Europameisterschaft in Polen - Eviva Espana

  • von ct Redaktion
  • 24. Juli 2011 um 13:27
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Sonntag, 26. Juni 2011, kurz vor der Siegerehrung. Auf einmal kam doch noch Leben, ein Hauch von Heiterkeit und Glanz in die Europameisterschaft 2011. Plötzlich stand die spanische Mannschaft jubelnd und feiernd inmitten der anderen Nationalmannschaften und lauthals wurde "Eviva Espana" gesungen. Die Spanier waren die heimlichen Gewinner dieser 17. Europameisterschaft und überall wo sie auftauchten gab es anerkennenden Applaus.
Ansonsten war es eine sehr bescheidene, gar trostlose EM bei der man eher den Eindruck hatte, dass die Polen zu dieser Veranstaltung verdonnert worden wären, als dass sie sich um diese internationale Veranstaltung beworben hätten. Es fing damit an, dass lange Zeit nicht klar war, an welchem Gewässer in Polen die EM eigentlich stattfinden würde. Immer wieder wurden neue Gewässer in den Ring geworfen, zeitweise hieß es sogar, dass die Veranstaltung in ein anderes Land verlegt werden würde. Am Ende war es dann der Kanal Ulgi in Opole für den man sich trotz aller Unsicherheiten entschied.

Der Ulgi Kanal in Opole
Der Ulgi Kanal in Opole - Slideshow -

Nach den schlechten Erfahrungen mit dem Hochwasser an der Warta in Poznan im letzten Jahr, sollte es nun besser werden, doch man entschied sich für einen Umflutkanal der Oder, der natürlich auch hochwasseranfällig war, in diesem Fall sogar äußerst sensibel auf Regenfälle im südlichen Polen reagierte, denn das Wasser wurde umgehend milchkaffebraun und schnell und vernagelte die Mäuler der Fische. Von diesem Umstand konnte sich die technische Kommission der FIPS Anfang Mai noch selbst ein Bild machen, als beim polnischen Grand Prix fast keine Fische gefangen wurden und seitdem brodelte wieder die Gerüchteküche. Eine Terminverlegung und natürlich weitere Ausweichgewässer sowie ein Fischbesatz wurden eifrig diskutiert und fast täglich gab es neue Wasserstandsmeldungen. Gleiche Bedingungen für alle, aber trotzdem schade für die Teams, die gerne im Vorfeld trainiert hätten oder trainierten und kaum Fische fingen. Denn erst zwei Wochen vor Beginn des offiziellen Trainings wurde dann endgültig festgelegt, dass im Ulgi Kanal gefischt wird und mitgeteilt, dass man Fische besetzten würde. Wie man diese Fische im Kanal halten wollte wurde dabei allerdings nicht verraten und da die Fische in der angrenzenden Oder mehr Nahrung und Sauerstoff vorfinden, konnte man davon ausgehen, dass sie sich auch auf den Weg Richtung Oder machen würden. Ein Netz sollte gespannt werden, doch wie spannt man ein Netz über einen 45 Meter breiten und 3 Meter tiefen Kanal, der dazu auch noch eine nicht unwesentliche Strömung aufweist?
Einige Nationalmannschaften trainierten im Vorfeld und die durchsickernden Informationen ließen nichts Gutes vermuten. Einzelne Fische wurden gefangen, überwiegend Barsche und Ukeleis und meist an einer Hand abzählbar. Pro Team und Tag selbstverständlich.

Kleinste, im Durchschnitt 1,2 Gramm schwere Fische galt es zu beangeln
Kleinste Fische galt es zu beangeln
- Slideshow -
Doch so schlimm war es nicht, denn es gab immerhin einen ordentlichen Bestand an Brutfischen im Uferbereich. Kleine Barsche, Rapfen, Döbel, Alande, usw. im 1 Grammbereich. Genauer gesagt 1,2 Gramm brachten die Kleinfische im Schnitt auf die Waage und so ging es letztlich auch um jedes Gramm. Darauf konnte man sich einstellen und es gab ja auch noch einige Bonusfische im Kanal, die jeden Angler sofort nach vorne katapultieren konnten.

Mit viel Wind begann die Trainingswoche sehr stürmisch und es war in den Wellen nicht einfach die kleinen Fische sauber zu beangeln. Hier und da mal ein Bonusbarsch, Brassen oder Aland und dann kam die Meldung, die das Angeln der ersten Tage eigentlich zur Makulatur werden ließen.

