19. Europameisterschaft 2013 in Novi Sad (Serbien)

  • von Dave Johnson, Matchangler.com
  • 08. August 2013 um 10:00
  • 0

Belgien gewinnt den Pott nach 7 Jahren

A report from the 19th European Angling Championships by Dave Johnson, Matchangler.com
Novi Sad, Serbia. 29-30th June 2013

Seit 2006 hat es das belgische Team nicht mehr auf das Siegertreppchen der Europameisterschaften gebracht, doch dieses Jahr hat das Team es wieder geschafft. Trotz eines 25 Punkte Rückstandes hinter Tag 1 Leader Ungarn, konnte sich das Team mit einem starken 2. Tag an die Spitze und somit vor den starken Italienern, sowie den Tag 1 führenden Ungarn setzen. De Facto ist Belgien mit diesem Titel nun Rekordeuropameister, dies übrigens im starken Kontrast zu den Weltmeisterschaften, wo das Team oft am Siegertreppchen anklopft und dann regelmäßig „scheitert“ (1983 der letzte Teamtitel / W.R. Kremkus wurde damals übrigens Einzelweltmeister).

Das Team aus Belgien - nach 7 Jahren endlich wieder auf dem SiegertreppchenEuropameister 2013 - Das Team aus Belgien

Kommen wir zur Strecke in Novi Sad:

Viele Teams, das deutsche Team eingeschlossen, fanden, dass die Ukeleis an der Strecke zu klein waren, um sie zu befischen. Abgesehen davon, hat das deutsche Team nicht die Fähigkeiten beim Ukeleiangeln mit den "Ukeleinationen" Polen, Tschechien, Serbien und Italien mitzuhalten. Aber die Fähigkeiten mit der Kopfrute und dem Slider bescherten dem Team einen guten 4. Platz nach Tag 1, vor den Teams aus England, Italien und Belgien.

Englands Prognose:

Es sieht so aus, als ob das englische internationale Jahr ohne Medaillen bleiben wird. Das Team Starlet verlor in Venedig/Italien bei der Club WM, jetzt das erfolglose Abschneiden hier in Serbien. So langsam bröckelt das englische Selbstbewusstsein in Punkto Erfolg. Die Hoffnungen ruhen jetzt auf der WM in Polen, hier könnte die englische Stunde schlagen, geht es doch um DAS große Fischen im Durchgang. Eine Disziplin, in der die Engländer eigentlich unschlagbar sind. Die Konkurrenz für das britische Team ist stark und wird immer stärker, besonders die Teams aus Osteuropa sind mehr als nur aufstrebend, sondern bereits ein Instanz im Matchangeln.

Die Erfolge der letzten zehn Jahre haben das britische Team mit einer Aura umgeben, das sie quasi unschlagbar sind. Die Briten selber haben aber bereits vor einigen Jahren erkannt, dass dem nicht so ist. Die Engländer sind in jeder Disziplin sehr gut, aber für jede Disziplin gibt es auch andere Nationen die verflucht stark sind. Aber das Team aus England hat sich schon immer dadurch ausgezeichnet, dass es „kampfstark“ ist und sich immer erst am Ende des Fischens geschlagen gibt.

Will RaisonWill Raison

Wie schon angedeutet, entwickeln sich die anderen Nationen aber immer weiter. Es gibt Bundesligen in vielen europäischen Nationen, hier trainieren die Angler Ihre Fähigkeiten auf hohem Niveau und werden immer besser. In Serbien beispielweise fand ein Training für erfolgsversprechende serbische Jungendliche statt. In diesem Training wurde das Werfen und Cuppen von Futter trainiert. Es wurde trainiert und trainiert, bis schließlich das ganze Team eine überragende Vorstellung in Sachen Präzision abgeliefert hat. Man kann sich vorstellen, wo diese konzeptionelle Trainingsarbeit hinführen wird. In einigen Jahren wird auch das serbische Team zur absoluten Topklasse zählen, ausgestattet mit jungen Anglern die ihr Handwerk perfekt beherrschen.

Callum DicksCallum Dicks

Aber auch das englische Team geht den Weg der Verjüngung und baut zur Zeit zwei junge Angler in ihr etabliertes Team ein. Diese beiden Angler (Lee Kerry und Callum Dicks) performten dieses Jahr bereits vielversprechend und die Konkurrenz kann sicher sein, dass es auch in der Zukunft britische Topangler geben wird.

