31. Club Weltmeisterschaft in Golubac/Serbien

  • von ct Redaktion
  • 20. Juni 2011 um 13:47
  • 4
Man sollte sich immer auf einiges gefasst machen, wenn es Richtung Balkan geht und auch dieses Mal bei der 31. Club Weltmeisterschaft in Golubac in Serbien war es eine sehr eigene Angelei. Man konnte sich kaum vorstellen, dass es auf einer mehreren quadratkilometergroßen Gewässerfläche eines Sees durch den die Donau fließt keine Karauschen, Karpfen, Scardolas, Barsche oder auch uns bekannte Weißfische, wie Brassen, Rotaugen oder auch Döbel geben sollte. Doch es war fast so bzw. es lohnte sich nicht auf die vorgenannten Fische gezielt zu angeln. Natürlich war im Vorfeld bereits klar, dass verschiedene Grundelarten die Hauptfische stellen würden, doch irgendwie war doch die Hoffnung da, dass sich bei einer Woche Trainingsfütterung doch einige andere Fische auf die Strecke ziehen würden.

Die Angelstrecke der 31. Club Weltmeisterschaft
Die Angelstrecke der 31. Club Weltmeisterschaft - Slideshow

In dem bis zu 6 km breiten und bis zu 48 Meter tiefen See streifte das Flussbett auch zwei Sektoren der Angelstrecke. In den Sektoren A und B war es auf 13 Metern Entfernung ca. 5 Meter tief und man musste schon Lutscherposen von 15 bis 20 Gramm aufbauen, um den Köder blockiert am Grund anzubieten. Eine sehr grobe Steinpackung reichte bis ca. 6 Meter ins Wasser bevor der Grund kiesig wurde und in dieser Steinpackung saßen die Grundeln. 3 bis 50 Gramm schwere Grundeln verschiedener Grundelarten. Einfarbig braune Exemplare, marmorierte Grundeln oder auch tiefschwarze, sehr kompakte Fische, die aussahen, als wären sie eigentlich vor Jahrtausenden ausgestorben. Alle Arten hatten eins gemein. Es gab sie in unvorstellbarer Menge und sie hatten ein großes und dazu auch noch unersättliches Maul. Es schien so, als hätten sich hunderttausende dieser kleinen Fische auf die Club-Weltmeisterschaft gefreut und seit einiger Zeit nichts mehr gefressen, so gierig stürzten sie sich auf jeden, aber auch wirklich jeden ins Wasser gelassenen Köder.

Eine von Millionen Grundeln
Eine von Millionen Grundeln - Slideshow

Die einheimischen Angler fingen mit Grundeln als Köderfisch Welse um die 60 cm, so dass es noch eine Möglichkeit war, dass sich ein Wels auf einem mit Würmern befütterten Angelplatz einfinden und gefangen werden könnte, denn international kommen alle Fische in die Wertung, es zählt sozusagen alles was Flossen hat. Die Sektoren C bis E wiesen bis auf einige Bereiche keine bis sehr wenig Strömung auf, lagen dafür aber mehr im Wind. Das hieß Wellen und Gischt wie am Meer, teilweise wurden die Angler nass, obwohl sie 3 Meter über dem Wasserspiegel saßen. Es gab windstille Tage mit spiegelglattem Wasser und Tage mit meterhohen Wellen, die Angler mussten montagentechnisch auf alles gefasst sein. Vom serbischen Verband war die Angelstrecke vorbildlich präpariert worden. In gleichen Abständen waren Pontons aus Beton auf die Packlage gegossen worden, so dass jeder Angler einen sicheren Angelplatz auf der sehr wackeligen und bis zu 3 Meter hohen Packlage vorfand. Hinter den Anglern war ein kleiner Absatz oder auch eine kleinere Mauer und diese Erhöhungen und der feste Untergrund regte die Phantasie einiger Teilnehmer bezüglich des Abrollens oder auch Absteckens der Rute an. Man konnte, wie es die meisten Teilnehmer machten, einfach ein Rutenfutteral hinter sich legen, man konnte es aber auch etwas aufwändiger machen. Was teilweise eher zur Belustigung führte, zeigte aber auch, dass sich z. B. die Franzosen im Vorfeld schon sehr intensiv mit der Strecke auseinandergesetzt haben mussten, denn deren Konstruktion war nicht mal eben in Serbien zusammengebastelt worden.

