Stippermesse Bremen 2010

  • von ct Redaktion
  • 16. März 2010 um 17:27
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Was im letzten Jahr im wahrsten Sinne des Wortes noch etwas stockend ablief, wurde bereits im zweiten Jahr zu einem vollen Erfolg: Der Umzug in die Messehallen in Bremen macht die Stippermesse zu einem einmaligen Ereignis im Bereich des modernen Friedfischangelns. Im Jahr zuvor hatte die Halle 4.1 im Obergeschoß der Messe die Besucher noch mit schlechter Luft und immer noch zu wenig Platz auf den Ständen empfangen und den Mitarbeitern und Helfern der Aussteller durch einen gemeinsam zu nutzenden Lastenaufzug Zeit und Nerven geraubt. Jetzt jedoch zauberten die Organisatoren Heinz Hölblinger und Susanne Hübner durch die Verdopplung der Ausstellungsfläche in der neuen Halle 6 ein Lächeln in die Gesichter der Aussteller und Besucher.


Die Zuschauer warteten geduldig auf den Einlass in die Halle

Diese Messe ist nicht mehr mit dem zu vergleichen, was vor 8 Jahren im Pausenforum und Klassenräumen einer Schule begann und sich in einer Turnhalle fortsetzte. Auch die Plastikschilder, welche den Weg zur alten Messe wiesen, sind den Hinweisen des elektronischen Bremer Straßenleitsystems gewichen, welche die Besucher sicher zur Bürgerweide führten.
Dies ist keinesfalls unwichtig, denn jedes Jahr steigt die Anzahl der Besucher der Stippermesse in Bremen auf eine neue Höchstmarke! In diesem Jahr konnten 2380 Besucher gezählt werden und man stelle sich vor diese würden sich durch die oben genannte Schule quetschen, geschweige denn mehrere hundert Meter von der halle entfernt parken. Doch verlassen wir diese Gedankenspiele, die der Vergangenheit angehören, denn die „neue Stippermesse“ passt sich dem Niveau der stetig wachsenden und optimierten Entwicklung des Angelsports im deutschen Raum mit seinen typischen regionalen Hochburgen ein. Der Silokanal in Brandenburg ist durch seine Veranstaltungen, wie das IAM oder dem Shimano Cup zu einem der bekanntesten und beliebtesten Gewässer in Europa aufgestiegen und besitzt einen ausgezeichneten Ruf, wenn es darum geht viele Fische bzw. hohe Gewichte zu fangen. Der Aue Pokal in Sulingen ist mit 320 Teilnehmern wahrscheinlich eines der größten Hegefischen für Vereinsmannschaften in ganz Westeuropa. Und genau diese Entwicklung ist auch jedes Jahr am ersten Sonntag im März in Bremen auf der Stippermesse zu sehen.


Der Kopfrutenstand - wie in jedem Jahr Magnet für die Messebesucher

Diese Entwicklung bleibt auch in der Angelindustrie nicht unbeobachtet und so konnten wir zum Beispiel Ricky Teale, den Geschäftsführer der britischen Marke Preston Innovations treffen, der sich ein Bild von der Lage auf dem deutschen Markt machen wollte. Er war so beeindruckt von der Messe und der Qualität der dort anwesenden Aussteller, dass er vergleichbare englische Veranstaltungen abwertend als Flohmärkte titulierte. „Wir werden mit Sicherheit im nächsten Jahr wieder mit dabei sein und einen Stand aufbieten, der die Firma mit dem höchsten Umsatz im vereinigten Königreich gebührend repräsentiert“, waren seine abschließenden, eventuell auch etwas selbstkritischen Worte. Wir sind gespannt, wen er aus England mit nach Bremen bringen wird…


