Mathias Scholz auf dem Weg zum Weltmeistertitel

  • von ct Redaktion
  • 25. August 2009 um 05:36
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Mathias Scholz mit Mark Downes

Auf der Siegerehrung hat Manager Herry Panno, der geniale und unverzichtbare Organisator, eine kleine Träne verdrückt, als Matze seinen Pokal entgegennahm und die Nationalhymne erklang.

Mark DOWNES, Trainer aller englischen Nationalmannschaften hat uns beglückwünscht und gesagt: „ Die deutsche Hymne haben wir bei der Jugend schon lange nicht mehr gehört, aber was ich die Tage gesehen habe, werden wir sie wieder öfter hören“. Gilles CAUDIN, Trainer der Franzosen sagte zu Mathias: „Eine Goldmedaille in Coruche ist für mich soviel Wert wie zwei Goldmedaillen".

Und vor dem Erfolg stand eine sehr eigene und diffiziele Angelei, die uns unser Weltmeister Mathias Scholz nachfolgend schildert: 

Unsere Informationen vor der WM waren in diesem Jahr sehr gut, da Coruche eine bekannte WM Strecke ist und dort schon einige deutsche Angler mehrmals geangelt haben (Marco Beck, Günther Horler). Laut den Informationen dieser Angler sollte es sich in Coruche um eine reine Matchrutenangelei handeln. Hauptfische sollten Barben zwischen 100 und 400 gr. sein. Die Kopfrute sollte nur auf wenigen Plätzen zählbare Erfolge bringen. Des Weiteren erfuhren wir, dass fast ausschließlich geklebte Maden gefüttert werden. Um diese optimal zu präparieren und während des Angelns am leben zu halten benötigten wir Holzrahmen mit einem Metalgewebe am Boden. Auf diesem Gewebe konnten sich die Maden Dreck und überschüssigen Kleber abschubbern und wurden während des Angelns immer von unten mit Frischluft versorgt.


Dem Weltmeistertitel ging eine geschlossene Mannschaftsleistung voraus

Das Gewässer war der Rio Sorraia, welcher in Coruche auf eine Breite von 50 bis 80 Meter aufgestaut ist. Um einheitliche Bedingungen zu schaffen, wurde vor der WM der Stau aufgelöst, die komplette Strecke mit Planierraupen gerade geschoben und der Fluss anschließend wieder aufgestaut. Da der Boden und die Ufer aus feinem Kies bestanden bekam man das Gefühl am Sandstrand zu angeln!
Die Strecke hatte eine Tiefe von 1,5 bis 2 Meter und eine Strömung war nur minimal vorhanden bzw. es wurde nur durch den Wind eine leichte Drift verursacht.

Im Training zeigte sich das zwei Matchrutenbahnen wichtig sind. Eine zwischen 40 und 50m und eine weitere zwischen 15 und 20m. Auf der langen Bahn kamen Waggler zwischen 16 und 20 gr. zum Einsatz und auf der kurzen Bahn Pfauenfedern von 4 bis 6 Gramm. Die Waggler wurden feststehend montiert und waren komplett vorgebleit. Geangelt wurde mit 120cm langen Vorfächern (0,08-0.12mm) auf welchen sich ein 11er und ein 10er Blei im Abstand von 40cm befand. Über dem Vorfach war ein Mircowirbel N° 22 angebracht. Als Haken wurden kräftige Modelle in Größe 22 und 24 verwendet (z. B. Sensas 3050). Diese spezielle Art von Montage war notwendig, damit die Made am Haken genauso natürlich absinkt wie die geschossenen Maden.


Angeln am Strand

Auf der langen Matchrutenbahn wurden ausschließlich geklebte Maden gefüttert, welche sich direkt nach dem auftreffen auf die Wasseroberfläche zu lösen beginnen sollten, so dass ab 50cm Wassertiefe eine Madenwolke zum Boden rieselte. Auf der kurzen Matchrutenbahn wurden loser Hanf und lose Maden geschossen.