Abenteuerliche Konstruktionen gab es zum Abrollen der Rute
Abenteuerliche Konstruktionen gab es zum Abrollen der Rute - Slideshow

In den Sektoren C, D und E zog sich die Packlage bis auf eine Entfernung von 9 bis 11 Metern ins Wasser und hier war die Option auf den Steinen oder am Ende der Steine zu angeln. Die dichtesten Futterplätze wurden auf einer Entfernung von 5 Teilen angelegt, wobei ein oder zwei Teile abgesteckt wurden und das Ende war bei 13 Metern erreicht, wobei auch ganz vereinzelt auf die Bolorute gesetzt wurde, sofern Krautfelder in größerer Entfernung vor den Anglern lagen. Teilweise lagen sehr große Krautfelder vor den Anglern, doch im späteren Verlauf zeigte sich, dass eher die kleinsten Grundeln in diesen Schutz suchten und wer mit der Rute an das Kraut ging, konnte zwar bei der Stückzahl punkten, nicht aber beim Gewicht.
Während es in der Trainingswoche in den Sektoren A und B rein und raus ging und Spitzengewichte von 7 kg gefangen wurden, so waren in den Sektoren C bis E Anfang der Woche 2,5 kg sehr gut und alles über einem Kilogramm in Ordnung. In A und B waren das dann um die 400 Fische, die in diesem strömungsreichen Bereich wesentlich größer waren als in den restlichen Sektoren. Nach einigen Tagen und hunderten von Grundeln sahen die Hände einiger Teilnehmer durch das Hakenlösen und dornigen Grundeln sehr mitgenommen aus. Zugunsten der Schnelligkeit verzichteten viele Teilnehmer auch bei tief geschluckten Fischen auf den Hakenlöser und lösten den Haken nur mit den Fingern. Die Franzosen überzogen daher ihren Hakenlösefinger mit mehreren Schichten Sekundenkleber, der hinterher mühelos entfernt werden konnte. Gegen Ende der Trainingswoche wurde dann immer weniger gefangen und weitaus defensiver gefüttert. Am Mittwoch flogen bei den Teams noch einige große Futterballen per Hand auf die Angelplätze und am Donnerstag wurde nur noch der Polecup rausgeschoben.

600 bis 800 Gramm in drei Stunden waren in C, D und E die Regel, in einigen Bereichen waren jedoch auch größere Grundeln, so dass die Kilomarke geknackt wurde. Bei einer Angelzeit von 4 Stunden entschieden sich viele Teams täglich nur drei bis dreieinhalb Stunden zu trainieren, da das Angeln extreme Konzentration forderte und die schwüle Hitze den Aktiven zusehends zusetzte. Von Montag bis Mittwoch zeigten die ortskundigen Teams aus Serbien, Kroatien, Bosnien oder auch Rumänien nicht viel. Es wurde geangelt, jedoch eher lustlos. Normalerweise kann sich jedoch kein Team erlauben nicht mit vollem Einsatz und unter Einbringung aller Erfahrungen zu trainieren, da eine derart intensive Trainingswoche, wie sie bei WM oder auch EM vorherrscht nicht simuliert werden kann.

So blieb die Frage, ob nicht doch noch größere Fische auf die Strecke ziehen würden, die mit einer gesonderten Futter- und Angeltechnik zu beangeln wären. Am Mittwoch trainierte das deutsche Stipp-Profi Team im C Sektor und in der Box links daneben sorgte nach einer knappen halben Stunde der mehrfache Mannschafts- und Einzelweltmeister Alan Scotthorne aus England für die erste kleine Aufregung, als sein Gummizug grundelunüblich 3 Meter aus der Rute kam und er wenig später eine Karausche von ca. 700 Gramm kescherte. Schnell kamen die Kiebitze der Teams herbeigeeilt, um zu sehen, ob in diesem Bereich noch mehr große Fische kommen würden und sie wurden nicht enttäuscht. Heiko Schmidt von den Stipp-Profis leinte innerhalb von 20 Minuten 4 dicke Fische an, von denen er 3 landen konnte. Neben den üblichen Grundeln waren das am Ende über 5 Kilogramm und das deutsche Team war für einen Tag in aller Munde. Der Platz sah mit einer Schneise im Kraut vorbildlich für den Fang einen karpfenartigen Fisches aus und fortan wurden Plätze mit Kraut von allen Teams intensiver mit Futter und Maden befüttert. Dem Engländer Lee Kerry schlitze am Mittwoch nach 3 Stunden noch ein großer Karpfen aus und auch das holländische Team verlor einen guten Fisch, doch am Donnerstag war der Spuk schon wieder vorbei und nur noch am Freitag konnte am Anfang des Sektors C eine Karausche gefangen werden.

