Stopwatch mit UK Top Angler Darran Bickerton am Kanaal door Voorne

  • von Markus Howanietz
  • 19. Mai 2015 um 11:00
  • 0

12:30 Uhr

Um 5:00 Uhr klingelt der Wecker mich gnadenlos aus dem Bett. Stopp! So oder so ähnlich fangen die meisten Stopwatch-Berichte an, doch Sie sehen bereits an der Zeitangabe oben, dass heute alles ein wenig anders ist.

Um 12:30 Uhr treffe ich mich ausgeschlafen und topmunter mit Sensas UK Star und Kamasan Starlets Angler Darran Bickerton am Pumpenhaus am Kanaal door Voorne zur Auslosung der Angelplätze. Am heutigen Samstag findet das erste Practise-Match statt, und viele gute Angler –darunter auch Nationalangler aus Belgien und Holland— sind gekommen um sich unter Wettkampfbedingungen fit für das Anglo-Dutch Festival zu machen.

Der Angler:

Name: Darran Bickerton

Alter: 46

Wohnort: Derby/England

Angelteam: Kamasan Starlets

Sponsoren: Sensas, Kamasan

Größte Erfolge:

  • zweifacher Kamasan British Open Champion (der prestigeträchtigste Titel in England)
  • mit seinem Team Kamasan Starlets hat er alles gewonnen, was in England zählt
  • mehrere Teilnahmen an der Club-WM
Sensas UK Star Angler Darran Bickerton

12:45 Uhr

Nachdem gelost wurde geht es zügig an den gezogenen Platz. Darran ist nicht ganz zufrieden. Einerseits sitzt er mit der Losnummer 32 beinahe auf einem Endplatz, andererseits haben sich gerade die höheren Nummern als besonders gut erwiesen. Gestern konnte er auf Steg 102 immerhin 35 Brassen mit weit über 100 Pfund überlisten.

Am Platz angekommen begutachtet er erst einmal das Gewässer. Das Wasser ist stark getrübt und durch den aktuellen Wind ein wenig aufgewühlt. Der Platz weist keine optischen Besonderheiten auf und ähnelt den weiteren 180 am Kanal.

Dann beginnt Darran damit seine Sachen entspannt aufzubauen, obwohl der Zeitplan sehr straff ist. Um 13:30 wird das Signal zur Startfütterung erfolgen und um 14 Uhr geht das Angeln los.

Er lässt sich trotzdem nicht verunsichern. Das Auto parkt direkt am Angelplatz, und sein Futter hat er bereits am Morgen vorbereitet. Mit einem Lächeln teilt er mir mit, dass es egal ist, ob er pünktlich fertig ist. Alles müsse ordentlich vorbereitet werden, und auf 10 Minuten käme es wirklich nicht an.

13:00 Uhr

Als erstes baut Darran seine Sitzkiepe auf, die er einfach nur aus seinem großen Mercedes Vito holen muss, um sie dann komplett auf die Holzplatzform zu stellen. Nach Sekunden ist der halbe Angelplatz bereits fertig aufgebaut.

Langsam mache ich meine Kamera für die ersten Bilder des Tages fertig, während Darran Abroller, Kopfrute und Cuppingkit montiert.

 Darran montiert seinen Abroller, Kopfrute und Cuppingkit

Anschließend erfolgt das Loten mit einem schweren Klemmblei, das er einfach über die zusammengeschobenen Bleie stülpt. Darran lotet so aus, dass die Montage bündig auf Grund liegt und die schwarze Antenne nur 1-2 cm aus dem Wasser ragt. Danach stellt er noch etwa 15 cm tiefer und verschiebt die Bebleiung nach oben. Ziel ist es, dass sich eine kleine Kette aus drei 8er Schroten ca. 10 cm über Grund befindet und von der Hauptschnur noch 15-20cm auf dem Boden aufliegen. Das Hauptblei wird ca. 50cm über das oberste Schrot der Kette geschoben.

Zum Loten nutzt Darran ein schweres Klemmblei

„Das ist alles ganz einfach, Markus!“, berichtet Darran. „Ich möchte nur die wirklichen Bisse sehen. Lege ich ein Schrot auf oder platziere das letzte Blei zu nah am Boden, werde ich permanent irgendwelche Probleme haben. Der Boden ist uneben und eine zu tief verteilte Bebleiung könnte die Pose permanent zum Sinken bringen oder sie aus dem Wasser steigen lassen. Darauf kann ich gut verzichten.“

Nachdem Darran die Bleie nach seinen Wünschen verschoben und die Tiefe ermittelt hat, lässt er die Rute probeweise in der Frontbar liegen. Die Spitze befindet sich im Wasser und die gesamte Montage steht wie festgenagelt in dem unruhigen Nass. Der Wind hat ordentlich aufgefrischt!

