Wenn ein Angler eine Reise tut

  • von ct Redaktion
  • 21. September 2010 um 21:21
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Es sollte nach England gehen, dem Mutterland des Angelns. Neben einigen Berichten wollten wir uns an zwei Tagen auch dem Fischen an einem der englischen Commercials stellen. Als Ziel hatten wir uns das wohl beste Commercial der Insel ausgesucht, die Goldvalley Anlage, betrieben von John Raison, dem Vater des zur Zeit wohl besten Anglers der Welt, Will Raison. Uns war die Fischerei in Commercials (englisch für Carpodrom) vollkommen unbekannt, auch hatten wir nicht das Tackle um an solchen Anlagen zu fischen. An dieser Stelle sprangen aber unsere Partner Sensas und Grebenstein / Colmic ein, und versorgten uns mit entsprechenden Ruten. Diese Ruten wussten dann auch im Einsatz voll zu überzeugen und wir möchten Ihnen diese Ruten in den späteren Berichten etwas näher bringen. An dieser Stelle ein DANKESCHÖN an die Firmen Colmic und Sensas (hier besonders an Sven Brehe).

Jetzt aber zurück zur Reise, das Tackle war präpariert und musste nur noch verladen werden, dann konnte es losgehen. Das Bepacken eines Anglerautos in dem zwei Mann ihr Gerät verstauen ist ja meist nicht ganz einfach, aber mit etwas guten Willen und Disziplin nicht dem Tacklewahnsinn zu verfallen, konnten wir diese Hürde meistern – aber sehen sie selbst:



Unsere Reiseroute war grob wie folgt gesetzt Hannover – Niederlande – Belgien – Frankreich – Calais – Dover – England – Aldershot (Farnborough). Die Strecke betrug knappe 870 Kilometer und die reine Fahrzeit lag bei knapp 9 Stunden, wobei die Zeit auf der Fähre zwischen Calais und Dover noch hinzugefügt werden muss. Die A2 mit dem Ruhrgebiet stellte die erste Klippe da, da wir unseren Startpunkt aber auf 9 Uhr morgens gelegt hatte, konnten wir das Ruhrgebiet problemlos passieren und erreichten die Deutsch-Niederländische Grenze nach guten 3 Stunden und 310 Kilometern Fahrt. In den Niederlanden ging es dann an Eindhoven vorbei zur belgischen Grenze. In den Niederlanden gilt auf den Autobahnen eine Geschwindigkeitsbegrenzung von 120km/h und das sollte man auch einhallten, denn die Niederländer sind sehr erfinderisch bei den Geschwindigkeitskontrollen! Nach knappen 80 Kilometern und 45 Minuten Fahrt verlassen wir die Niederlande und die Fahrt geht weiter durch Belgien. Bisher sind keine 4 Stunden Fahrt vergangen und die Angelweisheiten sind uns noch nicht ausgegangen, gut das uns keiner hören kann. Die Fahrt durch Belgien betrug ungefähr 210 Kilometer (Limit von 120km/h), führte uns an den Städten Antwerpen (Achtung Staugefahr), Gent und Brügge vorbei, Richtung Oostende und damit an die französische Küste. Nach 110 Minuten verließen wir Belgien und überquerten die französische Grenze auf einer der wenigen maudfreien Autobahnen (A16) Richtung Calais. Mit einer erlaubten Höchstgeschwindigkeit von 130km/h fuhren wir die 65 Kilometer Richtung Calais um von dort mit der Fähre Richtung Dover überzusetzen. Da wir gut in der Zeit lagen, beschlossen wir in Calais das erste Mal nachzutanken (Benzin ist etwas teurer als in Deutschland) und dann in Calais noch eine Kleinigkeit zu Essen. Nach 6 Stunden fahrt waren wir froh, uns nun etwas die Beine zu vertreten, ein kleinen Snack zu haben und den wunderbaren Ausblick auf den Ärmelkanal und die Klippen der englischen Küste zu genießen. An dieser Stelle der Hinweis, lieber keine Wertsachen im Auto lassen wenn man in Calais parkt.

Das Ticket für die Fähre Calais-Dover haben wir einige Wochen vorher im Internnet gebucht, je früher man bucht, desto günstiger ist der Preis. Bucht man eine Fähre, so wird der Preis noch mal um einiges günstiger (ACHTUNG, verpassen sie diese Fähre, wird ein kräftiger Nachschlag verlangt!). Der Preis für Hin- und Rückfahrt mit einem normalen PKW liegt bei 110€, Fahrzeuge mit einer größeren Höhe zahlen mehr. Die Verbindung wird von zwei Linien bedient, wir empfehlen die Seafrance Linie, da diese etwas günstiger ist.