Ein starker Fisch hatte Heikos Köder genommen
Ein starker Fisch hatte Heikos Köder genommen - Slideshow

Teilweise zogen größere Ukeleischwärme die Strecke hoch und runter und im klaren Wasser konnte man sehen, wie sie teilnahmslos direkt an den angebotenen Ködern vorbeizogen. Die Ukeleis waren durchaus interessant, da sie mit durchschnittlichen 20 Gramm ein ordentliches Gewicht mitbrachten, doch nichts konnte sie zum Fressen verleiten. Selbst lose eingeworfene kleine Mückenlarven konnten sie nicht aktivieren, die Fische schwammen durch die runterrieselnden Larven hindurch, ohne auch nur einmal das Maul zu öffnen. Maximal ein Ukelei lies sich alle fünf Minuten dann doch einmal zum Anbiss verleiten und das war viel zu wenig. Am Freitag wurde dann klar, was die kleinen Oberflächenfische eigentlich im Sinn hatten, denn sie laichten auf der mit Algen überzogenen Packlage.

Kräftige Winde mischten das Wasser ordentlich auf
Kräftige Winde mischten das Wasser ordentlich auf

Wer nun meinte, dass die Angelei und Taktik damit klar und einfach war, der irrte allerdings. Grundeln wurden auf jedem Platz und in jeder Entfernung gefangen, doch entscheidend war die Größe. Nur wer nach jeder fünften Grundel unter 10 Gramm auch mal wieder einen Fisch von 30 bis 40 Gramm fing, konnte am Ende auch ein respektables Ergebnis verwiegen. Es galt also die größeren Grundel zu selektieren, Futterplätze anzulegen, die entweder nur von größeren oder nur von kleineren Grundeln frequentiert wurden, Angel- und Futtertaktiken zu finden mit denen man zu den vielen Minigrundeln auch einige Monstergrundeln fing. Während am Anfang der Trainingswoche meist zwei Futterplätze massiv und mit vielen Ködern befüttert wurden, so sah es am Ende der Woche bei den meisten Teams eher so aus, dass 3 bis 6 Angelplätze angelegt wurden. Diese wurden dann unterschiedlichst befüttert. Futter mit Maden oder Pinkies, sehr grobes und helles Futter, sehr dunkles und feines Futter, tote oder lebendige Maden oder Pnkies, Futter mit Castern, leichte, sich sofort öffende Erde mit kleinen oder großen Mückenlarven, sehr stark abgebundene Erde mit Mückenlarven oder Würmern, pure, geschnittene Würmer lose gecuppt, Mais für den eventuellen Bonusfisch, wobei auch Maiskörner von den Grundeln nicht verschmäht wurden, usw.... Die Grundeln reagierten sehr stark auf Bewegung. Ein Umstand, der eine große Rolle bei der Köderführung spielte und der auch bei der Fütterung beachtet werden musste, denn zu viele lebende Köder auf dem Futterplatz brachten sehr viele Fehlbisse mit sich und so wurden eher tote Köder gefüttert und einer der wenigen lebhaften Köder am Angelplatz musste an einem Haken hängen.

