Stahl oder Carbon - Der passende Posenkiel

  • von ct Redaktion
  • 30. Januar 2017 um 11:00
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Wir stellten wir uns vor einiger Zeit die Frage welche Posenkiele man in welcher Situation verwenden sollte, welcher Kiel (Carbon oder Draht/Stahl) in welcher Situation optimal ist. Anschließend haben wir Topangler auf Weltniveau befragt und dabei nicht schlecht gestaunt, dass auch hier die Frage nicht eindeutig beantwortet wird, sondern zum Teil total gegensätzliche Meinungen vertreten werden.

Am Ende dieses Berichts werden Sie mit einer Vielzahl an logischen und klaren Fakten bzw. Meinungen konfrontiert worden sein. Dennoch –so viel sei bereits verraten— kommen auch wir zu keiner klaren Aussage, die den Sachverhalt komplett klären wird.

Wir möchten Ihnen Daves Bericht als Grundlage anbieten selber aktiv über die hier genannten Punkte nachzudenken und ihre eigenen gesammelten Erfahrungen damit abzugleichen. Hinterfragen Sie dann ihr eigenes Vorgehen, hat der Bericht bereits Wirkung gezeigt und wir sind mehr als zufrieden.

Carbon oder Draht: Welches Material sollte man für den Kiel wählen, wann und warum?

Diese Frage scheint in den vergangenen zehn Jahren eine der meist gestellten zu sein. Auch die Posenhersteller beginnen sich immer mehr Gedanken über diese Thematik zu machen und reagieren, indem sie die gleichen Posen wahlweise mit Carbon- oder Drahtkiel produzieren.

Gleiche Form, unterschiedliche Kiele. Viele Posen werden sowohl mit Carbon- wie auch mit Stahlkiel gebaut. 

Mir ist bewusst, dass zu diesen Thema mehr gehört als einfach nur eine Pose auszuwählen, und dass es darüber viele Debatten unter Anglern geben wird, die ihre eigene Meinung haben, wann welcher Kiel Verwendung finden sollte. Während die Posenauswahl eine sehr persönliche Angelegenheit ist, reflektiert die Wahl nichtsdestotrotz die grundsätzliche Herangehensweise und Technik eines Anglers. Kurz gesagt, kann die Posenwahl nicht von irgendeinem Aspekt des Kopfrutenangelns getrennt werden. Wie könnte es ansonsten sein, dass selbst Weltklasseangler komplett unterschiedliche Ansichten über dieses Thema haben und diese selbstbewusst und voller Überzeugung vertreten? Als ich zwei internationale Top-Angler mit unterschiedlicher Herkunft zu diesem Thema befragt habe, bekam ich zwei vollkommen unterschiedliche, aber dennoch jede für sich logische Sichtweisen zu diesem Thema.

Warum hat Steve Gardener zum Beispiel nahezu ausschließlich auf Carbonkiel umgestellt, während in Alain Dewimilles Sitzkiepe weiterhin fast nur Drahtkiele zu finden sind? Ich verstehe, dass Alains Herz bei den Nordfranzösischen Kanälen, der Heimat des Drahtkieles, liegt, während Steve weitaus häufiger in dem gemischten Seen Südenglands fischt, wo der Carbonkiel aufgrund der vielen großen Fische besser geeignet ist.

Aber diese Debatte geht über die Grenzen der eigenen Heimat hinaus, denn beide haben auch in ganz Europa viel Erfahrung gesammelt.

Doch bevor wir zu viele Vermutungen anstellen, sollte ich darauf hinweisen, dass die Frage Carbon oder Draht sich natürlich nicht nur auf das Angeln auf Karpfen beschränkt, wie es hier in England häufig der Fall ist!

Vor einigen Jahren waren die Carbon- und Glasfaserkiele dem kommerziellen Karpfenangler vorbehalten, der sie hauptsächlich wegen ihrer Robustheit einsetzte. Ausnahme bildeten einige klassische Modelle, wie z.B. die Colmic Jolly. Es gab nur eine kleine Auswahl an hochwertigen Carbonkiel-Posen für die Weißfischangelei. Heute muss man sich nur umschauen und sieht sofort, wie sich die Qualität der Posen, durch die aus dem Osten auf den Markt drängenden Modelle, verbessert hat! Viele dieser Posen sind für die normale Fischerei auf Weißfisch entwickelt worden.