13:20 Uhr

Ich werde ein wenig nervös. In 10 Minuten erfolgt das Füttern und Darran hat noch nichts in der Richtung unternommen. Seine Nachbarn knien bereits seit ein paar Minuten über ihren Eimern und drücken wie verrückt Futterbälle.

In aller Seelenruhe holt er Köder und Futter aus seinem Vito. Letzteres besteht aus 2,5 kg Sensas Bremes 3000 und 0,5 kg Riviere für eine bessere Bindung. Das Ganze ist sehr feucht und klebrig gehalten worden, und ein kurzer Griff zeigt, dass mit wenig Druck sofort ein fester Ballen geformt werden kann.

Routiniert holt er nun ein Set CIPS-Dosen aus seiner Tasche und entnimmt dem Fass 7l fertiges Futter.

Dazu gibt er dann exakt 500ml Caster und etwa eine Fünftel Dose Mais.

In aller Seelenruhe bereitet Darran das Futter vor

13:30 Uhr

Das Signal zum Füttern erfolgt und die ersten Bälle fliegen in den Kanal.

Darran bleibt, wie vorher angekündigt, ruhig und betont erneut, dass alles ordentlich gemacht werden müsse. Eile sei fehl am Platz. Die CIPS-Dosen verwendet er als Teamangler übrigens immer. Nur so kann verglichen und eine erfolgreiche Taktik ermittelt und reproduziert werden.

„Wurm“, seit 2013- in Holland ohne Sperrzeit erlaubt, „wird eine große Rolle spielen“, verrät Darran. Er entnimmt seinem 5kg Sack zwei gute Hände voll und wäscht sie einfach auf einem Sieb im Kanalwasser aus. Gut 1l der großen Würmer wird im Anschluss sehr fein geschnitten. Statt jetzt alles komplett ins Futter zu geben, überrascht Darran mich erneut. Er siebt 1l Terre des Sommes und gibt 250ml des Wurmes hinzu. Kräftig durchgerührt, und noch mit einem Schuss Wasser versehen, entsteht eine Pampe, mit der ich nichts anfangen könnte. „Warte mal 5-10 Minuten, dann ist alles perfekt.“, prognostiziert Darran. Ins Futter gibt er nur 125 ml Wurm und rührt dann alles unter.

Schnell entfernt er noch die Sägespäne aus 500ml Maden (natürlich wieder ganz genau mit den CIPS-Dosen abgemessen) und klebt diese mit Arabic Gum und einem Sprühstoß Wasser.

Erst jetzt, 10 Minuten nach Anpfiff, bildet er große Ballen aus dem Futter. Zwei bis dreimal Drücken reicht dazu vollkommen aus.

Seine Startfütterung bringt er mit ein paar gezielten Würfen auf 11,5m aus, wobei er anschließend auf 12m angeln wird. Die Rute schiebt er in der Halterung einfach einen halben Meter zurück.

Zwei bis dreimal Drücken - fertig sind die Futterbälle Mit gezielten Würfen bringt er die Bälle auf die 11,5m Spur

Seine Sensas 774 hat er mit einer Extension einer 74xl versehen, die gut und gerne einen halben Meter länger als die der eigentlichen Rute ist.

Auf die 12m Spur cuppt er nun 3 Bälle aus dem Erde/ Wurmgemisch und einen winzigen Ballen geklebte Maden. Das ist alles!

Nachdem nun die Fütterung erledigt ist, kümmert sich Darran um sein weiteres Gerät. Zum Einsatz kommen Posen mit Carbonkiel in 1,5 und 3g sowie ein schwarzes Preston Slip Elastic Nr. 8.

 Posen mit Carbonkiel in 1,5 und 3g sowie ein schwarzes Preston Slip Elastic Nr. 8 kommen zum Einsatz

Einen Connector benutzt er nicht und bindet die Montage einfach per Doppelschlaufe direkt ans Gummi. Ein Crows-Foot (abgeschnittener Doppelacht-Knoten) stoppt das Ganze. Auf Nachfrage teilt er mir mit, dass er selbst dünne Gummis so montiert und die Schnur (heute eine 3 Pfund Maxima/0,15mm) noch nie Schaden genommen habe. Jetzt montiert er auch das 35cm lange und 0,11mm starke Vorfach. Da die Montage überlang ist –auf Teil 1 verzichtet er komplett—, wickelt er sie einfach auf einen Posenaufwickler und fixiert diesen mit einem Gummiband am Kit.

Die Montage wird auf einen Posenaufwickler gewickelt und mit einem Gummiband am Kit fixiert 

Irgendwie kommt mir das alles so simpel vor, und ich hake nach. „Hier gibt’s keine Geheimnisse, alles ist wirklich so einfach!“, kommentiert er lachend.