Die Kopfrute behielten wir als Notoption im Auge da hier immer einige kleine Barben, Bogas und Sonnenbarsche zu erbeuten waren. Außerdem zogen im Laufe der Woche immer mehr große Meeräschen auf die Strecke welche jedoch nicht in Beißlaune waren. Und es war nicht klar ob die Meeräschen bis zum Wochenende anfangen würden zu fressen und somit eine entscheidende Rolle spielen würden.

Unsere Taktik sah wie folgt aus: Wir nahmen als Köder 2 ¼ Liter Maden und ¼ Liter  kleine Mückenlarven mit ans Wasser. Als Startfütterung cuppten wir auf die Kopfrute 6 Ballen eines 50/50 Mix aus Futter (1Teil Etang + 1Teil Karpfen) und Terre de Somme welchem wir 1/8 Liter kleine Mückenlarven zugaben. Dies sollte einige kleine Fische auf dem Platz versammeln und auch als Option für die Meeräschen dienen. Auf die lange Matchrutenbahn wurden 2 Ballen Maden geschossen und auf die kurze etwas Hanf und einige lose Maden.


Neben einigen starken Exemplaren mussten auch die Kleinfische mitgenommen werden

Die erste Stunde wollten wir auf der langen Matchrutenbahn angeln da dort die Bissfrequenz zu Beginn des Angelns sehr hoch und auch die Chance auf einen Bonusfisch (Barben bis 1kg) am besten war. Bei jedem Wurf wurde ein Ball geklebte Maden geschossen. Auf die kurze Bahn wurden kontinuierlich Hanf und lose Maden geschossen, um diese Bahn für den zweiten Teil des Angelns vorzubereiten. Nach einer Stunde wollten wir auf der Kopfrute einige kleine Fische einsammeln und danach auf der kurzen Matchrutenbahn weiterangeln.

Die wichtigste Sache die es zu beachten galt war, dass die Schnur zwischen Waggler und Rute immer straff sein musste. Dies war wichtig, da bei einem Biss fast nie angeschlagen wurde sondern die Fische sich selbst hakten. Dies war möglich, da die Barben sich im Mittelwasser einige der absinkenden Maden schnappten und danach sofort in Richtung des anderen Ufers flüchteten. Bei dieser ersten sehr heftigen Flucht hätte man mit einem Anhieb das Vorfach gesprengt bzw. der Fisch wäre ausgeschlitzt. Also wurde die Rute abgelegt, die Rücklaufsperre der Rolle geöffnet und wenn der Waggler unterging wurde kurz danach die Rute krumm und die Rolle begann rückwärts zu laufen. Dann wurde die Rute in die Hand genommen, die laufende Spule mit der Hand langsam gebremst und der Fisch hing. Auch im Drill erwies sich die offene Rücklaufsperre als hilfreich, da bei einer plötzlichen Flucht schneller Schnur freigegeben werden konnte als beim drillen über die Bremse. Somit verringerte sich die Zahl der Aussteiger.


Das war das Blatt noch leer, später war es der Sektorensieg

1. Durchgang:

Am ersten Tag saß ich auf D1. Also am weitesten vom Endplatz entfernt was jedoch durch die Wertung in Halbsektoren nicht weiter von Bedeutung sein sollte. Ich baute sieben Matchruten auf, vier mit schweren Wagglern für die lange Distanz und drei mit Pfauenfedern für die kurze Bahn. Für die Kopfrute bereitete ich ein Kit mit 0,4 gr. für die kleinen Fische und zwei Kits mit 1gr. und 16er Schnur durchgehend für die Meeräschen vor. Außerdem baute ich noch zwei 3m Speedruten auf, um im Notfall auf die Kleinfische zu angeln, welche sich immer in den Schatten unseres Setzkeschers stellten. Die Startfütterung wurde analog zu unserer vorher festgelegten Taktik ausgeführt. Sofort nach dem Startschuss fing ich die ersten Fische auf der Matchrute und lag ungefähr gleich auf mit dem Engländer neben mir. Nach ca. 30min bekam ich eine gute Barbe an den Haken, welche mir jedoch unaufhaltsam aus dem Sektor schwamm. Beim Einholen verfing sich die Montage des Engländers in meiner Schnur, so dass er diese aus dem Wasser hob und für den Kampfrichter zu erkennen war, dass mein Fisch den Sektor verlassen hatte. Somit durfte ich die 800gr. Barbe wieder schonend zurücksetzten (nach einer kurzen Unmutsbekundung in Richtung des Engländers wurde dann jedoch weiter geangelt). Und nach einigen kleineren Barben konnte ich glücklicherweise eine genauso große Barbe wie die eben zurückgesetzte landen. Mit zunehmender Angelzeit wurden die Bisse auf der Matchrute weniger und ich sah dass der Engländer kleine Fische mit der Kopfrute fing.


