Bream Dream in Abbendorf mit Jens Koschnick

  • von Jens Koschnick
  • 03. Juni 2015 um 09:00
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Jens Koschnick ist dieses Jahr einer der erfolgreichsten Angler am Gnevsdorfer Vorfluter und wird uns einen Einblick in seine Köder- und Futterstrategie geben, sowie sein Tackle erläutern. Beim Anglertreff Feeder im April konnte Jens sich mit zwei vierten Plätzen im Sektor auf Platz 20 in der Einzelwertung bringen. Ein guter Erfolg, wenn man bedenkt, dass über 180 Angler dort mitgefischt haben. Doch der ganz große Erfolg kam jetzt im Mai mit drei ersten Plätzen im Sektor beim Grand National Feeder Cup, der von Kurt Kricke über drei Tage ausgerichtet wurde. Mit der Idealplatzziffer „3“ und über 126 Kilogramm gefangenen Fisch hat Jens ein wahres Traumergebnis erzielt und alle anderen 107 Teilnehmer aus Holland und Deutschland hinter sich gelassen. Mit welchem Gerät er am Gnevsdorfer Vorfluter erfolgreich war, welche Montagen und Köder er verwendete und welche Futterstrategien er verfolgte, verrät er uns in einer kurzen Zusammenstellung.

Das Gewässer

Der Gnevsdorfer Vorfluter ist ein künstlich angelegter Flussabschnitt/Kanal, der zwischen der Havel und der Elbe liegt. Überschüssiges Havelwasser wird über den Vorfluter kontrolliert über Wehre in die Elbe eingeleitet. Demnach können die Strömung und der Wasserstand stark variieren. Während beim Anglertreff Feeder 2014 noch Futterkörbe von 100-120g von Nöten waren, reichten bei dem diesjährigen Anglertreff Gewichte von 60-80g vollkommen aus. Zielfisch Nummer 1 ist der Bresen. Seine Population in diesem Gewässerabschnitt ist überaus dominant. Große Alande, Güster und Rotaugen sind ebenfalls Fischarten, die beim dortigen Feedern häufig an den Haken gehen.  Landschaftlich atemberaubend schön gelegen, lädt der Vorfluter geradezu ein, traumhafte Stunden am Wasser zu verbringen.

Das Gewässer

Mein Setup für den Gnevsdorfer Vorfluter:

Die Ruten

Ich liebe das Angeln mit leichten filigranen Ruten! Ich versuche stets die Rutenwahl so leicht wie möglich und so schwer wie nötig zu treffen. Für mich bringt das einige Vorteile mit sich. Die weicheren Rutenaktionen reduzieren meine Fischverluste erheblich und erlauben mir, die Drillzeiten des Fisches auf ein Minimum zu reduzieren. Eine weiche Aktion ermöglicht das sicherste und schnellste druckvolle Drillen. Zudem bin ich dann in der Lage, bei schlechtem Beissverhalten meine Vorfachschnüre und Hakengrößen ohne schlechtes Gefühl herunter setzen zu können. Für die mittleren Entfernungen in Abbendorf, das sind so 30-40m, empfehle ich eine 3,90m Rute mit einer gefühlvollen Aktion. Für diese Situationen verwende ich die 3,90m Sphere in 80g Wurfgewicht.

Erste Wahl ist die Browning Sphere Feeder M in 3,90

Sollten Gewichte über 80g auf diesen Entfernungen nötig sein, bin ich natürlich gezwungen entweder stärkere 3,90m Ruten zu verwenden (3,90m Sphere MH), oder aber direkt ein 4,20m langes Rutenmodell zu fischen. Die längeren Angelentfernungen in Abbendorf liegen zwischen 50 und 65m. Auf diesen Bahnen fische ich ausschließlich 4,20m Ruten. Auch hier gilt, sofern die Strömung und die Windverhältnisse es zulassen, möglichst feinfühlige Ruten zu verwenden. Für diese Angelentfernungen fischte ich während beiden Angelevents die Sphere 4,20m MH und die Black Viper MK14S aus dem Browning Programm. Bei den zu verwendenden Spitzen scheiden sich oft die Geister. Ich habe beim Grand Nation Feeder Cup, sowie beim DSAV Feedertreff auf beiden Distanzen ausschließlich 2oz und 2,5oz Spitzen verwendet.

