Club Weltmeisterschaft 2010 in Polen

  • von ct Redaktion
  • 09. Juli 2010 um 15:59
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Fast wäre die 30. Weltmeisterschaft im Friedfischangeln für Vereinsmannschaften förmlich ins Wasser gefallen, denn das anhaltende Hochwasser in Polen machte das Angeln in dem ursprünglich für die WM vorgesehenen Fluß Warta in Pozan (Posen) unmöglich. Mit dem Malta See, einer Ruderregattastrecke mitten in Poznan wurde allerdings ein sehr attraktives Ausweichgewässer gefunden an dem die 31 teilnehmenden Nationen ausreichend Platz fanden. Eine Woche vor Beginn des offiziellen Trainings am 7. Juni wurde dann aber aufgrund der immer dramatischer werdenden Hochwassersituation in Polen der Malta See geflutet und ab sofort zählte jeder Tag, denn einige Nationen wie Portugal oder auch Irland hatten eine mehrtägige Anreise vor sich und waren womöglich umsonst unterwegs.


Sektor D am Malta See in Poznan

Doch Petrus hatte ein Einsehen, die Wassermengen flossen rechtzeitig ab und es konnte geangelt werden. Hatten sich doch einige Mannschaften bereits seit mehreren Monaten auf die Angelei in der schnellen Strömung der Warta mit Lutscherposen bis 50 Gramm Tragkraft eingerichtet, so musste nun komplett umgedacht werden. Stillwasserangelei in einer Tiefe von 2 bis 2,50 Metern war angesagt und die Kopf- und Matchrute sollten die dominierenden Angelmethoden sein. Bisher galt im Malta See ein generelles Angelverbot, so dass es keine Erfahrungswerte in Bezug auf Angelmethoden und den Fischbestand gab. Allerdings wird der See alle 5 Jahre abgelassen und gereinigt und man wusste, dass dann zahlreiche Karpfen in den Küchen Poznans verschwanden. Da es aber in Polen Tradition ist für einen gegessenen Karpfen einen jungen Karpfen in ein Gewässer zu setzen, konnte man davon ausgehen, dass sich zahllose Karpfen im See tummelten.


Zahlreiche stramme Karpfen schwimmen im See

Krautbänke erschwerten das Angeln und für viele Angler galt es erstmal mit dem Kraut zu kämpfen und den Angelplatz einigermaßen zu säubern, bevor überhaupt an ein Angeln zu denken war. Doch dann zeigte sich, welchen Fischbestand der Malta See tatsächlich beherbergte. Wie vermutet war ein ordentlicher Karpfenbestand im See, so dass es an vielen Plätzen möglich war 3 bis 4 der bis zu 5 kg schweren Rüssler zu fangen. Hauptfisch waren jedoch kleine, teilweise verbuttete Brassen von 50 bis 250 Gramm und auch mal ein Bonusbrassen von bis zu 1,5 kg. Massen von kleinen Barschen um die 5 Gramm sollten die Teilnehmer später noch vor Probleme stellen und vereinzelt gab es Karauschen, Schleien und Rotaugen, die sich auf die angebotenen Köder stürzten.
Die Herausforderung war also viele der kleinen Brassen einzusammeln und den einen oder anderen Karpfen mitzunehmen. Keine einfache Aufgabe, denn im Laufe der Trainingswoche wurde die Brassen immer scheuer und mussten somit immer feiner beangelt werden und am feinen Gerät waren die Karpfen nicht mehr zu kontrollieren. Stetiger Wind brachte etwas Oberflächenströmung in den See und so wurde mit Posen von 0,4 bis 1,5 Gramm Tragkraft geangelt.