Heute gibt es eine große Vielfalt an Posen 

Carbonkiele bieten den europäischen Matchanglern mehr, als die meisten gemeinhin denken. Bei den zwei traditionell bekannten Pluspunkten von Stahlkielen –der Stabilität des Materials und dem Fakt, dass sie sich im Wasser schneller aufrichten— sind sie nicht notwendigerweise so deutlich gegenüber Carbonkielposen im Vorteil, wie wir häufig annehmen. Carbonkielposen sind bei jeder Tragkraft kleiner und vermitteln dem Angler ein natürlicheres Bild des absinkenden Köders. Beim Fischen in der Strömung folgt die Pose der Hauptschnur, was dazu führt, dass der Angler auch der Hauptbebleiung sehr viel besser folgen kann. Dies wiederum führt zu einem direkteren Kontakt zum Fisch.

Dies sind nur einige der Überlegungen, die ich im weiteren Verlauf des Artikels untersuchen werde.

Ich gebe gerne zu, dass ich seit vielen Jahren ein Stahlkiel Fan bin. Ich angle meistens an gemischten Seen mit in einer Tiefe von 1 bis 3 Metern mit dem Ziel, den Setzkescher sowohl mit Weißfisch, als auch mit guten Karpfen zu füllen. Abseits von spezifischen Karpfenseen benutze ich hauptsächlich die Posen KC Capa Chimps oder Malman für die Pellet- und Frühstücksfleischangelei, während die Posen Sensas Auchy oder Rive Scotthorne 110 für die allgemeine Weißfischangelei zum Einsatz kommen. Alle diese Posen besitzen einen Stahlkiel. Ich benutze sie seit vielen Jahren und habe deshalb volles Vertrauen in diese Modelle!

Wie die Posen produziert werden und woher sie kommen.

Viele von uns gucken sich hauptsächlich folgende Merkmale einer Pose an: Ihre Körperform, das Material der Antenne und natürlich den Kiel, ohne sich viel Gedanken darüber zu machen, woher alles kommt. Mit der Hilfe von einigen Herstellern und Designern möchte ich aufklären, wie Materialien und Techniken für die Produktion ihrer Lieblingspose zusammenkommen.

Drahtkiele

Erinnern Sie sich an die sehr dünnen und stark schwingenden alten Drahtkiele? Sie waren ein absoluter Albtraum. Oftmals waren sie in Relation zum Posenkörper viel zu lang und dünn. Sie verbogen sich deshalb konsequent unter leichtestem Druck.

Der verwendete Draht wurde auch für Klaviere und Gitarrensaiten eingesetzt und wurde aus einem gewöhnlichen, leicht verfügbaren Material hergestellt, das als Federstahl bekannt war. Es war ein niedrig legierter Stahl, der nicht gehärtet wurde, so dass er biegsam war und immer wieder in seine Grundform zurückgeführt werden konnte. Zumindest in der Theorie! Wie wir alle wissen, werden Gitarren- und Klaviersaiten unter starker Spannung gehalten, während der Draht der Posenkiele, einmal verbogen, nie wieder in die Ausgangsposition zurückkehrt! Ich kann mich gut daran erinnern, wie ich regelmäßig die dünnen Federstahlkiele meiner feinen Mückenlarvenposen verbog, wenn ich versuchte die feinen ultraleichten Posengummis über die dünnen Kiele der sensiblen Posen zu schieben. Diese Kiele waren ein echter Albtraum!

Darüber hinaus verursachten sie regelrecht Kopfschmerzen, wenn man einmal einen besseren Fisch gehakt hatte. Sie sind im Drill häufig vollständig zerstört worden.

In den 90er Jahren haben die Hersteller angefangen Kiele aus einem viel dickeren und steiferen Draht zu produzieren. Im Grundsatz waren sie aus dem gleichen Stahl, aus dem auch Nadeln für die Textilindustrie und die Medizin produziert wurden. Die Entwicklung hin zur Verwendung eines neuen robusteren Stahls hat uns die neue, aktuelle Generation von Stahlkielposen beschert. Als Resultat dieser schweren Stahlkiele waren die Hersteller in der Lage viel kürzere Längen zu produzieren. Ein Fakt, mit dem wir uns noch in kürze beschäftigen werden…

Die heutigen Drahtkiele kommen bereits fertig zugeschnitten zu den Posenherstellern. Der notwendige Zuschnitt erfolgt auf einer Art industriellen Guillotine, so dass immer die Möglichkeit besteht, dass der Schnitt nicht sauber ausgeführt wird. Aus diesem Grund sollten Sie schon vorm Kauf immer den unteren Teil des Stahlkieles begutachten, um sicher zu gehen, dass dieser keine scharfen Kanten aufweist.

