Am Kanal mit Marco Beck Teil 1

  • von ct Redaktion
  • 11. Januar 2010 um 15:57
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Die Gewässer in und um Berlin sind sicherlich die vielfältigsten, fischreichsten und damit schönsten Gewässer in Deutschland und auch den europäischen Vergleich brauchen diese Perlen nicht zu scheuen. Die Wasserfläche in und um Berlin ist riesig und produziert eine schier unerschöpfliche Masse an Friedfischen. Sicherlich zwei wichtige Punkte die verhindert haben, dass dem berliner Gewässer das gleiche Los wie so vielen deutschen Gewässern ereilt hat.

Ein echter Kenner der Berliner Gewässer ist Champions-Team Angler Marco Beck. Marco hat einen Grossteil seiner Jugend mit der unberingten Kopfrute in der Hand an berliner Gewässern verbracht. Das Lieblingsgewässer aus dieser Zeit war der Teltowkanal im Süden von Berlin. Der Teltowkanal markierte die Grenze zwischen Ost und West Berlin und war schwer bewacht. Im Schatten der Wachtürme hat er seine Fähigkeiten ausgebildet und sich zu einem der besten deutschen Kanalangler entwickelt. Und an diesem Teltowkanal konnten wir Marco Beck treffen, und so hatten wir die Möglichkeit an seinem Wissen teilzuhaben.

Wir haben uns am Sonntag nach dem International Anglers Meeting verabredet. Waren die Nächte während des IAM schon kalt, so war diese Nacht vom Samstag auf Sonntag bitterkalt! Das Thermometer zeigte bei Fahrtbeginn -8 C an. Sicherlich ist dieser Kälteeinbruch ein Nachteil für das Angeln, doch der „Buschfunk“ der berliner Stippszene funktionierte gut und Marco konnte sich vergewissern, dass die Fische am Teltowkanal beissfreudig waren. Nach einer 40-minütigen Fahrt vom Norden Berlins in den Süden trafen wir einige Angler aus Marcos Team, welche sich einige hundert Meter von der geplanten Angelstrecke auf ein Fischen vorbereiteten. Ein kurzer Smalltalk zeigte, dass mit einem guten Fangergebnis zu rechnen war. Marco platzierte sich ca. 500 Meter kanalabwärts an einer Stelle, welche er in der Jugend beangelt hat. Schräg rechts versetzt ist noch ein Wachturm aus der DDR Zeit zu sehen, aber mittlerweile gehört dieses Gelände zu einem Campingplatz und dient jetzt der  Entspannung gestresster Berliner.

Der Teltowkanal ist an dieser Strecke circa 30 Meter breit und weist eine Tiefe von circa 4,4m auf. Das Ufer ist mit einer Spundwand versehen und das Wasser weist hier sofort ein Tiefe von über 3,6 m auf und ist sehr interessant für das Angeln mit der kurzen Rute. Eine weitere Kante liegt bei 7-9m, hier fällt der Kanal noch einmal um 10 bis 15cm ab und diese Kante soll heute befischt werden. Die Strömung des Kanals ist abhänging von Schleusentätigkeit und Schiffsverkehr - Bedingungen wie sie in Berlin absolut typisch sind. Heute ist die Strömung wirklich beachtlich und um einen Köder voll zu blockieren sind sicherlich Lutscherposen zwischen 6Gramm und 8 Gramm notwendig.

Platzaufbau
Marcos außergewöhnlicher Platzaufbazu

Marco baut sein etwas ungewöhnliches Sitzkonstrukt nahe des Ufers auf. Dieses Konstrukt besteht aus einer Plattform auf welche er ein Sitzkissen seiner Rivekiepe platziert. Den Futtereimer rechts, die Köder links und die eventuell benötigten Utensilien wie Haken und Co werden auf dem geräumigen Platz hinter dem Angler abgelegt – fertig ist Marcos Aufbau. Sicherlich etwas ungewöhnlich, aber auf Nachfrage sagte uns Marco, dass er in der Jugend hier auch schon so gesessen hat und vermittelte uns so den Eindruck, dass er wirklich voll von diesem Aufbau überzeugt ist. Eine normale Kiepe mit Fußpodest täte hier aber sicherlich auch seine Dienste.