Lee KerryLee Kerry

Training ist nicht gleich Training:

Die Trainingswoche bereitete allen Teams Kopfschmerzen. Das Wasser im Kanal stand immer noch hoch und obwohl der Wasserstand von Tag zu Tag sank, waren die eigentlichen Angelplätze bis zum Sonntag immer noch von Wasser bedeckt. Dazu kam noch die große Unbekannte, die Ukelei. Die Ukeleis traten in Massen auf, waren mit 3-6 Gramm aber so klein, dass man 250 Fische brauchte um 1 Kilogramm zu fangen. Dieses Kilogramm konnte man aber auch mit 2 guten Skimmern oder Karauschen fangen. Man musste also sehr gut aufpassen, dass man nicht an den zu kleinen Ukeleis scheiterte.

Aus angeltechnischer Sicht, war am Mali Kanal in Novi Sad die komplette Bandbreite der Angeltechniken gefragt. Neben der obligatorischen Kopfrute, war ebenfalls das Fischen mit der Whip und der Rollenrute gefragt. Bei der Rollenrute kamen sowohl die Matchrute als auch der Bologneserute zum Einsatz.

Bei den Ködern waren dann die üblichen Verdächtigen zu sehen. Mückenlarven, Maden und Würmer waren hier das Mittel der Wahl, wobei besonders die Würmer ein Instrument für größere Fische sein konnte.

Auf der Strecke war es wie immer gut, wenn man in den Außensektoren möglichst nahe an den Endplätzen saß. Die mittleren Sektoren waren vom Prinzip her relativ gleichwertig, aber auch hier gab es Regionen die besser oder schlechter waren, als andere Plätze im Sektor.

Kommen wir jetzt zu den deutschen Anglern:

Rene Bredereck und Claus Müller saßen am Tag 1 in den Sektoren E und D. Während Claus mit D4 einen eher guten Platz erwischt hatte, war Rene im Sektor E auf der E 14 nicht wirklich glücklich mit seinem Los.

Während des Fischens konnte man sehen, dass sich das deutsche Team auf die großen Fische fokussierte, während das tschechische Team sich auf die Ukelei stürzte. Da die Ukelei in diesem Sektor etwas größer als im Training waren, konnte der Tscheche seinen Sektor mit knapp 600 Fischen und knapp 5 Kilo für sich entscheiden. Claus fischte stark auf die großen Fische und konnte mit 3,888 Kilo einen guten 6. Platz belegen. Angler wie Alan Scotthorne oder auch Andrea Fini konnte er hinter sich lassen. Gut gemacht Claus!

Sektor D & ESektor D & E

Für Rene lief es mau, er bekam seinen Platz nicht zum „laufen“ und wurde von seinen beiden Nachbarn (aus der Slowakei und Belgien) geschlagen. Als Resultat sprang Platz 17 heraus, am Sonntag würde Florian Gabelsberger für Rene angeln.

In Sektor C saß Harald Windel in der Nähe des Endplatzes, dies musste aber kein Vorteil sein, denn einige Plätze in Sektor C waren einfach gut und andere einfach schlecht. Zum Beispiel machte C1 und C3 die Plätze 1 und 2, während C2 und C4 die Plätze 22 und 11 belegten. Harald machte seine Sache gut und musste sich seinem belgischen Nebenmann nur knapp geschlagen geben. Am Ende bedeuteten 4,482 Kilogramm einen 6. Platz. Gewonnen hat dieser Sektor der Franzose Stephane Pottelet mit 537 Fischen (Harald hatte 94 Fische) und 4,810 Kilogramm. Viele Ukeleiangler in diesem Sektor gingen übrigens unter, denn ihre Ukeleis waren einfach zu klein!

Harald Windel im Sektor CHarald Windel im Sektor C

Sektor B: Heiko Schmidt setzte die deutsche Taktik perfekt um und konnte mit 3,782 Kilogramm einen guten 4. Platz belegen. Heiko lag lediglich 64 Gramm hinter dem italienischen Topangler Ferrucio Gabba und 1 Kilogramm vor dem englischen Überangler Will Raison.

Heiko SchmidtHeiko Schmidt

Sektor A: Ralf Herdlitschke saß auf Platz A 19 und damit am „falschen“ Ende des Sektors. Neben ihm saß dazu Des Shipp, einer der britischen Topangler. Ralf hielt sich aber mal wieder an keine Regel und fischte von diesem eher schlechten Platz ein theoretisch unmöglich gutes Ergebnis. Am Ende konnte Ralf mit knappen 100 Fischen und 4,360 Kilogramm einen guten 3. Platz im Sektor machen. Des Shipp fischte ebenfalls sehr stark auf Ukeleis, aber eben nicht gut genug für Ralf. Des fing 485 Fische für 3,893 Kilo und wurde damit 5ter im Sektor.