Helle und dunkle Futtermischungen kamen zum Einsatz
Helle und dunkle Futtermischungen kamen zum Einsatz - Slideshow

Aufgrund dieser vielfachen Optionen hinsichtlich der Futterplätze durfte man gespannt sein auf den ersten Durchgang und die ab 8.45 Uhr stattfindende Futterkontrolle. 17 Liter Futter und 2,5 Liter Köder waren erlaubt, doch jeder Angler benötigte davon nur einen Bruchteil, so dass natürlich nicht gleich zu sehen war, was von den gezeigten 17 Litern wirklich gefüttert werden würde, doch Tendenzen waren zu erkennen. Fast alle Teams zeigten Futter und Erde separat, keiner hatte einen Mix und viele hatten, gelbes, sehr grobes Futter angerührt. Meist konnte man Sensas Karpfen fein herausriechen, ein Klassiker der eigentlich bei jeder, in wärmeren Gefilden stattfindenden Veranstaltung, in den Futtereimern zu finden ist. Das englische Team der Barnsley Blacks vertraute auf das Futter von Marcel van den Eynde und kam mit sehr wenig Material ans Wasser. 5 bis 6 Liter schwere Erde mit einem Anteil von vielleicht 20 % Futter wurden in den Sektoren C bis E gezeigt und auch in den fischreicheren Sektoren A und B waren es nur einige Liter mehr. Das deutsche Team schöpfte das Limit ebenfalls nicht aus und vertraute auf jeweils 6 Liter stark abgebundene schwere Erde und einen 50/50 Mix aus Futter und schwerer Erde, der ebenfalls noch leicht abgebunden wurde. Damit unterschieden sich die beiden Teams vor allem darin, dass sie kein pures Futter dabei hatten, wobei sich bei der Anfangsfütterung dann zeigte, dass fast alle Teams mit einem hohen bis puren Erdanteil auf die Grundeln agierten und das Futter auf einer Bahn über die 13 Meter hinaus für einen eventuellen Bonusfisch eingebracht wurde. 

Die Köderauswahl der Serben mit relativ vielen Maden
Maden und Mückenlarven gehörten zu den wichtigsten Ködern - Slideshow

Bei den Ködern waren bei den meisten Teams mindestens 1 Liter Maden zu sehen, dazu 0,5 bis 1 Liter kleine oder große Mücken und 0,5 Liter Würmer. Dazu teilweise noch Pinkies, Caster oder, sofern der Liter Maden teilweise zum Kleben gedacht war auch noch ein halber Liter tote Maden. Farblich wurde bei den Maden ein bunter Mix bevorzugt, geangelt wurde später aber meist mit weißen Maden am Haken. Das deutsche Team hatte einen höheren Anteil (0,75 Liter) an bereits vor dem Angeln sehr fein geschnittenen Würmern dabei, da insbesondere die größeren Grundeln gut auf kleine Würmer oder kleine Wurmstückchen am Haken reagierten. Später zeigte sich leider, dass Würmer nicht zwingend der Schlüssel zum Erfolg waren.
In Richtung Durchgang 1 hatte sich die Angelei in den Sektoren A und B mittlerweile auf die ersten 5 bis 6 Teile der Kopfrute verkürzt. Es wurde also immer dichter als noch am Anfang der Trainingswoche geangelt. Ein 5teiliges Topset mit 4 Teilen Schnur war nun gängige Praxis, wobei die Kiepen mit lang ausgezogenen Beinen extra hoch aufgestellt wurden und die Angler zum Abhaken eines Fisches ins halbe fünfte Teil griffen, den Fisch am ausgestreckten Arm griffen und mit Hilfe des Gummizuges zu sich zogen.

Trotz verkürzter Schnur wurde nicht abgesteckt, sondern einfach weiter oben in die Teile gegriffen. Damit die Rute nicht aufsetzte, wurde die Kiepe sehr hoch aufgebaut
Trotz verkürzter Schnur wurde nicht abgesteckt, sondern einfach weiter oben in die Teile gegriffen.
Damit die Rute nicht aufsetzte, wurde die Kiepe sehr hoch aufgebaut

