WM 2009 in Almere - Teil 1

  • von ct Redaktion
  • 08. September 2009 um 12:19
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Nach einigen Jahren präsentierten sich die Niederlanden in 2009 als Ausrichter der Weltmeisterschaft für das moderne Friedfischen. Avisiert wurde vom ausrichtenden Verband zunächst der Breukelenkanal im Norden der Niederlanden, die Entscheidung für diesen Kanal wurde dann aber in Zusammenarbeit zwischen dem niederländischen Verband und der FIPS aufgrund zu weniger Fische verworfen. Nach einem zeitaufwendigen Prozess in dem sogar die Gerüchte kursierten, dass die WM komplett in ein anderes Land verlegt werden sollte, entschloss man sich dann die Lage Vaart in Almere auf der Insel Flevoland als Austragungsstrecke zu nutzen. Flevoland ist ein sehr junges Land, welches erst zur Mitte des letzten Jahrhunderts durch die Landgewinnungsmaßnahmen der damaligen niederländischen Regierung entstanden war. Dieses junge Land ist durchzogen von einigen sehr interessanten Kanälen, einer davon ist die Lage Vaart bei Almere.


Die Lage Vaart in Almere - ein idealer Austragungsort für die WM 2009 

Die Entscheidung für diesen Kanal barg einige Risken, denn selbst die niederländischen Veranstalter kannten diese Strecke kaum, lediglich ein Teilstück einige Kilometer „kanalabwärts" wurde ab und an beangelt. Die Strecke für die WM war quasi jungfräulich und erst in Zusammenarbeit mit öffentlichen Einrichtungen wurden die Möglichkeiten geschaffen die Ufer zu beangeln, indem der dichte Schilfgürtel komplett entfernt wurde.


Team England war ab Mittwoch an der Strecke um zu trainieren - hier Steve Gardener

Das niederländische Team begann die Strecke ab dem Sommer zu beangeln und war gespannt, wie produktiv die SLage Vaart sein würde. Um das Resultat vorweg zu nehmen, man war überrascht, wie gut die Strecke war. Der Fischreichtum war sehr gut, die Strecke wies einen sehr guten Bestand an kleinen Weißfische sowie eine sehr interessante Anzahl an großen Brassen auf, man hatte also eine echte Perle im Zentrum der Niederlanden gefunden. Genau wie in Deutschland gibt es auch in den Niederlanden viele Strecken auf denen ein einzelner Angler oder eine begrenzte Anzahl an Anglern für einen Tag oder auch ein Wochenende gut fangen kann, es blieb aber noch die Frage offen, wie die Strecke auf eine Woche kontinuierliches Füttern reagieren würde? Im Vorfeld drangen einige Informationen bezüglich des Fischbestandes an das Tageslicht: Die Matchrute sollte ein wichtiges Instrument am Kanal sein, als Köder dominierte Würmer und Caster, Mücken schienen nicht sonderlich wichtig. Ob dies auch während der Durchgänge so sein würde? Die Antwort würden die Trainingstage vor der WM bringen!


Bondscoach Jan van Schendel beim Training mit seinem Team

Die Vorbereitung einer WM vor Ort beginnt für das deutsche Team meist am Sonntag vor der Veranstaltung. Die Strecke ist an diesem Tag gesperrt, so dass man diesen Tag zur Anreise und zum Bezug des Quartiers nutzte. Dieses Jahr fanden sich die Angler Harald Windel, Günter Horler, Marco Beck, Ralf Herdlitschke, Rene Bredereck und Henric Plass vor Ort ein. Unterstützt wurde das Team durch Benjamin Hoffmann, Jan-Willi Kupperschmidt, Mike Osterwald sowie Peter Schürer. Trainer Peter König konnte also auf eine schlagkräftige Truppe zurückgreifen und das Ziel war eine Verbesserung zum Vorjahresergebnis und ein weiteres Kapitel im Buch der erfolgreichen deutschen Angler in 2009: Die ersten Kapitel hatten die erfolgreichen Junioren um Jugendweltmeister Mathias Scholz sowie die noch erfolgreicheren Damen um die Weltmeisterin Stephanie Bloch geschrieben und man hoffte, dass das Herrenteam an diese Erfolge anknüpfen konnte.



Einer der seltenen Skimmer - ein halber Bonusfisch

Der Montag war dann der erste offizielle Trainingstag: Dieser Tag dient dazu, sich mit der Strecke vertraut zu machen. Die richtigen Montagen werden gesucht, die für die Strecke passenden Gummizüge ausgewählt, es werden unterschiedliche Bebleiungsschemate probiert und man fängt erste Fische. Eine Aussagekraft bezüglich Futter und Ködern kann man an diesem Tag jedoch noch nicht treffen, denn die Fische müssen sich erst an die eingebrachten Mückenlarven gewöhnen und das, obwohl die Lage Vaart einen guten Eigenbestand an eignen Mückenlarven besitzt! Die hohe Konzentration der von den Anglern eingebrachten Mückenlarven ist den Fischen jedoch neu.