Unsauber gefertigte Enden können bereits beim Verschieben der Pose die Angelschnur beschädigen. Falls Sie eine Pose erwischt haben, die sich etwas rau anfühlt, dann nehmen Sie einfach ein Stück feines Schmirgelpapier und glätten die störenden Stellen. Dieser Schritt entfällt meistens bei der Posenherstellung. Er kann nur per Hand erledigt werden und wäre zu Zeitaufwendig und somit zu teuer für die meisten Posenhersteller.

Anlassen

Anlassen ist eine Wärmebehandlungstechnik für Metalle, Legierungen und Glas. Beim Stahl wird sie angewendet um das vom Härten spröde Metall widerstandfähig zu machen und ihm eine gewisse Flexibilität zu verleihen. Durch das Spiel mit verschiedenen Temperaturen beim Härten und Anlassen können die Stahlproduzenten die richtige Balance zwischen Flexibilität und Härtegrad für jede spezifische Anwendung erreichen. Stahlsaiten für die Musikbranche müssen beispielsweise elastisch und biegsam sein, weil sie zum Bespannen verschiedener Arten von Instrumenten entwickelt wurden. Der Draht, den wir für Posenkiele benutzen, weist in der Regel die gleichen Eigenschaften auf, wie die der Nadelhersteller und ist eher weniger biegsam und federnd. Eigenschaften, die heutige Stahlkiele sehr viel benutzerfreundlicher als die Modelle vergangener Tage machen. Damit einhergehend stieg die Beliebtheit unter den Anglern, und der Stahlkiel fand immer häufiger Verwendung.

Carbonkiele

Heute stammen Carbonkiele aus dem gleichen Teil der Welt, in dem auch die anderen Carbonteile fürs Angeln produziert werden. Fernost. Gerade China ist auf die Herstellung von Stäben aus Carbon spezialisiert, die generell auf zwei Arten hergestellt werden:

  • Carbon und Harz werden vermischt, dann gepresst und in Form gebracht
  • Ein Harz und Kohle-Gemisch wird einfach durch eine Maschine fließgepresst.

Die Carbonstäbe, die für die Posenproduktion geliefert werden, kommen gewöhnlich in 60cm Länge an, und werden dann mit einer Tischsäge auf Maß geschnitten. Diese Stäbe werden auch für viele andere industrielle Materialien wie Anoden, Elektroden, Heizelemente, Schmelztiegel, Gasdüsen, Schweißstecker, Glasstäbe, Rührstäbchen, Schmierstäbe und Gleitlagerbuchsen verwendet. Das sind alles ziemlich nützliche Gegenstände!

Da Carbon teuer wird, steigen mehr und mehr Unternehmen auf die billigeren und etwas flexibleren Fiberglaskiele um. Obwohl Fiberglas einerseits bei weitem nicht so schwer wie Stahl ist, ist es andererseits aber etwas schwerer und zudem weniger steif als Carbon.

Als letzter zu beachtender Punkt muss erwähnt werden, dass, wenn man sich die technischen Datenblätter kommerziell gefertigter Carbonruten anschaut, man sehen wird, dass eine solche Rute eine Porosität von 6-8% aufweist. Demzufolge wird auch ein Carbonkiel einer Pose während des Angelns zu einem gewissen Grad Wasser aufnehmen. Ein Fakt, den bestimmt nur wenige Angler kennen!

 Nicht schön, aber effektiv. Eine dicke Schicht Klarlack schützt die Pose vor Beschädigung und verhindert, dass Wasser eindringen kann.

Fixierung des Kiels

Es gibt zwei verschiedene Methoden einen Kiel im Posenkörper zu befestigen:

  1. Die weitverbreitetste ist den Körper an seiner Unterseite auf den gewünschten Durchmesser aufzubohren, um dann den Kiel separat einzukleben
  2. Komplett durch den Posenkörper zu bohren, um dann Kiel komplett durchzustecken. Dieser dient jetzt sowohl als Kiel, als auch als Antenne.