So musste nicht abgesteckt und es konnte Zeit gespart werden. Zusätzlich konnte die um ein Teil kürzere Montage umgehend wieder punktgenau eingesetzt werden und es war bei einer Wassertiefe von 3,5 Metern nicht zu viel Schnur zwischen Rutenspitze und Pose. Das Wasser strömte in einer Entfernung von 5 bis 6 Metern vom Ufer sehr gemächlich, 4 bis 6 Gramm hätten sicherlich zum Blockieren des Köders ausgereicht, doch geangelt wurde mit Posen bzw. Lutschern von 15 bis 40 Gramm. Schnell runter mit dem Blei und dann musste sich die Pose genau auf den Punkt stellen, von dem sie sich auf der Packlage auch keinen Zentimeter mehr bewegen durfte. Extrem lange Antennen waren auf den Lutschern zu sehen und die Technik war es, sofort nach dem Einsetzen der Pose zu dieser Kontakt zu halten und die Pose an gespannter Schnur absinken zu lassen. Diese Spannung wurde dann vom Einsatz bis zum Biss gehalten, die Antenne maximal kurz angelupft. Das internationale Regelwerk wurde dabei nicht sonderlich ernst genommen und auch aufgrund fehlender Kompetenz von den Streckeposten ignoriert, denn man sah eigentlich deutlich, dass an vielen Posen doch einiges zu viel an Blei war und die Angelei dem Tunken sehr nahe war.

In den Sektoren A und B kamen überwiegend Lutscherposen, hier Cralussos, zum Einsatz
In den Sektoren A und B kamen überwiegend Lutscherposen, hier Cralussos, zum Einsatz - Slideshow

In den Sektoren C bis E waren es dann aber aufgrund der fast fehlenden Strömung und des Wellengangs normale, meist eiförmige, stabile Posen mit einer gut sichtbaren dicken Antenne und Tragkräften von 3 bis 12 Gramm. Immer noch recht viel bei einer Wassertiefe von ca. 2,5 Metern, doch wichtig war, dass sich die Pose schnell und stabil stellte. Es gab zwar sehr viele Fehlbisse, doch diese kamen von den Kleinstgrundeln und es machte wenig Sinn kleine Posen, feine Schnüre und winzige Haken zu fischen, denn Fische von 2 bis 3 Gramm brachten keinen nach vorne.

Vorne die kompakte Bebleiung bei Rene Schmidt und dahinter wird der Cralusso unter Spannung gehalten
Vorne die kompakte Bebleiung bei Rene Schmidt und dahinter wird der Cralusso unter Spannung gehalten

Die Bebeleiung war in allen Sektoren kompakt. Ein kräftiger Bulk, ein bis maximal zwei Schrote auf 10 Zentimeter unter dem Bulk und dann eine kurzes, maximal 15 Zentimeter langes Vorfach. Das war es auch schon und damit sich diese eigentlich verwicklungsfreie Montage nicht doch noch verheddert, angelten die Italiener beispielsweise gleich mal eine 28er Hauptschnur und ein 25er Vorfach. Wohlgemerkt auf Fische bis 40 Gramm.
Also los in den ersten Durchgang, unzählige Polecups wurden auf die verschiedenen Bahnen geschoben und mit dem Signal des Angelbeginns zeigten die ortskundigen Teams wie sie dort angelten. Ansatzweise war ihre Technik natürlich auch schon im Training zu sehen, allerdings nicht in dieser letzten Konsequenz. Es wurde gepilkt. Während die Lutscher in den Sektoren A und B mittels der beschriebenen Technik sofort auf dem Futterplatz standen wurde die Pose in den übrigen Sektoren ca. einen halben Meter über das Wasser gehalten und dann losgelassen, so dass das Blei ungehindert zum Grund sinken konnte und in diesem freien Fall gegen die Steine schlug. Erfolgte innerhalb von 4 bis 5 Sekunden kein Biss wurde ein Anhieb gesetzt und die Prozedur wiederholt. Meist war sowieso kein Biss in den Wellen zu sehen oder der Schwimmer schaute im Wellental aufgrund der kompakten Bebleiung zu Hälfte heraus, so dass meist ins Ungewisse angeschlagen wurde, doch nicht selten hing eine Grundel am Haken. Manchmal war natürlich auch ein Biss zu sehen, aber meist wurde nach kurzer Zeit angeschlagen, danach rauschte das Blei wieder zum Grund, die Pose stellte sich, usw.