Die Überfahrt verlief dann relativ problemlos und wir nutzen die 90 Minuten um uns auf dem geräumigen Schiff die Beine zu vertreten und etwas Seeluft zu schnuppern. In England angekommen stand uns jetzt eine der schwierigsten Herausforderungen bevor, es galt jetzt nicht mehr nach den Regeln des Rechtsverkehrs zu fahren, sondern sich typisch britisch links zu halten. Zum Glück hatten wir Jayson dabei, dieser konnte sich schnell seiner ursprünglichen Fahrweise erinnern und brachte uns sicher unserem Ziel entgegen. Nachdem wir den Küstenstreifen verlassen hatten durchfuhren wir die Grafschaft Kent. Diese Landschaft hat uns sehr beeindruckt, war sie doch malerisch schön (ACHTUNG: Urlaubsziel für die werte Frau Gemahlin). Nachdem wir die Grafschaft Kent verlassen hatten, ging es weiter nach Surrey. Ebenfalls sehr schön, doch man spürte hier schon den Einfluss der Metropole London, wurde der Verkehr doch immer dichter. Im Süden von London hielten wir uns dann Richtung Westen und erreichten nach 2 Stunden Fahrt und 106 Meilen Distanz um 21.00 Uhr Aldershot / Farnborough. Die Unterkunft hatten wir auf die Empfehlung der Goldvalley Homepage (www.goldvalleylakes.com) gebucht, es war zwar nicht ganz billig (60 Pfund für ein Zwei/Dreibettzimmer incl. Frühstück), aber dafür dicht an der Anlage und wirklich gemütlich britisch. Da Angeln in England ein Volkssport ist war es auch nicht weiter verwunderlich, dass der Vermieter selbst ein aktiver Angler ist und so Jayson schnell mit ihm ins Gespräch kam. Obwohl ich beruflich auch vielfach in der englischen Sprache kommunizieren muss, konnte ich dieses Kauderwelsch, welches Jayson und der Eigentümer sprachen, nur bruchstückhaft verstehen, aber Jayson Gesichtsausdruck zu folgen war alles super. Wir konnten unser Tackle in der Garage des Hauses deponieren. Die Gegend um Aldershot ist stark durch das britische Militär geprägt, hier werden fast alles Soldaten der britischen Armee ausgebildet. Dementsprechend sollte man in den Kneipen den Ball „flachhalten“ und sich gesittet und höflich benehmen. Wir sind den Kneipen jedoch ferngeblieben und haben die vielfältigen Restaurants besucht. Die Engländer lieben die indische Küche und man findet indische Restaurants an vielen Ecken. Hat man sich nun für eines dieser Restaurants entschlossen, dann unsere Warnung an Sie, die indische Küche ist für ihr „scharfes Essen“ bekannt und dies kann für einen deutschen Magen schwer verdaubar sein, seien sie also vorsichtig beim dem was Sie Ordern. Die Preise für das Essen unterscheiden sich nicht großartig von denen in deutschen Metropolen. Entschließt man sich für Fisch und Chips, (traditionell britisch) dann wird es etwas fettiger, dafür aber auch etwas günstiger. Ein guten Kompromiss zwischen gutem Essen und annehmbaren Preisen bieten die italienischen Restaurants, welche man ebenfalls oft findet.

 Will Raison und Dave Johnson
Auf Besichtigungstour mit Will Raison und Dave Johnson

