WM 2013 Polen - Team England ist tot, es lebe Team England

  • von Dave Johnson
  • 13. November 2013 um 09:30
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Nach dem eher enttäuschenden Abschneiden bei den letzten Veranstaltungen machten sich die englischen Medien bereits Gedanken, wie die Zukunft des englischen Teams aussehen würde. Die Stimmen vor der Weltmeisterschaft in Polen waren ebenfalls eher negativ / skeptisch, sollte es sich bei den Fischen doch um ein Ukeleiangeln handeln. Aber erstens kommt es anders und zweitens als man denkt. Das englische Team konnte mit einer Machtdemonstration den Titel gewinnen und steht im glanzvollen Licht der letzten Jahre da.

Unser Partner Dave Johnson hat für champions-team.de seine Eindrücke der Weltmeisterschaft in Polen zusammengefasst.

Im Vorfeld der Weltmeisterschaften am Zeranski Kanal in Warschau wurde immer von einem sehr dünnen Angeln mit wenigen kleinen Fischen und dem Zielfisch Ukelei gesprochen. Die Trainingswoche startete dann aber gleich mit einem richtigen Hammer, das Team England konnte mit Gewichten bis zu 9 Kilogramm ein deutliches Ausrufezeichen setzen und auch in den nächsten Tagen setzte das Team die Akzente und konnte Gewichte von bis über 7 Kilogramm vermelden. Am Mittwoch der Trainingswoche begann es zu regnen und die Fangergebnisse kamen in Regionen von 1-2 Kilogramm bei vielen Teams, sicherlich Gewichte, die man im Vorfeld erwartet hatte.

Freitag, der letzte Trainingstag: Der Regen hatte etwas nachgelassen und es war bewölkt, also keine perfekten Bedingungen für Ukelei, dafür aber Konditionen, die das englische Team aus Ihrer Heimat nur zu gut kennt. Der Zielfisch war ganz klar das Rotauge, also der typische Kanalfisch in den englischen Kanälen!

Will RaisonWill Raison

Für das englische Team lief es perfekt, es lief so gut, dass man es sich erlaubte, Steve Gardener als Läufer einzusetzen. Hierzu sollte man wissen, dass Steve eine lebende Legende ist und eine ungeheure Reputation im englischen Team hat. Das Steve diese Ansetzung akzeptiert hat, zeigt was für ein wundervoller Sportsmann er ist, zusätzlich hat das Team England damit den sicherlich besten Taktikfuchs der Matchanglerwelt als Informationssammler.

Wir haben ja bereits angedeutet, dass die Situation vor Ort dem englischen Team sehr entgegen gekommen war, die Mitglieder des Teams kennen diese Art der Fischerei aus dem FF, muss man sich doch mit genau diesen Umständen in den populären Winterligen in England auseinander setzen.

Carl Waye netzt einen guten Skimmer einCarl Waye netzt einen guten Skimmer ein

Die Taktik wurde nur etwas auf die Verhältnisse des Zeranski Kanals angepasst, das heißt, dass z.B. die Rigs etwas schwerer gewählt wurden. Kanalangeln im England, das heißt ultrafeine Bisse auf ausgewählte Hakenköder. Dies setzt voraus, dass die Montagen perfekt austariert sein müssen. Das englische Team setzte auf Montagen von 0,6 Gramm an 10 er Hauptschnur, 6er Vorfächern an 18er und 20er Haken. Als Fallschrote nutze das Team 3 x Nummer 10 oder Nummer 11, dies hing vor allem vom Wind und der dadurch entstehenden Strömung am Angeltag ab.

Am Ende des ersten Tages dominierte das Team mit 7 Punkten das Feld und gab ALLEN anderen Teams das Gefühl, dass diese Teams vom Rotaugenangeln GAR NICHTS verstehen. Eine solche Machtdemonstration hatte es seit vielen Jahren nicht mehr gegeben und die Teams fragten nach dem Geheimnis dieses Ergebnisses. Die korrekte Antwort darauf lautet „Winter Liga“.

Was sind jetzt aber die Rückschlüsse aus dem erfolgreichen Winterfischen in England?

Gerade beim Winterfischen, wo keine großen Mengen von Ködern verfüttert / bzw. gefischt werden, ist die Qualität der Mückenlarven entscheidend. Das englische Team hat nur sehr vitale, polnische Mückenlarven genutzt.

Bei den Haken verwendete das englische Team sehr dünndrähtige Haken, denn mit diesen Haken lassen sich die Mückenlarven wesentlich lebendiger präsentieren.

