Veteranen WM 2013 in Bosnien Herzegowina

  • von Uwe Haupt
  • 09. September 2013 um 08:00
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von links: Wolfgang Thönes, Gerhard Sabow, Jürgen Lang, Jürgen Ferner, Uwe Haupt (Co-Kapitän,P-Trainer), Karl Heinz Becker (Kapitän)von links: Wolfgang Thönes, Gerhard Sabow, Jürgen Lang, Jürgen Ferner, Uwe Haupt (Co-Kapitän,P-Trainer),
Karl Heinz Becker (Kapitän)

Nach einem ewig dauerndem Ritt auf diversen Autobahnen und Straßen, die man bei uns „schlechte Feldwege“ nennt, sind wir nach fünfmaligem Vorbeifahren in unserem schickem Domizil angekommen und es hieß erst mal „Käffchen“ bei 45°C auf der Terrasse ,ohne Sonnenschirm, versteht sich. Die Gewöhnungsphase ging also recht schnell los. Geradezu „hammermäßig“.

Am Nachmittag (noch immer ohne Schlaf), ging es zur Anmeldung und zur Strecke, welche ca. 25 Km entfernt unserer Unterkunft lag. Es erstreckte sich eine Sumpflandschaft vor uns, die aber nur unmittelbar an der Strecke auch wirklich Eine war. Der Rest war trocken und schön staubig. Um auf die Wettkampfseite zu kommen, wurde ein Schwimmponton als Brücke verlegt. Als ich gegenüber bereits Auto’s stehen sah, wuchs mein Vertrauen zu diesem „Ding“.

Erste Einschätzung der Strecke „oh, schöne Seerosen. Das wird ein Schauspiel beim Keschern“. Die ersten Fische zeigten sich freundlich und hungrig zur Begrüßung.

Seerosen auf beiden Uferseiten Kleinfisch in Massen und extrem gierig
Seerosen auf beiden Uferseiten Kleinfisch in Massen und extrem gierig

Nach einem sehr gutem Abendbrot (Tafel auf einer Wiese und alles vom Eigentümer selbst zubereitet), hieß es „sich mit der Technik der Klimaanlage zu Beschäftigen“. Und dann „Umfallen und Schlafen“.

Abendbrot

Am nächsten Morgen ging nun das Training los. Box 4 (A-Sektor) wurde gelost und man tastete sich an die Fische heran. Bis zu 5,5 m Wassertiefe, ließen Erahnen, dass am Grund null Druck ist. Jedoch schien der Druck im Mittelwasser so groß zu sein, dass man mit einem Schnurbauch unbedingt rechnen musste. Diese Erkenntnis war recht schnell da und man konnte auch bei anderen Team’s Posen bis 6 gr sehen, um diesem Bogen entgegen zu Wirken. Die Hauptbebleiung rutschte immer tiefer und die Vorfächer wurden immer kürzer. So wurden nun auch die ersten Fische in mäßigem Rhythmus gefangen. Kleinfisch (ähnlich unserem Aland) und Babuska’s (wie Karausche) gingen ins Netz. Im A und B-Sektor (hinter einer Kurve), befanden sich am anderem Ufer keine Seerosen (oder nur Wenige) und in unserem Bereich nicht mal Bäume. Gerhard Sabow „Mister Long-Long“ konnte in der letzten Stunde jedoch mit seiner 11-Meter im Trieb bessere Fische fangen. Was war der Grund ? Der Schatten wurde länger und die Fische bevorzugten immer die Schattenkanten. Hilfreiche Erkenntnis!

Gerhard Sabow mit 11-Meter long-long und einem riesigem Haufen Zeugs hinter sich
Gerhard Sabow mit 11-Meter long-long und einem riesigem Haufen Zeugs hinter sich. Das Auspacken
war sicher nur zum Warmwerden. Uwe Haupt gewann die ersten Eindrücke über die Strecke und die Teilnehmer.

