Belgische Rotaugen mit Luc Thijs

  • von David Möller
  • 27. Oktober 2016 um 13:00
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Vowort/Einleitung

Die Angelei auf Rotaugen mit der Kopfrute ist in Deutschland, aber auch in den Nachbarländern, weit verbreitet. In meiner Region( NRW; Ruhr) wird das Rotaugenstippen traditionell eher als aktive Angelei aufgefasst. Dazu gehört das kontinuierliche Nachfüttern mit aktivem Futter aus der Hand, womit man immer wenig falsch machte. In den letzten Jahren jedoch zeichnet sich allmählich ein Trend ab, dass der Bestand an Rotaugen abnimmt bzw. die Rotaugen, aufgrund des immer klarer werdenden Wassers und der damit steigenden Bedrohung durch ihre natürlichen Feinde, immer scheuer werden. Simultan gehen auch die Fänge bei Vereinsfischen zurück. Der Angler jedoch hat sich auf das veränderte Verhalten der Rotaugen meiner Meinung nach noch nicht ausreichend angepasst.

In diesem Punkt sind uns unsere Nachbarn aus den BeNeLux-Ländern einen gewissen Schritt voraus, denn sie verstehen die Angelei auf Rotaugen grundlegend anders als wir. Ich konnte Luc Thijs, Mitglied der Belgischen Nationalmannschaft, einen ganzen Nachmittag dabei begleiten, wie er typisch „belgisch“ Rotaugen in dem Zuid-Villemsvaart Kanal (seinem Heimatgewässer) nachstellt. Zunächst möchte ich Luc kurz vorstellen:

  • Name: Luc Thijs
    Luc Thijs
  • Angelt seit seinem 6. Lebensjahr.
  • Wettkämpfe seit dem 16. Lebensjahr
  • Pro Woche fischt er zwei Wettkämpfe (Samstags, Sonntags) und geht ab und an Wochentags trainieren (nach Feierabend)
  • 2007 Selektion für die Nationalmannschaft gewonnen, Nominierung für die B-Mannschaft erhalten
  • 2008 direkter Aufstieg in die A-Mannschaft (bis jetzt)
  • 3. Gesamtsieger Belgische-Meisterschaft 2009
  • 1. Gesamtsieger Freundschaftsfischen Italien-Belgien in Tschechien 2012 (WM Vorbereitung), Nachbarn: Jacopo Falsini, Andrea Fini
  • Erste Nominierung für Belgien bei der EM 2013
  • Sieg Europameisterschaft mit der belgischen Nationalmannschaft 2013
  • Sieger des Cup of Flanders in 2013 mit 7 points (5 Wettkämpfe an 5 verschiedenen Gewässern; 130 Teilnehmer)
  • Tageshöchstgewicht und Sektorensieg bei der WM 2014 in Kroatien  an Tag 2 mit 10.542 Kg
  • Bester Belgier bei WM 2014 / 2015

Luc bedankt sich bei seinen Sponsoren Sensas und Mondial-F für die Unterstützung. 

Kennen gelernt habe ich Luc, nach und nach, durch meinen Freund Ralf Töpper, mit dem ich zusammen verschiedene Wettkämpfe in Belgien bestritten habe. Veranstalter der Fischen war häufig niemand geringer als Guido Nullens, der ebenfalls sehr gut mit Luc befreundet ist. Wir bestritten Fischen auf F1-Karpfen im Stillwasser und eben auch auf Rotaugen im Kanal. Anfang dieses Jahres hatte ich die Idee mit Luc einen Bericht zu verfassen und habe ihn gebeten, mir die Rotaugenangelei an seinem „Hausgewässer“, dem Zuid Willemsvaart Kanal in Bree, etwas näher zu bringen. Besonders die typische belgische Art den Rotaugen mit Taubenmist und Mückenlarven nachzustellen, hat mich schon immer begeistert. Mit den Worten: „With shit, I like that. I use it a lot in Belgium! “, sagte er mit sofort zu.