Team Schweiz beim Training an der Strecke

So konnten dann am Montag in den ersten Minuten des Trainings auch noch gute Fänge auf Pinkis verzeichnet werden, zum Ende des Trainings bissen die Fische dann aber schon sehr selektiv auf Mückenlarven. Einzig die Teams aus England, Belgien und den Ausrichtern konnte etwas besser fangen, da sie bereits einige Tage länger das Gewässer an einem anderen Teilstück gegeüber des Sektors A befischten. Im deutschen Team konnte Marco Beck gut fangen, doch Trainingsergebnisse haben nur eine bedingte Aussagekraft, da verschiedene Optionen getestet werden, um die optimale Taktik herauszufinden. Auf diese im Vorfeld gestellte Frage der Matchrute brachte der erste Tag eine eher negative Antwort, die Antwort sollte aber am zweiten Tag noch durch weitere Test verifiziert werden.


Dieter Friedrichs mit einem "seiner" Brassen - diese Größe fing er jeden Tag!

Auch am Dienstag blieben die Ergebnisse der Matchrute weit hinter den Ergebnissen der Kopfrute zurück und die meisten Mannschaften verwarfen ab diesem Tag die Matchrute als Alternative zu den Kopfrutendistanzen, denn es musste sehr präzise geangelt werden und der kräftige Wind erschwerte zudem die Angelei mit der Matchrute. Bei den Kopfruten testete man die unterschiedlichen Längen die ggf. zu befischen waren: Hier wurde das Hauptaugenmerk auf die Längen 9,5m und 13m gerichtet. Das Training verlieh dieser These an Gewicht, denn das Fischen auf diesen Längen war im deutschen Team erfolgreich und auch bei den anderen Teams konnte man fast ausschließlich diese Längen im Einsatz sehen. Im deutschen Team kam wiederrum Marco Beck sehr gut zurecht, Marco konnte wieder die Bonusfische fangen, die über die Strecke vagabundierten.


Und manchmal fing Dieter auch mehrere dieser bildschönen Tiere

Am Mittwoch dann der dritte Trainingstag: Es galt jetzt das Feintuning im Bereich Futter, Fütterung und Köderpräsentation zu finden. Als Hakenköder dominierte ganz klar die Mückenlarve, lediglich ein kleiner Rotwurm konnte noch eine interessante Alternative für den Bonusfisch sein. Im Bereich Futter wurde vor allem des Verhältnis zwischen Erde und Futter getestet. Ausgegangen sind die meisten Teams von einem Verhältnis von 50% zu 50% und von diesem Verhältnis aus begannen die Teams zu testen. In den Außensektoren wurde der Futtersatz erhöht, in der Mitte der Prozentsatz der Erde. In diesem Training wurde auch getestet, wie man den Platz befüttert: War es effektiver den Platz mit einer umfangreichen Startfütterung aufzubauen oder war es besser den Platz kontinuierlich im Durchgang zu befüttern. Das Herangehen musste an diesem Tag für beide Spuren, also 9.5m und 13m, getestet werden.


Harald Windel mit den Trainingsfängen vom Donnerstag

Donnerstag dann der letzte Tag vor dem offiziellen Pflichttraining. Das deutsche Team wollte die Ergebnisse der letzten Tage heute auf Herz und Nieren prüfen doch für diesen Trainingstag hatte das deutsche Team die Trainingsbox A6 gelost. Diese Box lag leider in der Windschneise des Kanals und dieser fegte am Donnerstag mit Windstärke 6-7 über die Strecke, so dass das deutsche Team zwar aufbaute, aber an ein effizientes Fischen war kaum zu denken, denn der Wind riss sofort die Rute, und damit auch die Pose aus der Bahn. Faktisch konnte das Team an diesem Tag kaum Erkenntnisse sammeln. Dasselbe Schicksal ereilte dem Team aus Frankreich.


Diego da Silva aus Frankreich trotze am Donnerstag zusammen mit seinen Franzosen dem Wind

Die Teams aus Belgien, Holland, Ungarn und England hatten da schon wesentlich mehr Glück, konnten Sie doch in einem deutlich windstilleren Bereich der Strecke fischen und somit Ihre Taktik weiter verfeinern. Lediglich der deutsche Betreuerstab konnte an diesem Tag „normal" arbeiten. Es galt zu analysieren wie die favorisierten Teams aus England, Belgien und auch die Holländer fischten. Hierzu stellte das Team jeweils einen Betreuer ab, der die Teams beobachtete und seine Beobachtungen in der abendlichen Mannschaftsbesprechung vorstellte. Die beobachteten Teams lassen sich jedoch nicht gerne in die Karten schauen, so dass es sich meist um ein Katz und Maus Spiel handelt. Insbesondere die Belgier geben immer wieder Anlass zur Spekulation, ob sie nun Ernst machen oder sich ihrer Taktik längst sicher sind und somit nur ein bisschen mitangeln.


"And the Oscar goes to" - eine oscarreife Vorführung der Belgier, hier mit Hans Slegers, am Donnerstag

Im Teil 2 werden wir zeitnah über das offizielle Training am Freitag berichten und einen kleinen Hintergrundbericht liefern.

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