Eisangeln mit Ramon Willich

  • von ct Redaktion
  • 03. Februar 2010 um 16:56
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Was beim professionellen Stippen längst üblich ist, lässt sich natürlich auch wunderbar auf die Eisangelei übertragen. Das Anlegen von mehreren Futterplätzen mit verschiedenen Futtersorten und Ködern in unterschiedlichen Tiefen.

Ramon Willich, einer der aufstrebenden Angler aus dem Stipp-Profi Team Brandenburg zeigt wie es geht. An einem bis zu 20 Meter tiefen See in Brandenburg weiß er aus Erfahrung, dass die Fische unter dem Eis bevorzugt in Tiefen zwischen 6 und 12 Metern darauf warten, dass es endlich wieder Frühling wird. Natürlich nehmen die überwiegend Rotaugen bei Wassertemperaturen von um die 4° Celsius nur sehr wenig Nahrung auf und ihre Aktivität ist sehr eingeschränkt. Neben der richtigen Tiefe muss also auch erstmal der Teil des Sees gefunden werden, in dem die Weißfische ihr Winterquartier bezogen haben. Hier helfen entweder eigene Erfahrungswerte, die Ausschau nach bereits erfolgreichen Anglern oder einfach nur Glück, das Eisloch an der richtigen Stelle zu bohren. Gibt es keine Erfahrungswerte oder die Hilfe einheimischer oder bereits erfolgreicher Angler, so kann das Eisangeln in regelrechter Arbeit ausarten, denn teilweise kann man mehr Zeit mit dem bohren von Eislöchern als mit dem eigentlichen Angeln verbringen. Wer aber ungefähr weiß, wo die Fische stehen, der muss nur noch die entsprechende Tiefe finden, in der sich die Fische aufhalten und herausfinden, welche Köder zum Erfolg führen.

15 Meter vom Ufer entfernt ist der See 6 Meter tief und nach weiteren 15 Metern beträgt die Tiefe bereits 12 Meter. In diesem Bereich wird Ramon Willich daher 4 Eislöcher bohren, die eine Wassertiefe von 5, 6, 7, 10 und 12 Metern aufweisen. Ein guter Eisbohrer spart dabei Kraft und Zeit und schnell sind die Löcher bei einer Eisdicke von 15 Zentimetern gebohrt. Die Lufttemperatur beträgt -2° Celsius, so dass die Löcher immer wieder leicht zufrieren werden, doch es ist nicht zu kalt und mit einer Schöpfkelle wird der Kampf gegen das Eis nicht zu aufwändig.

Bohrer
Die Pose wird samt Montage in der Mitte des Eislochs zentriert, um so eine Unterströmung festzustellen

Die Taktik von Ramon Willich sieht nun so aus, dass er zwei Eislöcher mit Fertigfutter und Pinkies und zwei Eislöcher mit Liquidised Bread (mit dem Mixer fein gemahlenes Sandwichtoastbrot) anfüttern wird. Sowohl das Liquidised Bread als auch das Fertigfutter sind relativ leicht und sinken eher langsam ab, so dass die Gefahr besteht, dass das Futter bei einer Unterströmung verdriftet und nicht senkrecht unter dem Eisloch liegt. Indem man die Pose mitsamt der Montage in der Mitte des Eislochs zentriert, kann man feststellen, ob eine Unterströmung vorhanden ist, denn bei einer Strömung wandert die Pose schnell zum Rand des Eislochs. Bei Unterströmung empfiehlt es sich daher die beiden Futtersorten mit etwas Kies oder Lehm zu beschweren, um zu gewährleisten, dass das Futter später auch dort liegt, wo der Köder angeboten wird.

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Das Futter wurde in sehr feine Partikel zerkleinert und vor Ort nachgefeuchtet

Mit hilfe eines Standmixers wurde ein halbes Sandwichtoastbrot zu sehr feinen Partikeln zerkleinert, die nun am Wasser noch einmal nachgefeuchtet werden, bevor sie in Form einer fest zusammengerückten tischtennisballgroßen Kugel im ersten Eisloch verschwinden. Ramon Willich hält die Toastbrotkugel dabei noch einige Sekunden im Wasser fest und lässt sie erst absinken, als sich schon etliche Partikel gelöst haben und die Kugel nun in einer verführerischen Wolke in den Tiefen des Sees verschwindet.

