäßig Fische gefangen. Der Fang bestand aus Sonnenbarschen von 2-5cm und Ukelei. Bogas und kleine Barben wurden seltener gefangen. Eine Wiegeprobe ergab, dass die Ukelei zwischen 6,5 und 12gr. Stückgewicht lagen, Boga und Barben um die 35gr. Größere Fische waren nicht anzutreffen.

In den weiteren 3 Trainingseinheiten wiederholte sich dieses Bild. Die 11,50m Bahn war praktisch tot und auf der 30m Matchrutendistanz liefen die größeren Fische (Boga`s und Bar-ben von 25-40g) erst in der letzten Stunde eines jeden Trainingdurchganges, in ganz geringen Stückzahlen ein. Lediglich die Speedruten ab 3,00m brachten Fische bis maximal 12gr.

Für das letzte Morgentraining sollte jeder auf der kurzen Distanz beginnen und erst dann weiter draußen probieren, sobald die Bisse weniger würden. Natürlich wurden alle Bahnen unter Futter gehalten. Der einzige, der immer auf der gleichen Bahn fischte war Jürgen Paul. Er fischte kontinuierlich die 6,00m Bahn und konnte am Ende das beste Fangergebnis vorzeigen. Basierend auf dieser Erkenntnis wurde festgelegt, den ersten Durchgang ausschließlich auf Ukelei zu fischen. Für den ersten Durchgang wurden von Erwin Zange folgende Angler nominiert: Reinhard Eder, Jörg Möller, Christian Neundorf und Jürgen Paul.

Eröffnung
Die Eröffnung

Am Samstag, als der Startschuss zum ersten Durchgang gefallen war, zeigte sich, dass fast alle anderen Teams die gleiche Einschätzung hatten wie wir. Über 90% Prozent der Teilnehmer fischten auf Ukelei und hofften zwischendurch auch schon mal einen Boga vorne zu erwischen. Um auf den vorderen Plätzen zu landen, mussten 80-110 Fische pro Stunde gefangen werden. Einige Teams probierten in der letzten Stunde einige Fische auf Matchrutendistanz zu fangen und hatten Erfolg, allerdings erst gegen Ende des Fischens. Aber es war am ersten Tag zuwenig, um damit besser zu liegen als die Kurzbahnangler. Die Portugiesen als Gastgeber hatten dies 2 Stunden probiert und damit Schiffbruch erlitten.

Jörg und Wolfgang
Jörg und Wolfgang

Ich selber lag nach einer Stunde im ersten Durchgang, nach Anzahl der Fische, noch auf Position 4 und wurde dann aber wie meine Teamkameraden auch auf die letzten Plätze durchgereicht. Wie schon an den Trainingstagen machte uns die hohe Anzahl von Fehlbissen und die nicht optimale Futterzusammenstellung zu schaffen.  Für Roland, Christian und Reinhard die aus Ihren Bundesländern ganz andere Fische gewöhnt sind war es eine Riesenherausforderung auf diese ungewohnten Silberlinge zu angeln.

Wie viele Fische man fangen konnte, wurde mir im Sektor A am zweiten Tag gezeigt. Der Bosnier Rade Kelecevic (Einzelweltmeister) fing in der ersten Stunde 110 Fische, in der zweiten Stunde 107 Fische und in der dritten Stunde 112 Fische, gesamt 329 Fische (Gewicht 3400gr, 10,3gr im Schnitt). Nicht nur für einen im Rollstuhl sitzenden Angler eine super Leistung.

Nach Abschluss des ersten Durchganges führten Slowenien, Kroatien und Bosnien das Feld mit jeweils 12 Punkten an. Wir belegten hinter den Portugiesen Platz 10. Nachdem bei diesem Ergebnis (Jörg Sektor A die 9, Christian Sektor B die 10, Reinhard Sektor C die 8,5 und Jürgen Sektor D die 10, gesamt 37,5 Punkte) so gut wie fest stand, dass wir für einen Podiumsplatz nicht mehr in Frage kamen, wurde in einem langen Teamgespräch die Taktik in Bezug auf Futter und Angeldistanz geändert. So wurde die verwendete Futtermischung verändert und andere Additive verwendet, welche die Fische auf unsere Plätze locken sollten. Außerdem wollten wir früher als im ersten Durchgang versuchen Bonusfische auf der 11m Spur einzusammeln.

Für den zweiten Tag verzichtete Jörg auf einen Start und Ersatzangler Roland Neuendorf sollte versuchen es besser zu machen, folgende Angler wurden nominiert: Reinhard Eder, Roland Neuendorf, Christian Neuendorf und Jürgen Paul. Das Fischen begann bei allen etwas besser, jedoch stellten sich nach kurzer Zeit bereits deutliche Beißpausen ein und es gab wie schon am ersten Tag sehr viele Fehlbisse. So endete der zweite Durchgang genau wie der erste mit Platz 10 für das deutsche Team (Christian Sektor A die 7, Reinhard Sektor B die 10, Roland Sektor C die 10, Jürgen Sektor D die 10, gesamt 37,0 Punkte).

Reinhard und Wolfgang
Reinhard und Wolfgang

Viele namhafte Stippnationen setzten am zweiten Tag alles auf eine Karte, um die Scharte vom ersten Tag zu vergessen und verwachsten völlig. Einzig die Engländer schafften die Wende und legten einen klasse zweiten Durchgang hin.

Ich fand es beeindruckend, wie der Wechsel von der Speedrute zur Matchrute und umgekehrt zum richtigen Zeitpunkt von der englischen Mannschaft ausgeführt wurde. Auch hatten sie als einzige Mannschaft das richtige Händchen bei der Fütterung, es wurden ausnahmslos große und kleine Hanfkörner, sowie Pinkies und Maden auf verschiedene Bahnen geschossen und völlig auf eine Futtermischung verzichtet. Sicherlich auch ein Verdienst des Trainers der bereits 14 Tage vorher die Jugendmannschaften England's in Coruche/Portugal betreuen konnte
und diese Erkenntnisse in das Team einbrachte.

Jetzt die ernüchternden Endergebnisse:

Mannschaftsangeln:

Platz
Team/Land 
Platzziffer
 1.
Slovenien
22 
 2.
Kroatien
30 
 3.
England
30,5 
 4.
Bosnien
36 
 5.
Czech Repubilc
43 
 6.
Frankreich
44 
 7.
Italien
50 
 8.
Belgien
54 
 9.
Portugal
56 
10.
Deutschland
74,5 

Mannschaftsmeister
Die Mannschaftsmeister

Einzelwertungen:

Platz
Angler
Land
Platzziffer
Gewicht
 1.
Rade KelecevicBosnien3 6.230 gr
 2.
Rudolf CentrihSlovenien
3
5.400 gr
 3.
Ota PetracekCzech Republic
4
5.430 gr
 4.
Franc Stefanic
Slovenien
  4
4.880 gr
 5.
Hasan BoninoKroatien 5
5.560 gr

Einzelsieger
Der Einzelmeister Rade Kelecevic aus Bosnien

Das enttäuschende Endergebnis mit dem letzten Platz in der Mannschaftswertung, müssen wir im kommenden Jahr in Frankreich deutlich verbessern, den auch wir möchten einmal auf das Siegertreppchen. Ist bestimmt ein tolles Gefühl.
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