Adam NiemiecAdam Niemiec aus Polen

Zusätzlich hatte das englische Team einen 12 Personen großen Betreuerstab dabei. Unter anderem waren 3 international erfahrene Angler als Läufer für das Team unterwegs. Dieser Punkt macht einen deutlichen Unterschied aus, bleiben diesem großen und erfahrenen Betreuerstab doch keine Situationen im Wettkampf verborgen.

Futterstrategie:

Der Boden im Zarenski Kanal ist sehr schlammig und weich, dazu war das Wetter am Samstag noch typisch britisch, das heißt bewölkt und leicht regnerisch. Aus diesem Grund wählte das Team eine Strategie, bei der die Fische am Gewässergrund fressen sollten, also Damp Leam aus dem Hause Sensas. 10% „Sensas Lake black“ sorgte für etwas „Geschmack“ auf dem Futterplatz, dazu wurde noch lokale Maulwurfserde zugegeben um den Futter etwas „Auftrieb“ zu geben und es mich im Schlamm versinken zu lassen.

Zu diesem Gemisch wurden in der Startfütterung 200 Gramm kleine Mücken auf der 13m Bahn gecuppt, auf der 10,5m Bahn war der Anteil der Joker etwas kleiner, der Anteil der Mailwurfserde aber höher. Auf der 6m Bahn wurden dann 2-4 Bälle des 10,5m Mixes gecuppt. Diese Bahnen fischten die Engländer dann immer abwechselnd ab, war ein Platz tot, so wurde dieser neu befüttert und man wechselte auf den nächsten Platz.

Didier Delannoy fischte wie ein Engländer und wurde Einzelweltmeister Didier Delannoy mit seinem Fang am Sonntag

Didier Delannoy fischte wie ein Engländer und wurde Einzelweltmeister 

Samstag - Tag1:

An der WM in Polen nahmen 36Teams teil, der Sektor A war etwa 1 Kilometer von den zusammenhängenden Sektoren B-E entfernt. Des Shipp saß auf der A35, Steve Hemmingway auf B26, Will Raison auf C11, Alan Scotthorne auf D5 und Sean Ashby auf E18. Die Sektoren wurden in 2 Teile unterteilt, alles in allem also ein guter Schlüssel für das Team, lediglich Sean Ashby saß nicht ideal… Aber dies war egal, mit einer Platzziffer 7 demontierte man die Konkurrenz, lediglich Belgien (Plz 20), Polen (Plz14) und Frankreich (Plz 23) konnten ansatzweise ( im weitesten Sinne des Wortes) folgen, diese Teams würden wohl die anderen beiden Podiumsplätze ausfischen. Enttäuschend sicherlich das Abschneiden für die Teams aus Italien ( Plz 34) und Ungarn ( Plz 42), das deutsche Team mit 27 Punkten "so la la".

Allan ScotthorneAlan Scotthorne

Sonntag - Tag 2:

Der Sonntag begrüßte die Angler mit Sonnenschein, ein Umstand den die Ukeleis zu schätzen wissen. Würde die englische Taktik trotzdem aufgehen? Die Strategie war darauf ausgelegt, das Ukelei keine Rollen spielen und das die Fische am Grund fressen. Bei Sonnenschein sind beide Punkte nicht unbedingt gegeben. Schlussendlich ging die Taktik voll auf. Trotz der 9 Punkte von Will Raison konnte man eine tolle Platzziffer 15 am Tag 2 Fischen. Die Taktik funktioniert weiterhin wunderbar und Wills Platz gab an diesem Tag einfach nicht mehr her.

Will Raison mit seinem Fangergebnis vom ersten Tag Des Shipp, ebenfalls ein gutes Ergebnis am ersten Tag
Steve Hemingray - Englands bester Angler Luca Pergreffi - Tschechei

Während des Durchgangs wackelte das Team einmal kurz, da der Platz von Des ebenfalls nicht ins Laufen kommen wollte. Der „Teammotor“ nahm dann aber schnell Fahrt auf und konnte Des noch auf einen Sektorenplatz 2 führen, hier zahlte sich der erstklassige Betreuerstab aus.

Nicht zu schlagen war an diesem Tag das französische Team mit einer Plz 10, das Team sicherte sich damit die Silbermedaille vor dem Team aus Polen. Ganz stark am 2. Tag auch die Teams aus Italien und Ungarn. Diese beiden Teams fischten jeweils eine Platzziffer 19 und schoben sich im Endklassement auf Plätze, die man von diesen Nationen erwartet.

Die Einzelsieger - Platz 1 Didier Delannoy, 2. Platz Steve Hemingray, 3. Platz Alan Scotthorne
Sieger - Einzel
Die drei Top Teams - England, Frankreich und Polen
Platz 1 bis 3
England - Das Siegerteam
Das Siegerteam - England

Ergebnisse (PDF)

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