Club WM 2016 - Interview mit Robert Grabowski

  • von ct Redaktion
  • 01. August 2016 um 07:30
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Das Team Fishing Tackle Max hat bei der Club WM 2016 am Ostellato Kanal einen tollen 10. Platz erangelt, für diese junge Mannschaft ist dies ein super Erfolg und wir haben die Möglichkeit genutzt Robert Grabowski in seiner Magdeburger Heimat nach seinen Eindrücken zu befragen.

CT: Robert, unsere Glückwünsche zum tollen Abschneiden bei der diesjährigen Club WM am Ostellato Kanal in Italien. Seid Ihr mit dem Ergebnisse zufrieden?

Robert: „Eigentlich“ ja, auch wenn wir uns nach dem Trainingsergebnissen heimlich etwas mehr erhofft hatten.

CT: Wirklich? Wir finden einen 10. Platz super stark, was wäre denn vielleicht für Euch „drin“ gewesen?

Unterstützung gab es vom italienischen Tubertini Team

Robert: Bedingt durch die langjährigen Verflechtungen von unserem Team mit der Marke Tubertini, haben wir zu Beginn der Woche sehr, sehr viele Informationen vom eigentlich unschlagbar geltenden Team Lenza Emiliana Tubertini bekommen. Diese Informationen haben wir während der Trainingstage angepasst und hatten wirklich immer sehr gute Trainingsergebnisse abgeliefert. Aus dem Grund hatten wir uns erhofft, dass wir einige Plätze weiter vorne liegen.

CT: Hat Euch das italienische Team wirklich mit so vielen, also allen notwendigen Informationen versorgt?

Robert: Ja, das haben Sie. Didi Schmiedecke, Inhaber von Fishing Tackle Max, kennt Glauco Tubertini seit vielen Jahren und die Beiden verbindet eine Freundschaft. Dazu hat auch Johannes Böhm aus unserem Team, bedingt durch seine Arbeit, regelmäßig Kontakt zu den Tubertini Jungs aus Italien. Dazu kennen wir das „Gehirn“ des Team, Ferrucio Gabba von seinen Aufenthalten am Silokanal. Das Team hat uns wirklich mit allen notwendigen Informationen versorgt, wenn man ehrlich ist, dann nimmt man ein Team aus Deutschland nicht als konkrete „Bedrohung“ wahr und hat sicherlich auch deshalb Informationen mitgeteilt.

Didi Schmiedecke (links) mit Glauco Tubertini und Max Hohlfelder

CT: Wir sind der Meinung, dass Informationen und Vorbereitung ein elementarer Bestandteil einer erfolgreichen Teilnahme ist. Es war ja Eure erste Teilnahme an einer Club WM, wie sah Eure Vorbereitung aus?

Robert: Nun, zuerst mussten wir vom DSAV normiert werden, das haben wir beim Anglertreff Mannschaften geschafft. Nachdem feststand, dass wir in Italien mitangeln durften, begannen die Vorbereitungen. Als erstes mussten wir Sponsorengelder auftreiben, getrieben durch unseren Mannschaftskollegen PL haben wir eine tolle Summe zusammen bekommen, unser besonderer Dank gilt dabei unserem Unterstützer und Namensgeber von unserem Team Didi Schmiedecke von der Firma Fishing Tackle Max. Didi unterstützt uns schon seit Jahren, ohne Didi könnten wir Angeln auf diesem Level finanziell kaum bewältigen. Als Nächstes haben wir an unserem Betreuerstab gearbeitet, hier konnten wir mit Günter Horler einen international erfahrenen Angler für uns gewinnen. Neben Günter setzten wir auf den Kreis von Anglern, die dem Team schon immer nahe standen, zusammengehalten wird der „Laden“ dann von unserem „Boss“ Bernd Bormann.

Viele Firmen unterstützten das Team von FTMAX bei der Club WM 2016

CT: Kannst Du uns kurz das Team der 7 Angler vorstellen?