Links durchgesteckter Carbonkiel mit aufgesteckter Antenne- Mittig und rechts separat gebohrt und eingeklebt. Während die beiden Posen links aus Naturmaterial besteht, ist rechts ein Kunstschaum zu erkennen. 

Welches Material kann einfacher verwendet werden?

Dies hängt von der jeweils gewählten Art der Fixierung ab. Falls die häufigere Methode gewählt wird, dann ist Carbon die weit bessere Methode. Dies rühr daher, weil Carbon normalerweise leichter als Stahl ist und deshalb ein deutlich stärkerer und stabilerer Durchmesser gewählt werden kann. Dadurch kann der Posenkörper einfacher geformt werden. Andererseits kann ein Stahlkiel leichter eingepasst und mit dem Körper verbunden werden.

Ein Problem von Stahlkielposen ist, dass, aufgrund des höheren Gewichts des Stahls, ein vergleichsweise viel dünnerer Kieldurchmesser gewählt werden muss. Würde man z.B. den Durchmesser nicht herunterschrauben, hätte man verschiedene Probleme überhaupt Posen unter einem Gramm herzustellen, die noch eine brauchbare Anzahl von Bleischroten tragen könnten.

Karbonkiele sind gerade bei leichteren Posen kräftiger als Stahlkiele. In diesem Fall 0,9 mm bei der Karbonkielpose Drennan Tipo zu 0,5 mm der sonst baugleichen Quad.   Karbonkiele sind gerade bei leichteren Posen kräftiger als Stahlkiele. In diesem Fall 0,9 mm bei der Karbonkielpose Drennan Tipo zu 0,5 mm der sonst baugleichen Quad.
Karbonkiele sind gerade bei leichteren Posen kräftiger als Stahlkiele.
In diesem Fall 0,9 mm bei der Karbonkielpose Drennan Tipo zu 0,5 mm der sonst baugleichen Quad.


Die natürlichen Eigenschaften von Stahl verlangen, dass das Formen des Posenkörpers nicht nur größere Sorgfalt erfordert, sondern auch, aufgrund der häufig spitz-zulaufenden Posenform, die Verwendung einer sehr viel feineren Balsaholzstruktur notwendig wird.

Haben Sie jemals versucht einen Stahlkiel einer Pose auszutauschen? Ich habe es, und es ist, aufgrund eben dieser spitz-zulaufenden Form am Ende vieler Posenkörpern, eine fast nicht lösbare Aufgabe!

Die Einführung und Verwendung von speziellen Polyurethan Materialen und Schäumen von Herstellern wie Jean Luc Dufils und Karoly Kralik macht das Bohren feiner Durchmesser sehr viel einfacher. Das Material platzt nicht auf oder splittert wie das traditionelle Balsa.

Gewicht kann entscheidend sein!

Eines ist bei der Posenherstellung gewiss. Stahl ist um einiges schwerer als Carbon. Wenn man also Posen mit Stahlkiel herstellt, benötigt man einen größeren Körper und benötigt mehr Material. Nehmen sie einfach mal eine ähnliche Stahl- und eine Carbonkielpose gleicher Grammatur und vergleichen sie Seite an Seite. Man kann eindeutig die Unterschiede in Gewicht und Größe wahrnehmen. Als grobe Richtlinie gilt: wenn man eine 4x14 (0,34g) Pose mit Stahl- und Carbonkiel herstellen möchte, muss der Körper der Pose mit Stahlkiel durch einen der Größe 4x16 (0,52g) ersetzt werden! Um es einfacher zu sagen, benötigt eine Stahlkielpose immer einen Körper der nächst höheren Grammatur, um das Gewicht des Stahlkiels auszugleichen. Im Durchschnitt verlieren sie, im Vergleich zum Carbonkiel, die Möglichkeit 0,21g an Bleischroten zu montieren. Daraus entsteht die Notwendigkeit größere Posenkörper zu verwenden, wenn Tragkraftangaben eingehalten werden sollen!

Wer hätte das gedacht? Gleiches Modell und gleiche Tragkraft -Posen mit Karbonkiel sind eindeutig kleiner!    Wer hätte das gedacht? Gleiches Modell und gleiche Tragkraft -Posen mit Karbonkiel sind eindeutig kleiner!
Wer hätte das gedacht? Gleiches Modell und gleiche Tragkraft -
Posen mit Karbonkiel sind eindeutig kleiner!


Fakten und Fiktion!