Direkt aus dem Mutterland des Angelns - und sehr beeindruckt Ricky Teale

Es zeichnte die Stippermesse aus, dass ein Gleichgewicht zwischen der Präsentation der neuesten Innovationen und einem möglichen guten Umsatz für die Händler gefunden wird. Die Aussteller nutzen die Messe neben dem Verkauf auch für die Positionierung ihrer Marken, so dass der schnelle Euro nicht im Vordergrund steht, was die Messe insgesamt aufwertet. Es gab wie immer sehr gute Angebote oder auch Schnäppchen und teilweise auch nützliche Werbegeschenke, doch es gibt keine Wühltische, auf denen mehrere Jahre alte Sonderposten verramscht werden. Die Besucher legen Wert auf Qualität und bekannte Marken oder auch als Zugpferde eingespannte prominente Angler ziehen die Kunden an die Stände. Wer neu im Geschäft ist, hat immerhin die Möglichkeit sich und seine Produkte einem fachkundigen Publikum näher zu bringen und so in den Markt zu kommen. Wer allerdings glaubt, dass wahllos gekauft wird und auf den schnellen Euro schielt, der schleppt am Samstag seine Produkte in die Halle und am Sonntag wieder in den Lkw zurück. Der Versuch, ein noch nicht im Markt etabliertes Futter für über 3 Euro pro kg zu verkaufen, sorgt daher eher für lange Arme als für eine klingelnde Kasse.
Auf einigen Ständen fühlte man sich an die Weltmeisterschaft des letzten Jahres in Almere erinnert, denn häufig war eine bestimmte Abwandlung der uns bekannten germanischen Sprache zu hören - nämlich der niederländische Dialekt. Sowohl Aussteller als auch Besucher aus unserem westlichen Nachbarland sind auf die Bremer Messe mehr und mehr aufmerksam geworden und mit Peter van der Willik, Arjan Klop und Frank Timmermans waren gleich 3 holländische Spitzenangler nach Bremen gekommen, um ihre Produkte zu präsentieren.


Kompetente Beratung oder ein "nur" Smalltalk - die Stippermesse

Ein weiterer Internationaler, der die Entwicklung der Stippermesse sehr gut beurteilen kann ist Jean Desqué von der Firma Sensas aus Frankreich, der das letzte Mal vor 4 Jahren in der Turnhalle in Walle auf der Stippermesse zu Besuch war. Er betonte die Bedeutsamkeit solcher Messen für die Match Szene, denn sie werben für unseren Sport und er freute sich insbesondere über die zahlreich anwesenden Jungangler. In seinem Heimatland Frankreich haben im abgelaufenen Jahr nur noch 200 Jugendliche ihre dortige Fischerlizenz in Bezug auf das Matchanglen gemacht. Dieser Aspekt zeigt, dass Deutschland in seiner Nachwuchsarbeit im europäischen Vergleich noch eher gut dasteht.


Die Messe in Bremen lockt auch mit bekannten Anglern

Eine weitere interessanten Zahl die uns Jean verriet war der Umsatz von Lockfutter, das im letzten Jahr die Mühlen des Großhändlers Sensas verließ: Unglaubliche 10 Millionen Kilogramm und 10%  davon entfielen interessanterweise auf die Futtersorten Etang bzw. Lake und wer den Sensas Katalog auf der Messe mitgenommen hat weiß, dass Sensas mehr als 9 weitere Futterserien im Angebot hat. Damit wird Sensas Etang die in Europa am häufigsten gefischte Futtersorte sein!

Dass der Angelsport in Deutschland sich im Wandel befindet, wurde dem Messebesucher klar, der es neben den vielen Ständen der Händler und Firmen auch auf den Stand des Deutschen Anglerverbandes(DAV) schaffte, wo Steffen Quinger zusammen mit Werner Landau vom VDSF über Einzelheiten des geplanten Zusammenschluss der beiden Dachverbände berichtete. Während am Anfang der Messe der Zuspruch noch relativ gering war, vermutlich bedingt durch die Kaufabsichten der anwesenden Angler, füllte sich der Stand gegen Nachmittag immer mehr. Steffen stellte sich der Diskussion über die Berufung der Angler zur Feeder WM und Neu-Nationaltrainer Lars Lindemann stellte die gemeinsamen Ziele für die Zukunft bei den internationalen Feeder Veranstaltungen in den kommenden 3 Jahren(Italien, Belgien und Irland) vor. Bei kostenlosem Kaffee und Kuchen ging es nebem dem Zusammenschluss von DAV und VDSF und der Feeder WM auch um Fragen zur Mitgliedschaft im DAV, der Nutzung des Gewässerfonds und um die Zukunft von nationalen und internationalen Veranstaltungen.


Steffen  Quinger stand jedem interessierten Zuschauer Rede und Antwort

Für viele Messebesucher machen genau diese Gespräche das Flair aus, weswegen sie neben der Fülle an speziellem Angelgerät nach Bremen kommen. Nach einem, insbesondere in diesem Jahr, langem Winter konnte man endlich wieder die bekannten Gesichter des Matchzirkus treffen und gemeinsam die schönsten Ereignisse des letzten Jahres Revue passieren lassen oder sich über die Zukunft unterhalten und sich gegenseitig die Frage stellen: Quo vadis? Wohin geht die Reise im Matchangel-Paradies Deutschland?


Die Messe lockte Zwei- und Vierbeiner an

Nach einer wieder sehr gelungenen Messe fiel dem einen oder anderen auf dem Rückweg zum Auto vielleicht noch die Bühne im Foyer auf. Hier sollten Vorführungen, Diskussionen und eine Auktion stattfinden. Was, ob und in welchem Umfang dies geschah haben wir leider verpasst, aber zwischen den Ständen war es einfach zu interessant.

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