Mit langer Schnur auf kleine Rotaugen

  • von Jens Becker
  • 08. April 2008 um 12:36
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Wenn viele beißfreudige Fische am Angelplatz sind, dann ist die Zeit der Telestipprute gekommen. Das Angeln mit langer Schnur oder neudeutsch auch die long long Angelei. Dabei entspricht die Länge der Montage der Länge der Rute und die Fische werden zur Hand geangelt. Kein Abstecken der Kopfrute und auch das Keschern entfällt, denn die Fische stehen gestapelt und nun gilt es sie mit sanftem Schwung direkt aus dem Gewässer in die Hand fliegen zu lassen.



Dabei ist dann die Montage doch nicht ganz so lang wie die Rute, denn das Gewicht eines gehakten Fisches sorgt natürlich für eine Biegung in der Rute, so dass die Montage ca. 50 Zentimeter kürzer als die Gesamtlänge der Rute gewählt werden sollte. Hier gilt es die Montagenlänge ggf. während des Angelns optimal anzupassen, denn wer weiß schon vorab, wie das Durchschnittsgewicht der Fische sein wird.
WM Bronzemedaillengewinnerin Steffi Bloch fischt heute mit der Phenomena long long Rute von Mivardi in 9 Metern Länge. Die Rute ist dünn im Handteil und dabei sehr schnell. Optimal also für Fische bis 200 Gramm, die alle zur Hand geangelt werden sollen. Die Hauptfische an einem Kanal in Brandenburg sind Rotaugen von 50 bis 150 Gramm, ab und zu ist auch mal ein kleiner Brassen oder eine Güster dabei.
Die Wassertiefe beträgt 4 Meter und ca. 12 Meter vom Ufer entfernt befindet sich die Kante zur Steinpackung hinter der die Fische sich bei einer Lufttemperatur von 4 ° Celsius gesammelt haben. Im Wasser dürfte es nicht viel wärmer sein, doch hier vor einer Schleuse sammeln sich die Weißfische im Winter zu riesigen Schwärmen und nun kommt es darauf an schnell und flink zu sein.

Dazu ist erst einmal eine Montage notwendig, die den Köder schnell zum Grund bringt. Vorzugsweise kommen längliche Posen mit einem Carbonkiel zum Einsatz, da diese sich selten überschlagen, wenig Luftwiderstand beim Auswerfen bzw. Ausschwingen bieten und das Absinken der letzten Bleie zuverlässig anzeigen. Zudem erzeugen längliche Posen beim Anhieb nur ein minimales Geräusch und minimieren somit die Scheuchwirkung auf den Schwarm

     
             Klassische Posen für die Telestippe                                      Einfach muss die Montage sein

Steffi entscheidet sich heute für eine Pose mit 6 Gramm Tragkraft und Glasfaser Antenne. 6 Gramm erscheinen vielleicht etwas viel für die kleinen Fische, doch es gilt den Köder schnell zum Grund zu bringen und sollte Wind aufkommen, muss gewährleistet sein, dass die Pose immer noch sauber ausgeworfen bzw. ausgeschwungen werden kann. Bei leichter Strömung und unter Umständen aufkommender Oberflächenströmung muss die Pose zudem stabil im Wasser stehen. Je nachdem wie die Fische beißen, muss die Drift der Pose möglicherweise später verzögert werden, mit einer zu leichten Pose ist das kaum möglich. In Anbetracht der vielen Fische und auch auf die Option hin, die größeren Exemplare zu selektieren sollte in diesem Fall also eher zu schwer als zu leicht geangelt werden, denn beißen die Fische vorsichtig, dann ist die Kopfrute klar im Vorteil und man sollte ihr den Vorzug geben.


Heute ist die 9 Meter Telestippe klar im Vorteil

Bei der Befestigung der Schnur an der Rutenspitze gibt es verschiedene Möglichkeiten. Weit verbreitet ist ein Stonfo Connector, doch bei Steffi sehen wir eine andere Alternative. Ein Stück Silikonschlauch wird dabei ca. 8 Zentimeter auf die Rutenspitze geschoben und die Montage hinter dem Schlauch mit einem Schlaufenknoten eingehängt. Auf die Montage muss dabei vorher ein ca. 4 Zentimeter langer Silikonschlauch gezogen werden und nach einigen Wicklungen wird dieser dann auf die Rutenspitze geschoben, so dass dieser einen Zentimeter übersteht. Die Montage ist somit bis zum Schlaufenknoten an den das Vorfach geknüpft wird durchgehend und es gibt keine Schwächung durch einen Knoten oberhalb der Pose, so dass bei einem Hänger immer das Vorfach oder die untere Schlaufe nachgeben und es keinen Totalverlust gibt. Ein weiterer Vorteil ist der überstehende Silikonschlauch, der ein Überschlagen bzw. eine Verwicklung der Montage mit der Rute weitestgehend verhindert.