Am Abend des zweiten Trainingstages sollten nun doch Fische besetzt werden. Rotaugen und Brassen, 2,5 Tonnen. Sicherlich nicht allzu viel für diesen Kanal, doch sofern es nun möglich sein sollte 3 Weißfische mit 400 bis 500 Gramm Gesamtgewicht zu fangen, so würde das Angeln auf die kleinen Brutfische kaum mehr relevant sein, denn mit den Kleinstfischen kam man in den 4 Stunden Angelzeit auf maximal 350 bis 400 Gramm.

Der Engländer Steve Gardener mit einem Durchschnittsfisch
Der Engländer Steve Gardener mit einem Durchschnittsfisch

Die Karten schienen ab Mittwoch also neu gemischt und unter den Teams kursierte die Frage, wann, wo und wie viele Fische besetzt werden würden. Allmählich sickerte dann aber durch, dass sich der Veranstalter gegen einen Besatz entschlossen hatte, da tagsüber gegen Mitte der Woche Temperaturen von über 30° Grad Celsius erreicht wurden und man nicht das Risiko eingehen wollte, dass zahlreichen Fische aufgrund des Stresses und Gewässerwechsels verenden und tot im Wasser treiben würden. Den Fischen zuliebe sicherlich eine vernünftige Entscheidung, die Teilnehmer waren aufgrund des Hin und Hers zunehmend genervt. Also keine Fische in den Ulgi Kanal, das Thema sollte nun endgültig vom Tisch sein, die Teams konnten sich darauf konzentrieren, die Brutfische in guter Stückzahl zu fangen und nebenbei einen Bonusfisch mitzunehmen. Keine so schlechte Angelei also, die so oder so einen Gewinner, einen neuen Europameister hervorbringen würde. Dachte man!!!
In der Trainingswoche kristallisierten sich einige Plätze heraus an denen größere Fische gefangen wurden. Keiner wusste so recht warum, doch bestimmte Trainingsboxen produzierten immer wieder einige Brassen von 600 bis 800 Gramm und auf bestimmten Plätzen sammelten sich Barsche von 50 bis 250 Gramm. Wer dort saß fing seine Fische, es war maximal die Frage wie viele. Die Waliser fingen 11 Brassen an einem Trainingstag und es gab einige Plätze über die Strecke verteilt auf denen man auf 13 Metern 10 bis 12 Barsche fangen konnte.

Henric Plass

Fische über 20 Gramm waren Bonusfische - Slideshow -

Henric Plass vom deutschen Team erwischte am 3ten Trainingstag einen solchen Platz, der symbolisch für diese Bonusplätze auf der Strecke war. Die Mannschaftskollegen rechts und links von ihm fingen nicht einen Barsch, geschweige denn größeren Fisch auf der gleichen Bahn, was zeigte, dass es extrem schwer war die größeren Fische zu aktivieren und auf den eigenen Platz zu ziehen. Die größeren Fische waren extrem standorttreu und während der eine fing, schaute der andere in die Röhre. Johannes Böhm und Mike Osterwald fingen die beiden einzigen Brassen des deutschen Teams in der Trainingswoche, doch auf den kürzeren Bahnen wurden vom gesamten Team noch einige Bonusbarsche überlistet. Peter König hatte für Polen die international erfahrenen Ralf Herdlitschke, Harald Windel, Henric Plass und Rene Bredereck nominiert; Johannes Böhm, Mike Osterwald und Dennis Kuhfuss sorgten für die Verjüngung und jugendliche Frische. Betreuer und Bankrunner waren dazu Oli Flam und Karol Pacyna.

