Weltmeisterschaft der Jugend U22

  • von Christoph Barra
  • 17. Oktober 2011 um 09:40
  • 3

Die diesjährige Jugend-WM fand im Rahmen der Weltangelspiele in Italien in der Nähe von Pisa am Fluss „Arno“ statt. Wir haben als Team bereits früh begonnen, Informationen über die dortigen Verhältnisse einzuholen. Durch verschiedene Informanten aus Italien haben wir gute und übereinstimmende Infos bekommen und nachdem feststand, wer für das U22-Team starten würde, hat jeder Teilnehmer mit den individuellen Vorbereitungen begonnen.

Der Arno bei Pisa
Der Arno bei Pisa


Die Informationen versprachen ein sehr spezielles Angeln mit grobem Geschirr und viel Fisch. So mussten stabile Ruten mit ausreichend Kit´s und Ersatzteilen besorgt werden und auch Haken und Montagen mussten entsprechend präpariert werden.

Der Arno bei Pisa ist ein fast stehendes Gewässer. Der hauptsächlich zu fangende Fisch ist eine amerikanische Welsart, die dem Zwergwels am ehesten ähnelt. Diese Fische sind im Schnitt 300-1.500gr schwer, wobei vereinzelt auch größere Exemplare bis 10kg vorkommen. Hinzu kommen Karpfen, Karauschen, Döbel, Aale, Meeräschen, Ukelei und ganz selten auch Brassen und Güstern. Die zu beangelnde Strecke war in zwei Bereiche unterteilt, da zwischen diesen Bereichen eine aufgrund der Uferbeschaffenheit nicht beangelbare Passage lag. Somit befanden sich die späteren Sektoren A und B flussabwärts und die Sektoren C und D entsprechend oberhalb. Im unteren Bereich war das Ufer durch steile Betonplatten befestigt, in den Sektoren C und D hingegen bestand der Untergrund aus Sand/Lehm.

Robert Grabowski mit einer starken Meeräsche
Robert Grabowski mit einer starken Meeräsche


Die primär zu beangelnden Welse sind sehr kampfstark. Aus diesem Grund haben wir Montagen mit 0,28er Hauptschnur und Vorfächer der Stärken 0,22mm und 0,25mm mit Haken der Größen 8-1/0 vorbereitet. In den Trainingstagen erwiesen sich 2,6mm-2,8mm starke und ziemlich stramm vorgespannte Hohlgummis als sehr passend.

In diesem Jahr sind wir erstmals so früh angereist, dass wir den Tag vor dem ersten offiziellen Trainingstag bereits abseits der bereits gesperrten Strecke zum Angeln nutzen konnten. So hatten wir die Möglichkeit schon mal zu testen, welche Materialien funktionieren würden.

Kampfstarke Fische
Die Welse wahren sehr kampfstark und forderten Angeler und Material


Am ersten offiziellen Trainingstag konnten wir somit schon verschiedene Aufgaben an die einzelnen Angler verteilen, um genauere Erkenntnisse zu erlangen. Wir saßen im Bereich des Sektors A und fingen im Schnitt Gewichte um 8kg. Ich hatte die Aufgabe auf einer kurzen Entfernung zum Ufer zu angeln und entschied mich nach dem Loten für einen Bereich zwischen 7m und 8m. Dort war es sogar noch etwas tiefer als auf der 13m Bahn, ein fünfteiliges Kit war passend. Neben der Tiefe waren auch die zu fangenden Fische in Größe und Anzahl fast identisch mit denen der 13m Spur. Das Angeln auf der kurzen Distanz sollte also durchaus eine Alternative sein.

Christoph Barra während des WM-Durchgangs
Christoph Barra während des WM-Durchgangs
 

Am zweiten Tag saßen wir im Bereich des Sektors D. In diesem Bereich waren manche Plätze so tief, dass ein sechsteiliges Kit gerade eben ausreichend war. Die Erkenntnisse des Vortages sollten weiter verfeinert werden und neue Sachen dazu probiert werden. Ich sollte einen hohen Anteil an geschnittenen Würmern füttern und ausschließlich auf 13m angeln. Dies schien sehr gut zu funktionieren und ich fing ca. 16kg, wobei die anderen Gewichte denen des Vortags ähnelten. Wir meinten schon auf einem sehr guten Weg zu sein, wurden aber am Folgetag eines Besseren belehrt.