Taubenmist hat als Futterzusatz in Belgien bzw. in den BeNeLux-Ländern Tradition. Warum dies so ist, und auch seine Berechtigung hat, möchte ich euch im Rahmen zweiteiligen Berichts gerne etwas näher bringen. Der erste Teil konzentriert sich auf den Platzaufbau und das passende Gerät inklusive Montagen. So wird eine erste Grundlage für eine erfolgreiche Herangehensweise gelegt.

Im letzten Teil folgt dann ein Überblick darüber, mit welcher Taktik Luc den Rotaugen nachstellt und wie er auf launisches Beißverhalten von Rotaugen reagiert. Futter Zubereitung und Köder Auswahl wird ebenfalls im zweiten Teil detailliert vorgestellt.

Ich muss zugeben, dass der Tag mit Luc mich sehr geprägt hat. Gerade bei der Frage, wie ich in Zukunft an den Rotaugenfang herangehen sollte, habe ich seitdem komplett umgedacht.

Daher hoffe ich, dass meine Eindrücke möglichst detailgetreu bei euch ankommen, damit ihr eventuell einige wichtige Aspekte mit in eurer Rotaugen Taktikreportoire aufnehmen könnt.

Wir verabredeten uns an einem Stamstag um 13 Uhr, sodass ich gegen 10.30 Uhr in Richtung Belgien abreiste. Getroffen haben wir uns direkt an einer Straße, die direkt am Zuid-Willemsvaart Kanal in Bree/Belgien endet. Der Zuid-Villemsvaart Kanal ist in etwa 4.5 m tief und verfügt, je nach Abschnitt, über eine gleichmäßige Strömung, wobei man meistens mit 1.0 g Montagen überall klar kommt. Dazu aber später mehr.

Es wurde nicht lange gefackelt. Nach einer freundlichen Begrüßung fuhr Luc seine Ausrüstung mit dem Auto direkt an den Angelplatz und stellte das Fahrzeug danach wieder am Treffpunkt, etwas abseits der Kanalstraße, am Rand eines Felds ab. Am Kanal angekommen lies ich die Natur kurze Zeit auf mich wirken. Mit den Kanälen im Ruhrpott kann man diesen idyllisch schönen Kanal bei aller Liebe nicht vergleichen. „Beste Voraussetzungen, jetzt müssen nur die Fische noch mitspielen“, dachte ich mir.

Blick nach links. Blick auf den Angelplatz. Blick nach rerchts.

Das Wetter war heute eher mäßig, der Himmel war bedeckt, und es sah entsprechend nach Regen aus. Der Wind wehte von hinten, was beim Angeln mit der Kopfrute kein Problem darstellt. Nachdem Luc wieder am Angelplatz ankam machte er sich an den Platzaufbau. Die Kiepe wurde innerhalb kürzester Zeit an den entsprechenden Platz positioniert und das Tableau sowie der Setzkescher montiert.

Aufbau der Sitzkiepe Die Montage des Setzkeschers

 

Rute und Top-Kits (Elastiks)

Nachdem die Kiepe ihren sicheren Stand gefunden hatte, baute Luc seine Kopfrute auf. Er griff heute zur Sensas Power Match 895 Nanoflex und fragte mich ober auf 11 oder 13m angeln soll?

Die Rutenwahl fiel heute auf die Sensas Power Match 895 Nanoflex.

Die Entscheidung habe ich natürlich ihm überlassen. Obwohl hier im Kanal ausschließlich mit 11m gefischt wird, entschied er sich heute für die 13m Rute. Da er am nächsten Tag mit der belgischen Nationalmannschaft zum Training an die EM-Strecke in Almere aufbrechen würde, wollte er auch heute schon ein wenig mit der 13 m Rute trainieren.