Los geht´s, 125 Polecups werden rein- und rausgeschoben
Los geht´s, 125 Polecups werden rein- und rausgeschoben

Füe das deutsche Stipp-Profi Team waren Steffi Bloch, Ralf Herdlitschke, Rene Schmidt, Chris Weiss und Heiko Schmidt, der am zweiten Tag durch Lutz Schenke ersetzt wurde am Start und der Anfang war nicht schlecht. Stückzahlmäßig war man gut dabei, doch die Fische waren vielfach zu klein. Mit 166 Fischen wurde Steffi Bloch z. B. nur 19te im 25er Sektor obwohl einige Teilnehmer 20 Fische weniger zur Waage brachten, diese aber trotzdem 600 Gramm mehr anzeigte.

Das Team der Stipp-Profis aus Brandenburg
Das Team der Stipp-Profis aus Brandenburg

Insgesamt war es eine technischte und schnelle Angelei und die Stipp-Profis gingen das Tempo gut mit. 9 der gelosten 10 Plätze waren in guten Bereichen, lediglich Ralf Herdlitschke saß im zweiten Durchgang auf der B21 auf verlorenem Posten. Die 20iger Plätze waren die einzigen Plätze in den Sektoren A und B die keine Strömung aufwiesen und ohne Strömung gab es weniger und kleinere Fische. Alle anderen Plätze waren dagegen in guten Bereichen, auf den Nebenplätzen angelten andere Nationen teilweise sehr gute Platzierungen, so dass man nur zu dem Schluss kommen kann, dass grundlegende Fehler in der Futter- und Angeltaktik gemacht wurden.

Ralf Herdlitschke nach dem ersten Durchgang mit PZ 11
Ralf Herdlitschke nach dem ersten Durchgang mit PZ 11

In den Sektoren A und B war es sehr gut zwei Futterplätze auf einer horizontalen Linie anzulegen. stromab wurden nur Mückenlarven gefüttert und stromauf nur tote Maden und einige geschnittene Würmer. Die kleinen Grundeln stürzten sich auf die Mückenlarven und stromauf konnte man somit gezielter auf die größeren Grundeln angeln. Wer allerdings zwei Futterplätze, ob nun horizontal oder vertikal, anlegte und beide mit Mückenlarven befütterte, der versammelte zu viele kleine Fische auf beiden Plätzen. Die Stückzahl war dann meist hoch und im Vergelich zu den Mitstreitern wähnte man sich gut im Rennen, doch am Ende zeigte sich an der Waage, dass das Durchschnittsgewicht zu gering war.

Lee Kerry von den Barnsley Blacks konnte mit seinem Fang zufrieden sein und am Ende reichte es für die Bronzemedaille
Lee Kerry von den Barnsley Blacks konnte mit seinem Fang zufrieden sein und am Ende reichte es für die Bronzemedaille


In den Sektoren C bis D legten die erfolgreichen Nationen teilweise bis zu sechs Futterplätze an, die nacheinander in einem sehr schnellen Rhytmus abgefischt wurden. Hing nach zwei Pilkeinsätzen kein Fisch, so wurde sofort der Platz gewechselt. Bei diesen doch sehr vielen Futterplätzen kristallisierten sich im Laufe des Angelns dann aber 2 bis 3 effektive Plätze heraus, die dann nur noch befischt wurden. Auf den verschiedenen Plätzen wurden auch nie mehr als zwei verschiedene Köder gefüttert, um die großen von den kleinen Grundeln zu selektieren. Ständig wurden Köder und Angelplatz gewechselt, die Tiefe angepasst, die Montagen durchgetauscht, bis der Platz, der Köder und das Anbieten des Köders zu regelmäßigen Fängen und nicht zu kleinen Fischen führte. Dazu schien es doch vorteilhaft zu sein, pures Futter und viele Maden einzubringen, obwohl die Engländer sehr passiv mit ganz wenig Futter und sehr wenigen Ködern auch sehr erfolgreich waren. Alan Scotthorne loste zweimal den fischärmsten C Sektor und war nicht besonders glücklich darüber. Für das team war es jedoch eminent wichtig, diesen Weltklassemann im schwierigsten Bereich zu haben, den mit seiner ganzen Klasse angelte er unglaublich sauber und genau seine Futerplätze ab und brachte von zwei eher schlechten Plätzen nicht zu viele Punkte für das Team mit.
Der zweite Tag brachte dann auch doch noch ein paar andere Fische. Auf C 24 wurde mit 2 Karauschen gewonnen, im D Sektor hakte ein Italiener einen Rapfen und im E Sektor fraßen auf einmal die Ukeleis wieder, so dass der dort sitzende Franzose mit 2 kg Ukeleis dritter wurde.

