Jugend-WM 2012 in Radece, Slowenien

  • von Josef Rieser & Thomas Engert, Bilder: Uwe Pretzlaff
  • 23. November 2012 um 23:21
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Im Vorfeld der Jugend-WM hörte man fast nur Gutes über die Strecke in Radece. Der Fluss Sava beherbergt einen sehr guten Fischbestand, vorwiegend Nasen, zwischen 100g und 400g, darunter Bonusfische von durchschnittlich 1 bis 3kg (Barben, Karpfen...). Intensiver Kontakt im Vorfeld mit Mitja Kmetec, einem an der Sava erfolgreichen Angler, halfen den Trainern, das Team vor der Abreise in punkto Material einigermaßen einzustellen, damit jeder Teilnehmer auch das richtige Gerät mitnehmen konnte. Die Kopfrute war vor der WM wohl sehr dominant, Mitja hat aber auch davor gewarnt, sich allzu sehr auf eine Angelart „einzuschießen“. Ein starker Regen kann an der Sava nämlich alles auf den Kopf stellen. So gesehen 2009 bei der EM, wo plötzlich vieles auf der kurzen Bahn ab lief, weil starke Niederschläge die Zuflüsse anschwellen ließen, was eine starke Trübung der Sava zur Folge hatte.


Das deutsche Team bei der offiziellen Eröffnungsfeier der Jugend Weltmeisterschaft

In Radece angekommen, bezogen das Team und die beiden Trainer Quartier in einem Hotel, nur wenige Kilometer von der Strecke entfernt. Manager und Delegationsleiter Herry PANNO hatte das Hotel ausgesucht, der Geschäftsführer stellte uns zusätzliche Räumlichkeiten für das Futter zur Verfügung, eine große Hilfe, denn 900kg Material, Eimer und Wannen, müssen schließlich irgendwo hin!

Das war soweit ganz in unserem Sinn, nur der zugesagte Kühlschrank stand uns leider nicht zur Verfügung, dieser hatte seinen Dienst (wohl aus Altersgründen) quittiert. Der mitgebrachte Camping-Kühlschrank von Familie Ebner mußte als Ersatz herhalten, bot aber natürlich nur begrenzt Platz. Da wir jeden Tag frische Köder an die Strecke bekamen, war dies zu verschmerzen. Apropos frische Köder: Man ist im Ausland, gerade bei den Larven, auf Gedeih und Verderb auf den Lieferanten angewiesen, wenn man nicht, wie z.B. die Ungarn, Zugang zu heimischem Material hat, welches einem an die Strecke geliefert wird. Die Larven waren wirklich mies, nur das Material für den Haken war einigermaßen brauchbar. Dies soll aber keine Entschuldigung sein, denn den meisten anderen Nationen ging es ja auch nicht besser. Allerdings war es im Fall der U23, die ja neuerdings 4 Stunden angelt, extrem schwierig, bei der vorherrschenden Hitze von regelmäßig über 30°C, die Haken-Larven für die letzte Stunde, wo sie am effektivsten waren, am Leben zu erhalten. Dabei ist so mancher unserer Aktiven gestrauchelt, trotz Kühlakkus, denn die Larven waren schon halb tot beim Startschuß. Von den Larven für das Futter möchte ich gar nicht reden, der Geruch derselben sprach für sich.

Vorbereitung des Futters
Gemeinsames Futtermischen vor dem Training


Während der 4 Trainingsdurchgänge saßen alle Jungs je einmal in den 4 verschiedenen Abschnitten, wobei die Tiefe von 2m bis über 7m (10m mit der Bolo!) variierte. Die lange Kopfrute war dabei immer dominant, aber auch auf der Bolo (mit Laufposen) waren Fische zu fangen. Mit dem neuen 2L-Limit, bzw. 1,5L bei der U18 an Ködern war es allerdings hoffnungslos, gleich zwei Spuren massiv zu unterhalten.  Ein Mix aus toten Maden im Futter und mit Kies beschwerten, geklebten Maden, war schlußendlich am effektivsten bei der U23.  Weil auf der U18 Strecke zu Anfang deutlich mehr Kleinfisch war, brachten die Geklebten nicht wirklich einen Vorteil.