Am Donnerstag Morgen ging es dann an die Goldvalley Anlage, dort erwarteten uns Will Raison sowie unser Freund Dave von Matchangler.com. Nach einer kurzen Begrüßung ging es in den Tackleshop der Anlage, hier hatte der wahrscheinlich weltbeste Angler noch ein paar Aufgaben zum Ablauf des täglichen Betriebes der Anlage zu erledigen. Währenddessen schauten wir uns im Laden um und hielten etwas Smalltalk. Wir kamen auf die Entwicklung im Bereich der Commercials und Will erzählte uns, das die Commercials wie Pilze aus dem Boden schießen und das sein Kollege und Teamcaptain Steve Saunders in einem Umkreis von 50 Kilometern 30 Commercials zum Befischen hat und diese Zahl weiter steigt. Da die Anzahl der Angler auch in England eine Grenze hat, war allen Gesprächsteilnehmern klar, dass diese Entwicklung nicht gut enden konnte und sich die Angler immer mehr aufsplitten werden und so über kurz oder lang einige Anlagen schließen würden uns diese Entwicklung negatives Potential für das Fischen in England hat. Während unseres Aufenthaltes im Shop konnten wir aber keine Probleme für die Goldvalley Anlage feststellen. Hier gab es einen festen Strom an Besuchern, die neben Tagestickets auch Köder und Zubehör kauften. Der Shop ist sehr gut sortiert und bietet für jeden Besucher der Goldvalley Anlage alles was das Herz begehrt, man muss lediglich seine eigene Kopfrute und Sitzkiepe mitbringen, den Rest gibt es im Shop. Köder sind nicht ganz billig, dürfen aber auch mitgebracht werden. Das Tackle selber hat teilweise sehr günstige Preise, ein Blick lohnt sich auf jeden Fall.

Das Klubhaus und der Tackleshop
Vorne das Klubhaus, hinten der Tackleshop

Nachdem Will seine Aufgaben im Shop erledigt hatte und seine Ablösung erschienen war, machten wir uns auf zu einen kleinen Rundgang durch die Goldvalley Anlage. Will erklärte uns die Teiche und deren Besatz. Wir möchten Sie zu einem kleinen virtuellen Rundgang einladen. Nachdem betreten der Anlage (Achtung: nur mit Tageskarte), schlugen wir den linken Weg ein und gingen die Teiche im Uhrzeigersinn ab.

Die Teichanlage in einer schematischen Übersicht
Die Teichanlage in einer schematischen Übersicht

Zur linken Hand liegt der Bungalowlake, benannt nach dem Wohnhaus auf der Anlage, welches immer noch bewohnt wird! Der See ist einer der kleineren, aber dafür relativ tiefen Seen (1,8m), der See wird kaum beangelt, weißt aber einen guten Bestand an Karpfen auf. Besonders im Winter zeigt dieser See gute Ergebnisse und wird dann auch gerne befischt. Dem Weg folgend geht es weiter in Richtung Syndicate Lake, dieser See wird oftmals dazu genutzt, ihn an Vereine/Clubs tagesweise zu vermieten. Der See ist ähnlich tief wieder Bungalow Lake, jedoch etwas grösser. Der See weißt einen guten Bestand an Karpfen und Weißfischen (Silverfishes) auf. Der Syndicate Lake verfügt über keine zusätzlichen Features wie eine Insel und ist sehr fair. Insgesamt ist der See sehr beliebt und wird gerne genutzt. Wir folgen dem Weg und kommen nun auf eine kleine Perle, dem Bat Lake zu.

Die Perle der Anlage - der Bat Lake
Eine Perle der Anlage - der Bat Lake

Der Bat Lake liegt da wie eine kleine Märchenwelt, ist er doch dicht bewachsen, sehr flach und weißt dazu noch unzählige Merkmale wie grosse Büsche und Inseln auf. Dieser See ist wunderbar mit der leichten Matchrute zu beangeln. Weiter geht es auf unserem Weg und wir kommen zum Middle Lake. Der Middle Lake ist einer der grösseren Seen, aber auch einer der flachsten der Anlage. Der See hat einige Features zu bieten, diese sind vor allem Inseln. Diese Features lohnen immer einen Versuch und sind gerade beim ungezwungenen Angeln immer einen Versuch wert. Der Middle Lake hat einen sehr guten Bestand an Karpfen, Brassen und Barschen. Gerade im Winter werden die Matches mit Barschen gewonnen. Am Ende des Rundgangs liegt aber die wahre Perle der Anlage, der Gold Lake. Der Gold Lake ist für viele Angler das beste Silverfish Gewässer in Südengland, dementsprechend begehrt ist es dort zu fischen. Der Gold Lake ist der Grösste und auch einer der tiefsten Seen der Anlage, bietet wenig Features und ist damit sehr fair. Auch bei Ansitzkarpfenanglern ist dieser See sehr beliebt und wird auch Nachts gernr befischt. Der Rekordkarpfen in diesem See liegt bei 35 Pfund!