Alan Scotthorne zeigte in Serbien sein Klasse
Alan Scotthorne zeigte in Serbien sein Klasse


Eine sehr schwache Vorstellung bot allerdings der Weltverband. Claudio Matteoli machte eher den Eindruck eines interessierten Touristen als dem eines Präsidenten und es liefen einige Dinge schief. Der Wasserstand des Sees war während der gesamten Woche sehr niedrig, die Angler saßen sehr hoch und teilweise auch noch bis zu 1,5 Metern hinter der Wasserlinie, so dass einige Setzkescher trotz der Länge von 4 Metern nicht oder nur gerade so eben das Wasser berührten. Starker Wellengang tat sein Übriges und schleuderte die Kescher in die Steinpackung, wo diese sich ebenfalls abseits des Wassers verkeilten. Auch wenn die Grundeln sich sehr widerstandsfähig präsentierten, so waren diese Bedingungen für viele Fische der sichere Tod. Das Problem wurde zwar rechtzeitig erkannt und besprochen, eine Lösung wurde aber nur unzureichend präsentiert. In der aus sehr großen und sehr wackeligen Steinen bestehenden Packlage durften sich die Angler in Sektor C am zweiten Tag immerhin ins Wasser setzen, so dass die Kescher gut im Wasser waren.
Dazu fiel im ersten Durchgang im C Sektor die Waage aus. Ein Ersatzgerät zeigte dann kuriose Gewichte an, so dass mehrfach gewogen wurde und einige Teilnehmer ihre Unterschrift verweigerten. Auch die Verlosung des zweiten Durchgangs musste teilweise wiederholt werden und als die Angler um 8.00 Uhr ihre Plätze betreten durften, wussten einige noch nicht wo sie denn sitzen würden, da die Verlosung noch anhielt. Der gesamte Zeitplan wurde daraufhin verschoben. Der Weltverband hatte zu wenig qualifizierte Mitarbeiter mit nach Serbieb gebracht, so dass einige Dinge sehr dilettantisch und einer Weltmeisterschaft nicht würdig abliefen.

Das ungarische Team wurde neuer Club-Weltmeister
Das ungarische Team wurde neuer Club-Weltmeister - Slideshow

Das ungarische Exner Team wurde nach zwei starken Durchgängen verdient Clubweltmeister, die Serben verbesserten sich noch in die Medaillen auf Platz 2 und die Engländer behaupteten ihren 3. Platz vom Vortag. Ganz stark am zweiten Tag die Holländer, die sich als tagesbestes Team noch auf den 5. Platz in der Gesamtwertung hinaufkatapultierten.

Endergebnis

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4 Kommentare
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  • Martin88
    Sekundenkleber
    Doch, doch. Das habe ich schon so verstanden. Bin mir nur nicht sicher, inwiefern Ironie eine Rolle spielt, denn Sekundenkleber auf den Finger ist keine so schöne Angelegenheit.. ;-)
  • der-meister
    Sekundenkleber
    @Martin88 Kann das sein, dass du die Sache mit dem Sekundenkleber nicht richtig verstanden hast?! Den Sekundenkleber macht man sich auf Daumen und Zeigefinger und läßt es trocknen. Dann wird die Haut nicht so weich, beim Hakenlösen. Das benutzt man wenn viele Fische zu erwarten sind. MfG
  • Martin88
    Sekundenkleber
    Wirklich ein sehr interessanter, detaillierter Bericht! Aber wie haben die Franzosen ihren Finger "mühelos" vom Sekundenkleber befreit?
  • brassenopa
    aus eichwalde
    Clubweltmeisterschaft
    Großes Lob für einen wirklich ausführlichen und interessanten Bericht.Schade das es fürs Stippprofi team nur für den 19 Rang gereicht hat.Dafür können sie uns wieder zu hause verprügeln!!!Irgendwann wird es schon mal klappen!