Jugendweltmeisterschaft 2016 in Coruche

  • von Thomas Unger
  • 02. September 2016 um 08:00
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...aus Sicht des U18 Trainers

Coruche ist eine Reise Wert – das ist mein Fazit nach Abschluss meiner 3. WM als U18 Coach. Doch beginnen wir mit dem Anfang – genau gesagt, mit der Nominierung der Teilnehmer des U18-Teams.

Schon vor dem Anglertreff der Jugend am Elbe-Havel Kanal war klar, dass wir uns Aufgrund  der beruflich bedingten Absage von Florian Wenzel und des Überschreitens der Altersgrenze von Brian Überleer und Johannes Niemierza für mindestens 2 neue Mannschaftsmitglieder entscheiden mußten.

Sebastian Pignon – Top Mann!

Da ich bereits wußte, dass Sebastian Pignon aus Besseringen als Gast mitfahren würde und er alle Kriterien für die Teilnahme am U18 Wettbewerb erfüllen würde, hatte ich schon vorab mit dem Gedanken gespielt, mit Sebastian im Rücken nur 4 Angler  zu nominieren und diese von vornherein beide Durchgänge fischen zu lassen.

An dieser Stelle schon mal vielen Dank an Sebastian, der während der WM so toll geholfen hat! Das war Klasse und ist für einen 16jährigen nicht selbstverständlich.

Neben Michell Babick und Nick Unger, die bereits 4 bzw. 3 Weltmeisterschaften gefischt haben, stellten sich dann Kevin Kielwein und trotz seiner erst 13 Jahre Paul Richter als Mannschaftsmitglied Nummer 3 und 4 heraus und so konnte es direkt in die Planung für Coruche gehen.

An dieser Stelle muss ich mich auch schon mal den mitgereisten Eltern bedanken, schon die Vorbereitung lief super und so waren wir alle nach mehr oder weniger langer Fahrt spätestens Sonntag abend am 31.7.2016 in Coruche angekommen.

Ich muss sagen , die Fahrt war nicht nur lange sondern die vielen tollen Landschaften in Frankreich, Spanien und Portugal auch vom Auto aus wirklich sehenswert.

Herry Panno hatte mit Hilfe von Karl Heinz Becker ein wirklich tolles Familienhotel gebucht, dass aus einer grünen Oase mit mehreren Häuschen und einem Swimmingpool bestand, gleich aus dem ersten Eindruck heraus wirklich toll. HERRY, DAMIT HAST DU DIE MASSTÄBE FÜR DIE ZUKUNFT SEHR HOCHGELEGT!

So, aber nun zum ersten Angeltag. Zusammen mit der U23 und ihrem Trainer Johannes Böhm, der bereits bei der Jugend-WM 2009 in Coruche teilgenommen hat, gingen wir Montags an einen ca. 50km von der eigentlichen Strecke liegenden Seitenarm des Rio Sorraia um erste Eindrücke zu sammeln; Nachdem uns Johannes mit den erforderlichen Informationen zu den Montagen versorgt hatte, baute jeder eine oder mehrere Matchruten mit feststehenden, schweren Wagglern um die 20 gr.und einem zwischengeschalteten, 20cm langen Gummi von 1,2 mm als Puffer für die zu erwartenden großen Fische (Karpfen und Barben ) auf.

Währenddessen bereiteten die Trainer und Eltern sorgfältig die Maden zum Kleben vor. Diese mussten akkurat gereinigt werden. Wir klebten dann pro Teilnehmer 2liter Maden mit ca. 250ml gereinigtem Kies und sehr wenig Madenkleber. Das zog sich durch die ganze Woche, es war wichtig, den Maden und dem Kies nicht zuviel aber auch nicht zu wenig Kleber beizumischen.

Die Bälle mussten auf Entfernungen von 25 bis über 50m geschossen werden und durften nicht einplatschen, sondern mussten trotz der Entfernung möglichst geräuschlos eintauchen.

Hatten wir den Montagen und der Technik Anfangs nicht viel zugetraut, kamen trotzdem gleich am ersten Tag alle an Fisch und fast jeder hatte einen oder mehreren Karpfen oder Barben an der Leine – die spanischen Barben sind unseren Heimischen an Kampfkraft noch deutlich überlegen, man kann es kaum glauben, aber selbst eine 30 gr Barbe zieht richtig Gummi aus der Kopfrute!

Nach diesem ersten Herantasten ging es Montags zum Training an die WM Strecke und bei Temperaturen von 33 bis weit über 40 grad verlangte uns diese Trainingswoche einiges ab, zumal die Strecke in Santa Justa komplett im Sand liegt, d.h. unter sengender Sonne. Die Fangergebnisse im Training lagen dann weit hinter dem, was wir Montags beim ersten Training gefangen hatten.

