Interview mit Gerrit Michelhans - Gewinner Anglertreff Einzel

  • von Heino Scharfscheer
  • 05. Oktober 2011 um 04:47
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Gerrit Michelhans - deutscher Einzelmeister 2011
Gerrit Michelhans

Hallo Gerrit, erst einmal herzlichen Glückwunsch zum Titel der Deutschen Einzelmeisterschaft, den Du fast Zeitgleich mit Deinem Geburtstag errungen hast. Natürlich auch hierzu meinen Glückwunsch.


Gerne würde ich mit Deiner Vorbereitung für diese Veranstaltung beginnen. Wann bist Du angereist?
Angereist bin ich am Mittwochabend, so dass ich mir am Donnerstag ein Bild von der Strecke machen konnte und genügend Zeit für einen Trainingsdurchgang hatte.

Wie oft hast Du trainiert?
Insgesamt habe ich nur zwei Mal trainiert und zwar am Donnerstag 3 Stunden und am Freitag nochmals die gleiche Zeit.

Hast Du während der zwei Trainingseinheiten schon etwas Besonderes herausgefunden?
Tatsache war, dass einige kleine Fische sowie ein Bonusfisch in der ersten Stunde zu fangen waren und ein weiterer Bonusfisch, auf den es ankam, in der letzten halben Stunde auf den Platz zu bringen und zu fangen war. In der zweiten Stunde zeichnete sich ab, dass fast gar nichts ging. Jetzt galt es herauszufinden, wie ich die Angeldurchgänge und das Füttern in den Durchgängen bestreiten sollte, um die Bonusfische in der ersten und in der letzten Stunde zu aktivieren und zu fangen. Die Taktik lautete also, den Fisch schnell an den Platz zu bekommen.

Kommen wir zu den zwei Durchgängen. Wie sah Deine Futtertaktik dann am ersten Tag aus?
Ich habe fünf Bälle Futter mit ganz wenig Caster und Pinkys mit einigen kleinen Mückenlarven gefüttert. Auf Maden habe ich in den zwei Tagen komplett verzichtet. Die ersten vier Bälle habe ich fest gedrückt und den letzten Ball habe ich auf der Wasseroberfläche aufplatzen lassen. Anschließend habe ich ein kleines Bällchen mit schwerer Erde gemischt mit Terra Ventilata mit großen und einen mit kleinen Mückenlarven sowie ein Bällchen Terre de Somme mit kleinen Mückenlarven gefüttert. Durch diesen letzten Ball und dessen Wolkenbildung hat sich der große Fisch direkt auf den Platz gestellt. Somit hatte ich an beiden Tagen direkt Kontakt mit großen Fischen. Die Bisse kamen eine dreiviertel Stunde lang und dann kam die angekündigte Beißpause. Dies zeigte sich durchgängig auf der ganzen Strecke. In der ersten Stunde habe ich auf das Nachfüttern komplett verzichtet.

Wie hast Du es geschafft, den Fisch in der letzten Stunde wieder zu aktivieren?
In der letzten Stunde habe ich dann angefangen mit einer hier in Deutschland wenig bekannten Futtertaktik zu agieren. Ich habe diese in Frankreich gesehen und schon einige Male war ich damit erfolgreich. Sie wird mit Rapell bezeichnet und läuft folgender maßen ab. Drei ganz fest gedrückte kleine Bällchen Lehm mit kleinen Mückenlarven werden direkt nacheinander viertelstündlich gefüttert. Hierdurch habe ich erreicht, dass sich in der letzten viertel Stunde sich noch wieder einige größere Fische bei mir auf den Platz gestellt haben. Natürlich mussten ich sie auch fangen aber zu meinen Montagen komme ich später.

Gerne würde ich nochmals auf das Füttern bzw. auf Deine Futtermischung zurück kommen. Welches Futter hast Du gefischt und mit welchen Anteilen an Lehm hast Du Dein Futter zubereitet?
Ich habe das TOP Edition Brassen und das TOP Edition Rotaugen, beides von der Firma Primus aus Leverkusen zu den Teilen 1:1 gemischt und dieses schwarz abgedunkelt. Als Lockstoff habe ich  ganz wenig Magic Original genommen, welches auch schon seit Jahren über die Firma Primus vertrieben wird. Außerdem habe ich einen Lehmanteil von 30 % dem Futter beigefügt.

 

Die  Firma Primus ist im Großraum Leverkusen, Duisburg, Köln und Düsseldorf sehr bekannt aber in Deutschland insgesamt doch "noch" eher unbekannt. Wieso fischt Du gerade bei so einem wichtigen Event diese Mischung?