Für das zweite und nächste Loch hat er bereits zuhause ein Futter vorbereitet. Ein Kilogramm Van den Eynde Supercup soll die Rotaugen an das Eisloch locken. Das leichte, dunkelbraune, wenig sättigende Futter ist ideal, um die trägen Fische zu aktivieren Nahrung aufzunehmen. Wiederum wird ein tischtennisballgroßer Futterball geformt, der zusätzlich allerdings einige Pinkies enthält. Weniger ist hier mehr, denn erstmal gilt es überhaupt einen Biss zu bekommen.

braunes Futter01
  
braunes Futter02
Das dunkelbraune Futter ist ideal, um die trägen Fische zu aktivieren

Die Montage besteht aus einer schlanken, 1,5 Gramm tragenden Stipppose, die mit mittels eines aufgeklebten Wirbels am Ende des Kiels zu einer Laufpose umgebaut wurde und einer Zweipunktbebleiung. Über dem 20 Zentimeter langen eingeschlauften Vorfach befindet sich ein Bissanzeigeschrot der Größe 8 und weitere 20 Zentimeter darüber eine Kette aus 6er Schroten. Diese Montage garantiert, dass es keine Verwicklungen gibt und der Köder immer optimal angeboten werden kann. Die Haken sollten bei Größen von 18 bis 24 einerseits eher klein ausfallen und dazu auch noch leicht, also aus sehr dünnem Stahl sein. Die Fische sind  träge und saugen den Köder nur sehr vorsichtig ein, so dass dem Gewicht des Hakens eine besondere Rolle zu Teil wird.

Die Pose
Die Stipppose

Die Eislöcher 3 und 4 mit 10 und 12 Metern Wassertiefe werden nun auch noch analog zu den ersten beiden Löchern befüttert und endlich werden auch die Köder in die dunkle Tiefe gelassen.

Breadpunch01 
Ramon Willich angelt mit zwei kurzen Eisruten, kleinen Stationärrollen, die mit 12er Schnur gefüllt sind und beginnt an den beiden 6 und 7, 5 Meter tiefen Eislöchern.

Am ersten Loch sticht er mit einem Breadpunch ein 5mm großes Stück Brot aus einer Scheibe Sandwichtoastbrot und fädelt dieses auf einen 20er Haken. Knapp über Grund wird die Brotflocke angeboten, so dass sie sich im Blickfeld der Weißfische befindet und diese sie ohne großen Aufwand einsaugen können. 

 Brotflocke
Am zweiten Loch kommt ein einzelner Pinkie zum Einsatz, der 5 Zentimeter auf Grund angeboten wird. Möglicherweise wollen die Fische lieber einen ruhig am Boden liegenden Köder und alle 5 Minuten wird die Pose aus dem Wasser gehoben, um dem Pinkie ein bisschen Leben einzuhauchen und einen Biss zu provozieren.

Nach 20 Minuten erfolgt der erste Biss auf die Brotflocke. Minimal wurde die Pose Richtung Grund gezogen und verharrt nun einige Millimeter unter der Wasseroberfläche. Der Anschlag geht ins Leere, die Brotflocke ist vom Haken verschwunden. Ein Biss oder vielleicht doch eine leichte Strömung, die die Montage mitgenommen hat? Eine neue winzige Brotflocke befindet sich auf dem Weg nach unten und Ramon Willich ist nun hellwach. Nach 5 Minuten wird die Pose gleich einen ganzen Zentimeter nach unten gezogen und diesmal sitzt der Anschlag. Kurz danach verlässt ein 15 Zentimeter langes Rotaugen das Eisloch.

Rotauge
Diesmal sitzt der Anschlag und ein schönes Rotauge hängt am Haken!

Mittlerweile sind fast 30 Minuten um und es ist Zeit, die zweite Montage in das nächst tiefere Eisloch umzusetzen. Hier wurde mit Liquidised Bread angefüttert und nachdem Ramon Willich die Tiefe angepasst hat, trudelt eine weitere Brotflocke am Haken nach unten. In der Zwischenzeit hat zwar am ersten Eisloch ein weiterer Fisch gebissen, allerdings hat er nicht gewartet und so die Brotflocke vom Haken genommen.

Gut, die Fische sind am Loch, die Fische fressen, nun gilt es das effektivste Eisloch zu finden. Am dritten, 10 Meter tiefen Loch, tut sich überhaupt nichts, so dass es so aussieht, dass die Fische eher im „flacheren“ Wasser sind. Somit liegt nun das Hauptaugenmerk auf dem ersten Loch. Hier kommen regelmässig Bisse und ein Rotaugen nach dem anderen kann gelandet werden. Ein Versuch am zweiten Eisloch mit Pinkies bringt nun auch Bisse und Fische, nachdem der Köder auch hier über Grund angeboten wurde. Bei nachlassenden Bissen füttert Ramon Willich mit haselnußgroßen Bällchen aus Liquidised Bread an dem einen Loch und losen Pinkies an dem anderen Loch an.

Ramon Willichbisse
Ramon Willich

Am Ende konnten 20 Rotaugen bis 20 Zentimeter Länge überlistet werden, wobei die Brotflocke an diesem Tag eindeutig mehr Bisse und Fische ans Tageslicht brachte.

Zum Thema Brot als efektives Futtermittel haben wir zwei interessante Videos:

Liquidised Bread - Bread Punch I

Liquidised Bread - Bread Punch II

Ein wichtiger Zusatz unseres Lesers Sensasmola

Eisangeln ist nicht an jedem Gewässer erlaubt, es gilt sich hier vorher zu informieren. Es ist sinnvoll die Löcher nach dem Angeln durch Schilf o.ä. zu markieren um Spaziergängern und Schlittschuhläufern keine unliebsamen und gefährlichen Stolperfallen zu hinterlassen!


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