Es gibt rund ums Angeln, nicht zuletzt, was Posenkiele angeht, einige hartnäckige Missverständnisse. Jeder kennt Aussagen wie: „Ich mag Stahlkiele lieber, weil man damit viel schneller fischen kann“.

Gut, ich möchte ein wenig Licht ins Dunkle bringen und, basierend auf unsere Testangeln, Fakten von Fiktion trennen.

Geschwindigkeit beim Fischen.

Es scheint, dass es die weitverbreitete Meinung gibt, dass mit einem Stahlkiel, nur weil eine Pose sich damit an der Wasseroberfläche schneller aufrichtet, schneller gefischt werden könne. Auf den ersten Blick scheint dies auch zu stimmen. Wie dem auch sei, ich denke, dass es einige andere grundlegende Faktoren gibt, die für die Geschwindigkeit beim Angeln relevanter sind und die eher auf das Abzielen, was sich unter der Wasserlinie abspielt. Denken Sie einfach mal über folgende Punkte nach:

  • Hat der Posenkiel überhaupt irgendeinen Einfluss auf die Geschwindigkeit, mit der die Bebleiung durchs Wasser fällt?

Die logische Antwort muss Nein lauten! Wie kann etwas, dass nur sich wenige Zentimeter unter der Oberfläche befindet, etwas beeinflussen, was darunter durchs Wasser fällt? Ich kann einfach nicht akzeptieren, dass ein Hakenköder durch Verwendung eines Stahlkiels schneller am Grund ankommt als bei der Benutzung einer Carbonkielpose.

  • Welche Pose lässt uns Bisse beim Absinken besser erkennen?

Carbon kann aufgrund des geringeren Gewichts besser dem natürlichen Absinken der Bebleiung folgen. Deshalb werden Bisse schneller sichtbar und der Anhieb steht in direkterem Kontakt zum Köder.

Carbon 01 Carbon 02 Carbon 03
Carbon 04 Carbon 05

Mit einem Stahlkiel steht die Pose von Beginn an senkrecht im Wasser und es besteht kein Kontakt zur absinkenden Montage. Deshalb können Bisse in dieser Phase schwerer zu erkennen sein.

Stahlkiel 01 Stahlkiel 02
Stahlkiel 03 Stahlkiel 04

Stehen die Fische im Mittelwasser, sind Bisse mit Karbonkielen besser zu sehen.

  • Welche Pose ist schneller zu fischen, wenn die Bebleiung sich gesetzt hat?

Hier hat die Stahlkielpose einen eindeutigen Vorteil. Bei Carbonkielposen muss man nicht selten die Pose erneut anheben und absetzen, damit sie richtig sitzt (tritt vorwiegend bei leichten Posen auf). Dies rührt daher, weil das fehlende Gewicht des Carbons dazu führt, dass die Pose durch Oberflächenspannung beeinflusst wird. Mit Stahlkielantennen passiert dass nicht. Die Pose hat sich bereits fertig stabilisiert und ist einsatzbereit, wenn der Köder den Grund erreicht.

Zusammenfassung:

Carbonkiel: Perfekt, wenn man lose Köder füttert und man dem Verlauf des Köders folgen möchte, um z.B. im Absinken Fische zu fangen.

Stahlkiel: schnellere Stabilisierung der Pose.

Alain Dewilles Meinung: „Stahlkiele sorgen dafür, dass die Pose schneller einsatzbereit ist, was entscheidend ist, wenn man schnell Fisch fangen muss. Tatsächlich bevorzuge ich häufig kürzere Stahlkiele mit dickerem Durchmesser, um die Pose sich schneller setzen zu lassen.“

Sensibilität

Hier gibt es wieder einen gewissen Grad an Unverständnis gegenüber der relativen Sensibilität von Stahlkielen. Man darf einfach nicht die Sensibilität von Stahlkeilen mit der Sensibilität von Stahlantennen verwechseln. Natürlich ist es wahr, dass eine Stahlantenne sehr viel sensibler, als welche aus anderen Materialien, ist. Das bedeutet aber nicht, dass dies auch bei einem Stahlkiel der Fall ist! Tatsächlich spricht einiges dafür, dass Stahlkiele deutlich weniger sensibel sein können.

Wie bereits erwähnt ist eine Pose mit Stahlkiel in der Regel größer als eine mit Carbonkiel gleicher Tragkraft. Alleine die Logik gebietet es anzunehmen, dass eine kleine Pose weniger Masse aufbietet und demzufolge auch weniger Widerstand beim Biss bietet.