Die Posenwahl von Marco
Die Posenauswahl von Marco

Marco fischte seine Rute auf 7.5m – sprich die ersten 6 Teile – weitere Teile baute er gar nicht auf, da er hundertprozentig davon überzeugt war, dass die Fische an der markanten Kante stehen würden. Für mich als Autor ist es immer wieder bewundernswert, wie selbstsicher unsere Topangler immer ihr Gerät aufbauen. Ich persönlich hätte sicherlich auch noch die Teile bis zur vollen Länge von 13m Rute aufgebaut, nicht so Marco. Er scheint genau zu verstehen was unter Wasser Sache ist und wo die Fische stehen. Ebenso sporadisch wie der Aufbau seines Angelplatzes, ist die Auswahl der Kits welche Marco aufbaut. Lediglich zwei 4er Kits werden aufgebaut und mit Montagen bestückt und hier werde ich ein weiteres Mal von Marco überrascht... Kanalangeln in Berlin, das verband ich meistens mit sensiblen Posen, welche die feinen Bisse auf die Mückenlarven verlässlich anzeigen, dazu noch eine schwere Montage mit einem Lutscher für das blockierte Angeln auf Brassen. Marco baute ebenfalls zwei Posenmodelle auf, eine Kugelform und einen Lutscher - so weit so gut! Erstaunlich war jedoch die Verteilung der Aufgaben. Für das leichte Angeln auf die vermuteten Rotaugen und Güstern wählte Marco einen leichten Lutscher. Die schwerere Strompose wurde dagegen schwer gewählt und sollte zum Angeln auf die größeren Exemplare herhalten. Mit meinem bisherigen Wissen hätte eine umgekehrte Wahl getroffen.

Die Szilard
Rotaugenmontage: Marco wählte den Lutscher „Szilard“ aus dem Posenprogramm von Sensas. Dieser Lutscher ist äußerst sensibel, verfügt ab Werk über einen Stahlkiel und eine Stahlantenne! Durch diese Konfiguration ist der Lutscher supersensibel. Der Szilard ist aus diesem Grund auch nur in Gewichten bis 2 Gramm bestellbar. Für Marco war die Szilard mit der Stahlantenne aber zu sensibel. Aus diesem Grund hat er eine feine Plastikantenne über die Stahlantenne geschoben und dann verklebt.

Die Szilard an Marcos Montage hatte eine Tragkraft von 1,7 Gramm und wurde durch einen Bulk von 2er und 4er Bleien vorgebleit. Circa 8 Bissbleie der Grösse 10 trahierten die Pose dann perfekt aus. Die Hauptschnur bestand aus einer 11er Hauptschnur, beim Haken handelte es sich um ein Modell 3405 aus dem Hause Sensas. Dieser Haken hat die Grösse 20 und wurde über ein 8er Vorfach der Länge 15cm mit der Hauptschnur verbunden. Der 3405 ist ein leichter Haken, der für sein Gewicht aber sehr stabil und verwindungsicher ist. Damit wird sichergestellt, dass man eine Menge Fische mit einem Haken fangen kann, ohne das dieser sich verbiegt und damit unbrauchbar wird. Das leichte Gewicht das Hakens sorgt dafür, dass die Mückenlarve sehr natürlich abfällt und der Fisch den Köder ohne Argwohn aufnimmt. Warum aber ein Lutscher zum Rotaugenangeln?
Die Bebleiung
Die Bebleiung der Rotaugenmontage
Auf diese Frage entgegnete Marco, dass er wegen der beachtlichen Strömung ein verzögertes Angeln auf die Rotaugen vorzieht. Um den Köder in eine verzögerte Drift möglichst sensibel anzubieten, gilt es den Widerstand der Pose in Richtung Strömung zu minimieren. Dies erreicht man durch das schlanke Profil, welches ein Lutscher der Strömung bietet. Eine normale, bauchige Strompose wird zu starke durch den Strömungsdruck tangiert und wird somit in der Bissanzeige unzuverlässlich. Die Montage wird an einem 0,6mm Gummizug über 3 Teile gefischt. Dieses Gummi ist ideal um an dem dünnen Vorfach wenig Fische zu verlieren.