Eine einfache und effektive Verbindung der Montage mit der Rute

Schnell noch ein bisschen Futter anrühren und dann kann es auch schon losgehen. Das ist natürlich auch ein großer Vorteil der Telestippe, dass man doch relativ wenig Zeit für den Aufbau benötigt und die effektive Angelzeit beim Angelausflug meist höher ist als bei anderen Angeltechniken. Ideal also, um auch mal Abends zwei Stunden nach Feierabend noch einmal ans Gewässer zu gehen oder nach einem halben Regentag mit den ersten Sonnenstrahlen doch noch fix ans Wasser zu fahren.

Es sind also bereits viele Fische am Platz und das Ziel ist es auch, den einen oder anderen größeren Fisch zu überlisten. Trotz der kalten Temperaturen und der verminderten Nahrungsaufnahme der Fische sollte das Futter kompakt, klebend, nicht zu fein und ruhig auch ein bisschen sättigend sein, denn ein feines Futter, dass schon im Mittelwasser in einer Wolke aufgehen würde, würde die kleinen Fische auf dem Futterplatz noch mehr stapeln. Sollen sie sich ruhig ein bisschen satt fressen die Kleinstrotaugen, denn Fische sind hier genug.


Eine Mischung aus Mosella Favourite Gardon und Favourite Brassen kommt zum Einsatz 

Zum Einsatz kommen also jeweils 2 kg Mosella Favourite Gardon und Favourite Brassen. Eine klassische Mischung, die die Köder gut und geschlossen zum Grund bringt und den Fischen auch etwas zum Fressen bietet.
Caster und Maden hat Steffi als Köder dabei, wobei mit den Maden richtig Stückzahl gemacht werden kann und die Caster später vielleicht die größeren Fische bringen. Steffi füttert 5 mandarinengroße fest gedrückte Futterbälle mit jeweils einer Handvoll Maden und Castern und schon fliegt der mit zwei Maden bestückte 18er Haken hinterher.

     
    2 Maden am 18er Haken bringen viele Bisse...             ... doch die Vorfachlänge passt noch nicht

Die leichte Strömung geht heute nach links und die Futterbälle werden etwas stromab platziert, um nach dem leicht stromab erfolgten Auswurf der Montage sofort in einem optimalen Winkel Kontakt zu dieser aufzunehmen. Kurz hinter dem Futter taucht die Pose ab und nach einem gefühlvollen Anhieb fliegt auch schon das erste kleine Rotauge in Steffis linke Hand. Die Fische sind da, die Fische sind gierig und somit gilt es nun die optimale Bebleiung und Vorfachlänge herauszufinden, damit die Fische immer vorne im Maul gehakt sind. Dadurch lassen sie sich natürlich einfacher lösen, nehmen keinen Schaden und die Maden sind teilweise noch unversehrt, so dass sie meist erst nach einigen Fischen ausgewechselt werden müssen. Prüfen sollte man auf jeden Fall, ob sich nicht vielleicht eine Made die Hakenspitze verdeckt und schon geht es wieder los.

     
              Konzentration beim Füttern...                                ...und wieder fliegt ein kleiner Futterball


Die Pose leicht stromab ausschwingen, die Schnur hinter die Pose legen, die Rute vor den Bauch in die linke Hand und mit der rechten Hand einen kleinen Futterball kneten. Wer es im Sitzen kann, wirft den Futterball aus dem erhobenen Arm über dem Kopf auf den Futterplatz, doch meist wird aufgestanden und aus einem Unterschwung heraus geworfen. Mit einem kleinen "Plopp"  neben der Pose taucht der Futterball ein und schon ist es auch Zeit für den nächsten Anhieb, denn gerade taucht die Pose wieder ab.


Und schon kommt das nächste Rotauge angeflogen

Die Mivardi Phenomena macht hier einen ausgezeichneten Eindruck. Mit einem Gewicht von 490 Gramm steht sie ausgezeichnet und mit einer kurzen, gefühlvollen Bewegung sind 9 von 10 Fischen gehakt. So geht es dann Schlag auf Schlag und nun ist ein guter Rhythmus gefragt. Gleichmäßige, sich ständig wiederholende Bewegungen mach den Kescher immer voller. Hektik ist schädlich, der kontinuierliche Ablauf dafür Trumpf. Alles auch eine Frage der Konzentration und Kondition, wobei eine gute Rute hier doch einiges einfacher macht und den Spaßfaktor steigen lässt. Knappe 8 Kilogramm sind es nach 3 Stunden und statt Schmerzen in den Armen hat Steffi ein Lächeln auf den Lippen.


Mit der richtigen Taktik, Technik und einer hervorragenden Rute erfolgreich

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