Mit der Kopfrute wurden Kleinfische eingesammelt

Also wechselte ich auch auf die Kopfrute und fing dort einige Bogas und kleine Barben, welche sich am ende als sehr wichtig erwiesen. Nachdem die Bisse auf der Kopfrute nachließen und ich von Thomas die Information bekam, dass wieder mehr Fische auf der Matchrute gefangen werden, wechselte ich wieder auf die lange Matchrutenbahn, mit der ich bis zum Ende des Angelns noch 6 Barben fangen konnte. Am Ende konnte ich mit 2000 gr. und einem Vorsprung von nur 40 gr. den Halbsektor vor dem Franzosen gewinnen. Dank meines Bonusfisches hatte ich 700gr Vorsprung vor dem Engländer neben mir.

Um mich nicht selbst nervös zu machen wurde der Gedanke, dass es mit dem gleichen Ergebnis morgen weit nach vorne gehen könnte schnell verdrängt. Ich redete mir ein, dass ja noch 7 andere mit einem Punkt in den 2. Durchgang gehen und die bestimmt besser angeln können! Somit konnte ich die Nacht vor dem 2. Durchgang wenigstens ruhig schlafen.

2. Durchgang:

Unsere Taktik für den zweiten Durchgang blieb die gleiche. Ich saß auf C11, von diesem Platz kam am Vortag die 2 im Halbsektor. Neben mir saß der spätere Drittplatzierte Italiener Andrea Vinco, welcher am Vortag auch seinen Sektor gewonnen hatte. Dies ließ die Spannung natürlich um einiges steigen, da wir beide mit der gleichen guten Ausgangsposition und dem Treppchen im Hinterkopf ins Rennen gingen. Der Durchgang lief von Beginn an perfekt. Nach einer viertel Stunde hatte ich bereits vier Barben im Netz und somit schon einen kleinen Vorsprung vor dem Italiener. Knapp wurde es noch mal, als ich eine Kilo-Barbe zurücksetzen musste, die im Sektor des Italieners war und dieser kurz danach eine Barbe der gleichen Größe landen konnte. Somit lagen wir wieder gleich auf. Ich fing jedoch kontinuierlicher Fische als meine beiden Nachbarn und konnte mich somit wieder etwas absetzen. Als ich am Ende der zweiten Stunde eine 800 gr. Barbe fangen konnte und zu Beginn der dritten Stunde eine weitere von ca. 1300 Gramm fing, wusste ich, dass ich im Sektor vorne lag. Ab diesem Zeitpunkt hoffte ich nur, dass der Durchgang doch möglichst schnell vorbei geht und keiner mehr einen Bonusfisch landet. Da ich bis zum Ende selber noch 3 Fische fangen konnte verging die Zeit recht schnell und am Ende gewann ich den Sektor recht deutlich mit 5700 gr. vor dem Italiener mit 2890 gr.


Siegerehrung und große Freude

Dann begann das große Rechen: Gibt es noch jemanden mit 2 Punkten? Wenn ja, reicht dann das Gesamtgewicht?
Ganz sicher waren wir uns da nicht, bis das offizielle Ergebnis mitgeteilt wurde. Aber so richtig realisieren konnte ich, was gerade passiert war, erst nach der Siegerehrung.


Zwei Väter des Erfolges, Thomas Engert, der sportlich die Richtung vorgab und Herry Panno der geniale Organisator mit Weltmeister Mathias Scholz


Ohne die Unterstützung zahlreicher Sponsoren wären diese Erfolge kaum möglich



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