Das deutsche Team der Europameisterschaft 2011
Das deutsche Team der Europameisterschaft 2011

Der Ulgi Kanal war gesäumt von zum Teil bis zu 1 Meter breiten in Wasser ragenden Schilfgürteln, es gab aber auch viele Plätze die einfach nur sandig und ohne jeglichen Bewuchs am oder im Wasser waren. Teilweise waren auch kleinere Krautfelder im Uferbereich und wer Kraut oder Schilf auf seinem Platz hatte, der konnte zumindest mit einer guten Anzahl an Brutfischen in seinem Bereich rechnen. Kleine Kehrströmungen oder auch nur ein etwas größerer Stein im Uferbereich machten Hoffnung an diesen Plätzen einige Grammfische zu fangen. Verschiedenste Taktiken kamen zum Fang der Kleinstfische zum Einsatz. Während die Italiener, Belgier und Franzosen ständig kleinste Futterportionen sehr feines Ukleifutter mit wenigen kleinen Mückenlarven warfen, cuppten viele Nationen haselnussgroße Bällchen aus dunkler Terre de Somme mit kleinen Mückenlarven direkt an das Schilf, das Kraut oder einen im Wasser liegenden größeren Stein. Wer im Uferbereich einen strömungsfreien Bereich oder einen kleinen Kehrstrom vor sich hatte, konnte zudem mit kleinsten Kügelchen purer Mückenlarven, die sich nach dem Auftreffen auf die Wasseroberfläche lösten und langsam zum Grund sanken erfolgreich nachfüttern.

Viel Erde und sehr wenig Futter wurde bei der Futterkontrolle gezeigt
Viel Erde und sehr wenig Futter wurde bei der Futterkontrolle gezeigt

Die Teilnehmer mussten sich ihren Platz also erst einmal genau anschauen und dann entsprechend der Ufer- und Wasservegetation in der Box die Sitzkiepe aufbauen. Mehrere Futterplätze wurde dann im Uferbereich angelegt, denn nicht jeder optisch gut aussehende Platz war nachher auch produktiv und je mehr Kleinstfische auf dem Platz waren, desto höher war auch die Wahrscheinlichkeit einen der vielen Raubfische auf den Platz zu ziehen. Meist waren es Hechte oder auch mal Rapfen, die kräftig unter den kleinen Fischen aufräumten. Die Raubfische zogen den Kanal hoch und runter und es war nur eine Frage der Zeit bis mal wieder einer auf dem Futterplatz raubte und bis auf weiteres erstmal kein kleiner Fisch zu fangen war.

Der Engländer Steve Hemingray mit einem Trainingszander
Der Engländer Steve Hemingray mit einem Trainingszander

Ein Hecht von ca. 5 kg konnte während der Trainingswoche sogar mit der Kopfrute gefangen werden, doch ein gezieltes Angeln auf die Räuber machte wenig Sinn. Allerdings zogen die Brutfische auch Barsche von 50 bis 150 Gramm in den Uferbereich. Die französische Mannschaft verstand es hervorragend die kleinen Fische mit einer guten Bissausbeute zu fangen und immer mal wieder einen guten Barsch mitzunehmen, so dass sie auf fast allen Plätzen bis zu 600 Gramm fangen konnten.

Jeder noch so kleine Fisch zählte und so hielt es nicht alle Angler auf den Plätzen
Jeder noch so kleine Fisch zählte und so hielt es nicht alle Angler auf den Plätzen

Alles wurde versucht, um auch noch den letzten Kleinfisch auf dem Angelplatz bzw. im Bereich des Angelplatzes zu fangen. So verließen einige Angler ihre Kiepe und suchten rechts und links die Schilfbüschel oder Krautfelder nach Fischen ab oder wer lieber sitzen bleiben wollte, angelte mit der langen Kopfrute parallel zum Ufer. Nichts wurde unversucht gelassen, doch die Regeln sagen, dass man zwar innerhalb der Abgrenzungen seinen Platz befischen darf, doch jeder Fisch muss sofort nach dem Fang in den Setzkescher. So wurde Gramm um Gramm zum Platz gebracht und wer seine Fische im Eimer zwischenhälterte kassierte im Nachgang einen Punktabzug. Es zeichnte sich ab, dass Gewichte ab 400 Gramm für die Mannschaftswertung ein sehr gutes Ergebnis wären und so konzentrierten sich die Franzosen gegen Ende der Woche ausschließlich auf die Kleinfischangelei im Uferbereich mit dreiteiligen Kits. Geangelt wurde entsprechend fein und leicht. 8er Hauptschnüre, 7er Vorfächer von 10 bis 15 cm Länge, darüber ein Bulk aus 12er Schroten und sensibelst ausgebleite Posen von 0,1 bis 0,3 Gramm Tragkraft kamen zum Einsatz. Passen musste auch der Gummizug, der die erste Flucht eines Bonusbarsches abfangen, ihn aber auch daran hindern musste in das Kraut zu flüchten. Viele Kleinigkeiten machten den Unterschied aus, denn bei diesen geade noch beangelbaren Fischen musste vieles passen, sonst gab es zu viele Fehlbisse. Das lag sicherlich daran, dass sich zu kleine Fische auf den Köder stürzten und diesen nicht schlucken konnten, doch Vorfachlänge, Bebleiung und Hakengröße mussten einfach passen. Dazu brauchte man kleine, quirlige und dabei sehr feste Mückenlarven für den Haken. Oder man angelte mit Foullies, den kleinen Futtermücken und da zeigte sich, wie perfekt beispielsweise die Franzosen den Rhythmus aus Füttern, Beködern, Bisse verwerten, usw. angeln können.