Zusätzlich baut er noch einen kleinen Picker auf, den er schon am Vortag auf die 12m Distanz eingestellt hat. Dazu hat er einfach eine Bleiolive bei offener Spule herausgecuppt und absinken lassen.

Quasi in letzter Sekunde richtet er noch sein Ködertableau für das bald beginnende Match ein.

In letzter Sekunde richtet Darran sein Ködertableau ein 

14 Uhr:

„All in“ tönt es durch die Reihe und das Match startet!
Darran schwingt die Pose seitlich auf die 12m Bahn und lässt sie kontrolliert absinken. Der Wind hat beim Aufbauen permanent zugenommen, und eine saubere Köderpräsentation wird bestimmt nicht einfach werden. Um die Rute ruhig zu halten, setzt er sich einfach mit seinem vollen Gewicht auf die Extension der Rute. Als Köder dient ein großer Wurm am 14er Tubertini Serie 2 Haken, der in England sehr schwierig zu bekommen ist. Er knipst einfach den Kopf ab und führt den Haken dann von dort wieder hinaus.

Als Köder dient ein großer Wurm am 14er Tubertini Serie 2 Haken 

Nur 16 Sekunden später erfolgt schon der erste Anhieb und das Gummi wird länger und länger. Nach kurzer Gegenwehr ist der fehlgehakte Fisch allerdings weg. Ein erneutes Einsetzen zeigt an, dass die Fische am Platz sind, aber noch nicht fressen.

Sechs Minuten später ist er der Ansicht, dass die Fische jetzt langsam in Fresslaune seien, und füttert noch einen Ballen nach, um „die Köpfe nach unten zu bekommen“.

Was ein wenig willkürlich klingt, bringt aber den Erfolg. Zehn Minuten später erfolgt ein schwungvoller Anhieb und der Bann ist gebrochen. In kurzer Abfolge kann Darran zwei Brassen Keschern (14:16 und 14:24 Uhr).

Darran kann zwei Brassen in kurzen Abständen Keschern

14:30

Es geht so weiter wie die erste halbe Stunde endete. In Minute 38 und 43 des Wettkampfes kann er zwei weitere schöne Fische landen, bevor es zu einer kurzen Pause kommt.

14:50

Darran meint etwas unternehmen zu müssen und füttert wieder einen kleinen Ballen Erde/Wurm. Er wird sofort mit einem weiteren Fisch belohnt.

Ein weiterer kleine Ballen Erde/Wurm zum Nachfüttern 

15:00

Darran ist sichtlich genervt. Er bekommt nun im Sekundentakt Schnurschwimmer statt saubere Bisse. Wer schon einmal am Kaanal door Voorne geangelt hat, kennt dieses Problem. Nicht selten enden Matches mit unendlich vielen gehakten Fische, von denen kaum einer gelandet werden kann. Darran weiß das natürlich ganz genau und hadert mit sich, dass er doch gefüttert hat.

15:13 Uhr

Der Wind hat nun Windstärke 4-5 erreicht und macht eine saubere Präsentation an der Kopfrute unmöglich. Er wechselt auf seinen Picker mit einer 10g Bleiolive am Freilaufsystem.

Der Griff zur Grundrute macht sich sofort bezahlt und eine schöne Brasse biegt diese bis ins Handteil. Ein spannender Drill am feinen Gerät resultiert in einem weiteren gefangenen Fisch.

Der Wind nimmt zu, Darran wechselt daher auf seinen Picker mit einer 10g Bleiolive 

Außer ein paar Zupfern geschieht dann allerdings nicht mehr viel.

Wieder einmal beweist er die unglaubliche Fähigkeit die Situation lesen zu können und wechselt zurück zur Kopfrute. Keine 20 Sekunden später ist der nächste Brassen sauber gehakt!

Der nächste Brassen ist sauber gehakt

15:30

Darran füttert erneut einen winzigen Ballen Erde nach und wechselt auf die leichtere 1,5g Pose. Da er immer wieder Kraut am Haken hat, wechselt er, trotz der Überzeugung, dass Wurm generell der bessere Köder sei, zudem auf tote Maden als Köder.

Auf Nachfrage, wie er seine Maden vorbereitet, bekomme ich eine Antwort, wie ich sie noch nicht in Angelberichten finden konnte. Er lässt die Maden einfach ein paar Tage im Wasser liegen und nimmt sie immer wieder mit. Einfrieren oder überbrühen würde die Optik der Maden zu stark verändern, was er für negativ hält.

15:34/15:37/15:42 Uhr

In den nächsten sieben Minuten kann er dann seine Brassen acht, neun und zehn landen.