Robert: Wie Eingangs bereits erwähnt ist das Team welches nach Italien fuhr bis auf das Urgestein PL im Team noch ziemlich neu. PL ist ein echter Allrounder welcher mit fast jeder Angeltechnik an jedem Gewässer ein starker Gegner ist. Im Jahr 2011 konnte Johannes Böhm und im darauf folgenden Jahr Andre' Plumbaum und ich zum Team hinzu stoßen. Andre' ist in der Stippszene schon des längeren kein unbeschriebenes Blatt mehr, konnte doch auch er schon einige Hegefischen und Sektoren für sich entscheiden. Besondere Stärken weist er insbesondere mit der Kopfrute auf. Teamangler Johannes ist schon seit einigen Jahren im internationalen Geschäft auf Europameisterschaften und Weltmeisterschaften unterwegs und konnte dort bereits des Öfteren sehr gute Erfolge in Form einiger Sektorensiege erzielen. Bereits zu Jugendzeiten konnten ich und Johannes dank Herry Panno an Jugendweltmeisterschaften teilnehmen. Vielen Dank für alles Herry! Diese Verbindung zum Jugendbereich hat Johannes auch dazu bewegt sich als Nationaltrainer des U23 Teams in diesem Jahr aufstellen zu lassen. Im Jahr 2014 konnten wir Dennis Kuhfuß und David Thiele für unsere Mannschaft gewinnen. Ich, Andre' und Johannes kennen Dennis schon seit 2002 seit unserer ersten Landesmeisterschaft. Bereits damals konnte Dennis durch sein Können und Persönlichkeit auf sich aufmerksam machen. Egal an welches Gewässer man Dennis setzt er kommt eigentlich überall zurecht. Ein Umstand der ihn besonders auszeichnet. Zudem konnten wir David Thiele aus der Nähe von Leipzig 2014 für uns gewinnen. David ist ein echter Teamplayer und hat sich seit seinem Eintritt in unser Team hinsichtlich seiner Angeltechnik sehr stark gesteigert. Für alle die ihn vielleicht noch nicht kennen, ihr werdet ihn kennen lernen, das sage ich euch ;).

Nach dem Training durfte dann auch mal der Chef an die Rute

Unseren letzten Transfer konnten wir im letzten Jahr mit Maik Eggert abschließen. Maik ist uns bereits seit mehreren Jahren ebenso wie Dennis durch Landesmeisterschaften in Sachsen-Anhalt ein sehr guter Angelfreund geworden. Niemand im Team geht mehr angeln als Maik, was man besonders an seiner sehr starken Leistung am zweiten Tag bei der diesjährigen WM sehen konnte. Bei seinem ersten internationalen Auftritt eine solche Leistung Respekt! Hierbei ist anzumerken das Andre' und Maik zusammen als Ersatzstarter für den zweiten Tag angereist sind. Innerhalb der Trainingswoche konnte sich jeder von den Beiden bei Bernd Bormann beweisen.

Maik Eggert angelte einen starken zweiten Durchgang

Am Ende der Woche fiel die Wahl auf Maik sodass Andre' ein Einsatz verwehrt wurde. Mit welcher Bemühung Andre' dennoch das Team in jeglicher Hinsicht unterstützt hat, zeigt wie groß seine Teamzugehörigkeit ist. Vielen Dank im Namen des ganzen Teams für deinen Einsatz Andre'! Soviel zum Startaufgebot bei der diesjährigen Club WM. Nicht zu vergessen sind Henry Hoffmann und Alex Haupt welche ebenso zum Team gehören. Henry ist ebenso wie PL von Beginn an in der Mannschaft und konnte krankheitsbedingt leider nicht mit nach Italien reisen.

CT: Wie liefen dann die weiteren Vorbereitungen?

Robert: Wir sind im Frühjahr zu den italienischen Ausscheidungen an den Ostellato Kanal geflogen und haben dort erste Eindrücke gesammelt. Hier konnten wir schon erste Rückschlüsse ziehen, auch wenn dieser Wettkampf hauptsächlich mit der Matchrute geangelt wurde. Wir waren neugierig auf die Ergebnisse, gab es doch vor 2 Jahren ein Fischsterben am Kanal. Beim Fischen im letzten Jahr setzte sich das teilnehmende Feld dann vor allem aus „Nichtfängern“ zusammen, die Vorzeichen waren also nicht ganz einfach.

CT: Mit wie vielen Leuten wart ihr als Team dann letztendlich bei der Club WM vor Ort?

Robert: Wir waren 7 Angler und 10 Betreuer, jedem Einzelnen gilt unser Dank! Es macht immer wieder Spaß mit diesem Team zu angeln.

CT: Wie ging es dann vor Ort weiter?

