EM 2016 - Interview mit Europameister Tamas Walter

  • von ct Redaktion
  • 23. August 2016 um 13:00
  • 0

Er ist bereits zweifacher Einzelweltmeister und nach seinem Vizeweltmeistertitel aus dem vergangenen Jahr nun auch der amtierende Europameister. Wir haben den ungarischen Ausnahmeangler Tamas Walter im Interview.

He's already 2x World Champion and after his Vice World Champion title from last year, he's now crowned European Champion. We have the exceptional Hungarian Angler Tamas Walter in Interview.
You can read the original interview in english here

Bonusfisch im Drill

CT: Hallo Tamas, unsere Gratulation zu Deinem Titel bei der EM in Almere. Hast Du mit dem Titel gerechnet?

TW: Vielen Dank! Nein, absolut nicht. Ich hatte gehofft mit dem Team in der Nähe des Podiums zu landen, auf den Sieg der Einzelwertung hatte ich nicht gehofft.

CT: Wie hast Du dich auf die EM in Almere vorbereitet? Hast Du als gut vernetzter Angler viele Informationen vor der EM sammeln können?

TW: Nun, zu aller erst habe ich die WM 2009 in Almere gefischt und hatte dadurch ein ungefähres Bild von der Strecke. Dazu habe ich nich mit befreundeten niederländischen Anglern gesprochen, die dort die Top Competition geangelt haben, dazu hatte ich noch Informationen vom 6 Länderfischen welches einige Wochen vor der EM an der Strecke stattgefunden hatte.

Die Laage Vaart in Almere, Austragungsgewässer der Europameisterschaft 2016

CT: Da wir uns schon sehr lange kennen, bekommen wir relativ viel von Deinem anglerischen Jahr mit. Kann es sein, daß Du dieses Jahr mehr als sonst angelst?

TW: Bedingt durch die Feedermatche könnte es so sein, aber im generellen sitze ich zwischen 120 und 150 Tagen im Jahr auf meiner Sitzkiepe und so wird es in diesem Jahr auch wieder sein.

CT: Kommen wir zurück auf Almere. Wann seit Ihr an der Strecke angekommen?

TW: Wir sind am Samstag angekommen und haben dann nur die 5 Trainingstage geangelt. Eigentlich wollten wir früher anreisen, als wir aber von der Fängen gehört hatten, sind wir so lange wie es irgendwie geht zu Hause geblieben :-)

Gute Bedingungen aber wenig Fische an der Laage Vart

CT: Wie war Eure Trainingswoche? Hast Du viele Veränderungen während der Woche festgestellt?

TW: Wir hatten eine schwierige aber hilfreiche Trainingswoche. Wichtig war, dass wir festgestellt hatten, dass sich der Untergrund im Vergleich zu 2009 geändert hatte, man hatte scheinbar im Winter der Schlamm vom Untergrund entfernt. Leider hatten wir während der kompletten Woche keinen Bereich in dem Brassen zu fangen waren.

Tamas Walter während der Trainingswoche

CT: Welche Taktiken, bzw. Ziele habt ihr während der Trainingswoche verfolgt und wie hat die Strecke auf Eure unterschiedlichen Ansätze reagiert?

TW: Wir hatten zwei Zielfische und das waren Brassen und Barsche. Für die Barsche hatten wir herausgefunden,dass wir die Fische in der 1 Stunde aktiv befischen mussten, das war die beste Zeit und die Kleinfische zu bangeln. Für das Brassenanglen konnten wir leider keine Rückschlüsse ziehen, da wir in keinen Bereich saßen in dem Brassen gefangen wurden.

CT: Wie sah euer Matchplan aus und wie seit ihr darauf gekommen?

TW: Wir hatten keinen generellen Matchplan, es gibt z.B. 30-40 Plätze die Möglichkeiten auf Brassen bieten, wenn man auf einen dieser Plätze sitzt, dann hatten wir natürlich einen anderen Matchplan. Der Matchplan resultierte also aus dem gezogenen Platz.

CT: Sprechen wir über die Startfütterung und das Nachfüttern. Diese beiden Punkte machen oftmals den Unterschied zwischen „Erfolg“ und „Misserfolg“ aus. Was hast Du in der Startfütterung gefüttert und wann und wie hast Du nachgefüttert?

TW: 1Kg Sensas Etang und 4 Kilo schwarze Erde mit 100ml kleinen Mücken und einigen toten Pinkis für die kleinen Fische. Wir haben dieses Mix auf zwei Plätzen gecuppt um zwischen den Plätzen periodisch hin- und herzuwechseln. Nach frühestens 1 Stunde haben wir vorsichtig nachgefüttert. Für die Brassen nur Erde mit Mückenlarven, 5 abgebundene, schwere Bälle und 5 leichter abgebundene Bälle. Wir haben nur nachgefüttert wenn wir einen großen Fische gefangen oder aber gehakt hatten, bei mir war das an beiden Tagen nach ungefähr 1 Stunde der Fall. Ich habe sehr vorsichtig nachgefüttert wenn die Brassen am Platz waren und etwas aggressiver wenn die Fische den Platz verlassen hatten. Ich habe ab und an auch mal einen soften Ball nachgefüttert, dieser Ball sollte sich im Mittelwasser öffnen und die Brassen wieder zum Grund führen, die Brassen standen oft nicht am Grund, aber da wollte ich sie fangen.

