Jugendweltmeisterschaft 2017 im Süßwasserangeln in Irland

  • von Brian Überleer
  • 16. Oktober 2017 um 15:00
  • 0

Wasser so weit das Auge reicht, Landschaften wie aus einem Bilderbuch und ein Fischreichtum, der jedes Anglerherz Salven schlagen lässt - so zeigte sich der Austragungsort der diesjährigen Jugendweltmeisterschaft im Süßwasserangeln.

Die irischen Veranstalter hatten, in Zusammenarbeit mit dem FIP SED/C.I.P.S., den Inniscarra Lake, nahe der irischen Studentenstadt Cork, als Gewässer auserkoren, welches den meisten Socialmedia-Lesern schon von der Feeder-Weltmeisterschaft 2014 bekannt sein sollte.

Wie so oft, war es für uns, als deutsche Delegation, bestehend aus Johannes Niemierza, Nick Unger, Roman Westkämper, Brian Überleer und Trainer Thomas Unger, eine weite Reise zum Veranstaltungsort. Doch weder der englisch-irische Linksverkehr-Wahnsinn, noch starke Winde, welche die Autofähren mäßig bis stark durchschüttelten, konnten uns von unserem ambitionierten Plan abhalten.

Eine Medaille sollte her.

Nach mehreren „erfolglosen“ Jahren, in denen wir die Medaillenränge immer nur ankratzten und dann doch nur auf einem Platz im guten Mittelfeld landeten, wollten wir definitiv nicht mit leeren Händen heim kehren.

Um unser hoch gestecktes Ziel zu erreichen, begannen wir schon sehr früh, alle benötigten Utensilien, sei es Montagen oder auch Futter, bereit zu stellen, um vor Ort optimal aufgestellt zu sein. Alle benötigten Köder, sowie eine sehr gute Unterkunft, wurden wie immer durch unseren Manager Herry Panno besorgt.

Unser Erfolgscoach Thomas Unger begann ebenfalls schon früh, genauer gesagt im Zeitraum der Walterland-Masters, Informationen über den Inniscarra Lake und die dortigen Angeltechniken einzuholen. Demnach sollte es sich um ein Angeln auf sehr viele kleine  bis mittlere Rotaugen handeln. Ebenso sollten eventuell Brassen und Hybrids auf der Matchrute gefangen werden.

Aufgrund dieser Information wählten wir sowohl unsere Gerätschaften als auch unser Futter aus. Alle Futtermaterialien wurden gänzlich kostenfrei von der Firma Sensas bereit gestellt.

An dieser Stelle schon mal ein riesiges Dankeschön an Thomas Engert und die Firma Sensas.

Unsere Futtermischung sollte recht stark kleben, um möglichst viele Köder aufnehmen zu können, trotzdem jedoch vor allem die Spezies Rotauge ansprechen. Aus diesem Grund entschieden wir uns für die folgende Mischung:

  • 2Kg Gardons
  • 2Kg  Lake
  • 2Kg  Magic
  • 1Kg  River
    • Pastochino rot
    • Futterfarbe schwarz

Diese Mischung erwies sich im Laufe der Woche als perfekt. Auf ein beimengen von Erde verzichteten wir gänzlich, da wir der Meinung waren, dass Erde bei einem aktiven Rotaugenangeln nicht von Vorteil war.

Da die Futtermischung stand, konnten wir uns im Laufe der Trainingswoche mit den übrigen Problemen der WM Strecke befassen. Und da gab es so einige!

Zunächst ist einmal zu sagen, dass ich persönlich selten an einer so ungleichmäßigen und unfairen Strecke gefischt habe, wie es am Inniscarra Lake der Fall war.

Tiefendifferenzen von bis zu 3!!! Metern zwischen 2 Angelplätzen, machten das Angeln teilweise sehr schwierig.

Trainierte man den einen Tag beispielsweise im Bereich B Sektor, so hatte man unter Umständen auf 11.5 Meter eine 8-teilige Tiefe. Dort fing man keinen Fisch.

Den nächsten Tag im Bereich D Sektor fand man dann wieder Tiefen um ein 4-teiliges Kit vor.

Alles in allem also sehr ungleichmäßig und zudem teilweise sehr hängerträchtig.

Aufgrund der unterschiedlichen Tiefen, versuchten wir in der Trainingswoche eine Tiefe zu ermitteln, in der man vor allem viele Rotaugen fangen konnte. Diese war unserer Meinung nach 5-teilig. Das Tiefenprofil des Sees war vom Ufer zur Mitte hin stark abfallend, was das Angeln zusätzlich erschwerte. Schob man die Kopfrute 20 cm weiter raus, war es 20 cm tiefer. Keine einfachen Verhältnisse.