Die Rollen

Auf meinen 3,90m Ruten verwende ich 4000er Rollen. Wichtig ist mir dabei eine gute Kraftübertragung der Rolle, so dass ich ein ermüdungsfreies Einkurbeln, aber auch ein gefühlvollen Kontakt zum Fisch habe. Ebenso muss ich mich auf eine saubere Schnurverlegung und einen schnurschonenden, festen Lineclip verlassen können. Das sind für mich unumgängliche Hauptkriterien einer Feederrolle. Ob die Kurbel jetzt 100cm oder nur 85cm einzieht, ist mir dabei egal. Auf dem Bild ist ein Prototyp von Browning für die Saison 2016 zu sehen, der genau diesen Ansprüchen gerecht wird. Bei den 4,20m Ruten setze ich auf gleiche Rollenkriterien, allerdings in einer 6000er Rollengröße. Auf den Bildern ist die Black Magic FD zu sehen.

Die Black Magic FD Auch bei großen Veranstaltungen werden neue Produkte getestet

Die Schnüre

Bei moderaten Strömungsverhältnissen (bis 80g) fische ich fast ausschließlich geflochtene Schnüre. Ich habe dann eine frühere Bisserkennung und eine schnellere Reaktionszeit beim Biss. Als Schlagschnur verwende ich eine 0,26er Monofile (Cenex Plummet Method Line). Ungefähr 10m binde ich mit einem Albright Knoten vor meine 10er Geflochtene Schnur. Diese Monofile muss hohen Ansprüchen gerecht werden, denn sie gibt dem Fisch neben der Rutenaktion die einzige Dehnung im Drill.

Dank meiner weichen Rute kann ich auch Gewichte bis 70, 80g mit einer 0,26er Schnlagschnur sicher werfen. Ein weiterer Vorteil. Bei Gewichten über 80g verwende ich gerne eine 0,24er monofile Hauptschnur mit einer 30er Monofilen Schlagschnur. Da die monofile Schnur eine deutlich glattere Oberfläche besitzt, bietet sie weniger Angriffsfläche in der Strömung. Dadurch kann ich mit leichteren Körben fischen.

Die Montage

Seit einigen Jahren verwende ich fast ausschließlich das Free Running System. Dies ist die Montage, die auf internationaler Ebene nach CIPS allein zugelassen ist. Der Anglertreff Feeder orientiert sich ebenfalls an den Reglungen der CIPS. Somit wird die Durchlaufmontage also zum „Muss“. Der Sinn dahinter ist einfach zu erklären. Beim Schnurriss im Drill zum Beispiel muss der Fisch die Möglichkeit haben, sich vom Bleigewicht befreien zu können. Dies ist allein bei der Durchlaufmontage gewährleistet. Doch das ist für mich nicht der einzige Grund, eine Durchlaufmontage zu verwenden. Ich bin zu 100% davon überzeugt, dass die Bissanzeige bei der von mir verwendeten Montage 1:1 auf meine Spitze übertragen wird. Zudem ist sie noch einfacher zu montieren wie die konventionelle Schlaufenmontage. Frei nach dem Motto: „Leichter geht’s nicht“, wird dieses Rig auch 2016 von Browning auf den Markt gebracht. In Abbendorf hat mir die Montage in beiden Veranstaltungen zuverlässig zugearbeitet!

Die Montage

Die Körbe

Ich verwende gerne Krallenkörbe. Die Krallen erlauben mir mit einem leichteren Bleigewicht fischen zu können. Da die meisten Stellen am Gnevsdorfer Vorfluter sandigen Boden aufweisen, ist die Verwendung von Krallenkörben unproblematisch.