Nun werden die Brassen im Minutentakt eingesetzt Weitere kräftige Brassen landen im Kescher

„Der Wurm vergräbt sich offenbar im Kraut und die Brassen können ihn nur schlecht sehen. Die toten Maden liegen oben auf und sind gut sichtbar. “, lautet seine Analyse für den spontanen Erfolg. Leider verliert er kurz danach die nächsten drei Brassen, die wieder nur fehlgehakt waren

16:00 Uhr

Die Schnurschwimmer nehmen wieder zu und der Platz ist sehr unruhig. Ein Wechsel auf die Bomb soll wieder Erfolg bringen. Dieser stellt sich allerdings nicht ein. Nur wenige Minuten später erfolgt der erneute Wechsel zur Kopfrute. Diesmal, aufgrund des wieder stärkeren Windes, wieder mit der 3g Montage. In der Hoffnung, dass die Fische runter gehen, setzt er noch einen Ballen, was sich aber erneut als Fehler erweist. Er hakt sechs Fische in Folge und kann keinen einzigen davon landen.

16:30 Uhr

Als sei ein Schalter umgelegt worden, kann Darran kurz hintereinander zwei weitere Brassen zum Landgang überreden.

Obwohl er weiß, dass vorhin das Nachfüttern nicht richtig war, setzt er erneut einen Ballen. „Manchmal ist es einfach reine Gefühlssache, wann man füttern sollte oder nicht. Gerade an diesem Kanal kann man mit Futter so viel falsch machen und sich den ganzen Angeltag ruinieren. Als feste Regel kann ich dir nur empfehlen niemals zu füttern, solange du Bisse bekommst. Jetzt haben die Bisse aufgehört und die Fische schwimmen immer wieder über den Platz ohne zu fressen. Nun kann man einfach abwarten oder hoffen, dass ein zusätzlicher Ballen Lehm die Fische nach unten zieht und sie wieder mit dem Fressen beginnen. Sie sind auf jeden Fall am Platz. Das zeigen die ganzen Indikationen an der Pose.“

In dieser Hoffnung erfolgt nun ein weiterer Walnussgroßer Ballen, der beim Absinken eine helle Spur im Wasser hinterlässt.

Er stellt noch 5 cm tiefer um den Köder ruhiger präsentieren zu können. Leider erfolgen nur weitere Fehlbisse.

17 Uhr

Wechsel auf die Bombe. Nach einem Fehlbiss kann Darran eine weitere Brasse auf Wurm fangen. Diesen zieht er ruckartig über den Boden und provoziert somit Bisse.

 Ruckartig zieht Darran den Wurm über den Boden um Bisse zu provozieren

17:30 Uhr

Der erneute Wechsel auf die Kopfrute wird mit drei weiteren Brassen belohnt, wobei die letzte kurz vor Abpfiff nicht ordentlich gehakt ist. Mit Viel Gefühl, aber auch artistischem Geschick, gelingt ihm 15 Minuten vor Ende des Durchgangs trotzdem die Landung des Fisches.

Mit Viel Gefühl und artistischem Geschick gelingt ihm die Landung des Fisches. 

18:00 Uhr

Abpfiff. Das Wiegekommando nimmt Fahrt auf. Während Darran seine Utensilien verstaut, bekommen wir die Nachricht, dass er es auch diesmal wieder geschafft hat. Mit knapp über 28 kg bei 16 Fischen hat er seinen Sektor und auch das Match gewonnen.

Darran hat es auch diesmal wieder geschafft und gewinnt seinen Sektor und auch das Match

Anmerkung:

Wer den Kanal kennt, weiß, wie die Brassen einem den letzten Nerv kosten können. Nicht selten gehen Angler nur mit vier bis fünf Fischen nach Hause, hatten aber im Zehn-Sekundentakt welche am Haken.

Darran hat im gesamten Match nur 7l Futter, eine Fünftel Dose Mais, 500ml Caster, 125 ml Wurm, 30-50 geklebte Maden (alles Anfangsfütterung) und einen halben Liter Erde mit 125 ml Wurm verbraucht.

Im Nachhinein war er sich sicher, sogar noch zu viel nachgefüttert zu haben. Die Kunst besteht eindeutig darin die Fische ans Fressen zu bekommen, es aber zu vermeiden den gesamten Schwarm aufs Futter zu ziehen. Wer nicht aufpasst, hat hunderte Brassen am Platz und fängt im Endeffekt keinen Fisch.

Er ist fest davon überzeugt, dass die Anfangsfütterung über die gesamte Angelzeit genügend Lockwirkung besitzt, um den Fisch immer wieder mal an den Platz zu locken und zum Fressen zu bewegen.

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