Nach Tag 1 lag Deutschland auf einem sehr guten 4. Platz. Das Podium war in Reichweite, würde es dieses Mal klappen? Es führte Ungarn mit einem fast uneinholbaren Vorsprung.

Die Plätze am Tag 2 sahen für das deutsche Team auf dem Papier nicht so schlecht aus. Mit Platz A1 hatte Heiko Schmidt ein vermeintliches Toplos gezogen, auch wenn am ersten Tag nur die Platzziffer 10 von diesem Platz gekommen war. Die anderen Lose waren auf dem Papier OK, lediglich Harald Windels Los mit der E10, war am Samstag eine tote Region. Hier konnte man nur hoffen, dass der Sonntag besser werden würde.

Leider bewahrheiteten sich die bösen Ahnungen bezüglich Haralds Platz! Am Ende waren es 2,875 Kilogramm für Platz 17...

Sektor D auf D6. Trotz den starken, böigen Winds, fischte Ralf auf der 13m Bahn auf große Fische und fang sie auch. Man kann Ralfs Stil nicht beschreiben, wer aber schon mal neben ihm gesessen hat, kann nachvollziehen, was in Serbien abgelaufen sein muss. Platz 5 mit 3623 Gramm war das Ergebnis, gewonnen wird der Sektor von Ferrucio Gabba mit 4176 Gramm Ukeleis.

Ralf HerdlitschkeRalf Herdlitschke - 3. Platz im Sektor A

Sektor C: Auf C9 Florian Gabelsberger – deutsche Taktik Großfisch. Florian fischte einen tollen 5. Platz, lediglich 73 Gramm hinter dem 4. Platzierten Serben. Platz 1 ging nach Ungarn mit 4,686 Kg. Es folgten 4,097 und 4,018 Kilogramm. Man kann sich also vorstellen was mit Florians 3,785 Kilogramm und einem weiteren besseren Fisch möglich gewesen wäre.

Sektor B: Wenn es in Sektor E mies lief, dann war Sektor B eine Katastrophe. Claus saß auf Platz B3 und konnte kaum Fisch fangen, dazu waren die Fische von Claus sehr klein. Er kämpfte vergebens um seinen Platz zum Laufen zu bringen und konnte am Ende 1,471 Kilogramm zur Waage bringen und damit Platz 18 verbuchen. Mit diesen beiden Sektorenergebnissen war klar, dass es auch in diesem Jahr mit dem Podium nichts werden würde.

Peter KlasekPeter Klasek

Sektor A: Heiko Schmidt auf A1. Auch wenn am ersten Tag nur eine Platzziffer 10 von diesem Platz gekommen war, nutze Heiko den Vorteil des Endplatzes und gewann seinen Sektor vor dem Niederländer Arjan Klop auf A24. Am Ende lagen zwischen dem Sektorensieg von Heiko und dem 4. Platz von Des Shipp lediglich 900 Gramm. Die 4946 Gramm von Heiko waren aber eben zu gut für den Rest des Sektors.

Jetzt begann das große Rechnen. Wohin würde es das deutsche Team spülen? Konnte ein Team die quasi uneinholbar führenden Ungarn einholen?

Man konnte... das belgische Team fischte einen unglaublich guten Tag 2 und konnte das ungarische Team noch knapp abfangen. Auf Platz 2 folgten die Italiener vor den Ungarn. Um zu zeigen wie knapp die Entscheidung war, die Gesamtplatzziffer der vier besten Teams:

  1. Belgien: 56
  2. Italien: 57,5
  3. Ungarn: 58
  4. Frankreich: 59

MannschaftssiegerMannschaftssieger: Belgien 1, Italien 2 und Ungarn auf der 3

Man sollte anmerken, dass es hier keine französische Wertung gab und die Sektoren durchgewertet wurden (also bis Plz 25).

Das deutsche Team landete auf Platz 8, immer noch ein gutes Ergebnis welches unseren Respekt verdient. Der Sprung auf das Treppchen ist verdammt schwer und das deutsche Team braucht einfach zwei perfekte Durchgänge, um dort zu landen. In Polen wird es sicherlich schwer für das deutsche Team auf dem Podium zu stehen, nichts desto trotz, drücken wir dem Team die Daumen.

Bildergalerie

Im Teil 2 zur EM 2013 von Novi Sad, der in Kürze folgt, veröffentlichen wir ein Interview mit den beiden erfolgreichsten Anglern des deutschen Teams, Heiko Schmidt und Ralf Herdlitschke.

Auch Deine Meinung ist gefragt!
0 Kommentare
Erst wenn Du angemeldet bist, kannst Du Kommentare verfassen. Jetzt Einloggen oder Registrieren