Krallenkorb 1 Krallenkorb 2 Krallenkorb 3

Die Haken

Ich benutze seit einiger Zeit fast ausschließlich fertig gebundene Haken von Mustad an einem Browning Cenex Monofil. Für viele Angler ist das ein NO GO, das ich nicht immer ganz nachvollziehen kann. Zwei Hakenmodelle reichten mir in Abbendorf zur Auswahl. Einmal ein sehr dick drahtiger stabiler Haken für massives Fischaufkommen und ein dünn drahtigerer Haken für sensibleres Beissverhalten. Beide Modelle habe ich in einer Größe zwischen 16 und 12 gefischt. Immer, wenn Fressneid auf meinem Futterplatz aufkam, nahmen die Fische den Köder bedenkenlos. Das konnte man wunderbar an den Bissen feststellen. War dies der Fall, wechselte ich sofort auf einen 12er „Big Fish“-Haken. Wurden die Bisse verhaltener, oder haben die Fische den Köder nur noch kurz angesaugt, wechselte ich wieder auf einen 14er „Master“ (gebunden beide Modelle von Browning) zurück. Haken inklusive Vorfachmaterial ist natürlich eine enorme Vertrauenssache. Gerade aus diesem Grund binden viele Angler sich auch ihre Haken selber. Ich habe mittlerweile ein großes Vertrauen zu den Fertighaken und kann die Zeit, die ich früher zum Binden meiner Haken gebraucht habe, jetzt am Wasser verbringen.

Die Rutenablage

Eine stabile Rutenablage ist beim Angeln in der Strömung unabdingbar. Wichtig ist aus meiner Sicht, dass man sie weit nach oben einstellen kann. Das hat den Vorteil, dass man viel Schnur aus dem Strömungsdruck herausnehmen kann. Wie auf den Bildern zu sehen ist, stelle ich die Rute recht weit nach oben. Als Rutenablage dient mir eine mit weichem Schaumstoff bezogene, breite Rutenablage. Sie ist schonend für den Rutenblank und ermöglicht mir eine kurzfristige Veränderung des Rutenwinkels.

Die Rutenablage Die Rutenablage

Die Köder

Den besten Köder könnte ich aus allen fünf in Abbendorf gefischten Angeldurchgängen gar nicht benennen. Vielmehr ist die regelmäßige Variation des Köders wichtig gewesen. Zwei gute Köderkombinationen sind auf den Bildern abgebildet. Hier galt gleiches Vorgehen wie beim Hakenwechsel. Waren die Fische zu mehreren am Platz und entstand Fressneid, dann konnten durchaus große Würmer angeködert werden. Wurden die Bisse heikel, waren Maden und Caster deutlich besser am Haken.

Würmer im Futter und am Haken sind ein Muss Beißen die Fische heikel ist ein Maden/Caster Mix angesagt

Das Futter

Hier möchte ich nochmal kurz ein paar deutliche Worte finden. Ich bin gar kein Fan von irgendwelchen geheimen Mischungen und Wundermitteln. Das Futter muss allein seinen Zweck erfüllen und die von mir mit in den Korb gegebenen Köder zum richtigen Zeitpunkt freigeben. Ich möchte gar nicht wissen, wie viele Angler ihr Leben damit verbringen, ein Wundermittel zu suchen, um erfolgreich zu sein. Dabei wird das Angeln oft vergessen. Diese investierte Zeit sollte man lieber damit verbringen, seinen Wurfstil zu verbessern, seine Bissausbeute zu erhöhen oder das Gerät zu optimieren. Ich kann das beste Futter der Welt auf die falsche Entfernung legen und bekomme keinen Biss. Einige der besten englischen und irischen Angler benutzen zum Feedern ausschließlich braunes Brotmehl. Und keiner wird’s glauben... die fangen Fische...

Für mich geht Futterphysik immer vor Futterchemie!

  • Wichtig ist die Struktur des Futters (grob/fein) unter Berücksichtigung der zu fangenden Fischart und Fischgröße.
  • Wichtig ist die Futterkonsistenz unter Berücksichtigung der Strömungsverhältnisse und Gewässertiefe (Auflösezeitpunkt).
  • Wichtig ist die Futterfarbe unter Berücksichtigung des Gewässergrundes und der Gegebenheiten des Wassers.