Der Fluss Sava in Radece/Slowenien

 
Die allgegenwärtigen Ukeleis waren das ganze Training über keine wirkliche Option, die mit den verschiedenen Taktiken erzielten Gewichte waren unter der Woche immer besser, als auf Ukelei durchzuziehen. Um die Ukeleis, die bis auf 10m Tiefe anzutreffen waren, in Schach zu halten, war inaktives, sehr fest gedrücktes Futter ohne Wolke am besten. Da ich schon seit über 20Jahren einen sehr guten Draht zu Mark DOWNES, dem erfolgreichsten Trainer der Welt habe, hatte ich mich mit ihm über die Anforderungen der Strecke unterhalten und er meinte, wer hier Weltmeister werden will, muß an den Slowenen vorbei. Das sah auch wirklich danach aus, denn die Slowenen fingen, zumindest bei der U23, im Training wirklich überragend und das in jeder Box. „Spione“ aus allen Ländern waren ständig bei ihnen zu Besuch um mehr darüber herauszufinden, warum die Heimmannschaft so gut fing. Die Engländer hatten im Training den Stein der Weisen noch nicht gefunden und Mark war wenig optimistisch fürs Wochenende. Ich dachte so für mich, daß Mark mal wieder tiefstapelt und sein Team am Ende, wie fast immer, ganz vorne mit dabei sein wird.


Trainer und Angler während des Durchgangs


Die 4 Teilnehmer bei der U23 hatte ich vorher schon festgelegt, ich habe mich dafür entschieden von vornherein für klare Verhältnisse zu sorgen, das 5er Team soll miteinander angeln und nicht gegeneinander. Nach Möglichkeit angelt die Reserve dann am 2. Tag. Bei der U18 wird dies momentan anders gehandhabt, aber das kann und darf jeder Trainer für sich entscheiden.

Vorbeireitung vor offiziellen Training
Erik Klietsch, Kevin Ebner und Christoph Barra mit einem Trainingsfang


Der mit Spannung erwartete 1. Durchgang war angepfiffen und nach 3 Stunden lagen wir gleich in 3 Sektoren unter den ersten fünf, teilweise unter den ersten drei. Einer meiner Jungs kam leider nicht so zurecht wie erhofft. Nach mehreren verlorenen Fischen (das passiert im Training natürlich nie..) verlor er etwas die Übersicht und die Nerven fingen an zu flattern. Das kann, zumal in dem Alter passieren und das soll auch kein Vorwurf sein. Schwache Nerven nutzen aber nur dem Nachbarn und so war das Ergebnis mit 15 von 18 möglichen Punkten entsprechend unter den Erwartungen und konnte durch die Ergebnisse (in der letzten Stunde verlor jeder noch ein paar Punkte) der Kollegen nicht so ganz wettgemacht werden. Christoph Barra lag auf gutem Kurs, war lange unter den ersten drei, seine Kopfrute, die auch schon im Training Ärger machte, hielt leider nicht durch und brach gleich mehrmals ab. Die Versuche, Kits und Teile mit der Bolo herauszufischen kosteten viel Zeit und mit am Ende 9 Punkten auch eine bessere Plazierung. Mit 40G mehr wäre es schon Platz 8 gewesen und auf Platz 5 waren es nur 500g. Hätte, könnte, wäre....es hat nicht sollen sein!


Kräftige Barben beanspruchten Angler und Gerät

Unser Saarländer Tobias Müller war mit einer 3 bester Mann. Kevin Ebner lag lange Zeit im vorderen Drittel, leider brachen beide Spuren regelrecht zusammen. so daß andere Nationen, die von Beginn an ukelten, am Ende noch an ihm vorbeiziehen konnten.


An den Ukeleis vorbei auf die größeren Weißfische war die deutsche Taktik

Mit Platz 10 von 18 Nationen lagen wir im Mittelfeld. Eine deutlich bessere Platzierung lag durchaus im Bereich des Möglichen, der Abstand zum rettenden Ufer war nicht hoffnungslos. Erik Klietsch mußte am 2. Tag zusehen, als guter Kollege übergab er Christoph Barra sein komplettes Futteral, denn das Risiko eines weiteren Bruchs und damit den Totalausfall der Kopfrute, wollte ich nicht riskieren. Der eingewechselte Ersatzmann Florian Fiebig fieberte seinem Einsatz entgegen, Herry Panno hatte uns ein sehr gutes Los gezogen, auf Florians Platz konnte der Slowene am Tag zuvor den Sektor gewinnen. Mit dem Top-Ergebnis im Kopf, packte den sehr sympathischen Florian wohl die große Nervenflatter und er wurde leider nicht rechtzeitig fertig. Zum Startschuß müssen die Ballen knallhart gedrückt sein und außen versiegelt, sonst fressen einem die Ukeleis auf. Die noch schnell zurechtgedrückten Ballen wurden zwar punktgenau eingeworfen, aber das Futter löste sich zu schnell und als Folge waren die Ukeleis immer schneller als die Nasen und Rotaugen am Köder und am Ende war Platz 18 dafür die Quittung.