Brassenmontage: Hier setzte Marco auf ein Posenmodell welches seinen Namen trägt - das Modell „Marco“ ist eine bauchige Strompose. Dieses Modell hat einen Carbonkiel und eine Plastikantenne. Durch den Carbonkiel nimmt die Pose sehr viel Blei auf. Ein weiterer positiver Fakt des Carbonkiels ist die Resistenz gegen Verformungen des Kiels beim häufigen Verschieben der Angeltiefe. Stellt man sich eine Pose zum Mückenangeln vor, so hat man eine Pose mit Stahlkiel im Kopf. Warum greift Marco jetzt aber zu einer Pose mit einer solchen Antenne? Ich persönlich wäre niemals auf diese Idee gekommen und bewundere wieder einmal das Gespür welches unsere Topangler haben. Diese dicke Platikantenne reagiert wesentlich schneller, so erklärte mir Marco seine Auswahl. Was kann man sich darunter vorstellen?

Pose mit Antenne
Das Posenmodell "Marco"

 Plastikantenne
Durch das beabsichtigte „Stop and Go“Führen der Pose wird die fein austrahierte Pose des öfteren kurz absinken. Eine Stahlantenne würde jetzt eine verhältnismäßig lange Zeit brauchen um wieder aufzutauchen. Die tragende Plastikantenne sorgt jedoch dafür, dass die Pose schnell wieder in Position geht und die Bisse anzeigt. Sicherlich ein ungewöhnlicher Gedanke, aber je länger der Autor über dieses Argument nachdachte, desto einleuchtender war es. Die bauchige Form der Pose sorgt für einen ruhigen Lauf der Montage in der Strömung, vor allem beim permanenten „Stop and Go“ des Führens.

Pose beim StoppenPose beim Laufenlassen
"Stop and Go"

Die Brassenmontage wurde an einer 14er Hauptschnur mit einem 9er Vorfach gefischt. Das Vorfach war 15cm lang und schloss mit einem 16er Haken des Modells 3405 ab. Um die zu erwarteten besseren Fische zügig zu bändigen, fischte Marco ein 1,0mm Gummi über 3 Teile.

Das Futter: Beim Thema Futter heisst es „Ohren auf“ wenn Marco Beck spricht! Er setzt natürlich auf das Futter seines Arbeitgebers, der Firma Sensas. Sicherlich keine schlechte Wahl, betrachtet man das riesige Sortiment des Hauses Sensas.

Folgende Attribute soll Marcos Futter erfüllen:
  • Fische anlocken
  • Fische am Platz halten ohne sie zu sättigen
  • die Mückenlarven in guter Kondition zum Futterplatz transportieren

Folgende Zusammenstellung soll diese Attribute erfüllen

  • 1 Liter Argile Humide
  • 1 Kilogramm Sensas Canal Noire Fine Mouture
FutterkomponentenFuttersorten aus dem Hause SensasFutteransicht
Warum diese beiden Komponenten? Das Argile ist ein feuchter Lehm, welcher gut ballt und sich auch pur gut füttern und werfen lässt. Argile löst sich im Wasser schnell auf und gibt die Köder dort schnell frei. Das Canal Noire in der Version Fine Mouture ist eine sehr fein gemahlene (Fine Mouture) Version des Canal Noires. Es ist ein dunkles wenig sättigendes Futter, welches in der kalten Jahreszeit sehr viel verwendet wird. Das Canal Noire enthält wenig Salz. Dies ist ein wichtiger Aspekt für die Zugabe der Mückenlarven, da Salz die Mücken abtötet.

Beim Anmachen des Futters gibt es dann wieder was zu lernen! Marco füllt den Lehm in ein Gefäß und dann weicht er diesen durch die Zugabe von Wasser in diesem Wasser auf, es bleibt eine „Pampe“ aus Wasser und Lehm. Dieser Brei sieht wenig appetitlich aus und wird jetzt dem trockenen Futter zugegeben. Mit Hilfe eines Quirls verrührt Marco jetzt das Gemisch. Nach 2 Minuten ist die Mischung fertig und Marco gibt ihr Zeit um „zu ziehen“. Während das Futter die zugegeben Feuchtigkeit aufnimmt, erklärt mir Marco wie dieses Futter wirkt.

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Beim Anmachen des Futters gibt es einiges zu lernen

Wie sich nun das Futter verhält, die Zugabe der Mückenlarven und weitere interessante Informationen erfahren Sie im 2. Teil.

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