Ob ich jetzt 10% von dem Lockstoff, oder 10% von dem Lockstoff im Futter habe, ist aus meiner Sicht absolut zu vernachlässigen.

Ich denke mit einem Futter mittlerer Körnung in bräunlich/gelber Färbung liegt man in Abbendorf genau richtig. Da das Gewässer mit ca. 3-4m nicht sehr tief ist, reicht eine mittlere Bindung des Futters vollkommen aus. Ich verwende für solche Situationen das Spicy Thunder aus der Dutch Danger Serie von Browning.

   Spicy Thunder aus der Dutch Danger Serie von Browning
   
  

Die Taktik

Die wichtigste Frage vorm Angelbeginn lautet immer: Welche Entfernung fische ich hier heute? Zugegeben nicht auf jedem Platz immer eine ganz leichte Frage. Wichtig ist, in jedem Fall einen sauberen Gewässergrund ausfindig zu machen. Oft muss man den Köder etwas über den Grund ziehen, um Bisse zu bekommen. Wenn man auf einem unsauberen Boden liegt, hat man schnell Dreck am Haken und die Bisse bleiben ganz aus. Generell kann ich aber sagen, man hat in dem Bereich von 30m bis 45m oft den besten Boden zum Fischen dort.

Meine Taktik war es einfach, einen Korb auf 50m einzuwerfen und ihn Meter für Meter heran zu ziehen. An den Stellen, an denen der Korb ganz leicht über den Boden glitt, habe ich den Schnurclip reingemacht und später an meinen Ablängstangen abgelängt. So wusste ich immer genau, auf wieviel Metern ich mich mit meinem Futterplatz befinde.

Zu Beginn eines jeden Durchgangs habe ich fünf Körbe mit Castern und ganz klein geschnittenen Würmern angefüttert. Wichtig dabei ist es, den Korb nicht zu schnell wieder aus dem Wasser zu holen. Das ist etwas, was ich bei vielen Anglern beobachte. Bei einigen wird sich nach der Anfütterungsphase kaum Material auf dem Angelplatzlatz befinden, weil sie dem Futter zu wenig Zeit geben, sich aus dem Korb lösen zu können. Ich warte 30-40 Sekunden, bevor ich den Korb am Gewässergrund leerschlage. Am Angelbeginn fischte ich die stabileren Big Fish Haken in Größe 12, weil die Standfische aus der Erfahrung heraus den Köder bedenkenlos aufnehmen. Ließen die Bisse nach, wechselte ich sofort wieder auf einen kleineren Haken und verkürzte meinen Rhythmus, um die Fische wieder auf meinen Platz aufmerksam zu machen. Diese Taktik hat super funktioniert und brachte mir den einen oder anderen Bonusfisch.

Rute krumm... ... nächster Brassen eingenetzt
Wieder ein guter Fisch!

Die letzte Stunde habe ich dann meinen Lebendköderanteil im Futter erhöht, um die Fische nochmals zu aktivieren. Oft war dieser zusätzliche Schub nochmal positiv und es kehrten wieder Fische an meinen Futterplatz zurück. Die Vorfachlänge konnte auch nochmal ein paar Bisse ausmachen. Je später das Angeln voranschritt, desto weiter stellten sich die Fische hinter die Futterspur. Mit einem langen Vorfach gelangte man in genau diese Zonen hinein.

Makellose Fische gibt es in Abbendorf Und am Ende ein gut gefülltes Netz

Ich hoffe ich konnte Euch meine Herangehensweise etwas verdeutlichen und meine Materialauswahl verständlich begründen. Letztendlich bleibt es wie immer jedem selbst überlassen, womit er gut klar kommt. Oft ist das dann auch die beste Wahl für einen selber. Trotzdem hoffe ich, vielleicht einige Denkanstöße vermittelt zu haben, die Euch in Zukunft etwas weiterhelfen können.

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