CT: Lassen wir uns über den nächsten Punkt, das Tackle sprechen. Welche Kopfrute, Posen, Haupt- und Vorfachschnüre und Gummizüge hast Du gefischt?

TW: Ich habe für jede Spur eine Kopfrute aus meiner „Continental pro Serie by Tamas Walter“ gefischt, in 13m auf Brassen und in 8-9m für Barsche. Auf die Brassen habe ich die gelben Hydrows von Daiwa gefischt, auf die Barsche das Preston Gummi in 0,65mm. Als Posen haben ich die SW Lake Posen ind 1,5 Gramm auf Brassen und in 0,75 Gramm auf Barsche geangelt, die Posen sind übrigens eine von mir aufgelegte Serie. Als Vorfachschnur eine 10er mit 14er Haken für die Brassen und ein Haken der Größe 24 am 7er Fluocarbon für die Barsche.

Fünf dicke Brassen reichten im ersten Durchgang locker für den Sektorensieg

CT: Wie war der erste Wettkampftag für Dich?

TW: Ein guter Platz aber ein sehr starker Angler zu meiner Rechten. Dieter Friedrichs aus den Niederlanden saß neben mir ( Anm. der Redaktion: Dieter ist einer der stärksten Angler aus dem niederländischen Team). Ich hatte eine gute erste Stunde auf Kleinfisch und konnte 29 Stück zu 1,2 Kilogramm  fangen, das Angeln hat wirklich Spaß gemacht. Dann sah ich einige Blasen auf der 13m Bahn und konnte nach dem Wechsel auf die Bahn dort einen guten Fisch fangen. Dieter legte dann aber 2 Brassen nach und für mich galt es einen weiteren Fisch zu fangen um auszugleichen. Wir hatten dann beide in der nächsten Stunden keinen grossen Fisch und ich machte mir schon Gedanken auf die kurze Bahn zurück zu gehen. Dann fing Dieter aber noch einen 3. Brassen und wenig später einen 4.Brassen. Um es kurz zu machen, in der letzten Stunde fing ich noch 3Brassen und konnte den Sektor gewinnen.

CT: Wie war dann Dein zweiter Wettkampftag?

TW: Wieder ein Superplatz (Endplatz), nach 4 Minuten hatte ich dazu einen 2,5 Kilo Aland gefangen und konnte so ganz beruhigt weiter auf große Fische angeln. In der 2 Stunde hatte ich einen weiteren Brassen und es war klar, dass ich den Sektor gewinnen würde, denn es wurden sonst keine weiteren grossen Fische gefangen. Das starke Teilnehmerfeld (Raison,Gabba, Horler, Friedrich) konzentrierte sich also darauf mit Kleinfischen 2. im Sektor zu werden. Ich hätte übrigens auch ohne die großen Fische den Sektor gewonnen, denn mein Platz war voll mit Barschen und ich hätte die 800 Gramm zum 2. Platz locker mit den Barschen erreicht. Der Platz war einfach gut!

Im 2. Durchgang hatte Tamas mit Günter Horler (links neben ihm), dem Italiener Feruccio Gabba und dem Englänger Will Raison starke Angler im Sektor Zwei Bonusfische im 2. Durchgang machten den Unterschied und brachten Tamas Walter den Titel

CT: Deine Frau Diana und Du sind Beide sehr erfolgreich beim Wettkampfangeln. Können wir davon ausgehen, dass Eure kleine Tochter der nächste Weltmeister wird?

TW: Welche, wir haben mittlerweile 2 Töchter :-) Ich hoffe natürlich, dass beide einen Zugang zu unserem Sport bekommen, zu Beginn ist es aber unser Ziel, das Diana wieder mehr Zeit zum Angeln bekommt.

Tamas Walter nach dem obligatorischen Bad im Kanal

CT: Die Matchanglerszene in Ungarn ist wirklich nicht groß und trotzdem seit Ihr sehr erfolgreich, hast Du eine Erklärung dafür?

TW: Da habt ihr Recht, wir haben circa 20-25 richtig gute Angler, von denen haben circa 15 internationale Erfahrung. Ich denke dass erfolgreiche Angler in Ungarn clever sein müssen um sich unseren Sport „leisten“ zu können, diese Cleverness spiegelt sich dann im Erfolg wieder.

Das ungarische Nationalteam holte die Bronzemedaille bei der EM 2016 Der Europameister Tamas Walter (Mitte) mit dem Zweitplatzierten Yauhen Sviatoshchyk aus Weißrussland und dem Bronzemedaillengewinner Kent Adell aus Schweden

CT: Tamas, vielen Dank für das Interview. Wir sehen uns dann im nächsten Jahr bei Deinem phantastischen Walterland Cup in Szeged.

TW: Ihr seid immer Willkommen!

You can read the original interview in english here

Auch Deine Meinung ist gefragt!
0 Kommentare
Erst wenn Du angemeldet bist, kannst Du Kommentare verfassen. Jetzt Einloggen oder Registrieren