Der Weg zum Frühjahrskarpfen mit Eric Carstensen

  • von Eric Carstensen
  • 06. Mai 2015 um 08:00
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Jetzt wo die ersten wärmeren Tage des Jahres ins Land ziehen und den Winter in Vergessenheit geraten lassen, ist es höchste Zeit sein Tackle aus dem Keller zu holen. Denn mit den steigenden Temperaturen kommen auch unsere heiß geliebten Flossenträger aus ihrem Winterquartier. Doch zu viel sollte man noch nicht erwarten. Das Wasser ist weiterhin ziemlich kalt und Rekordfänge stehen momentan noch unter keinem guten Stern. Jedoch lässt es sich im Sonnenschein, mit Wasser vor den Füßen und einer Rute in der Hand sehr gut aushalten. Auch wenn es noch sehr verhalten beißt, sollen die wenigen Drills des Tages möglichst spannend und ausdauernd sein. Deswegen entscheide ich mich zu dieser Jahreszeit ein paar große Fische mit der Pole zu fangen. Karpfen sind hier das Stichwort. Sie ziehen den Elastic bis an die Grenze des Möglichen und das Gefühl beim Bändigen dieser kampfstarken Fische ist einfach genial. Doch bevor der Angler stolz seine Beute in den Maschen des Keschers wiederfinden kann, gilt es ein paar grundsätzliche Dinge zu beachten.

Die Wahl des Gewässers

Das Gewässer

Das Wichtigste bei der Wahl des Gewässers ist der Bestand an fangfähigen Karpfen. Gewässer mit einem schlechten Bestand sollten gemieden werden, da die Chancen einen Fisch an die Kopfrute zu bekommen, logischerweise stark vermindert sind. Teiche oder kleine Seen, von denen bekannt ist, dass sie über Bereiche verfügen die deutlich flacher sind als der Rest des Gewässers, sind perfekt. Bei dieser Art des Gewässers finden sich zwei entscheidende Vorteile. Der erste ist die Flachwasserzone. Hier sammeln sich die Fische über den Tag, da die Wassertemperatur in diesem Bereich meist schon ein paar Grad höher ist als im Rest des Sees. Der zweite Vorteil ist die Größe des Reviers. Es ist sehr überschaubar und die Karpfen zu finden erweist sich nicht als unlösbare Aufgabe. Ebenso finden die Karpfen beim umherziehen natürlich auch sehr viel schneller den Futterplatz. Der Uferbewuchs spielt zusätzlich eine Rolle bei der Wahl des Angelplatzes. Angelplätze die sehr stark durch Bäume und Sträucher eingeschränkt sind, gilt es zu umgehen. Der Drill wird erheblich erschwert, wenn zusätzlich darauf geachtet werden muss, nicht mit dem Kit in irgendein Hindernis zu geraten. 

Das Gewässer

Die eigene Grundeinstellung

Wer nun die passende Location für seinen Ansitz gefunden hat und denkt, dass es sofort mit Fische fangen los geht der wird an dieser Stelle leider enttäuscht. Den Köder ins Wasser zu halten und davon auszugehen, dass in den nächsten 5 Minuten der erste Karpfen im Drill ist, ist leider sehr realitätsfremd. Sicher kommt es vor das ein Fisch nach kurzer Zeit den Weg in den Kescher findet, was jedoch in der Regel nicht der Fall ist. Das soll nicht heißen, dass man den Kopf schon vor dem Angeln in den Sand stecken sollte. Ganz im Gegenteil! Es gilt immer Vertrauen zu waren, vor allem in das eigene Handeln. Andernfalls sieht es mit dem gewünschten Erfolg sehr negativ aus. Es sei also gesagt, dass sich die Karpfen meist einige Zeit nehmen bevor sie den Spot erreichen und anfangen zu Fressen. Für diejenigen Leute unter uns, welche unbedingt dierekte Aktion beim Angeln brauchen, ist diese Angelei weniger zu empfehlen. Des Weitern muss der Angler, trotz der langen Wartezeit, sehr konzentriert sein. Oft ist es so, dass lange Zeit absolut nichts passiert und auf einmal, wie aus dem nichts, geht die Pose doch unter. Wer jetzt nicht schnell reagiert, der hat den Kampf verloren bevor er überhaupt angefangen hat. Die Karpfen fressen sehr vorsichtig und nehmen die Köder oft nur kurz ins Maul bevor sie ihn wieder fallen lassen. Dies liegt an den Temperaturen des Wassers. Es ist noch nicht warm genug um in einen Fressrausch zu fallen. Sitzfleisch mitbringen, konzentriert sein und nie den glauben an einen Fisch verlieren sind ein weiterer Schritt zum langen Gummizug.