Eindeutig ist, dass Stahlkiele bei windigen Bedingungen und bei Wellen deutlich stabiler stehen. Dies wurde bereits bei früheren Berichten bei matchangler.com gezeigt (Float stability Parts One and Two). Diese Stabilität verhilft zweifelsfrei zu einer positiveren und saubereren Bisserkennung. Das hängt dabei weniger mit einer höheren Sensibilität, als vielmehr mit der stabileren Lage der Montage und der damit besseren Köderpräsentation zusammen. In einem gewissen Ausmaß hängt die Wahl auch vom anvisierten Zielfisch ab. Wenn beispielsweise auf kleinere Weißfische geangelt wird, kann der Stahlkiel einen gewissen Widerstand bei Hebebissen bieten.

Zusammengefasst führt alles zum Resümee, dass Stahlkielposen insgesamt weniger sensibel als ihre Pendants aus Carbon sind. Der häufig empfundene Eindruck der höheren Sensibilität entsteht schlicht durch die höhere Stabilität der Stahlkielposen.

Jean Desques Meinung: „Stahlkiele sind in den kleineren Größen um 0,3-0,4g sensibler. Allerdings taugen sie bei Hebebissen nichts.“

Stabilität

Ohne Frage sitzen Posen mit Stahlkiel bei Oberflächenströmung oder Wind deutlich besser im Wasser und bieten somit eine stabilere Köderpräsentation. Dies ist mit Sicherheit in relativ flachen Gewässern wahr. In sehr tiefen Gewässern hingegen spielen die Größe der Pose und der Abstand zur Hauptbebleiung eine derart große Rolle, dass die Vorteile der Stabilität von Stahlkielen wieder aufgehoben werden. Ich möchte bei diesem Punkt nicht allzu lange Verweilen, wurde doch in einem anderen Bericht bereits gründlich darauf eingegangen.

Eine große Anzahl namhafter Angler befestigen ein kleines Bleischrot direkt unter ihrer Carbonkielpose, wenn es zu Windig wird und erhöhen so die Stabilität der Pose. Dies mag meistens ein Notbehelf sein, doch in der Praxis hilft dieses Vorgehen bei Wind, einen gewissen Grad an benötigter Stabilität zu erzielen.

Darren Coxs Meinung: "Stahlkiele bieten eine einzigartige Präsentation, besonders wenn es windig ist oder wenn es wichtig ist, durch Heben und Senken der Montage Bisse zu provozieren. Sie schneiden außerdem durch jede Welle und machen es einfacher die Montage ruhig zu halten.“

Diego da Silvas Meinung: „Ich benutze Carbonkiele, wenn ich schwerere Posen von 1,5g aufwärts fürs Angeln in tieferen Seen benötige. Ich habe festgestellt, dass Carbonkiele sich dort besser fischen lassen.“

Kontrolle an Flüssen:

Viele von uns glauben, dass ein Stahlkiel eine viel größere Stabilität bietet, wenn wir einen Köder im Fluss treiben lassen oder stark verzögert fischen. Ich habe das ebenfalls immer geglaubt und meine Lieblingsmodelle für diese Angelei waren immer Posen mit Stahlkiel. Allerdings bin ich mir nicht mehr sicher, ob dies wirklich richtig ist. Besonders nicht, wenn man sich mit folgenden Punkten beschäftigt:

  • Wir benutzen Carbonkiele an der Bologneserute. Müsste der Vorteil der besseren Kontrolle nicht auch an der Kopfrute greifen? Ich denke, dass, wenn eine Montage über den Platz treibt, ein Carbonkiel –zu einem gewissen Grad— im gleichen Winkel zur Hauptbebleiung steht und somit ein saubererer Anhieb ermöglicht wird.
  • Mit der zunehmend besser werdenden Wasserqualität fangen wir in unseren Flüssen zunehmend mehr Großfisch, wie z.B. Barben. Hier Stahlkiele zu benutzen, bedeutet beinahe schon Ärger zu provozieren, da die Kiele leicht unter starkem Druck verbiegen.

Vielleicht spiele ich gerade des Teufels Advokat, aber ich denke wir vernachlässigen hier 1-2 Punkte bei der Posenwahl für das Durchtreiben lassen.

