Offener Brief an die Delegierten der Jahreshauptversammlung des DAFV e.V.

  • von Stefan Posselt
  • 21. November 2013 um 14:58
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Werte Delegierte,

Sie werden sich kommendes Wochenende zur Jahreshauptversammlung des DAFV e.V. treffen, der ersten seit der erfolgten Verschmelzung zwischen VDSF und DAV zum neuen einheitlichen Verband für alle Angelfischer in Deutschland. Wie nicht anders zu erwarten waren die ersten Monate turbulent und alles andere als einfach und von der versprochenen einheitlichen Vertretung für alle Angler Deutschlands sind wir noch weit entfernt. Als Teilnehmer an der Hauptversammlung, dem höchsten Gremium dieses Verbandes, werden Sie mit darüber entscheiden, wie es mit der Interessenvertretung der deutschen Anglerschaft weitergeht.

Die meisten von Ihnen arbeiten ehrenamtlich für ihren Landes- oder Regionalverband, sie investieren ihre Freizeit und setzen sich in verschiedensten Bereichen für die Organisation der Verbände, der Arbeit an den Gewässern, die Vertretung der Interessen der Angler, Jugendarbeit, Sport und vieles andere ein. Dafür vielen Dank! Bitte erlauben Sie mir dennoch einen Hinweis darauf, warum gerade Sie an der kommenden Hauptversammlung teilnehmen. Sie erhielten das Mandat von ihrem Verband zur Vertretung der Interessen der ihrem Verband angeschlossenen Mitglieder. Das sind Angler aller Coleur: Spinnangler, Gelegenheitsangler, Stippfischer, Fliegenfischer, Karpfenangler,…, jeder mit seinen eigenen und teilweise widersprüchlichen Interessen, aber dennoch alle „verfallen“ derselben Passion, dem Fang von Fischen in verschiedensten Gewässern. Als Angler erwarten wir von Ihnen, unseren gewählten Vertretern, dass Sie die Interessen der Angler vertreten.

Wir leben in Deutschland in einem Umfeld beständiger Bestrebungen von Einschränkungen bei der Ausübung des Angelns, weitgehend begründet durch den Tierschutz. Der einleitende Passus: „Niemand darf einem Tier ohne vernünftigen Grund Schmerzen, Leiden oder Schäden zufügen.“ wird gern dafür benutzt, im vorauseilenden Gehorsam Einschränkungen für das Angeln zu begründen. Wer im Angeln einen Widerspruch zum Tierschutzgesetz sieht, der erkennt damit an, dass Angeln keinen vernünftigen Grund darstellt, aber ist dem so? Was ist am Angeln unvernünftiger als sich auf den Rücken von Pferden zu setzen und diese um die Wette laufen zu lassen oder über Hindernisse springen zu lassen? Ist es vernünftig Hunden ein Band um den Hals zu legen, eine Leine daran zu befestigen und ihn in seinem natürlichen Umfeld in der Bewegungsfreiheit einzuengen? Was ist vernünftig daran, eine Katze für ihr Leben lang in einer Wohnung einzusperren und sie ihrem natürlichen Lebensraum zu entziehen? Ist es nicht vielmehr vernünftig, jungen Menschen den Zugang zur Natur zu ermöglichen, über den Fang und die Verwertung von Fischen den Respekt vor anderen Lebewesen zu lehren? Was ist daran unvernünftig, wenn ein Angler sich bewusst dafür entscheidet, welchen Fisch er verwertet und andere gefangene Fische wieder in den Lebensraum entlässt. Oder ist es vernünftiger in den Supermarkt zu gehen um Fisch zu kaufen, bei dem man stillschweigend akzeptiert, dass „Beifänge“ in Größenordnungen vernichtet werden? Ist es nicht tierschutzgerechter wenn eine Familie in einen Angelpark fährt, um sich dort den Fisch für das Wochenendmahl selbst zu fangen, ihn waidgerecht zu töten und zu verwerten als denselben Fisch aus der Massenproduktion zu kaufen, wo der Fisch, wenn er Glück hat, über Stunden qualvoll ersticken darf, oder bei lebendigem Leib ausgeweidet und filetiert wird? Können nicht wir als Angler viel zielgerichteter Hegemaßnahmen zur Kontrolle oder Entnahme einzelner Fischarten leisten als jegliche Netz- oder Stromfischerei? Sorgen wir nicht durch zahllose Arbeitsstunden für ein Stückchen intakter Umwelt, welche auch anderen Menschen zu Gute kommt?

Wir brauchen uns unseres Hobbys nicht zu schämen und können uns selbstbewusst der Öffentlichkeit präsentieren. Mit der Fusion zum gesamtdeutschen Anglerverband ist bei vielen Anglern die Hoffnung verbunden, dass die Vertretung der Anglerschaft gestärkt wird und wir uns als starker Partner aktiven Naturschutzes in Ausübung unseres Hobbys positionieren können. Der DAV e.V. hat in den letzten 20 Jahren bereits bewiesen, dass es möglich ist Landesfischereigesetzgebung positiv zu beeinflussen und Regelungen zu ermöglichen, die sowohl dem Tierschutz als auch den anglerischen Interessen gerecht werden. Gemeinsam kann der neue Verband noch viel mehr, besonders auf Bundesebene, erreichen.

Leider erreichen die angelnde Öffentlichkeit viele beunruhigende Nachrichten über den Beginn der Arbeit des neuen Verbandes, die eine gute Interessenvertretung in Frage stellen. Ungereimtheiten bei den Finanzen, persönliche Machtinteressen, widersprüchliche Aussagen besonders der Präsidentin. Wie kann eine Präsidentin sich nach den jahrelangen, schwierigen Fusionsverhandlungen mit einem gemeinsamen Ergebnis zur Gestaltung des neuen Verbandes, sich jetzt auf 25 Jahre alte Beschlüsse eines Vorgängerverbandes berufen um ihre persönlichen Interessen zum Ausdruck zu bringen?  Die Transparenz im finanziellen lässt viel zu wünschen übrig, über Defizite wird geredet, Verschwendung von Beitragsgeldern? Was ist da dran? Bitte prüfen Sie die Zahlen, die Ihnen vorgelegt werden, haben Sie bitte auch einen Blick auf die angegliederte GmbH und die internen Belege zwischen Verband und GmbH. Lassen Sie es nicht zu, dass einzelne Personen aus egal welchen persönlichen Gründen, ihre jahrelange ehrenamtliche Arbeit und damit die Zukunft unseres Hobbys zerstören! Dem Vernehmen nach sollen wieder, wie in den 1980er Jahren, die Stippangler als erste „geopfert“ werden. Sind ja nur die paar Stippangler, werden einige von Ihnen sagen, aber was kommt danach? Der Wolf Happach-Kasan hat seinen Schafspelz abgelegt und was passiert, wenn der Hunger wiederkommt? Die Karpfenangler, die Angelparks, das Kutterangeln? Auf der Hauptversammlung soll über einen Misstrauensantrag gegen Frau Happach-Kasan abgestimmt werden, bitte befragen Sie ihr Gewissen und sorgen Sie für eine angemessene Vertretung der Anglerschaft durch Angler! Der Weg wird bestimmt nicht einfach und es wird noch lange dauern, bis die Verbände wirklich zusammenwachsen und ihr Potential entfalten, aber es gibt viele Menschen im Verband, die sich wirklich für eine sichere Angelzukunft einbringen können und wollen. Geben Sie ihnen eine Chance und stoppen Sie die Profilierungssucht einiger weniger!

Stefan Posselt

Ein besorgtes Mitglied

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