Marcel Lietzmann (U18) mit einem richtig dicken Trainingsbrassen


Die drei Kollegen schlugen sich insgesamt recht wacker, Tobi z.B. ließ ich nach 2 Stunden, in denen er einige gute Fische fing und dann keine Bisse mehr bekam, ukeln, das ging sehr gut und er lag lange auf Platz 2 im Sektor, die letzte Stunde verschwand dann die Sonne hinter den Bäumen und mit ihr die Ukeleis. Um die Ecke herum, wo keine Bäume standen, wurde munter weiter gefangen und so wurde es am Ende „nur“ Platz 8 für ihn. Christoph fing sehr ordentlich und konnte auch zwei schöne Barben keschern. Platz 5 war der Lohn dafür.

Fang des 2. Durchgangs
Der Fang des 2. Durchgangs von Christoph Barra


Kevin mußte sich, lange unter den ersten drei liegend, mit Platz 8 zufrieden geben. Am Ende waren wir 10. geblieben, punktgleich mit den Franzosen, nur 1 Punkt hinter der, letztendlich enttäuschenden, Heimmannschaft, aber vor den erfolgsverwöhnten Engländern und dem wieder erstarkten Holland. Weil der Ukelei dann doch wichtiger wurde als gedacht, stehen in der Rangfolge (von Ungarn abgesehen) diesmal Mannschaften ganz oben, die sonst eher weiter hinten zu finden sind. Da man sich aber vor dem Durchgang auf eine Richtung festlegen sollte und es ohne Risiko auch selten was zu gewinnen gibt, nehmen wir das Ergebnis an und versuchen, es beim nächsten Mal besser zu machen. Das gilt für die Aktiven wie für die Trainer.

  

Erik Klietsch mit einer kleinen Nase 

 

 Eine kleine Barbe für Tobias Müller


Bei der U18 lief es unter der Woche auch nicht immer rund, mal waren mehr kleine Fische auf der Strecke, mal zeigten sich plötzlich mehrere Karauschen.  Mit Würmern am Haken wurden ein paar gute Fische gefangen, im Wettbewerb dann wieder nicht. Florian Wegst, sonst Garant für eine gute Platzierung, saß auf einem grottenschlechten Platz (auf dem in Durchgang 2 auch fast nichts gefangen wurde) und mußte ausgewechselt werden. Die anderen Jungs schlugen sich tapfer, der Ersatzangler machte an Tag 2 einen guten Job und es war wirklich knapp und durchaus im Bereich des Möglichen, besser dazustehen als letztendlich mit Platz 12. Es gingen leider einige Bonusfische verloren, da fehlt uns einfach die Erfahrung. Andere Nationen, das muß man schon sagen, betreiben in der Jugendarbeit einen ganz anderen Aufwand und da können wir momentan noch nicht so richtig mithalten.


Maden wurden geklebt, Matchruten waren griffbereit


Positiv zu erwähnen bleibt, daß alles von unserem Manager Herry Panno gut organisiert war, die Kameradschaft untereinander kaum besser sein könnte und man darauf auch aufbauen kann. Daß wir die, besonders für die U23, im Vorfeld recht hoch gesteckten Erwartungen nicht erfüllt haben, liegt an vielen Kleinigkeiten, die wir noch verbessern müssen, die grobe Richtung hingegen stimmt.


Das gesamte deutsche Team mit Trainern, Betreuern und Anglern

Ein Dank noch an alle, die mitgeholfen haben, an unsere Sponsoren und an Uwe Pretzlaff für die Fotos und die gespendeten Hemden.

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2 Kommentare
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  • ct Redaktion
    Prima
    Hallo Martin, das freut uns, dass der Bericht für Dich Ok ist. Und schreib doch bitte in Zukunft Deinen Namen unter Deinen Kommentar, dann wissen alle, wem das hier nicht schnell genug geht. Danke ct Redaktion
  • Der_Martin
    Besser spät als wie ?
    Der Bericht ist Ok, nur hätte ich ihn mir früher gewünscht. 3 Monate nach dem Termin ist heute nicht mehr zeitnah !