Ich werde dabei ein wenig näher auf Modelle wie die Colmic Jolly, anstatt auf Modelle wie die Stream Passante, eingehen, und auch Modelle wie die Perfect Yellow River für größere Flussfische verwenden. Ein Vorteil einen Artikel wie diesen zu schreiben, ist sein eigenes Tun zu hinterfragen. Man ist gezwungen mit alten Gewohnheiten und Automatismen, wie z.B. immer Stahlkiele für die Flussangelei zu verwenden, zu brechen.

Alain Dewimilles Meinung: „Ich denke an Flüssen sollte man eine dickere Antenne benutzen, aber bei einem Stahlkiel bleiben. Carbonkiele erlauben es den Köder frei treiben zu lassen ohne ihn zurückhalten zu müssen, aber ich bin nicht von ihrem Vorteil beim Kopfrutenangeln überzeugt.“

Diego da Silvas Meinung: „Um den Vorteil eines Carbonkiels zu verstehen, lade ich euch zu einem einfachen Versuch ein. Lasst eine Bolognesemontage mit einem Stahlkiel über euren Angelplatz treiben. Ihr werdet sehr schnell vom Nutzen eines Carbonkiels überzeugt sein.“

Arbeiten mit der Pose

Dabei kommt es darauf an, über welche Bewegungen überhaupt geredet wird. Für kleine Seitenbewegungen sind Stahlposen perfekt geeignet. Das Eigengewicht der Pose macht es einfach die Pose, ohne seltsame Bewegungen, zu kontrollieren. Um die Montage zu Heben und zu Senken sind allerdings Carbonkiele besser geeignet, da sie ein widerstandsloses Bewegen erlauben. Viele Topangler sind dazu übergegangen dort Carbonkiele zu benutzen, wo viel mit dem Köder gespielt werden muss, um Weißfische zu aktivieren.

Fischbarkeit (Verwicklungen, etc)

Verkürztes Fischen:

Carbonkiele neigen zu weniger Verwicklungen, wenn man viele Fische an sehr kurzer Schnur fängt. Stahlkiele hingegen werden eventuell von der Montage gefangen, und es kommt zu Verwicklungen. Dies kommt daher, weil das Eigengewicht der Stahlkiele dazu führen kann, dass die Montage beim Hinausschieben hin und her schlägt oder man anschlägt und den Biss verpasst. Problematisch mit Stahlkielen ist es, dass die Montage meist unbrauchbar wird, wenn sie erst einmal verwickelt ist.

Aus und vorbei. Diese Montage fängt keinen Fisch mehr! 

Lang-Lang:

Carbonkiele sind ebenfalls besser, wenn man mit der Lang-Lang-Rute fischt. Wiederum führt das leichtere Gewicht der Pose zu weniger Verwicklungen beim Heraus- und vielleicht wichtiger beim Hereinschwingen. Bei einer langen Schnur ist die Verwendung von Stahlkielen ein klein wenig riskant. Man hat ständig das Gefühl, dass eine zweite Hauptbebleiung beim Wurf herumschwingen würde.

In diesem Punkt sind sich alle Topangler einig. Stahl ist bei normalen Bedingungen gut, aber wenn man häufiger besonders kurze oder lange Schnüre verwendet, sollte man zu Carbon wechseln.

Steve Gardeners Meinung: „Ich benutze heute beinahe nur noch Carbonkiele. Sie sind einfach unkomplizierter zu fischen, weil sie sich nicht so Biegen und sich auch nicht um die Kopfrutenspitze wickeln.“

Stärke/Haltbarkeit:

Bei diesem Punkt lag schon immer ein großes Plus beim Carbonkiel. Viele Angler benutzen ausschließlich Carbonkiele, wenn sie auf Karpfen angeln, in der Annahme, dass Stahlkiele sich schneller biegen und deshalb zerbrechlicher sind. Dies ist in meinen Augen allerdings noch nicht vollständig beantwortet. Lassen sie mich das genauer erklären. KC Carpa haben im letzten Jahrzehnt sehr viele Posen in UK verkauft. Dies sind Posen, die von Top Commercial Anglern aus UK entwickelt wurden und in Ungarn hergestellt werden. Das mit Abstand am bestverkaufte Posenmodell ist die Carpa Chimp, die von Steve Ringer entwickelt wurde, um unter der Oberfläche auf F1s und Karpfen zu angeln. Diese Pose hat…einen Stahlkiel!