Konzentration ist wichtig

Das Gerät

Eigentlich braucht es nicht viel um erfolgreich Karpfen zu fangen. Wichtig ist eine stabile Rute, welche vielleicht auch mal den einen oder anderen Fehler des Anglers beim Drillen verzeiht, ohne zu brechen. Außerdem ist eine Pole Bar sehr empfehlenswert, um die Kopfrute vor sich abzulegen. Eine ausreichend große Seitenablage ist ebenfalls von Vorteil, damit alles möglichst sortiert und ordentlich in Giffweite liegt. Oftmals unterschätzt, aber von sehr großer Bedeutung ist ein großes Keschernetz. Es gibt nichts schlimmeres, als wenn der Fisch nach mehrfachen Landungsversuchen immer noch nicht in den Maschen liegt, weil das Netz keine ausreichende Größe hat. Möglicherweise entkommt der Fisch und der Ärger ist doppelt groß. Schnurstärken von 0,16-0,18mm sind in der Regel ausreichend. Das Vorfach sollte 0,14-0,16mm stark sein. Bei den Gummizügen empfiehlt es sich die so genannten Hollow Elastics zu verwenden. Größen von ca. 2mm sind hier genau die richtige Wahl. Sie bieten dem Angler die Möglichkeit, den Fisch ohne zu viel Druck vom Futterplatz zu navigieren. Denn meist kommen die Karpfen in kleinen Trupps auf der Suche nach Futter. Wenn dann ein gehakter Fisch, völlig wild, den Futterplatz durchpflügt, flüchtet der Rest oft ins Weite. Je weiter der Gummi gedehnt wird, desto größer wird der Druck auf den Fisch und die Hollow Elastics fangen an zu arbeiten. Sie bremsen die Fluchten fantastisch ab und ermüden den Fisch auf wirkungsvolle Weise.

Ein großes Keschernetz ist von großer Bedeutung Hollow Elastics sind die bessere Wahl

Die Pose sollte eine geringe Tragkraft haben. Auch wenn es um große Fische geht, die mit verhältnismäßig großen Ködern beangelt werden ist es ratsam keine Schwimmer von mehr als 1g. Tragkraft zu verwenden. Die Fische beißen sehr spitz, was ein sehr sensibles Angeln bedeutet. Außerdem werden die Köder 3-5cm aufliegend angeboten. Die Pose kann also nicht durch das Gewicht des Köders untergehen. Beim Hakenmodel sind dem Angler keine Grenzen gesetzt, jedoch sollte das gewählte Model stark sein. Lieber gibt man an dieser Stelle mal einen Euro mehr aus. Es ist extrem ärgerlich wenn der fischige Gegner durch einen aufgebogenen oder gebrochenen Haken das Weite suchen kann. Die Hakengröße lässt sich einfach bestimmen. Der Haken sollte so klein wie möglich sein, da die Fische wirklich noch sehr misstrauisch sind, jedoch so groß, dass die angebotenen Köder optimal präsentiert werden können. Angst vorm ausschlitzen des Karpfens braucht man nicht zu haben. Wenn der Fisch sauber im vorderen Maulbereich gehakt ist, sitzt der Haken sprichwörtlich bombenfest.

Die Köder und das Futter

Ordnung ist das halbe Leben

So ziemlich jeder Angler denkt an Boilies und Pellets wenn er das Wort Karpfen hört. Dies ist nicht verwunderlich. Schließlich gibt es sie in einer riesen Auswahl. Jede nur erdenkliche Form, Farbe oder Geschmacksrichtung ist inzwischen im Fachmarkt erhältlich. Doch „old school“ Köder wie Mais, Maden (tote und lebendige) und Würmer fangen auch ihre Fische. Grade in den kleinen Seen und Teichen in denen die modernen Karpfenangler noch nicht tonnenweise Boilies verfüttert haben, funktionieren der Klassiker hervorragend. Das Beste an ihnen aber ist, sie kosten kaum Geld. Beim Futter kann jeder nehmen was er für richtig hält. Sorten mit einer mittleren bis groben Struktur haben sich in der Vergangenheit als besser erwiesen. Wichtig ist, dass das Vertrauen gegenüber dem Futter gegeben ist. Es schadet nicht dem Futter gequollenen Weizen und Hanf hinzu zu fügen. Die Sämereien haben auf die Fische eine abführende Wirkung. Ein großer Vorteil, denn viel Nahrung nehmen die Fische noch nicht auf.

Eine Futterstrategie die selten ihr Ziel verfehlt ist der Futterteppich mit den Ködern im Zentrum. Dazu werden ca. 15 Bälle Futter mit sehr wenig Ködern um die Spitze der Rute geworfen. Der Futterteppich, der so am Gewässergrund entsteht, sollte ca. 1m2 groß sein. Nun werden dem Futter reichlich Mais, geschnittene Würmer und Maden (sowohl tote als auch lebende) hinzu gegeben. Mit Hilfe des Pole Cups werden nun ca. 8-10 Futterbälle in das Zentrum des Teppichs gecuppt.