Das höchste Trainingsgewicht in der Woche waren 670 gramm, meistens lag der Durchschnitt bei 200 gramm und doch muss man sagen, dass die Jungs das Training sehr ernsthaft betrieben haben und auch wenn sehr wenig gefangen wurde, war es doch eine spannende Angelei. Dazu kam, dass wir trotz der niedrigen Gewichte im Vergleich zu den anderen Nationen immer relativ gut lagen.

Wir fanden schnell heraus, dass es Plätze gab, an denen von Anfang an Fische auf der Kopfrutenspur waren. War dies nicht der Fall, musste mit der Matchrute am anderen Ufer auf Entfernungen von teilweise über 50 Meter gefischt werden. Hier war es dann sehr schwer, die Bisse zu verwerten, was aber der Sache eine gewisse Spannung gab, denn nur ein geringer Teil der Bisse konnte wirklich in gefangene Fische umgesetzt werden. Wenn, waren es meistens die erwähnten Barben von um die 30 gramm bis maximal 200 gramm, die Karauschen lagen im Training bei Höchstgewichten um die 150 gramm, im Schnitt aber auch um 30gramm. Letzten Endes Stand am Ende der Trainingswoche zweifelsfrei fest, wie wir angeln wollten.

Jeder baute 3-5 Matchruten auf, auf die Matchrute wurde ausschließlich mit geklebten Maden, wie Eingangs erwähnt, gefüttert.  Wir hatten uns darauf geeinigt, dass, nur wenn gar nichts ging, auch mal ein Bällchen Futter auf die Match geschossen werden sollte. Auf der Stipprute fütterten wir mit ETANG von Sensas versetzt mit sehr wenigen Maden/Pinkies bzw. kleinen Mückenlarven.  Caster spielten bei dem Event überhaupt keine Rolle, auch Würmer eher nicht.

Wir warteten dann Freitags abends gespannt auf unsere Glücksfee Herry, der die Sektoren für unser Team loste. Nick Unger hatte den Sektor A, Kevin Kielwein B, Michell Babick C und Paul Richter den D Sektor. Vermeintlich waren immer die niedrigen Nummern gut und so hatten wir Samstag früh nach der Ziehung der Nummern ein eher gemischtes Gefühl mit Nick auf der A11, Kevin auf der B6, Michell auf der C2 und Paul auf der D4.

Aber abgerechnet wird am Schluss und so machte sich jeder daran, sich auf das Angeln vorzubereiten. Besonderes Pech hatten wir im ersten Durchgang, da ein großes Krautfeld auf der Strecke trieb und der Durchgang 2 mal um eine halbe Stunde verschoben wurde. Das Krautfeld wurde auf der D4-6, wo auch Paul sass, entfernt und so ging dann auf diesen Plätzen im Durchgang wenig bis nichts.

Aber der Reihe nach. Der Durchgang ging los und in A bei Nick gab es sofort die üblichen Kleinfische auf der Stipprute, von denen er in der ersten Stunde 20 Stück und in der zweiten Stunde  14 Stück fing, das sah zumindest in der ersten Stunde gut aus. Bei Kevin ging es eher verhalten los und nach 2 Stunden sah es dort gar nicht gut aus. Als ich bei ihm war, fütterte der Ungar rechts neben ihm permanent große geklebte Madenballen mit Kies auf die Stipprute und fing eine Meeräsche von 1 Kilo.

Das war das Kommando zur Wende, ich wies Kevin an, direkt auch auf große Fische zu gehen und raste zu Nick, um ihn nach der 2.Stunde ebenfalls umzustellen und geklebte Maden füttern zu lassen. Michell fing auch von Anfang an relativ gut und konstant seine Fische und hatte auch immer mal eine der größeren Barben dabei um die 100-200 gramm , da war alles klar. Nur bei Paul ging leider gar nichts, er hatte an diesem Tag riesen Pech und alle Bemühungen waren umsonst.

Michell mit seinem Fang von Durchgang 1

Zurück bei Nick dauerte es keine 10 Minuten bis das Gummi geschossen kam und ein großer Fisch mit irrer Kraft unhaltbar in Richtung Kanalmitte zog und das Vorfach zerriß. Kurzes Schlucken und die Feststellung, da war nichts zu machen, aber der Weg scheinte  zu stimmen. 20 Minuten später wurde wieder der Gummi aus der Rute gerissen und Nick konnte eine Barbe von ca. 400 Gramm Keschern und war damit wieder im Geschäft, nachdem er in der 2.Stunde zu wenig Kleinfische gefangen hatte.