Strömungsposen waren an den meisten Topsets
Strömungsposen waren an den meisten Topsets

Auf die größeren Fische wurde überwiegend mit Cralussos, allen erdenklichen Lutscherposen aber auch normalen Strömungsposen geangelt. In den oberen Sektoren D und E war es schmaler und flacher, so dass dort die etwas schwereren Monturen zum Einsatz kamen, doch mit einer Range von 2 bis 8 Gramm war man in allen Sektoren gut gewappnet. Teilweise wurden zum absoluten Blockieren bis zu 30 Gramm geangelt, doch Bisse waren dann nicht mehr zu sehen und jeder Biss war kostbar. Es war nicht ungewöhnlich in der Trainingswoche keinen Fisch auf 13 Metern zu fangen, doch es gab auch noch die Spur am Ende der Packlage. Diese Bahn wurde mit den ersten 5 bis 7 Teilen der Kopfrute erreicht und teilweise war es sogar tiefer als in der Mitte des Kanals. Am Ende der Stein wurden vor allem Bonusbarsche von 100 bis 200 Gramm gefangen, sehr selten war auch mal ein Weißfisch dabei. Im Trieb gab es kaum Bisse und somit wurde die Pose überwiegend stark verzögert geführt. Jeder Lutscher musste dabei sensibelst ausgebleit werden, denn es gab nicht viele Chancen auf einen Biss und gerade in den Wellen war es wichtig, dass die Posenantenne trotz der verzögerten Führung nur so wenig wie möglich aus dem Wasser ragte. Steve Gardener aus dem englischen Team markierte dazu die obere Hälfte seiner roten Posenantennen mit schwarzer Farbe und erst wenn die Antenne bei zu starker Verzögerung rot zeigte, ließ er wieder laufen.

Steve Gardener im ersten Durchgang
Steve Gardener im ersten Durchgang - Slideshow

Der erste Durchgang begann mit einem Paukenschlag, einer faustdicken Überraschung. Das spanische Team angelte die 4 Stunden in jedem Sektor geschlossen auf Ukeleis und beendete den ersten Tag mit nur 11 Punkten vor Frankreich (16,5) und Polen (20). Insbesondere die ersten 30 Minunten waren entscheidend, denn in dieser Anfangszeit zogen die Ukeleis in 4 bis 6 Metern Uferentfernung die Plätze hoch und runter und man konnte sie einsammeln bzw. einige der bis zu 20 Gramm schweren Fische fangen und das Netz relativ schnell mit 200 bis 300 Gramm füllen.

Fast alle Teams hatten auf 13 Meter und die 5 bis 7 Teile Spur einige Bälle gecuppt, doch auf 13 Metern angelte so gut wie keiner. Vielmehr wurde neben den Ukeleis versucht einen Bonusbarsch am Ende der Steine zu fangen oder es ging gleich auf die Minifische. Wer keine Ukeleis fing, keinen Bonusbarsch überlistete und trotzdem weiter diese Taktiken verfolgte, dem konnte es so gehen wie dem amtierenden Europameister. Mit 27 Fischen, 152 Gramm und Platz 8 im Sektor war die EM für Alan Scotthorne bereits nach dem ersten Tag vorbei, Darren Cox ersetzte ihn am zweiten Tag. Bonusfische gab es kaum und so betrug das Tageshöchstgewicht des ersten Durchgangs sage und schreibe 1.088 Gramm bei 18 Fischen, gefangen vom Polen Wojciech Kaminski. Steve Gardener folgte mit 973 Gramm vor dem Ungarn Szilard Magyar mit 766 Gramm, der einen guten Barsch und einen kleinen Aland fing.