Der Middle Lake
Der Middle Lake

Noch ein paar Worte zu den Gegebenheiten vor Ort. Aus rechtlicher Sicht ist es notwendig eine staatliche Berechtigung zum Fischen an britischen Gewässern zu erwerben, diese ist ähnlich unseres Bundesfischereischeins und kostet 10 Pfund im Jahr. Diese Berechtigungen sind an jeder Postfiliale oder auch in ausgesuchten Geschäften zu erwerben, natürlich auch im Shop der Goldvalley Anlage. Dazu benötigen Sie noch Tagestickets, diese Kosten 10 Pfund für ein Rute, ein Tagesticket für 2 Ruten kostet 16 Pfund. Die Tckets gelten von circa 9 Uhr bis 20 Uhr, ab 20 Uhr wird die Anlage geschlossen und man muss sie verlassen. ES SEI DENN, man löst ein 24 Stunden Ticket und möchte über Nacht Fischen, dann kostet die Karte 35 Pfund für zwei Ruten. Dieses Angebot wird vorallem von Karpfenanglern angenommen, aber auch für uns Matchangler gibt es noch ein besonderes Angebot. Es gibt das sogenanntes Evening Tickt für 6 Pfund, dieses gilt von 15 bis 20 Uhr. Für zwei Ruten zahlt man in dieser Variante 10 Pfund.

Der Gold Lake - der berühmteste See der Anlage
Der Gold Lake - der berühmteste See der Anlage

Auf der Goldvalley Anlage gibt es das sogenannte Pleasure Angeln, hierbei handelt es sich um ein „Spaßangeln“ und man darf sich an allen freigegeben Teichen hinsetzen wo man möchte. Welche Teiche frei sind, das muss man im Shop oder auf der Internetseite erfragen.

Ein \"Gute Laune\" Pleasure Angler
Ein "Gute Laune" Pleasure Angler

Beim Pleasure Angeln gibt es einige Punkte die zu beachten sind:

  • Keine Setzkescher
  • Köder (Maden, Pinkis, Caster, Wurm, Mücken, Pellet, Mais)
  • Es darf kein Müll hinterlassen werden
  • Es darf nur auf den ausgewiesenen Plätzen gefischt werden
  • Es darf nicht mit festen Bleien gefischt werden
  • Es dürfen NATÜRLICH keine Fische getötet werden
  • Es dürfen nur widerhakenlose Haken verwendet werden

Das Pleasureangeln ist bei den Briten sehr beliebt, hat man doch die Möglichkeit auf dem richtigen Platz mit geringen Einsatz an Ködern über zweihundert Pfund Fisch fangen.

Dann gibt es da noch die Regeln für die Matches – diese finden an fast jedem Wochentag (bis auf Dienstag und Donnerstag) statt. Bei den Matches gelten folgende Reglen:

  • Karpfen und Weißfische müssen in getrennten Setzkeschern gehalten werden
  • Nicht mehr als 80 Pfund Fische in einem Setzkescher halten
  • Nur eine Rute ist zu nutzen (Pole-, Match- oder Feederrute)
  • Nur natürliche Köder sind erlaubt – KEINE Pellets
  • Nur Breadcrumb als Futterzusatz
  • Es dürfen nur widerhakenlose Haken verwendet werden
  • Die Fische nicht mit Handtüchern halten
  • Nur Laufbleimontagen (Keine Schlaufenmontage beim Feeder)

Die Regeln der Goldvalley Anlage
Die Regeln der Goldvalley Anlage

Auf der Goldvalley Anlage gibt es ein schönes Cafe. Die Anlage ist sehr gepflegt und die Toiletten sind sehr sauber. Die Leute sind locker und freuen sich Angler aus Deutschland zu sehen, auch wenn sie uns nicht wirklich ernst nehmen.

Was hat uns der Spaß jetzt eigentlich unterm Strich gekostet:

  • Sprit für 1700 Km
  • Fähre 110 Pfund
  • Übernachtung 60 Pfund pro Doppelzimmer
  • Tagestickets 10 Pfund pro Tag
  • Fischereischein 10 Pfund
  • Köder

Alles in allem ist der Preis annehmbar und man liegt nicht weit von einem Preis entfernt den man zahlt, wenn man an einem Fischen am Sacrow Paretzer oder Silokanal teilnimmt – dies sind übrigens Gewässer um die uns die Briten beneiden. Als Gegenleistung erhält man ein besonderes Erlebnis im Mutterland des Angelns.

Sollten Sie weitere Fragen zu einer Reise zur Goldvalley Anlage haben, dann kontaktieren Sie und unter:
champions-team@gmx.de

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