Robert: Am Tag vor dem ersten Training haben wir uns mit dem Tubertini Team getroffen, hier hat uns das Team mit allen notwendigen Informationen versorgt.

CT: Darfst Du uns diese Informationen weitergeben?

Robert: Ja klar... Die Informationen bestanden vor allem aus der „Art“ zu füttern, es ging um den berühmten „Pongo“ am Ostellato Kanal.

Pongo mit Würmern und Mückenlarven

CT: Ja, der berühmte Pongo... Wie setzt man den Pongo denn jetzt richtig ein?

Robert: Zu Beginn des Fischens sollten wir 8 große Bälle (6 Liter Pongo), versetzt mit 125ml Mücken auf den Futterplatz werfen. Die Bälle sollten wirklich groß sein, denn der Untergrund am Kanal ist weich und die Bälle versinken im Morast. Die Bälle mussten also groß sein, damit die Spitze des Balls aus dem Schlamm herausschaute. Dann sollten wir circa 15 Bälle (2 Liter Pongo) mit ebenfalls 125 ml Mückenlarven cuppen. Dazu sollte noch Futter auf den Platz geworfen werden, das Futter sollte in die Richtung „Turbo schwarz“ gehen, das Futter wurde mit einem geringen Anteil Castern und toten Maden versetzt. In der eingebrachten Startfütterung waren also nicht so viele Köder. Diese Art der Startfütterung haben wir während der Woche beibehalten, wir haben lediglich probiert sie etwas zu „verfeinern“. Das Präparieren der Köder dauert immer 45 Minuten und war bei 30 Grad im Schatten eine schweißtreibende Sache, am Ende der Vorbereitung war man eigentlich schon „reif“ für eine Pause. Statt einer Pause musste man aber das komplette Futter einbringen, spätestens dann war ich wirklich „platt“.

CT: Wenn die Futtertaktik schon so früh feststand, was habt ihr im Training dann trainiert?

Robert: Natürlich haben wir am Material gearbeitet, wir haben probiert welche Posengewichte, Schnurstärken und Haken am besten funktionierten. Dazu haben wir in den einzelnen Bereichen geschaut, auf welcher Entfernung die kurze Spur am besten lief, außerdem richteten wir zu Beginn ein großes Augenmerk auf die Matchrute.

CT: Wie lief die Trainingswoche bei Euch?

Robert: Wie vorher schon mal gesagt lief unsere Trainingswoche ziemlich gut. Im Vergleich zu unseren Nachbarboxen lagen wir immer richtig gut. Im Training haben wir schnell gemerkt, dass die Matchrute keine Rolle spielen würde, es blieb also die 13m Bahn und die kurze Spur. Diese beiden Spuren versuchten wir uns zu erarbeiten.

Robert Grabowski mit einem typischen Trainingsfang

CT: Wie sah Eure Taktik für die beiden Bahnen am Ende der Woche aus?

Robert: Die 13m Bahn befütterten wie von unseren italienischen Freunden empfohlen. Die kurze Bahn sollte unsere „Großfischbahn“ sein. Wir angelten sie nicht weiter als 6 m um die Bahn immer wieder mit losen Maden (aus der Hand geworfen) zu befüttern. Jeweils am Ende der Durchgänge hofften wir vor allem in den Sektoren C, D und E dort Bonusfische zu fangen. Auf der 13m Bahn wollten wir frühestens nach einer Stunde nachfüttern.

CT: Wie sahen Eure Montagen für die Wettkämpfe aus?

Robert: Wir fischen Gummizüge der Stärke 1,0 bis 1,2 mm, dazu Posen von 0,5 Gramm bis 3 Gramm an 12 Hauptschnüren, 10er Vorfächern und 16er Haken. Auf der kurzen Bahn nutzten wir die komplette Montage 2 Nummern stärker, wir wollten auf Nummer sicher gehen, dass wir Bonusfische auch fangen würden.

Mit Bonuskarpfen musste man rechnen

CT: Wie lief der erste Durchgang für das Team?