Ich gab die Nachricht gleich wieder an alle weiter und hörte nochmal, dass Michell weiter konstant Fische fing, Kevin aber weiter ohne großen Fisch war, den er brauchte und bei Paul war die Lage unverändert. 20 Minuten vor Schluss kam bei Nick dann wieder Gummi und sofort wussten wir beide, dass das der Fisch nach ganz vorne war. Es dauerte bis 2 Minuten vor Schluss, bis der Karpfen mit viel Geduld und der notwendigen Coolness gelandet werden konnte. Ich stieß ganz unbewusst einen doch sehr lauten  Jubelschrei aus, als der Fisch im Kescher war, das hatte Nerven gekostet. Alles andere sah und hörte ich erst später auf meinem eigenen Video.

Nick mit seinem Karpfen

Gleichzeitig erfuhr ich jetzt, dass auch Kevin mit einer starken Meeräsche kämpfte und diese wie Nick ganz knapp vor Schluss landen konnte. Tanja und Rainer war es dahinter auch nicht besser ergangen, als mir, denn auch Kevin hatte 20 Minuten mit dem Fisch gekämpft. Super gemacht, Kevin!

Kevin mit seiner Meeräsche

Als der Abpfiff ertönte erkundigte ich mich gleich nach Michell und Paul – Michell hatte weiter die Schlagzahl gehalten und würde gut platziert sein. Bei Paul leider nichts Neues, ganz wenig Fisch und keine Chance, etwas zu machen. So ging es mit dem Wiegen los und bis zu Nick waren 2100 gr. Hoch. Ich wußte, das konnte reichen und es waren tatsächlich rund 2200 gramm und damit der Sektorensieg.

Von Kevin hatte ich mittlerweile auch eine starke 5 und von Michell eine sehr starke 3 auf dem Papier. Paul mache die 13.

Im Mannschaftsranking lagen die Italiener klar auf 1 mit 10 Punkten, die Franzosen auf dem Silberrang mit 20 Punkten, wir punktgleich mit den Portugiesen mit 21 Punkten aber weniger Gewicht auf Platz 4. Ein einziges Pünktchen, da wollten wir im 2.Durchgang noch einmal alles geben und so wurde abends noch alles penibel vorbereitet, zumal Michell und Nick ja auch noch im Einzel im Rennen waren.

Die Verlosung an Tag 2 ergab für jeden den Sektor vom Vortag, dass muss man erst einmal nachmachen. Nick auf der A2, Kevin auf der B8, Michell auf der C1 und Paul einen Platz weiter als am Vortag auf D5. Wie gehabt ging es zur Vorbereitung und dieses Mal ging das Angeln pünktlich los.

Nick schaffte gleich in der ersten Stunde 26 Fische und damit die höchste Stückzahl im Sektor A. Bei Michell lief es am Anfang nicht so gut, das steigerte sich aber immer weiter bis zum Ende des Fischens. Bei Kevin fing es ganz schlecht an und er hatte nach 1 Stunde 2 kleine Fische. Herry Panno war bei Paul und von dort gab es bald Nachricht, dass es besser lief, als an Tag 1, etwas genaueres konnte man aber noch nicht sagen, sodass wir in Stunde 2 gingen.

Nick fing 24 Fische, darunter einen kleinen Wels von 250 gramm und mehrere bessere Karauschen um 100gr. Da er die Führung nach Stückzahl in Runde 2 stark ausgebaut hatte, hatte ich die Hoffnung, dass das für ganz vorne reichen könnte und dass die Stunde 3 so weiter geht. Kevin holte in Stunde 2 stark auf und fing einige bessere Fische und auch bei Michell und Paul lief es. Wir hatten also weiterhin im Einzel und in der Mannschaft noch Hoffnung.

In Runde 3 brach die Stückzahl bei Nick noch ein wenig ab, es waren noch 20 Fische und mit insgesamt 70 Fischen lag er in der Stückzahl auf der gesamten Strecke vorne und ich hoffte immer noch, dass es zumindest für das Treppchen reichen würde, denn zu diesem Zeitpunkt wußte ich , dass der Spanier und der Engländer im Sektor größere Fische gefangen hatten.

Auf dem Aussenplatz A1 wurden 1100 gramm gefangen, bei Nick auf A2 waren es  2100 gramm. Der Portugiese auf A3 hatte leider 2500 gramm, wenn sich niemand zwischen Nick und den Portugiesen schieben würde, würde es immer noch reichen, da dieser im ersten Durchgang nur die 3 hatte. Dann kam der Engländer auf A9 mit unglaublichen 3500 gramm, damit war aber immer noch alles im grünen Bereich, da der im ersten Durchgang keine vordere Platzierung hatte und vor Nick UND dem Portugiesen lag. Auf A12 kam dann der Spanier mit unglaublichen 100 gramm mehr und schob sich zwischen Nick und den Portugiesen.