Am zweitem Trainingstag, ging es in den Block 1. Dieser Block erwies sich als sehr Fischreich. Jürgen Ferner konnte sich auf 1 sitzend, zur zweiten Hälfte die Karpfen hinstellen und erstmalig das Drillen vor den Seerosen üben. Gute Fische weg, kleinere Fische im Netz. Aus der hinteren Reihe ertönte immer mal die Erinnerung „größere Fische bereits draußen an die Oberfläche drillen“.

Jürgen Lang machte mit der Bolo eine beneidenswerte Vorführung und die ersten Meeräschen zeigten sich. Auch gute Babuska’s gingen ins Netz. In der zweiten Hälfte, die Sonne von schräg-links vor uns stehend, wurde es schlagartig ruhiger auf der Bolo-Spur und die 11-Meter-Bahn wurde aktiv. Wolgang Thönes, fing von da an auch größere Fische (Meeräschen und Babuska) und die Belgier im Nachbarblock boten bereits gutes Geld für das Futterrezept. Die Schattenkante war also nun in diesem Bereich. Nur nicht auf Platz 1, da dort bereits die nächste Kurve begann und die Fische eh von dort kamen (Prallhang). Trotz der ersten Einschätzung, zeigte sich, dass man sich an die Grammzahl der Posen heran tasten musste. Inzwischen waren wir bei 1,5-2 gr angekommen. Man musste den Druck im Mittelwasser bei der Führung nur Nutzen und nicht als schlecht Abstempeln.

Eine Bleikette bis zu einem Meter, ging durch den Kopf. Durch unterschiedliches Einsetzen, konnte man die Fische auch unterschiedlich Ansprechen. Stromab und Halten die Meeräschen und stromauf über den Platz treibend (mit kurzen Pausen) die Grundfische.

Inzwischen zeigte sich auch, dass die rote Made sich so langsam durchsetzte, was auch in Richtung „rote Partikel im Futter“ denken ließ.

Wolfgang Thönes Jürgen Lang
Gerhard Sabow Karl-Heinz Becker
Jürgen Ferner Uwe Haupt

Die letzten beiden Trainingstage verliefen ähnlich, weil sich Block 6 und 9 auf einer Linie vor der Kurve befanden. Immer die Sonne im Blick, erwies es sich als richtig, die Schattenkanten zu Beangeln.

Plan für diesen Bereich: Erste halbe Stunde drüben mit der Bolo, dann die 11-Meter-Bahn, dann direkt an den Seerosen vor den Füßen und dann wieder auf die 11-Meter-Bahn.

Und ohne Absprache, fischte Jürgen Lang mit einer Bleikette ca. 90 cm und einer 1-gr-Pose. Die ganze Strecke vor der Kurve war am letztem Trainingstag wie ausgestorben. Nur mit genau dieser Bebleiung konnten noch gute Meeräschen gefangen werden, was sofort die Blicke auf uns zog.

Im Block 5 und 6 (Ende B-Sektor) erwiesen sich drei Plätze als unbefischbar. Es war der Kurvenanfang. In diesem Bereich ragte ein Baum hinein und die Äste unter Wasser  legten den Platz bis auf ca. 8 m tot. Wir monierten diese Plätze und wenigstens Einer davon wurde dann nicht abgesteckt. Bei dem drittem Platz hatte man ein Seerosenfeld vor sich, welches sich bis auf die 9 m-Bahn zog. Genau dieser Platz sollte uns später im Wettkampf zum Verhängnis werden.

Seerosenfeld mitt Angelplatz
Genau in der Mitte dieses Seerosenfeldes wurde ein Platz abgesteckt.
Direkt dahinter ist der „Baumplatz“ zu Sehen

 

Wolfgang Thönes am Baumplatz
Wolfgang Thönes am „Baumplatz“

Diesen Platz loste am zweiten Tag ein Holländer, der nur mit dem Kopf schüttelte. Die Ausdrücke auf holländisch, hören sich irgendwie niedlich an.