Die Matchrute war auch wichtig

Aufgrund der Erkenntnisse der Trainingstage formulierten wir Teamintern ein Patent, welches uns am Ende unser Ziel erreichen lassen sollte.

Unser Ziel war ganz klar eine Mannschaftsmedaille, weshalb wir unsere Taktik darauf ausrichteten. Der Plan war, in jedem Sektor eine Platzziffer zwischen 2 und 5 zu erreichen. Unserer Meinung nach musste man dafür zu den 5 besten Kleinfischanglern zählen.

Auch wenn diese Taktik für ein deutsches Team sehr optimistisch erscheint ( unter Nationen wie Polen, Frankreich und England), waren wir der Meinung, dass wir mithalten konnten.

Doch wie fängt man eine große Masse irischer Rotaugen?

Im Grunde war das Angeln auf Kleinfisch recht simpel.

Wir fischten Posenmodelle, vorzugsweise mit Carbonkiel, im 1,5-5 Gramm Bereich, an einer 14er Hauptschnur. Die Bebleiung konnte zu Beginn des Fischens sehr statisch sein. Zeitweise fischten wir bis zu drei 8er Schroten vor der Schlaufe, um schneller zu angeln. Im Laufe des Angelns schob man die Bleie einfach auseinander, sollten die Fische vorsichtig werden. Das Setup wurde durch einen stabilen Haken, bspw. Tubertini Serie 2 in Größe 16 und 18 komplettiert. Gepaart mit einem sehr strammen 1,0 bis 1,2 mm Gummizug, war unsere Gerätschaft voll und ganz auf ein schnelles Angeln ausgerichtet. Wir loteten unsere Montagen allesamt einfach bündig unter der Spitze aus.

Nick Unger mit einem typischen Trainingsfang

Hier ist unserer Meinung nach ein Knackpunkt für das dortige Angeln zu finden.

Das Einsetzen der Montagen musste immer so erfolgen, dass die gesamte Montage so weit wie möglich nach vorn gependelt wurde. So fischten wir immer hinter der Spitze und aufgrund des bündigen Lotens unter der Spitze und der abfallenden Kante, immer ein Stück weit über dem Grund. Entweder durch ein leichtes ziehen der Pose oder schlichtweg durch den Wind trieb die Montage nun in Richtung „Kante“.

Im Grunde eine Köder-Präsentation wie man sie beim Lang-Lang-Angeln vorfindet.

Ein weiterer wichtiger Faktor war die Platzierung des Futters und der Futter-Rhythmus. Das Futter wurde immer mindestens ½ m kürzer geworfen als die Spitze.

Mit Einberechnung der Kopfschnur beim Auspendeln, fischte man also teilweise 1 m hinter dem Futter. Aufgrund des abfallenden Gewässer-Profils erschien uns dies jedoch sehr sinnvoll. Zudem war es sehr wichtig, den Futter-Rhythmus sehr hoch zu halten.

Teilweise war es sehr tief und dazu musste noch eine lange Kopfschnur gefischt werden

Zeitweise kam ich mir persönlich vor, als würde ich auf Ukelei angeln. Am besten war tatsächlich ein Rhythmus, bei dem man jede 45 sek. bis 1,5 min. einen kleinen harten Ballen warf, gespickt mit Castern, etwas Wurm und einigen toten Pinkis.

Das „Plopp-Geräusch“ schien wahre Wunder zu wirken, da Teams, die diese Taktik nicht verfolgten, nach ca. 2 Stunden keine gute Kleinfischfrequenz mehr aufweisen konnten. Dies konnten wir jedoch erst im Laufe des ersten Durchgangs herausfinden.

Man musste also sehr aktiv fischen, um ständig Fische zu aktivieren.

Basierend auf dem regelmäßigen Nachfüttern, fiel unsere Startfütterung verhältnismäßig klein aus. Wir warfen lediglich 6 recht große Ballen unserer Futtermischung mit ca. 200ml Castern, 100ml Wurm und 100ml toten Pinkis.

Dies erscheint zunächst recht wenig, bedenkt man den wahnsinnigen Fischreichtum im Gewässer. Die Trainingstage zeigten jedoch deutlich, dass man einerseits so viel Futter wie möglich zum Nachfüttern benötigte und andrerseits zu viele Köder zum Angelstart nur tausende Fehlbisse und einen nervösen Angler hervorbrachten.

Nachdem wir unsere Kopfruten-Taktik ausgefeilt hatten, legten wir die Matchrute als eine Art Notoption fest. Teilweise ließen sich tatsächlich Skimmer oder Hybrids fangen, was jedoch nicht auf jedem Platz gleich gut funktionierte.