Es folgte der zweite Durchgang und es bestand wenig Hoffnung, dass die Angelei nun besser werden sollte. Im deutschen Team wurde Ralf Herdlitschke durch Mike Osterwald ersetzt und es galt den Schaden zu begrenzen. 50 Punkte und ein 20igster Pltz standen nach dem ersten Durchgang zu Buche und somit war noch reichlich Luft nach oben.
Während der Futterkontrolle wunderten sich einige Trainer und Betreuer, dass die führenden Nationen einige Änderungen vorgenommen hatten. Während im ersten Durchgang außer Ukeleifutter kaum Futter zu sehen war, zeigten beispielsweise die Belgier und Franzosen vor dem zweiten Durchgang reichlich pures Futter. Dazu kamen noch auffällig viele Würmer, die DreiviertelliterDosen waren prall gefüllt. Nun konnte man sich wundern, warum es trotz sehr guter bisheriger Platzierung anscheinend einen Taktikwechsel zum Angeln auf größere Fische gab, vielleicht wurde aber auch nur gepokert, denn keiner brauchte 2,5 Liter Köder oder knapp 10 Liter Futter und es war sehr viel Platz, um Dinge zu zeigen, die andere Teams möglicherweise verwirren sollten. Als die Franzosen dann aber anfingen die Würmer sorgfältig zu schneiden, konnte man annehmen, dass sie es ernst meinten.

Vor dem zweiten Durchgang kamen die Wurmscheren zum Einsatz
Vor dem zweiten Durchgang kamen die Wurmscheren zum Einsatz

Denn es gab gute Gründe warum auf einmal Futter und Würmer auf den Plätzen einiger Nationen waren, da der Ausrichter der Europameisterschaft am Freitagabend doch noch Fische besetzt hatte. Mehrere hundert Kilo Brassen, Barsche, Schleien und Rotaugen waren eingesetzt worden, doch die Teams hatte keiner informiert. Lediglich die Belgier hatten vom Hotel aus die Fischtransporter kommen sehen und waren zugleich zur Strecke geeilt, um zu sehen, was denn dort in den Kanal gesetzt werden würde, doch man konnte nur schwer glauben, dass die polnische Mannschaft und auch im Weltverband gut vernetzte Nationen wie Italien und Frankreich nicht über den Besatz informiert worden waren.

Sicherlich machte diese Information auch unter befreundeten Anglern die Runde, so dass einige Teams mit einem Vorteil in die Durchgänge gingen. Mit der Erfahrung, wann eingesetzte Fische wieder fressen würden, gaben die wissenden Teams den Fischen einen Tag zum akklimatisieren, dann wurde gezielt auf die großen Fische geangelt. 101 Fische fing der Franzose Alain Dewimile am ersten Tag, am zweiten Tag hatte er nach zwei Stunden gerade mal einen Fisch im Netz. Auch das englische Team setzte voll auf die größeren Fische und wechselte ständig zwischen der Spur am Ende der Steine und der 13 Meter Bahn. Die Spanier dagegen rechneten wieder mit den Ukeleis, doch die bleiben den meisten Plätzen am zweiten Tag fern, so dass sie nach einiger Zeit auf die Kleinfische umstellten.
Es war kurios und mancher traute seinen Augen nicht. So fing der Italiener Stefano Premoli kurz hintereinander vier gute Rotfedern und sein Mannschaftskollege Jacopo Falsini sogar Schleien. Brassen wurden auch vermehrt gefangen und an den roten Flecken auf dem Schuppenkleid konnte man erkennen, dass diese Fische in letzter Zeit etwas Stress gehabt haben mussten.