Robert: Am ersten Tag konnte Johannes eine Platzziffer 1 angeln, das war natürlich sehr stark. Ansonsten belegten wir gute Mittelplätze und lagen mit einer Platzziffer 31 auf Platz 10. Unser Futteransatz war ja eher defensiv, es führten die Engländer die aggressiver und mit einem höheren Futteranteil arbeiteten. Die Italiener lagen zu Ihrer eigenen Überraschung nur auf Platz 2, auch die Ungarn waren sehr stark. Generell muss man sagen, dass die Qualität in einem solchen Teilnehmerfeld schon brutal stark ist, an diese Qualität müssen wir uns als Team erst gewöhnen. Für uns hätte es auch noch deutlich weiter nach vorne gehen können. Mein Teamkollege David und ich haben im ersten Durchgang so viel Fisch verloren, dass wir beide den Sektor auch gewinnen hätten können. Die Fehlbisse in diesem Durchgang kann ich mir bis heute noch nicht erklären. Um eine einigermaßen gute Bissausbeute zu haben, mussten wir 3-4 Sekunden!!!!! nach dem Abtauchen der Pose mit dem Anschlag warten, aber selbst wenn wir so lang gewartet haben, hingen die Fische ganz vorne in der Lippe und wir haben noch viele Fische verloren. Das war schon sehr frustrierend! Was wir noch weniger verstehen ist der Punkt, dass Johannes in einem anderen Sektor mit genau der gleichen Taktik (also dem langen Warten bis zum Anschlag und derselben Tiefe) kaum einen Fisch verlor.

CT: Wir sehen die internationale Konkurrenz auch sehr stark, umso bemerkenswerter ist, dass unsere Feedernationalmannschaft die Goldmedaille in Serbien geholt hat, in unseren Augen eine wirklich bemerkenswerte Leistung.

Robert: Das sehe ich genauso, meinen Glückwunsch an die Mannschaft.

CT: Was wolltet Ihr vor dem zweiten Durchgang ändern?

Robert: Eigentlich nichts, wir hatten das Gefühl, dass unsere Taktik nicht „sooo verkehrt“ war.

CT: Wie lief dann der zweite Durchgang?

Robert: Für das Team eigentlich ähnlich ausgeglichen wie der erste Durchgang, am Ende hatten wir am zweiten Tag eine Platzziffer 30 (nach einer Platzziffer 31 am 1. Tag). Für mich persönlich war das Angeln jedoch eine Katastrophe, konnte ich doch keinen Fisch bis auf einige Minizander auf der 13 m Bahn fangen. An diesem Tag haben mich die Fische auf der kurzen Bahn gerettet. Die 13 m Bahn war tot, es waren einfach keine Fische da. Am Ostellato Kanal kann man dies übrigens wirklich relativ einfach sagen, denn die Fische zeigen sich durch Blasen an der Oberfläche auf den Futterplätzen. Bei mir standen die Fische am zweiten Tag drei Meter hinter meinem Futter, also auf 16 m und damit für mich nicht zu erreichen. Bemerkenswert fand ich an diesem Tag die Engländer in meinem Sektor. Der englische Angler Edwards Lee in meinem Sektor hatte nach über 3 Stunden KEINEN Fisch im Kescher, bis der englische Trainer zu ihm kam und Anweisungen gab. Daraufhin fütterte er nach, baute ein anderes Kits auf und fing in der letzten Stunde 8 Kilogramm Fisch für eine Platzziffer 2 im Sektor. Was der Engländer verändert hat ist mir bis heute ein Rätsel, 3 Stunden fängt er keinen Fisch, dann füttert er nach und fängt mit einem anderen Kit 8 Kilogramm. Für mich ist das unglaublich und zeigt die Klasse einiger Angler im englischen Team.

Das englische Team, hier mit Callum Dicks, überzeugte auf ganzer Linie

CT: Im Resümee war Euer Abschneiden trotzdem ein Erfolg. Was kannst Du Teams und Anglern empfehlen, die ähnlich erfolgreich sein möchten.

Robert: Sucht Euch ein gutes Team und geht angeln. Erfahrung und Angelpraxis ist nicht zu ersetzen. Diesen Eindruck hat auch ein Angler vom erfolgreichen Triple A Team aus Österreich bestätigt. Auf die Frage hin was das Team verändert hat damit es so erfolgreich ist, hat er geantwortet, dass er seit 2 Jahren so oft wie möglich innerhalb der Woche angeln geht, dies ist für ihn der Schlüssel zum Erfolg.

CT: Vielen Dank für Deine ausführlichen Erklärungen und viel Glück beim Anglertreff an der Aue!

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