Irgendwann dazwischen war noch die Eröffnungsfeier mit einem lustigem Ratespiel „Welche Hymne passt zu welchem Land?“ und „Ist die Originalfassung der Deutschland-Hymne wirklich noch die Richtige?“ Aber sonst schön lang und gesprochen wurde auch viel. Am Ende war man trotzdem stolz dort Stehen zu dürfen.

Das deutsche TeamDas deutsche Team

Auch ein Ausflug zu den nahegelegenen Wasserfällen stand auf dem Plan, was leider nur von wenigen Nationen genutzt wurde.

Uns hat es sichtlich Spass gemacht.

Dort sieht man, wie man Natur und Menschlichkeit miteinander verbinden kann, ohne das irgendwelche nachhaltigen Schäden entstehen. Tolle Sache !

Wasserfall Wasserfall
Die nahegelegenen Wasserfälle - Natur pur

Zum Wettkampf

Erster Tag:

Bei 45°C war es für alle Teilnehmer nicht einfach und man konnte nur über den Kampfgeist staunen.

Für die Deutschen lief es eigentlich ganz gut. Die Erkenntnisse aus den Trainingstagen, konnten gut umgesetzt werden. Nur Jürgen Ferner (A 10) blieb 4 Stunden mit der Bolo drüben, weil er dort auch ganz gut fing. Geklebte Pinky’s in rotem Kies, war eine gute Wahl für größere Fische. Wolfgang Thönes (B 8) kämpfte dagegen direkt vor den Füssen um jeden Fisch. Jürgen Lang (C 5) konnte sich an den „Schattenkanten-Plan“ halten und fing am Ende auf der 11-Meter-Spur auch größere Fische. Seinen Sektor hatte er ganz klar im Griff. Gerhard Sabow (D 1), hatte ähnliche Voraussetzungen wie Jürgen Lang und auch durchweg Fische auf dem Platz. Leider fehlte ihm die nötige Ruhe, um schnell zu sein, was bei seiner ersten WM durchaus auch verständlich ist.

Das Ziel war „alle unter die ersten 5“, was am Ende im Durchschnitt auch erreicht wurde.

  • J. Lang (1)
  • J. Ferner (5)
  • W. Thönes (5)
  • G. Sabow (9)

So lagen wir auch nur 2 Pünktchen entfernt vom Ersten (Ungarn)!

Jürgen Lang belegte Platz 1 im Sektor C am ersten TagJürgen Lang belegte Platz 1 im Sektor C am ersten Tag

Jürgen Ferner mit einer sehr guten „4-Stunden-Bolo-Leistung“ trotz Einschränkung beim Werfen wegen eines großen Baumes direkt hinter ihm.

Jürgen Ferner mit einer sehr guten 4-Stunden-Bolo-LeistungJürgen Ferner mit einer sehr guten 4-Stunden-Bolo-Leistung

Zweiter Tag:

Am zweitem Tag wurde Gerhard Sabow durch Karl-Heinz Becker ersetzt. Es sah so aus, als hätte es Fortuna gut mit uns gemeint. W. Thönes auf der A 1, J. Ferner auf der D9 und Jürgen Lang hätte sein Zeug auch gleich auf C5  stehen lassen können.

Bis dahin war sogar der Titel greifbar, b.z.w. das Treppchen Pflicht.

Doch dann der Schock! K.H. Becker auf B9, dem Seerosenplatz und unter Wasser waren mehr Äste, als an den Bäumen. Dieser Platz war mit abgerissenen Posen wie ein gut geführter Angelladen bestückt. Leider machte sich bei Karl-Heinz schnell Unmut breit. Schade! Am Ende fehlten nur 110 gr um auf Platz 8 zu Rutschen, was uns in der Gesamtwertung den Vizeweltmeister-Titel gebracht hätte.