6-teiliges Kit war notwendig
Im Sektor D war ein 6-teiliges Kit gerade so ausreichend


Am Dienstag im Sektor C haben wir alle mit recht vielen Würmern im Futter geangelt (2 Liter von insgesamt 2,5 Liter Ködern). Wir hatten zwar eine extrem hohe Bissfrequenz, jedoch haben wir scheinbar Unmengen von sehr kleinen Welsen um 50gr angelockt. Die Folge waren zahlreiche Fehlbisse und oft viel zu kleine Fische, so dass an diesem Tag keiner über 9kg hinaus kam.

André Gutperle mit einem der vielen Welse
André Gutperle mit einem der vielen Welse


Wir gerieten also etwas in Zeitdruck und es musste am Mittwoch, dem letzten Trainingstag, eine passende Strategie gefunden werden. Gemeinsam haben wir uns beraten, welche Taktiken in Frage kommen würden. Es sollten noch einmal zwei Angler mit vielen Würmern füttern. Zwei weitere sollten im Wechsel die kurze und lange Bahn beangeln und einer hatte die Aufgabe mit einem geringerem Teil an Würmern und dafür mehr geklebten Maden auf 13m zu fischen. Robert und ich sollten die beiden Bahnen beangeln und hatten dafür ½ Liter Würmer und 2 Liter Maden zum Kleben zur Verfügung. Zusätzlich wurde von jedem Angler noch ½ Liter Mais verfüttert und je nach Menge der zu klebenden Maden kam entsprechend noch Kies dazu, so dass im Verhältnis 1:1 geklebt werden konnte. Der verbleibende Anteil zum Futterlimit von 17 Liter wurde mit rotem Karpfenfutter aufgefüllt. Das Beangeln der 2 Bahnen brachte die besten Ergebnisse und unser Höchstgewicht von 16kg lag deutlich über den Höchstgewichten der Nachbarboxen.

Robert Grabowski im zweiten Durchgang
Robert Grabowski im zweiten Durchgang


Wir waren also zuversichtlich, eine passende Taktik gefunden zu haben. Im gemeinsamen Gespräch legten wir dann nachmittags die genaue Vorgehensweise fest. Es sollten also parallel zwei Futterplätze befüttert und abwechselnd beangelt werden. Die Schwierigkeit bestand darin, dass beide Plätze permanent mit sehr kleinen Futterbällchen befüttert werden mussten, da die Fische sehr auf das Geräusch der eingeworfenen Futterkugeln reagierten. Unsere Köder- und Futteraufteilung für den ersten Durchgang sollte folgendermaßen aussehen:

Köder:    Futter:
1¾ Liter Maden        14 Liter Futter
 ¾ Liter Würmer          1½ Liter roter Kies
½ Liter Mais    


Die Startfütterung sollte aus 4 großen Futterbällen und dann permanent geworfenen Bällchen der Größe einer Kirsche, also so klein wie möglich, bestehen. Die kurze Bahn sollte nur mit kleinen Bällchen und einem Polecup voll losem Mais befüttert werden. Während des Angelns wurden zusätzlich zum permanenten Werfen von Futterbällchen auf die kurze Spur im 1-2 Minutenrhythmus Maiskörner geworfen. Geangelt wurde vorne mit Posen von 2gr und auf 13m zwischen 4gr und 10gr.

Startfütterung
Startfütterung im Training


Am Donnerstag fand nun also der erste Wettkampftag statt. Für mich wurde der Platz 6 im Sektor C gelost. Anders als in den vergangenen Jahren gab es in diesem Jahr keine Unterteilung innerhalb der Sektoren mehr und somit bestand das Feld je Sektor aus 18 Anglern. Beim Loten stellte ich fest, dass dieser Platz komplett anders beschaffen war, als es die gesamte Woche bei uns der Fall gewesen ist. Bis auf 10m war es nicht tiefer als 1,5m und zudem sehr uneben. Danach begann eine steil abfallende Kante. Auf 13m kam ich mit dem fünfteiligen Kit grade eben zurecht, es wurde jedoch nach draußen deutlich tiefer. Ich entschied einen Platz auf 9,5m im Flachen und einen auf 13m an der Kante anzulegen. Am Anfang verzichtete ich auf das Füttern großer Bälle, da ich befürchtet habe, dass diese die Kante hinunter rollen würden. Nach der zehnminütigen Fütterzeit hatte ich sofort Fische an meinem Platz. Leider verlor ich auf dem 13m Platz direkt drei große Fische an der Kante und musste meine Drilltechnik etwas anpassen. Von da an konnte ich in einem sehr guten Rhythmus im Wechsel auf 9,5m und 13m Fische fangen.