Sean Ashby setzte mit dem englischen Team auf die Bonusfische
Sean Ashby setzte mit dem englischen Team auf die Bonusfische

Das deutsche Team legte einen guten zweiten Durchgang hin und wurde in der Tageswertung des zweiten Tages 9ter. Mike Osterwald in Sektor A hatte bei seinem ersten internationalen Einsatz sogar noch Pech, als er einen kurz vor dem Ende gehakten Aland nicht mehr in der regulären Zeit aus dem Wasser bekam, so dass es am Ende Platz 10 wurde. Harald Windel im B Sektor fing seinen Bonusbarsch und zusammen mit 90 Kleinfischen wurde s am Ende der 7. Platz. Auf Johannes Böhm wartete im Sektor C bereits ein Rudel Barsche, die er nach und nach in seinen Kescher lotste. Gut geangelt und mit dem entsprechenden Platzglück war das am Ende mit 14 Fischen und 1.016 Gramm der Sektorensieg. Bei Henric Plass kamen auf den beiden stromabliegenden Plätzen D 1 und D 2 nach zwei Stunden 3 Bonusfische auf der 13 Meter Bahn, so dass er in den letzten 1,5 Stunden auch auf einen größeren Fisch pokerte und die kleinen Fische nicht mehr angelte. Aus dem Bonusfisch wurde es nichts, so dass es am Ende der 8te Platz wurde. Die eingesetzten Fische zogen gegen die Strömung Richtung Wehr, so dass der zweite Halbsektor in E am zweiten Tag der fischreichste Sektor war.

René Bredereck fischte am zweiten Tag PZ 3
René Bredereck fischte am zweiten Tag PZ 3

René Bredereck erschreckte sich regelrecht, als er nach 6 Tagen am Ulgi Kanal auf Platz 17 den ersten Biss auf 13 Metern bekam. Ein guter Aland konnte von ihm eingenetzt werden und dabei bleib es nicht. Eine kleine Barbe und einige Kleinfische brachten zusammen mit dem Aland 847 Gramm auf die Waage, was am Ende den dritten Platz im Sektor bedeutete. Das deutsche Team beendete damit die Europameisterschaft auf einem 14ten Platz bei 27 Mannschaften.
Das spanische Team kam im zweiten Durchgang nach anfänglichen Schwierigkeiten wieder auf Kurs und konnte seinen Medailenraing mit dem zweiten Platz verteidigen. Sicherlich die Überraschung der WM und ein toller Erfolg für die Spanier nach dem enttäuschenden Abscheniden bei der Weltmeisterschaft 2010 im eigenen Land.  

Die Siegermannschaften
Sieger Mannschaften - Slideshow -

Verdienter Europameister wurden die Franzosen, die sicherlich die perfektesten Kleinfischangler sind. Schon in der Traingswoche zeichnete sich ab, dass man sie wohl ganz vorne finden würde und es war eine Augenweide zu sehen, wie sie die kleinen Fische versammelten, konzentriert und kontinuierlich jeden Fisch mitnahmen und die Barsche, die zwischendurch immer wieder einstiegen mit dem feinen Gerät nicht verloren, sondern in den Kescher bugsierten. Den Franzosen nicht unähnlich im Stil angeln die Belgier, so dass deren dritter Platz auch nicht unbedingt überraschte, doch es blieb gerade bei diesen beiden Mannschaften ein fader Beigeschmack, denn zu deutlich war zu sehen, dass sie ihr Wissen um den Besatz auch entsprechend am Kanal umsetzten.

EM Einzelsieger Wiktor Walczak

EM Einzelsieger Wiktor Walczak

Die Polen waren nach dem ersten Durchgang noch auf dem Treppchen und wurden verdrängt, doch am Ende hatte sie immerhin den Titel des Einzeleuropameisters inne. Wiktor Walczak gewann als einziger Angler an beiden Tagen seinen Sektor und wurde somit verdienter Europameister. Ihm folgten der Franzose Paul Louis lafont mit 3,5 Punkten und danach folgten bereits 4 Angler mit 4 Punkten, wovon der Belgier Hans Slegers mit 3.247 Gramm das höchste Gesamtgewicht zur Waage gebracht hatte.

2.Platz Einzel Paul Louis Lafont
  
3. Platz Hans Slegers
2. Platz Paul Louis Lafont

3. Platz Hans Slegers

Dem polnischen Ausrichter konnte man am Ende leider nur bescheinigen, dass es eine farb- und trostlose EM mit vielen Fragezeichen war. Sportlich konnte man bezüglich des Fischbesatzes sicherlich von einer Wettbewerbsverzerrung sprechen und am Ende reichte es bei der Siegerehrung auf einem heruntergekommenen Pausenhof nicht einmal für einen Blumenstrauß für die Sieger.

Kaum vorstellbar, dass die Weltmeisterschaft 2013 wie bisher geplant in Polen stattfinden wird.

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