Hier ein paar Sachen, die mich wie ein Blitz getroffen haben, als ich dieses Thema betrachtet habe:

  • Wenn man einen großen Fisch gehakt hat und diesen im Freiwasser drillt, wie kann eine Pose sich biegen? Es gibt keine Ursache, wie ein Fisch eine Pose verbiegen oder beschädigen könnte, nur weil er im Drill Gummi nimmt.
  • Wenn Stahlkielposen für Karpfen benutzt werden, sollte man immer vier gute, kräftige Silikonstücke verwenden um die Schnur im Drill schön nah an der Pose zu halten. Das oberste Silikonstück sollte dabei möglichst nah am Posenkörper sitzen. Das hilft den Stahlkiel gerade zu halten.
  • Wenn man mit Stahlkielen auf große Fische angelt, ist es besser ein weicheres Gummi, wie ein Hollow, einzusetzen. Der Fisch kann einfach deutlich mehr Gummi nehmen. Mit stärkeren Gummis, wie z.B. einigen Vollgummizügen, kann der Fisch enormen Druck direkt unter der Rutenspitze aufbauen und durch die wirkenden Kräfte einiges zerstören. In diesem Punkt kommen Carbonkiele besser zurecht.

Den Punkt, den ich an dieser Stelle aber verdeutlichen möchte, ist der, dass es nicht der eigentliche Druck des Fisches ist, der die Stahlkielposen zerstört, sondern die raue, harte Behandlung durch den Angler im Drill. Als Beispiel sei die Situation erwähnt, wenn der Angler einen Fisch durch die Ufervegetation zieht oder der Fisch direkt unter der Rutenspitze kämpft und die Pose andauernd auf die Wasseroberfläche schlägt.

Außerdem kann die Pose beschädigt werden, wenn der Fisch im Keschernetz –besonders beim Flachwasserfischen— schlägt oder sogar herumspringt. Wenn auf große Gewichte gefischt wird, können nur Carbon- oder Fiberglaskiele mit dieser Sorte Angler zurechtkommen.

Darren Coxs Meinung: „Ich benutze gerne Stahlkiele für die Karpfenangelei, wenn die Köderpräsentation kritisch ist. Dies gilt umso mehr, wenn ich auf eine kleinere Anzahl von Fischen angle. Ich benutze außerdem Stahlkiele, wenn ich auf F1s bzw. Karauschen angle und eine gerade Linie zwischen Pose und Rutenspitze benötige. Der Stahl stellt dies sicher.“

Was haben „SIE“ in der Sitzkiepe?

Ich habe alle Angler gefragt, die beim Erstellen dieses Berichts geholfen haben, zu welchem Anteil sie derzeit in ihrer Sitzkiepe Carbon- bzw. Stahlkielposen haben.

Darren Cox: „Die meisten meiner Karpfenposen, sind welche mit Carbonkiel (70%), aber die meisten meiner Silberfischposen haben Stahlkiele (75%).“

Jean Desque: „Stahl 70%, Carbon 30%.“

Alain Dewimille: „Mit Ausnahme einiger Boloposen habe ich nur Posen mit Metallkiel in meiner Box!“

Diego da Silva: „Silberfisch 90% Metall, Karpfen 100% Carbon.“

Steve Gardener: „Carbon 80%, Stahl 20% (meistens Ukelmontagen oder ähnliches).“

Mit diesem Bericht möchte ich Reaktionen hervorrufen und mit einigen alten Theorien über die jeweiligen Posenkiele aufräumen. Als Liebhaber von Stahlkielen, habe ich meine eigene Vorliebe in Frage gestellt und bin zum Resultat gekommen, dass ich in Zukunft vermehrt zum Carbonkiel greifen werde. Wie auch immer ihr persönliches Urteil zu der anfangs gestellten Frage ausfällt, eines ist klar: Es gibt heute eine große Auswahl an Posen jeglicher Form mit Stahl- und Carbonkiel, was garantiert keine schlechte Sache ist. Wie bei vielen von Ihnen, sind Posen eine kleine Leidenschaft von mir geworden. Dennoch habe ich versucht bei diesem Bericht so unvoreingenommen wie möglich zu bleiben. Trotz der ganzen Überlegungen bleiben am Ende für mich mehr offene Fragen als Antworten. Eine abschließende, einfache Beantwortung der Eingangsfrage ist nicht in Sicht.

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