Meeräschen gehören zu dem kampfstärksten Fischen
Meeräschen gehören zu dem kampfstärksten Fischen

Während des Trainings haben wir fast ausschließlich Welse gefangen. An diesem Tag fing ich jedoch von meinen 77 Fischen lediglich die Hälfte Welse. Der Rest setzte sich aus Döbeln, Karauschen, einem Karpfen, Aalen, Brassen und sogar einem gewichtigen Goldfisch zusammen. Die Weißfische fing ich fast ausschließlich auf 9,5m im flachen Wasser. Am Ende hatte ich mit 19.220gr den zweiten Platz im Sektor erreichen können und war sehr zufrieden.

Die Welse waren sehr stachelig
Die Welse waren sehr stachelig


Leider funktionierte es beim Rest des Teams nicht so gut und wir lagen auf einem enttäuschenden 14. Platz.

Die Taktik sollte für den kommenden Tag jedoch beibehalten werden. Lediglich die Startfütterung sollte statt aus 4 großen bei allen nur noch aus kleinen Bällchen bestehen.

Ich loste Platz 6 im Sektor B und begann das Fischen wie am Vortag. Der Untergrund war so, wie ich es aus dem Training kannte, auf 7m und 13m annähernd die gleiche Tiefe und keine abfallenden Kanten. Ich fing zunächst auf beiden Distanzen gleichmäßig Fisch, wobei der Platz auf 13m trotz kontinuierlichem Nachfüttern immer weiter abbaute. Auf der 7m Bahn fing ich jedoch ausreichend Welse um dies zu kompensieren, so dass ich am Ende mit 79 Welsen und 2 Karauschen 22.380gr zur Waage brachte. Dies bedeutete mit knappem Vorsprung auf den Sektorensieger meines Bereiches vom Vortag den ersten Platz.

Christoph Barra war der erfolgreichste deutsche Angler und holte am Ende die Bronzemedaille
Christoph Barra war der erfolgreichste deutsche Angler und holte am Ende die Bronzemedaille


Mit der Gesamtplatzziffer 3 war ich sehr zufrieden. Im Gesamtklassement resultierte daraus der dritte Platz und somit die Bronzemedaille für mich. Mit 160gr Vorsprung und ebenfalls der Platzziffer 3 belegte Wojciech Wysocki aus Polen den zweiten Platz, hinter dem Franzosen Antionne Gavazzi, der souverän mit Platzziffer 2 und einem Gesamtgewicht von 64.930gr gewonnen hat.

Auch mit dem Team lief es an diesem Tag deutlich besser und mit dem vierten Platz in der Tageswertung konnten wir uns zumindest noch auf den 11. Platz der Gesamtwertung vorkämpfen.

Das Jugend-Team
Das Jugend-Team


Insgesamt war es eine super Woche mit einem perfekt harmonierenden Team und Betreuerstab und einem tollen Erfolg für mich. Herry Panno hat als Teammanager wie immer alles hervorragend organisiert und Trainer Johannes Böhm hat uns ausgezeichnet gecoacht!

An dieser Stelle möchte ich mich auch bei den vielen Sponsoren bedanken, welche uns eine Teilnahme an einer solchen Veranstaltung erst ermöglichen. Im Einzelnen möchte ich mich noch ganz besonders bei Peter Giese bedanken, der mich speziell im Hinblick auf diese WM sehr stark unterstützt hat!

Als Anerkennung für die Unterstützung durch die Förderer des DAV hat Uwe Pretzlaff den Werbebanner auf seinem Auto von der Firma „Autoaufschrift Budo Nord“ anbringen lasse, die diesen kostenlos zur Verfügung gestellt hat, danke auch hierfür.

Ich freue mich bereits auf eine eventuelle WM-Teilnahme im nächsten Jahr, dann allerdings zum definitiv letzten Mal im Jugendbereich.

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3 Kommentare
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  • 2881augusthausen
    aus Varel
    WM Bild
    Auch von mir herzlichen Glückwunsch zu deiner Platzierung. Was aber meiner Meinung nach garnicht geht, ist das Foto mit den lebenden Fang in deinem Kescherkopf-frisch paniert mit Erde und Sand! Sowas kommt nicht gut an, und ist auch nicht nötig.
  • Ping-Pong
    Toller Bericht !!!!
    Mach einfach so weiter, dass Gold kommt durch Trainng und viel Bock beim Fischen ganz von selbst.
  • Wolfi
    WM
    Schöner Bericht :) Nächstes Jahr wirds dann Gold ;)