Wir entschieden uns folglich dazu, die Matchrute zum Start recht massiv zu füttern, um für den Notfall den ein oder anderen Brassen generieren zu können.

Dieses Vorgehen sollte uns am Ende in einigen Sektoren wirklich vor einer schlechten Platzierung retten.

Somit gingen wir nach einer fischreichen und ebenso sehr erkenntnisreichen Trainingswoche recht selbstbewusst in den ersten Durchgang.

Wine schnelle Angelei zur Hand war angesagt

Tag 1: 

Nachdem wir alle am Vorabend bereits unsere Sektoren erfahren hatten, loste Manager Herry Panno am Samstagmorgen die Angelplätze für den ersten Durchgang.

Aufgrund der bereits beschriebenen ungleichen Gewässerstruktur, wussten wir jedoch recht wenig mit den gelosten Nummern anzufangen, weshalb die Anspannung bis zum ersten Loten bei mir persönlich sehr hoch war.

Trotz dessen, dass der Inniscarra Lake ein hochfrequentiertes Angelgewässer ist, sind die Zufahrtswege zum Gewässer platztechnisch wirklich schlecht. Es passten keine zwei Autos nebeneinander, wodurch die Zufahrt zum Angelplatz etwas Zeit in Anspruch nehmen sollte. Hatte man Pech und eine rücksichtslose Nation fuhr vor einem, stand man, im schlimmsten Falle, die ganze Strecke hinter einem ausladenden Sprinter und wartete auf Weiterfahrt.

Doch nun wieder zum Angeln. Auch nach der Vorbereitungszeit waren wir alle recht guter Dinge, dass unsere Taktik aufgehen sollte.

Um 10 Uhr irischer Zeit ertönte dann das Signal zum Beginn des Fischens. Ich persönlich schaffte es direkt, eine recht hohe Kleinfischfrequenz zu erreichen, womit ich, zumindest die erste Zeit, mit Nationen wie England oder Frankreich mithielt. Diese Frequenz konnte ich jedoch nur eine Stunde lang beibehalten. In der zweiten und dritten Stunde sollte sich meine Schlagzahl dann schon halbieren. Erst als mein Betreuer Stefan mir durchgab, wie der bis dato führende Engländer fischte und ich dies schlichtweg kopierte, fing ich wieder in einer guten Kleinfischfrequenz. Leider etwas zu spät und so landete ich auf dem 4ten Platz im Sektor. Etwas ärgerlich, da technisch einiges mehr möglich gewesen wäre, aber definitiv eine Platzziffer, die mannschaftsdienlich ist. Ähnlich lief es bei Nick, Roman und Johannes.

Johannes hatte mit ähnlichen Problemen zu kämpfen und konnte ebenfalls nach einer kurzen Taktik-Anpassung durch Stefan seine Schlagzahl verdoppeln. So landete er auf einem 7ten Platz im Sektor.

Bei Nick lief es alles andere als gut, was Kleinfische anging, und so war er gezwungen, die Matchrute zu befischen. Vermutlich aufgrund seiner sehr akkuraten Fütterung, gelang es ihm tatsächlich auf der Matchrute einen großen Bonusfisch zu überlisten, welcher ihm zusammen mit seinen Kleinfischen einen 4ten Platz im Sektor einbrachte.

Die Trainer waren weichtig, wenn es nicht so lief

Roman fischte ebenso konstant auf Kleinfische, hatte am Ende aber, wie wir alle, entweder mit langen Beiß- und Fehlbisspausen oder schlichtweg mit zu kleinen Fischen zu kämpfen, woraus ein 6ter Platz resultierte.

Alles in allem nicht ganz die Platzziffern, die wir uns erhofften, jedoch staunten wir nicht schlecht, als nach der Auswertung „Germany“ auf Platz 3 zu sehen war.

Zu diesem Zeitpunkt wussten wir, dass unsere Taktik zumindest an Tag 1 funktioniert hatte.

Bei der abendlichen Manöverkritik waren wir uns alle einig, dass wir nichts an der Taktik verändern sollten. Lediglich die Menge an kleinen Mückenlarven, die wir zu Beginn fütterten, reduzierten wir nochmals, da Mückenlarven nur sehr kleine Fische anlockten, welche für die besagten Fehlbisse verantwortlich waren.

Somit gingen wir alle gehobenen Hauptes und vor allem sehr selbstbewusst in den zweiten Durchgang.

Tag 2:

Die zweite Runde, der Jugendweltmeisterschaft 2017 in Irland, sollte noch einmal spannend werden.

Nach dem wir wieder alle unseren Plätze bezogen hatten und aufgrund des besagten Verkehrschaos die Angelzeit nach hinten verschoben wurde, begann der 2. Durchgang nun etwas verspätet um 10.15 Uhr.

