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  • 18. September 2007 um 09:49
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Nationalcoach Peter König ist Produktmanager bei der Firma Mosella und sicherlich einer der besten Kenner der deutschen Matchszene. Peter begleitet die Sichtungsangeln im Frühjahr und war international sowohl bei der EM in Italien und nun auch bei der WM in Ungarn vor Ort. National hat er als Aktiver am Anglertreff für Vereine teilgenommen und nächstes Wochenende wird er auch beim Anglertreff für Einzelangler am Start sein und zudem mit seinem Trainerkollegen Thomas Engert neue Kandidaten für das champions-team sichten.



Nach dem diesjährigen doch etwas enttäuschenden Abschneiden unseres Nationalteams, haben wir bei Peter mal etwas genauer nachgefragt.

ct:

Hallo Peter!
International sind wir seit der WM in Portugal im letzten Jahr doch ziemlich im Mittelmaß verschwunden. Eine Momentaufnahme oder sind uns die anderen Nationen wirklich so weit voraus, wie es im Moment ausschaut.

Peter König:

Ja das stimmt, unser Abschneiden und die Ergebnisse der letzten EM und WM sind nicht gut und Ihr könnt mir wirklich glauben, alle beteiligten sind mit den erreichten Resultaten nicht zufrieden und wir haben alle schwer daran zu schlucken.
Doch wir haben weder das Angeln verlernt, noch sind wir von den führenden Nationen Lichtjahre entfernt. Schnell wird vergessen, dass wir bei der WM in 2005 in Finnland 8ter waren und bei den Europameisterschaften 2005 in der Slowakei 4ter und 2006 in Frankreich 5ter. Dazu gab es zwei 4. Plätze von Ralf Herdlitschke und einen 5. Platz von Thomas Pruchnowski in der Einzelwertung. Über die Jahre gesehen ist unsere Bilanz nicht so schlecht, wie sie, warum auch immer, gegenwärtig und bei schlechteren Ergebnissen gerne gemacht wird. Es gab und wird immer Teams geben, die auch Durststrecken haben und durch leben oder taktisch bei Veranstaltungen daneben greifen. Die Holländer und Italiener sind hier ein gutes Beispiel. Beide haben sich mittlerweile wieder mehr als berappelt. Trotzdem dürfen wir natürlich nicht den Anschluss verlieren und müssen aus unseren Fehlern lernen. Wir haben Defizite und müssen diese so schnell wie möglich abstellen.


Peter König mit Ralf Herdlitschke

ct:

Wo siehst Du den größten Handlungsbedarf?

Peter König:

Wir müssen den internationalen Informationsaustausch optimieren. Informationen bekommt man, wenn man auch Informationen geben kann oder über Jahre freundschaftlich verbunden ist und das geht nun mal nicht von Heute auf morgen. Dies noch weiter zu intensivieren habe ich mir zu einer meiner Hauptaufgaben gemacht.
Da aber derzeit keine Nation Informationen über deutsche Gewässer benötigt, haben wir natürlich auch unsere Schwierigkeiten die wirklich relevanten Hinweise im Vorfeld einer internationalen Veranstaltung zu bekommen. Die Handicap WM im nächsten Jahr in Deutschland ist ein kleiner Anfang, wo auch wir sicherlich einmal wieder gefragt werden und man uns braucht. Wir haben natürlich Kontakte, doch gerade die EM in Italien und auch die WM haben gezeigt, dass wir uns mit einigen guten Informationen im Vorfeld sicherlich etwas leichter getan hätten.
Anglerisch haben wir meiner Meinung nach die wenigsten Probleme. Die Beobachtungsgabe der Betreuer kann und muss sicherlich optimiert werden. Im Trainerstab gilt es sich noch weiter und besser zu organisieren, sowie die Abstimmungen im Team druckvoller voranzutreiben und noch mehr zu optimieren. Hier wird es in der Zukunft noch einige Verbesserungen geben.


Peter Schührer

ct:

In Ungarn war es nun sicherlich so, dass die deutsche Mannschaft überhaupt nicht zurecht kam. Es ging immerhin mit der Matchrute auf Brassen. Wo siehst Du die Gründe für das unzureichende Abschneiden?


Peter König:

Vorab muss ich sagen, dass wir aus dem letzten Abschneiden bei der EM gelernt hatten, hier am Velence See kein volles Risiko zu gehen. Wir haben damals bei der EM voll unseren überdurchschnittlich guten Trainingsergebnissen vertraut, hoch gepokert und verloren. Das sollte dieses Mal bedacht und besser koordiniert werden.
Unsere Vorbereitung im Vorfeld der WM lief sehr gut, die Informationen unserer ungarischen Angelkollegen waren ausführlich, korrekt und richtig. Aber es sollte alles anders kommen, denn ein Wetterchaos machte allen Nationen, selbst den Ungarn einen Strich durch alle Vorbereitungen und Konzepte. Täglich sich wechselnde Windverhältnisse und niedrige Temperaturen um 7 – 11 Grad sowie Dauerregen erschwerte die Trainingsbedingungen und verfälschte das Beißverhalten der Fische. Wo normalerweise auf die Kopfrute 8 – 12 kg Fisch gefangen wurde, gab es keine Bisse oder hier und da wurden Mini-Kaulbarsche von 1 – 3 Gramm gefangen. Um die wenigen beißfreudigen Fische zu fangen konzentrierte sich so die Angelmethode auf die Matchrute. Mit dieser Angeltechnik ob Slider oder alt-englisch,  zeigten unsere Angler gute taktische und technische Vorraussetzungen. Hier muss ich noch sagen, dass es ein angeln auf „Brässchen“ um die 200 Gramm und Karauschen bis 350 Gramm handelte, also nicht gerade große Fische.