Gerrit - Angelplatz

Die Futtersorten, die die Firma Primus vertreibt, werden hergestellt aus ausgezeichneten Mehlen. Ich fische diese und andere Sorten wie Fließ Kanal, Champion Chips, Kanal und einige andere Sorten schon seit einigen Jahren und habe sehr gute Ergebnisse damit erzielt. Somit habe ich ein Vertrauen zu diesem Futter aufgebaut und bin noch nie enttäuscht worden. Ich bin von der Qualität der Futtersorten absolut überzeugt und deshalb habe ich diese Mischung gefischt.

Kommen wir vom Futter zu den Montagen. Wie sahen diese aus und hast Du große Veränderungen von der ersten Trainingseinheit zum Durchgang vorgenommen?
Die Montagen, mit denen ich im Training begann, habe ich auch im Durchgang gefischt. Meine Informationen, die ich von der Strecke und dem Fischaufkommen im Vorfeld bekommen hatte, ließen auf sehr wenig Fisch schließen. Deshalb habe ich meine Montagen so gestaltet, wie wir diese zu unseren sehr erfolgreichen Mosella Zeit an der Saar gefischt hatten. Schon im Training habe ich gemerkt, dass diese Montagen optimal sind. Außerdem war es von äußerster Wichtigkeit den Platz optimal auszuloten. Ich habe, bedingt durch den ungleichmäßigen Untergrund, eine knappe halbe Stunde meine Plätze ausgelotet. Aus meiner Sicht kam es nicht darauf an nur die 13m Spur zu loten sondern es musste der komplette Angelplatz erforscht werden. Nur ein sauberer Trieb, auch wenn dieser auf 12m lag, brachte in Zusammenspiel mit einer sorgfältigen Köderführung den Erfolg. Noch Eines war aus meiner Sicht sehr wichtig. Da wir mit steigenden und fallenden Wasserständen zu tun hatten, habe ich mir  einen Stab mit Markierungen im Abstand von 5cm gebaut und ins Wasser gesteckt. Somit konnte ich die Veränderungen des Wasserstands direkt erkennen. Meine Montagen waren so ausgelotet, dass diese mit zunehmender Tragkraft der Posen 3-4cm tiefer eingestellt waren.

Kannst Du den Lesern die unterschiedlichen Montagen erklären?
Natürlich gerne! Ich habe Montagen mit den Gewichten 1g; 1,5g; 2g; 3g; 4g und 6g als Lutscher aufgebaut. Bei der 1g Montage hatte ich mich für eine Dreipunktmontage mit 11er Schroten entschieden; die 1,5g war eine Dreipunktmontage mit 10er Schroten und die 2g war eine Dreipunktmontage mit 8er Schroten. Die Montagen habe ich entsprechend der Strömungsverhältnisse gefischt. Die Vorfachlänge betrug bei allen Montagen 20 cm also recht kurz um die Bisse direkt zu sehen und zu verwerten. Der Köder wurde ca. 3 cm auf dem Boden angeboten.

Ich gehe davon aus, dass Du Vers de Vase gefischt hast. Oder waren doch Caster oder Pinkys am Haken?
Bei der 2g Montage habe ich einen 18er Haken  mit 0,9er Vorfach verwendet, weil durch die Strömungsgeschwindigkeit die Fische den Köder nicht so zaghaft genommen haben. Mit dieser Montage habe ich auch einen Caster als Köder verwendet, weil ich im Training hiermit Erfolg hatte. Im Durchgang hat sich aber herausgestellt, dass dieser Köder keinen Erfolg mehr brachte. Bei den leichteren Montagen habe ich mit dem Haken der Serie Hayabusa 128, Black Nickel in den Größen 18-22 mit 3 Vers de Vase gefischt, was sich an beiden Tagen als absolut richtig erwiesen hat.

Kannst Du noch etwas zu den Schnurstärken und Gummizügen sagen, die Du verwendest hast?
Bei der Montage habe ich eine 12er Schnur gefischt, weil dem Fisch das völlig egal war. Bei der 1g und 1,5g Montage habe ich die X5000 von Colmic in der Stärke 10 montiert. Ideal war der Zimgummi in der Stärke 0,8 montiert in 3 Teilen und ganz weich eingestellt. Die kleinen Fische habe ich nicht verloren und für die Großen hatte ich genug Power um diese schnell zu landen.

Noch einige Worte zu den Posen, die Du gefischt hast!
Bei der Firma Colic gibt es jetzt eine neue Pose mit  dem Namen Marker. Hierbei handelt es sich um ein Model, welches  schon seit geraumer Zeit zu kaufen gibt und jetzt von der Firma Colmic nachgebaut wurde. Diese Pose besitzt einen sehr stabilen Drahtkiel und eine Glasfaserantenne. Der Posenkörper ist rund und ich habe die Pose vor dem Fischen ganz sensibel ausgebleit, sodass die Antenne nur 2-3 mm aus dem Wasser herausschaute. Das genaue ausbleien der Pose war äußerst wichtig, da die Fische den Köder nur sehr vorsichtig genommen haben und gerade die feinsten Bisse erkannt werden mussten.