Das Fischen begann bei jedem Angler, sehr Inniscarra typisch, mit vielen kleinen Fischen. Die erste Stunde musste man alles mitnehmen was zu fangen war.

Johannes, der im D Sektor saß, dominierte den Sektor von Anfang an und war Fischzahl technisch immer zwischen Platz 1 und Platz 2. Diese solide Performance konnte Johannes bis zum Ende halten und fischte souverän die Platzziffer 2.

Johannes Niemierza

Nick, der im Training fast immer einer der stärksten Kleinfischangler war, hatte vermutlich einen der besagten schlechten Plätze erwischt. Es stellten sich leider keine kleinen Fische ein und so war Nick gezwungen auf die Matchrutenbahn zu wechseln, wo sich jedoch auch kein Bonusfisch einstellen sollte. Lediglich unzählige Aale machten Nick das Leben schwer. So reichte es im C Sektor leider nur für den 11ten Platz.

Ich persönlich erwischte diesmal einen recht schlechten Start und hatte mit vielen Fehlbissen zu kämpfen. So war ich nach einer Stunde gezwungen, noch einmal den mentalen Reset-Knopf zu drücken. Ab diesen Zeitpunkt lief dann auf einmal alles. Ich fing teilweise in der dreifachen Geschwindigkeit wie der Ire neben mir, und so konnte ich mich glücklicherweise noch auf den 2ten Platz im Sektor angeln.

Starke 2 Punkte in Durchgang 2 - Brian Überleer

Roman, der im A Sektor fischte, zog ebenso konsequent unsere Taktik durch und erreichte so einen 8ten Platz im Sektor.

Mit 23 Punkten aus dem zweiten Durchgang waren wir uns dann aber relativ sicher, dass wir unseren dritten Platz nicht halten konnten. Wir waren kurzzeitig alle etwas geknickt, da wir meinten, dass es mal wieder nicht geklappt hatte. Als mir dann jedoch ein irischer Veranstaltungsmitarbeiter gratulierte und ich ihn fragend ansah, versicherte mir dieser, dass auch Nationen wie England oder die bis dato ebenfalls starken Luxemburger keinen guten Tag erwischt hatten.

Er war sich sicher: Team Deutschland ist 3ter!!

Ich konnte es kaum glauben und war, wie die englischen Kollegen es zu sagen pflegen „Over the Moon“!

Wir hatten es tatsächlich geschafft! Wir hatten die Bronzemedaille bei der Jugendweltmeisterschaft 2017 in der U20 Klasse erreichen können.

Es sollte sich endlich einmal zeigen, dass die richtige Taktik, angepasst auf die richtigen Angler zum richtigen Zeitpunkt gefunden wurde. Wirklich toll, wenn ein lange geschmiedeter Plan endlich aufgeht.

Egal ob Manager, Trainer, Betreuer oder Angler, alle arbeiteten die gesamte Woche Hand in Hand und genau das ist es, was sich am Ende bezahlt macht.

Sicherlich gehört immer das Quänntchen Glück dazu, aber das ist ja mittlerweile bekannt, das ohne Glück vieles nicht funktioniert. Doch trotzdem denke ich, dass dies nicht der tragende Faktor des Medaillenerfolges war.

Bronze für Deutschland

Am Ende dieses kleinen Einblicks in unsere WM-Woche, möchte ich noch einmal allen danken, die uns diese Weltmeisterschaft ermöglicht haben.

Ein riesiges Dankeschön geht vor allem an unseren Manager Herry Panno, welcher von der Unterkunft bis zur täglichen Verpflegung, unsere Angelwoche organisiert und koordiniert hat. Herry tut seit Jahren alles, um der deutschen Angeljugend eine solche Veranstaltung zu ermöglichen, was wirklich Phänomenal ist.

Weiterhin möchte ich der Firma Sensas noch einmal für die Unterstützung des Teams danken.

Zum Schluss möchte ich aber noch einmal unseren Erfolgscoach Thomas Unger und unsere Betreuer Stefan Unger, Heinz Zimmermann, Manfred Niemierza und Sebastian Pignon hervorheben.

Ohne eure stetige Hilfe während der gesamten Woche, würde ein Angeln auf hohem Niveau nicht funktionieren. Ihr habt einen super Job gemacht und die Jungs und ich freuen uns schon auf eventuelle, weitere Teilnahmen in den kommenden Jahren.

Bis dahin ein erfolgreiches restliches Angeljahr und tight lines.

Auch Deine Meinung ist gefragt!
0 Kommentare
Erst wenn Du angemeldet bist, kannst Du Kommentare verfassen. Jetzt Einloggen oder Registrieren