Feederteam Quo Vadis?

  • von ct Redaktion
  • 14. November 2011 um 16:01
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Was schon lange brodelte, kochte nun am vergangenen Wochenende endlich über und mit der Absage des Sichtungsfischens Feeder endet eine erste Ära, in die vor knapp eineinhalb Jahren doch so viele Hoffnung gesetzt wurde. Doch von Anfang an war auch der Wurm drin und man musste kein Prophet sein, um zu ahnen, dass der gewählte Weg eigentlich von Anfang an zum Scheitern verurteilt war.

Begründet mit einem zu geringen Zeithorizont (ca. 1 Jahr reichte dem Verband nicht eine Auswahl geeigneter Feederangler auszuwählen) wurde die Auswahl eines Feederkaders den Sponsoren des DAV e.V. übertragen, später sollte sich dann auch der „normale“ Angler für diesen Kader empfehlen können. Es folgte mit Lars Lindemann die Ernennung eines Trainers, der allerdings in der letzten Zeit ausschließlich vermehrt im Bereich des Forellenfischens auf sich aufmerksam gemacht hatte und der nach einigen Monaten und bevor überhaupt etwas begonnen hatte, von seinem Amt zurücktrat. Darauf folgte mit Michael Schlögl, Matthias Weigang und Michael Zammataro ein Trainertrio bei dem die fachliche Kompetenz hinsichtlich des Angelns mit der Feederrute von Anfang an außer Frage stand. Skeptische durfte man dagegen wiederum bei der Frage sein, ob diese drei sich ausschließlich dem Erfolg des Nationalteams unterordnen und ihre eigenen persönlichen und im Angelbereich beruflichen Ambitionen ausblenden würden. Hier herrschte seitens der Teammitglieder von Anfang an ein latentes Misstrauen, dass dann allerdings durch eine unnötige Zusatzvereinbarung vermehrt wurde. Dem Trainerstab wurde eingeräumt sich bei internationalen Veranstaltungen selbst aufzustellen, also aktiv mitzuangeln  und von nun an nahm das Schicksal seinen Lauf.
Zur ersten Sichtung wurde dann unglücklicherweise ein Gewässer gewählt, an dem der Faktor Glück eine überproportionale Rolle spielte und der Trainerstab kam in den Konflikt gleich zu Beginn seine Option zu ziehen oder bei der ersten Feeder WM anderen Anglern aus dem Team das anglerische Feld zu überlassen und das Team einzig in der Rolle der Trainer (was keine triviale Aufgabe ist) zum Erfolg zu führen. Die Entscheidung und leider auch das erzielte Ergebnis sind bekannt und das Vertrauensverhältnis zwischen Mannschaft und Trainer bekam weitere Risse, die eigentlich mittlerweile so groß waren, dass man sie kaum mehr kitten konnte und eher ein Neubau Sinn gemacht hätte. Das Projekt war gescheitert und mit einem Neuanfang wäre kaum ein Beteiligter nennenswert beschädigt worden, doch soweit war es noch nicht. Ohne Not und trotz vieler offener Fragen wurde am vergangenen Wochenende nun gesichtet, anstatt über den Winter Ruhe einkehren zu lassen und mit einem neuen Konzept und frischen Kräften im Frühjahr das Ziel eine schlagkräftige Feedermannschaft zusammenzustellen weiter zu verfolgen.

Schade und tragisch für die viele Zeit und das Geld, das alle Beteiligten in das Sichtungsangeln investiert hatten, doch dann kam endlich das Ende dieses in sich verfahrenen Konstrukts. Was nun genau, welche Kleinigkeit in Willebroeck das Fass zum überlaufen brachte und warum das Sichtungsfischen abgesagt wurde spielt keine Rolle, da dort letztlich nur der Tag und Ort war an dem die hochgeladenen Emotionen endlich zum großemn Knall führten und alle Beteiligten sind im Sinne unseres Angelsports sicherlich gut beraten darüber Stillschweigen zu bewahren.
Die Schuldigen für die Misere sind mittlerweile sowieso ausgemacht. Es sind, wie sollte es auch anders sein, die Anderen. Alle haben alles richtig gemacht, die Fehler haben die Anderen gemacht. Das ist normal bzw. nicht unüblich in der Spezies „Ambitionierter Friedfischangler“.  Selbstkritik ist fehl am Platz und könnte die eigene Position schwächen, denn es wird irgendwie weitergehen im Feederzirkus und für die, die aus welchen Gründen auch immer nicht mehr dabei sein wollen oder werden, sitzen bereits etliche neue Aspiranten in den Startlöchern.
Um es noch einmal deutlich zu sagen. Wir unterstellen keinem Funktionär, Trainer und auch keinem Feeder-Teammitglied in eigenen Interessen, zum eigenen Vorteil und nicht ausschließlich für die Mannschaft gearbeitet zu haben, dann wir waren keine ständigen Begleiter, doch wir denken nach den uns vorliegenden Informationen und vielen geführten Gesprächen beurteilen zu können, wie der Karren vom Anfang an in den Dreck gefahren wurde.
Nun ist es aber wenig hilfreich und zukunftsorientiert zwischen den Verantwortlichen, den Trainern, den Teilnehmern, den Verbänden oder den Medien die Schuldigen herauszusuchen, Fehlverhalten zu veröffentlichen, Personen an den Pranger zu stellen, sondern nun kommt endlich die Zeit für einen Neuanfang.

Steffen Quinger hat im Referat Angeln des DAV e.V. seit Übernahme des Amtes Viel und Großes geleistet und erreicht, doch nun geht es auch darum das über Jahre gewonnene Vertrauen der Angler und auch der Sponsoren nicht zu verspielen. Viele denken nun sicherlich an einen Umbruch, einen neuen Trainer, vielleicht sogar ganz neue Angler, doch das Konzept Feeder-Nationalteam in diesem Modus ist bis auf weiteres verbrannt. Es ist nahezu unmöglich einen Trainer zu finden, der sich diesem (Originalton eines Teilnehmers) „zerstrittenen Haufen“ annimmt und dort Struktur hineinbringt, eine Einheit formt. Das System muss dazu wieder transparent werden, jeder Angler muss sich für das Nationalteam empfehlen können, kein Angler darf bevorteilt werden. Feedern boomt, Feedern ist immer noch ein Trend und somit ist es umso wichtiger viele Angler anzusprechen, vielen die Chance zu geben durch Leistung auch einmal ganz nach oben zu kommen und nicht dort oben den Hals zuzuschnüren. Durch Transparenz und Chancengleichheit muss der DAV e.V. als Veranstalter das Vertrauen der Angler wieder zurückgewinnen und das geht nur durch einen radikalen Schnitt und ein neues System, das allerdings so neu auch wieder nicht ist. Das erfolgreichste Team eines neu auszurichtenden Anglertreffs Feeder sollte zur WM fahren und Deutschland dort würdig vertreten. Die gute Nachricht ist, dass die nächste Weltmeisterschaft erst in einem Jahr stattfindet und bei einem Anglertreff im April/Mai noch genügend Zeit für alle Beteiligten bleiben würde. Das würde Ruhe und Transparenz in den Feederbereich bringen, ob das erreichte Ergebnis bei der WM dann besser oder schlechter wird als dieses Jahr ist dabei ebenso unwichtig wie rein spekulativ.

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