Gerrit - seine Fänge


Du sprachst jetzt gerade die Fischarten an. Welches waren die Hauptfische, die Du gefangen hast und auf welche hast Du Dich besonders eingestellt?
Auf eine Fischart konnte man sich nicht festlegen. Wichtig war, den einen oder anderen Brassen zu fangen, der auf dem Platz war. Ich hatte im zweiten Durchgang das Glück, dass  ich 2 große Rotaugen als Beifang mitnehmen konnte, was ich auf meinen Futterrhythmus  zurückführe. Sonst musste jeder Angler alles mitnehmen was am Platz war. Kleine Flussbarsche, Kaulbarsche, Brassen und Rotaugen galt es zu fangen. Im Training hatte ich auch versucht die Ukelei zu befischen aber diese waren zum Einen zu klein und zum Anderen konnte ich diese nicht am Platz halten. Aus diesem Grunde habe ich diese Angelei komplett vernachlässig und mich voll auf die 13m Bahn konzentriert. Nach meiner Meinung haben viele den Fehler gemacht, zwischendurch immer mal wieder zur Bolo- oder Matchrute zu greifen. Mit diesen Techniken ließen sich die Fische schwer fangen und es fehlte die Zeit und eventuell das Glück den einen oder  anderen Bonusfisch auf der Stange zu verhaften. Ich habe nach dem Fischen von einigen Sportfreunden erfahren, dass auch sie mit größeren Fischen Kontakt hatten, sie aber diese leider bzw. für mich gut nicht landen konnten. Aus meiner Sicht haben diese Angler den Fehler gemacht, dass sie zum Einen zu starke Gummizüge und zum Anderen zu dünne Vorfächer gefischt haben.

Hattest Du Glück bei der Auslosung oder waren es mittelmäßige oder gar schlechte Plätze?
Am ersten Tag habe ich mich über die E18 schon gefreut weil ich nicht zu den Anglern zähle, die des Öfteren Endplätze ziehen. Im Nachherein hat sich aber herausgestellt, dass es gar kein Endplatz war denn unterhalb von mir saß noch ein Angler. Außerdem habe ich beim Loten feststellen müssen, dass der Platz sehr hängerreich  und uneben war, sodass auf diesem Platz die "Eins" nicht möglich war. Am zweiten Tag hat sich mein Eindruck bestätigt, denn auch in diesem Durchgang kam das Höchstgewicht nicht vom Endplatz. Am zweiten Tag war es eigentlich egal auf welchem Platz man in meinem Sektor gesessen hat, denn alle Plätze waren gleichmäßig schlecht. In diesem Sektor lagen schon die Gewichte im ersten Durchgang unter einem Kilogramm. Somit habe ich mich auch schon gedanklich auf ein Fanggewicht von ca. einem Kilo eingestellt, habe es aber aus meiner Sicht durch die Futtertaktik geschafft gleich im ersten Trieb einen Brassen zu fangen.

Gerne nutze ich die Gelegenheit mich bei Ralf Herdlitschke für die französischen Mückenlarven zu bedanken. Ohne diese kleinen Mückenlarven wäre dieser Erfolg sicher nicht möglich gewesen. Die russischen bzw. polnischen Larven waren auf dieser Strecke eher kontraproduktiv.

Auch ganz herzlichen Dank an die Firma Primus, die mich seit vielen Jahren mit hervorragender Köderqualität wie Castermaden, Maden, Pinkis oder Würmer und sehr gutem Futter unterstützen. Gerade bei solchen Fischen, bei dem es auf jeden Fisch ankommt ist das Köder und Futtermaterial sehr wichtig.

Natürlich möchte ich mich auch bei Randolf für die hervorragende Zusammenarbeit und sein Entgegenkommen bedanken.

Siegesehrung
Siegerehrung beim Anglertreff in Parey


Gerrit, vielen Dank das Du Dir die Zeit für das Interview genommen hast und den Lesern von champions-team.de die Möglichkeit gibst, Deine Taktik zum Erfolg nachzuvollziehen. Alle Insider werden sich wundern, dass ich dieses Interview geführt habe. Der Hintergrund ist zum Einen, dass ich der Redakteur für Württemberg bin und wir aus unserem Bundesland schon lange keinen Deutschen Meister mehr feiern konnten aber zum Anderen sei gesagt, dass wir uns nach einer heftigen Meinungsverschiedenheit ausgesprochen und versöhnt haben.

Auch ich bin froh, dass wir den Streit beigelegt haben. Es gibt so viele Streitigkeiten auf der Welt sowohl im Privaten als auch im Beruflichen, sodass ich gut darauf verzichten kann jetzt auch noch in unserem Hobby Streitigkeiten austragen zu müssen.

Nochmals recht herzlichen Dank und für Deine Zukunft alle Gute.   

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