Stefan Posselt beim Nachfüttern

Um einen vorderen Platz im Sektor zu belegen mussten ca. 15 – 20 Fische als Ziel angepeilt werden. Hier waren Geduld, Rhythmus und vor allem Präzision gefragt und jetzt, nach einer genauen Analyse, war hier der Knackpunkt für unser Abschneiden zu suchen. Ein zu geringer Nachfütterungs-Rhythmus gepaart mit einer zu kurzen bzw. zu weiten Wahl der Entfernung des Futterplatzes brachte zu viele Fehlbisse oder gar keine Bisse. Des Weiteren war zu beobachten, dass manch einer unserer Angler sich so stark unter Erfolgsdruck setzte, sich den Blick und im Kopf so blockierte und verkrampfte, wie ich es von ihnen bisher nicht kannte. Hier steckt für die Zukunft viel Arbeit für uns Trainer, um die Motivation in die richtigen Bahnen zu lenken.
Im Abschluss möchte ich noch erwähnen, dass ich nach intensiven Gesprächen mit einigen führenden Nationen sagen muss, das es kein einheitliches Erfolgsrezept von Montagen bis hin zur Köderwahl für diese WM gab. Hier führten die unterschiedlichsten Methoden und Taktiken zum Erfolg.

ct:

Schwimmt das champions-team zu sehr im eigenen Saft. Sind noch alle heiß genug oder brauchen wir eine Verjüngung?


Peter König:

Nein, wer nicht heiß genug ist, setzt sich bei den Sichtungsangeln nicht durch, dort kann man nur mit maximaler Motivation bestehen. Frischer Wind ist in Maßen natürlich immer gut, doch neben Erfahrung ist es auch förderlich, wenn sich die Mannschaft über Jahre kennt und zusammenarbeitet. Wir sind allerdings auch nicht überaltert und der 9. Platz am zweiten Tag von René Bredereck hat gezeigt, dass wir unser jüngstes Teammitglied gut integriert haben und hier in der Zukunft sicherlich noch einiges zu erwarten ist. Der Gewinn des Anglertreffs durch das durchschnittlich sehr junge Moritz Team aus Brandenburg hat zudem gezeigt, dass junge Angler nachrücken und den älteren, etablierten keine Pause gönnen.


René Bredereck

ct:

Stichwort Zusammenarbeit und Stimmung. Wie sieht es damit aus?

Peter König:

Die Stimmung ist gut und die Zusammenarbeit vorbildlich und professionell. Das war nicht immer so und hat sich in den letzten Jahren weiter stetig verbessert. Das heißt nicht, dass es keine Meinungsverschiedenheiten gibt, oder dass es mal laut wird und der eine oder andere unzufrieden ist. Das ist auch gut so, denn alle sind ehrgeizig und wollen ein optimales Ergebnis für das Team. Insgesamt steht die Mannschaftsleistung an erster Stelle und hier ordnen sich alle unter.
Das champions-team hat in den letzten Jahren national einen immer höheren Stellenwert erreicht. Nicht anders ist es zu erklären, dass wir vor Jahren teilweise mit 5 Aktiven und zwei Betreuern zu den Veranstaltungen gereist sind und dieses Mal über 15, dem Team nahestehende Helfer mitgereist sind und tatkräftig unterstützten. Mein Dank gilt hier allen die uns tatkräftig und uneigennützig zur Seite standen, auch wenn das Ergebnis nicht das erhoffte Resultat gebracht hat. Trotzdem nochmals Vielen Dank, auch an Steffi und Pit, die für unsere Verköstigung bestens sorgten!
Wir haben zwar bei dieser WM nach Punkten nichts gewonnen, sondern verloren, aber als Team viel positives gewonnen und wenn wir daran intensiv weiter arbeiten, ist es in der Zukunft nur eine Frage der Zeit, das gute Ergebnisse und Erfolge uns alle belohnen und erfreuen werden.



ct:

Wir gehen mal davon aus, dass Du mit einem halben Auge natürlich auch immer als Produktmanager gerade bei internationalen Veranstaltungen dabei bist. Kannst Du vielleicht einen kleinen Ausblick geben, was du dieses Jahr entdeckt hast, was es zukünftig auch für die breite Masse gibt. Was hast Du neues entdeckt?

Peter König:

Das ist richtig, ich versuche natürlich soweit es möglich ist, jedem intensiv über die Schulter zu schauen um neues bzw. interessantes zu entdecken und mit auf die Heimreise zu nehmen. Leider ist es immer schwieriger neues zu entdecken oder zu entwickeln.
Bei dieser WM war unter all diesen vielen Nationen von Austria bis Australien ein eindeutiger Trend für Qualitätsprodukte zu erkennen. Zwar markenbezogen aber eindeutig weg von Billigprodukten minderer Qualität.
So wurde von einer Vielzahl von Anglern Posen mit den unterschiedlichsten Variationsmöglichkeiten für Wechselantennen bevorzugt. Da auf der Angelstrecke mit Karpfen zu rechnen war, konnte ich bei den führenden Nationen, eine Kompatibilität der Kopfruten, mit unterschiedlichsten Kits, von Medium bis Strong erkennen. Dies wird wahrscheinlich im Kopfrutenbereich ein Trend für die Zukunft werden.



ct:

Peter, Vielen Dank für Deine ausführlichen Antworten. Wir wünschen Dir viel Erfolg beim Anglertreff am Silokanal und freuen uns aufs nächste Interview mit Dir.

Peter König:

Nichts zu Danken, ich stehe gerne Rede und Antwort. Falls jemanden noch ein paar Fragen auf der Zunge brennen sollten, der darf mich am Wochenende ruhig ansprechen, ich werde versuchen sie zu beantworten.
Vielen Dank, bis bald und Petri Heil!

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