Wenn die Strategie aufgeht kommen die Karpfen von außen an den Futterplatz und fangen an die wenigen Köder auf dem Futterteppich aufzusaugen. Dann merken sie, dass es einen Platz gibt wo sie nicht lange suchen müssen, um Nahrung zu finden. Natürlich ist hier das Zentrum mit den Ködern gemeint. Wenn alles gut geht nimmt der Karpfen den Hakenköder, der genau an dieser Stelle angeboten werden muss.

Köder-Dips, die kleinen Helfer

Richtig Gedrillt ist halb gewonnen

Nachdem die Pose auf Tauchstation gegangen ist und der Angler den Anhieb gesetzt hat gilt es Ruhe zu bewahren. Der Fisch bleibt meistens unten am Grund stehen. Die erste Aufgabe die der Angler nun hat, ist den Fisch vom Futterplatz zu lotsen, ohne das dieser komplett durchdreht. Die anderen Fische am Platz sollen ja weiter Fressen und nicht vor Schreck das Weite suchen. Am besten lässt man die Rute aufgesteckt und versucht mit wenig Druck den Fisch langsam zur Seite zu führen. Wenn dieser dann weit genug vom Angelplatz entfernt ist kann der Druck erhöht werden. Oftmals merkt der fischige Freund nun, dass irgendwas ganz und gar nicht stimmt. Die Kraft die der Fisch nun entwickelt ist eindrucksvoll. Die Rute sollte beim Drill immer in Richtung Wasseroberfläche zeigen und ein gewisser Winkel zwischen Fisch und Rute muss eingehalten werden. Wenn der Winkel zu sehr gegen Null geht, passiert es schnell das sich das Kit von allein Absteckt und der Fisch mit Schnur und Kit durch den See schwimmt. Nicht nur ärgerlich sondern auch teuer. Ist der Fisch in den Uferbereich gebracht und die Rute abgesteckt, wird er über die Seite gedrillt. Sinn und Zweck das Kit flach und seitlich an sich vorbei zu führen und erst dann nach oben zu richten, ist das der Fisch nicht schon weit draußen an die Oberfläche kommen soll. Wenn er erstmal Tageslicht sieht gibt er noch einmal alles um zu flüchten. Ab und zu ist ein entkommen des Fisches an dieser Stelle nicht zu vermeiden. Bei der Methode über die Seite kommt der Fisch erst im Bereich des Keschers nach oben. Mit etwas Übung ist er im Netz bevor er noch einmal so richtig Gas geben kann.

Nach dem Anhieb muss der Fisch langsam vom Futterplatz gebracht werden

Chancen zusätzlich verbessern

Mit den gegebenen Ratschlägen lassen sich sicher die ersten Frühjahrskarpfen zum Landgang überreden. Wer möchte kann seine Chancen, auf einen Karpfen, aber zusätzlich steigern. Vorfüttern ist immer eine gute Idee, um den Fischen die richtige Richtung zum Futterplatz zu zeigen. Dabei langt es 1-2 Tage die Stelle, an der geangelt werden soll, im Vorfeld aufzusuchen und schon mal ein paar Futterbälle in den Teich zu werfen. Ein weiterer Trick seine Fangaussicht zu verbessern sind Köder Dips. Da sich die Köder am Haken nicht von denen im Futter unterscheiden bringen anders riechende Köder meist den gewünschten Erfolg. Ob nun ekelhaft stinkend oder verführerisch duftend ist dem Angler überlassen. Es gibt Gewässer da funktionieren süße Dinge gut und wieder andere wo die Stinker ihre Erfolge feiern. Probieren geht da über Studieren. Last but not least ist es wichtig den Aufbau der Gerätschafften möglichst leise und erschütterungsfrei zu gestallten. Grade zu dieser Jahreszeit sind die Fische noch sehr scheu und misstrauisch. Da ist es nicht förderlich wenn man wie ein Elefant am Gewässer entlang spaziert. Die Fische sind im schlechtesten Fall schon weg bevor der Köder das erste Mal das Wasser berührt.

Ein schöner Frühjahrskarpfen

Fazit

Sicher ist es nicht die einfachste Übung zu dieser frühen Jahreszeit einen Karpfen zu überlisten. Jedoch sind die Chancen auf einen richtig guten Nachmittag durchaus vorhanden. Die Option heißt, raus gehen, ans Wasser fahren und das erlesene ausprobieren. Viel Spaß mit langen Gummizügen und euren ersten Frühjahrskarpfen.

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