Wolfgang Thönes hingegen hatte recht schnell große Fische auf dem Platz und verlor gleich mal eben so schnell seinen ersten guten Karpfen in den Seerosen. Ermahnung „größere Fische bereits draußen an die Oberfläche drillen“. Dann der nächste größere Karpfen, der sich ständig irgendwo fest machte. Sichtlich angespannt, unterstützte ihn Uwe Haupt mit ruhigen Worten bis zum Einkeschern. Über 2 Kg und der Grundstein war gelegt. Ein Schluck aus der Pulle und dann war Wolfgang sichtlich erleichtert und konnte mit Tageshöchstgewicht 8960 Kg seinen Sektor gewinnen.

Was war bei den Anderen los? Auf Jürgen Lang war Verlass. Er hatte bereits zwei größere Fische und war ganz Herr der Lage. Leider verlor er in der letzten halben Stunde einen guten Bonusfisch. Passiert...

Jürgen Lang

Jürgen Ferner kämpfte wie gewohnt. Durch eine zu spät erbrachte Information, dass die Fische vor den Füssen hinter den Seerosen gut gefangen werden, setzte er sicher eine volle Stunde zu. Trotzdem gelang es ihm, sich bis unter die ersten Drei zu Fischen. Superleistung! Respekt!

  • W. Thönes (1)
  • J. Ferner (3)
  • J. Lang (4,5)
  • K.-H. Becker (11)

Am Ende hat es doch nicht für das Treppchen gereicht und Enttäuschung machte sich breit. Und trotzdem muss man betonen, dass dieses Team sich nicht Verstecken braucht und man auf Kommendes gespannt sein darf. Ein vierter Platz bei einer WM, ist ein Top-Ergebnis und die Mühen haben sich ausgezahlt.

Team Ergebniss:
Team Ergebnisse


Noch ein Wort zum Futter:

Uwe Haupt verschaffte sich einen Überblick, was überhaupt da war. Schon nach dem ersten Trainingstag stand die Mischung eigentlich fest. Diese musste nun für den Wettkampf zurück gelegt werden, da gehaushaltet werden musste. Im Training wurde dann nur noch „probiert“, ob sich etwas Anderes als vielleicht besser erweist. Das Prinzip war aber klar und wurde beibehalten, was sich auch als „richtig“ erwies. Das Black Monster (Browning), war neu für Uwe, wurde aber aufgrund der vorhandenen Menge als Basis verwendet.

Hier der Mix (für das komplette Team):

  • Black Monster abgelitert auf 10 Liter
  • 4 Kg Turbo (VdE)
  • 6 Kg Gos Gardons (Sensas)
  • 3 Kg Carp Fine (Sensas)
  • 3 Kg Boga (Sensas)

So wurde es mit einem Quirl fertig in Konsistenz gebracht. Am nächsten Morgen gut gesiebt (homogen gemacht), die groben Bestandteile gingen immer zurück in die Mischung.

Kurz vor der Futterkontrolle wurde es mit ockerfarbenem Lehm, Futterfarbe ocker, Vanille+Lacto (CM-Lockstoffe) , Super Süße (CM-Lockstoffe) und ner Prise Salz aufgepeppt. Falls gute Fische zu Erwarten waren, gab es immer eine Dose Mais dazu. Nicht nur wegen  der roten Partikel, mischte Uwe „heimlich“ noch etwas Birdfood rot (Zammataro) unter.

Für die Kleinfische gab es für Jeden die Fertigmischung Surface von Sensas (fein gesiebt). Ein sehr gutes Produkt für diesen Zweck. Köder waren vor Allem „bunte Maden und Pinky’s“. Die Mücke hatte hier keine tragende Rolle.

Um Futter und Köder musste man sich bei diesen Temperaturen immer Kümmern. Ein nasses Handtuch und ein Schirm waren daher Pflicht.

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