Leichte, aber stabile Posen mit gut sichtbarer Antenne kamen zum Einsatz

Eine 0,12 bis 0,14er Hauptschnur musste es schon sein, um die Karpfen nicht gleich zu verlieren und bei den Vorfächern und Haken musste man zweigleisig fahren. Vorfächer von 0,08 und Hakengrößen von 20 bis 24 für die kleinen Brassen, 0,12 und 14 bis 18 für die Karpfen. Auf einem krautfreien Platz konnte man mit etwas Glück auch einen Karpfen am feinen Gerät landen, doch meist kündigte es sich an, wenn ein Karpfen am Platz war und es galt zu reagieren. Die Bisse der Brassen nahmen schlagartig ab und Ruhe kehrte ein bis die Pose dann doch plötzlich wegzog und der Tanz begann. Bei ausbleibenden Bissen empfahl es sich also die Rute zu wechseln und mit stärkerem Gerät auf die Karpfen zu setzen, die sich womöglich auf dem Futterplatz breit gemacht hatten. Während die Brassen nach einigen Tagen nur noch Mückenlarven zu sich nahmen, konnte man die Karpfen besser mit einem Madenbündel überlisten. Wo keine oder nur wenig Brassen waren kamen allerdings bei der Fütterung mit Mückenlarven die kleinen Barsche auf den Plan. In unvorstellbaren Mengen sind sie im Malta See beheimatet und sie spielten in einigen Bereichen in denen so gut wie keine anderen Fische zu fangen waren noch eine entscheidende Rolle. So fing der Pole Michal Lebkowski mit der 6 Meter Telestipprute in drei Stunden 218 kleine Barsche, die zwar nur ein Gesamtgewicht von 940 Gramm aber auch den zweiten Platz im Sektor brachten.


218 Barsche, fast in Originalgröße

Grundsätzlich setzten sich mehrere Futterstrategien durch. Mit schwerer Erde und Mückenlarven wurde der Tisch für die Brassen gedeckt, dazu kam grobes Futter mit Mais und vielen Maden für die Karpfen. Mit dem Polecup wurde meist noch ein ganzer Becher toter Maden großflächig auf dem Angelplatz verteilt und auch kleine Lehmbälle mit Mückenlarven für die Brassen wurden zum Nachfüttern ausschließlich mit dem Polecup geschoben. Während des Angelns wurden Caster und Hanf mit der Köderschleuder geschossen, um die Fische bei Laune zu halten und in allen Wasserschichten anzusprechen. Teilweise standen die Brassen und Karpfen in 1,20 Meter Wassertiefe über der Sprungschicht und die Engländer verwendeten im Training viel Zeit damit die optimale Wassertiefe zu finden. Ein Wetterwechsel zum Wettkampfwochenende machte die Bemühungen aber zur Makulatur. Ein Temperatursturz um 20 ° Celsius und aufkommender Wind wälzten die Wasserschichten durcheinander und die Fische fraßen nur noch am Grund.


Die polnische Mannschaft setzte zur einen Hälfte auf schwere Erde und zur anderen Hälfte auf helles, grobes Futter

Sofern keine Krautbänke vor den Anglern waren, wurde überwiegend mit der 13 Meter Kopfrute und verkürzter Schnur gefischt. Durch das im Training eingebrachte Futter orientierten sich die Fische Richtung Ufer und mit der Matchrute wurde nur noch sporadisch gefangen, teilweise war ein Angeln mit der Rollenrute wegen des starken Seitenwindes auch kaum möglich.

     

Die Matchrute kam kaum zum Einsatz ...

 

... doch sie brachte eine gute Schleie in den Kescher


Technisch perfekt angelten die Teams aus Frankreich und Italien. Sie verstanden es bis zu 10 kg der kleinen Skimmer zu fangen und nebenbei auch noch die Karpfen in den Kescher zu bekommen. Mit ganz fein austarierten Posen lupften sie ihre Mückenlarven am Haken immer wieder ganz leicht an und provozierten so die Bisse der Brassen. Während die Italiener am leichten Geschirr einige Karpfen verloren, setzten die Franzosen dagegen bei ihrer Startfütterung auf eine große gelbe Futterwolke, um die Brassen vom Grund ins Mittelwasser zu bekommen. Das gelang hervorragend und so trennten sie die Karpfen am Grund von den Brassen im Mittelwasser und konnten sich ganz auf die technische Brassenangelei konzentrieren, ohne dabei von den Karpfen und zeitaufwändigen Drills gestört zu werden bei denen die Karpfen oft das bessere Ende hatten, den Futterplatz dafür aber schön durcheinander brachten. Dafür gab es am Ende die Goldmedaille vor den Teams aus Russland und Italien.