Platzziffer 5 würde wahrscheinlich nicht fürs Podium reichen. Aber jetzt war keine Zeit zum Rechnen es ging gleich weiter zu Kevin in den Sektor und dort war es auch sehr, sehr spannend und Kevin hatte aus der verkorksten 1.Stunde noch eine 8 gemacht und lag damit auch noch im Soll. Von Michell wußte ich, dass es ein gutes Ergebnis werden würde, aber mit der Platzziffer 2 hatte ich da nicht gerechnet und somit hatte Michell gleiche Platzziffer wie Nick bei 200 gramm weniger Gewicht. Von Paul kam eine achtbare 7,5 und so hatten wir mit 21 am ersten Tag und 21,5 Punkten am 2. Tag fast gleiche Platzziffer und würden auch im Team Ranking gut liegen, nur wo?

Paul Richter mit Karausche aus Durchgang 2

Letzten Endes landeten wir auf Platz 5, damit 6,5 Punkte hinter Bronze. Hätte Paul nicht den verkorksten Platz am ersten Tag gehabt... aber hätte ist immer zu spät und trotz allem haben wir nicht gezürnt, sondern uns sehr über das Ergebnis gefreut, denn mit 2 „neuen“ und dem 13jährigen Paul haben wir ein nie für möglich gehaltenes Ergebnis erzielt.

Sehr knapp wurde es im Einzel für Nick und Michell. Nick fehlten auf Platz 5 gerade einmal 280 gramm zu Bronze und bei Michell auf dem 7.Platz mit immer noch gleicher Platzziffer waren es 500 gramm auf Bronze. Knapp, sehr knapp aber trotzdem – 2 Top Ten Ergebnisse und Platz 5 mit der Mannschaft bei der sehr speziellen Anglerei  in Santa Justa war doch ein sehr starkes Ergebnis.

Auch Nick und ich fragten uns – woher hätten die 100 gramm mehr in Durchgang 2 kommen sollen? Optimal geangelt, keine Ahnung .Und damit ist auch dieses knappe Ergebnis akzeptiert. Was bleibt ist die Erinnerung an eine tolle Woche in der alles Hand in Hand lief, Herry Panno hatte alles wie immer super organisiert. Hans Richter kümmerte sich jeden Tag in der Früh um die Abholung der Köder. Tochter Louise ( Pauls Schwester ) siebte uns die Steine für die geklebten  Maden aus dem Sand, DANKE, LOUISE! Rainer und Andy halfen beim Herrichten des Futters und der Köder und Tanja und Nicole kümmerten sich herausragend um die Verpflegung.

Tolle Teamwork - Euch allen gebührt mein Dank. Ein spezieller Dank geht nochmals an Sebastian Pignon für sein vorbildliches Verhalten.

Ich bedanke mich außerdem bei  Johannes Böhm für die offenen Gespräche, für die Organisation des Madenklebers über Didi Schmiedecke von FTM und bei der U23 Roman Westkämper, Johannes Niemierza, Christian Schröder, Brian Überleer und Fabian Kügler für die Kameradschaft und die Offenheit. Außerdem bei den mitgereissten Manfred Niemierza, Friedrich und Philipp Schröder sowie Gernot Kügler  für das stets kalte Bier und die Freundschaft.

Letzten Endes möchte sich die U18 noch mit einem speziellen DANKESCHÖN an Thomas Engert von der Fa. Sensas richten. Danke lieber Thomas , dass Du uns das komplette Futtter!! und die komplette Erde!! gestiftet hast. Danke außerdem für Deine Erkundigungen bei  Deinen internationalen Kontakten , die uns sehr viel gebracht haben.

Danke an unseren Verband , den DSAV, der uns das Startrecht für die WM gibt. Und ein großes Dankeschön geht letztlich an alle Freunde unserer Jugendlichen, die sich mit Spenden jeglicher Art beteiligt haben. Wir werden jeden gesondert noch einmal anschreiben.

U18 und U23 mit Trainern und Betreuern und Manager Herry Panno / rechts außen

Es ist heutzutage nicht selbstverständlich, wenn jemand noch etwas für das Angeln übrig hat. Aber wenn ich sehe, welchen Stellenwert das Angeln im Ausland hat, müssen wir einfach „dran“ bleiben. In Deutschland kann es schließlich nur noch besser werden.

In diesem Sinne – PETRI HEIL

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