Stark geangelt und verdient ganz oben: Die französische Mannschaft

Gastgeber Polen musste sich mit dem undankbaren vierten Platz zufrieden geben und das deutsche Stipp-Profi.de Team aus Brandenburg wurde gar nur 20igster. Die Fische für eine weitaus bessere Platzierung waren an den Angeln, doch es gingen zahlreiche Karpfen verloren. Hier fehlten die Erfahrung und das Gefühl die kampfstarken Fische an der Kopfrute zu kontrollieren und auch zu landen, wobei auch immer etwas Glück dazu gehörte. Andreas Heidemüller verlor im ersten Durchgang in der ersten Dreiviertelstunde gleich 3 Karpfen und auch am zweiten Tag konnte er von vier gehakten Karpfen nur zwei landen. Da waren zwei Sektorensiege zumindest an der Rute. Zudem schien das Futterkonzept nicht aufzugehen, so dass es teilweise nicht gelang die Skimmer über einen längeren Zeitraum auf dem Futterplatz zu halten. Die erfolgreichen Teams warfen fast die gesamten 17 Liter Futter bzw. Erde am Anfang und schossen dann nur noch Hanf, Caster oder auch Maden. Die Mückenlarven kamen bei der Startfütterung in schwere, sich nur langsam lösende Erde, so dass die Skimmer sich auf die Erdbälle stellten, nur wenig Larven fanden, dort aber teilweise die gesamten 3 Stunden verweilten. Der Italiener Francesco Reverberi vom Colmic Team Italien führte so seine Nebenleute regelrecht vor und fing am ersten Tag im E Sektor 9.980 Gramm ausschließlich Skimmer.


Fast 10 kg Skimmer für den Italiener Francesco Reverberi

Das war einerseits stark, andererseits aber auch sehr hart, denn neben ihm saß mit Andreas Dalcke kein anderer als einer der besten deutschen Skimmerangler mit der Mückenlarve, der 2.420 Gramm zur Waage brachte. Während das Stipp-Profi Team auf den guten Plätzen den Sack nicht zumachte, brachte der Losschlüssel allerdings auch einige sehr schlechte Plätze und unglückliche Konstellationen. René Bredereck konnte sich im ersten Durchgang im scheinbar fischleeren ersten Teilsektor C kaum wehren und verhinderte mit der Option des langen Kits Schlimmeres. Im Training brachte die Eröffnung eines neuen Futterplatzes mit Hilfe eines sechsteiligen Kits meist noch einige Fische, zudem war es eine Option über den Krautgürtel zu kommen.


Oft saßen die Karpfen im Kraut fest, dieser Teilnehmer steckte seinen Kescherstab samt Netz auf die Kopfrute, um ihn aus dem Kraut zu holen

Nach 1,5 Stunden nutze René Bredereck die Option, fing sofort einen guten Skimmer und einen Barsch, um dann festzustellen, dass der Spuk wieder vorbei war. Neben ihm saß der Italiener Stefano Premoli, der es bei dem insgesamt sehr guten Mannschaftsergebnis der Italiener fertig brachte an beiden Tagen 14 Punkte zu erangeln und somit zumindest die Silbermedaille alleine verschenkte. Der im Training sicherste Großfischangler Nico Matschulat musste an beiden Tagen sowohl im A und später dann im C Sektor mit kleinen Barschen kämpfen. Das war unglücklich, zeigte aber auch, dass man für ein international gutes Ergebnis in allen Techniken überdurchschnittlich gut fischen muss. Einen interessanten Materialtest gab es im ersten Durchgang im D Sektor. Ralf Herdlitschke und der Italiener Rodolfo Frigerie bekamen zeitgleich eine Minute vor Ende einen Karpfen an die Rute und beide nahmen keine Rücksicht auf ihr Gerät. Rute hoch und raus damit war das Motto, doch keiner konnte den Karpfen rechtzeitig einnetzen. Das 13 Meter Teil hatte Ralf abgesteckt und dieses Teil seiner Rute fehlte am Ende, um den letzten Druck aufzubauen, denn fast war der immerhin gut 2 kg schwere Karpfen im Kescher. Der Italiener drillte auf Biegen und Brechen mit der kompletten 13 Meter Rute, doch das wurde dann der Rute zuviel und mit einem Bruch mehrerer Teile und ohne weiteren Karpfen beendete er den Durchgang. Zumindest den Zuschauern wurde einiges geboten. 


Ralf Herdlitschke überzeugte im ersten Durchgang

Ralf Herdlitschke gelang im ersten Durchgang noch die beste Leistung mit 7.500 Gramm und einem 5ten Platz in der Sektorenwertung, Andreas Heidemüller wurde im zweiten Durchgang ebenfalls fünfter, doch diesmal hatten sich viele Mannschaften optimaler auf die Gegebenheiten am Malta See eingestellt.

Mannschaftsergebnis

champions-team.de bedankte sich für die Unterstützung und tolle Zusammenarbeit bei der Club-Weltmeisterschaft 2010 bei Maik Fiebig vom Matchangler-Shop.

http://www.matchanglershop.de
 

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