Die Power Match River 875 Nanoflex

Wenn es etwas gröber zur Sache geht, vertraut Luc einem etwas robusteren Modell, der Power Match River 875 Nanoflex. Sie gehört in Belgien zu den Topsellern, da sie sowohl für die feine Kanalfischerei als auch -in Verbindung mit Pulla-Kits- für die in Belgien zahlreich vertretenden Carpodroms geeignet ist. Nachdem die Rute zusammengesteckt war, baute er zwei 5-teilige Topkits auf. Das Cupping-Kit blieb zu meiner Verwunderung im Futteral. Dazu im Punkto Taktik etwas mehr.
Die Top 3-Kits transportiert Luc in einem neuen Sensas Top-Kit-Futteral mit 6 Fächern. So kann er ohne Schwierigkeiten 12 Topkits sicher transportieren und ist für jede Situation vorbereitet.

 Luc transportiert seine 12 Top-Kits in einem 6-fächer TOP-Kit Futteral. Er hat somit immer alles dabei und ist stets für jede Situation gerüstet.

Heute entschied Luc sich für 0.8 mm und 0.9 mm Elastics, die über 3 Teile montiert wurden. Luc baut seine Gummizüge ausschließlich über 3-Teile. Beißt ein großer Fisch hat er so deutlich mehr Reserven als mit einem kürzeren Gummizug.

Rig

Als Montagen wählte er Posen mit einer Tragkraft von 1.0 g (0.8 mm Elastik) und 1.5 g (0.9 mm), die über eine klassische 2-Punkt Bebleiung verfügten (Warum und wieso dazu mehr im Taktik Teil).

Aufbau der Montagen.

Luc wählte ein Posenmodell mit Glasfaser-Antenne und Stahlkiel. Die Form der Pose war für mich ungewohnt, denn es handelte sich um eine umgekehrte Tropfenform, die zur Antenne hin konisch zuläuft. Auf meine Frage, warum er sich für dieses Modell entschieden hat, sagte er mir, dass die Pose sich aufgrund der Form schnell aufstelle, durch den Kiel stabil im Wasser stehe und durch die feine Glasfaserantenne die sensiblen Bisse der Rotaugen zuverlässig anzeigen würde.

Die Sensas EOLE war das Posenmodell der Wahl für den Zuid-Willemsvaart-Kanal. Durch die Form stellt sich die Pose sehr schnell im Wasser auf und sorgte für eine zuverlässige Bissanzeige.

Die Bebleiung war relativ simpel aufgebaut, basierte allerdings auf  eine langjährige Erfahrung. Hier, in diesem Kanal-Abschnitt, ist die Strömung verhältnismäßig schnell. Von daher fällt hier die Wahl auf eine 2-Punkt Bebleiung. Ein paar Kilometer weiter stromab gibt es einen Bereich, in dem der Kanal sehr langsam fließt. Dort würde man mit diesem Bebleiungsschema sehr wenige oder überhauptkeine Bisse bekommen. Denn die Rotaugen in diesem Kanal sind sehr launisch, vorsichtig und wählerisch und beißen nur wenn der Köder möglichst natürlich am Grund angeboten wird. Ich habe schnell begriffen, dass ich es wirklich mit einem Profi zu tun habe, der den Kanal sehr gut kennt. Das Hauptblei befand sich bei Luc´s Montage etwa 45 cm oberhalb des No 9er Bissbleis. Der Abstand wurde so gewählt, dass sich die 20cm Vorfächer, die er verwendete, sich mit dem Hauptblei nicht verheddern konnten.

2-Punkt Bebleiung, 1.0 g; 45 cm Abstand zwischen Bissblei No9 und Bulk; 1.5 g; 45 cm Abstand zwischen Bissblei No 7 und Bulk. 45 cm zwischen Bissblei und Bulk, damit sich das 20 cm Vorfach nicht mit dem Bulk verheddern kann.
Bulk 1.0 gr. Bissblei Nr. 9

Die 1.5 g Montage war etwas „gröber“ aufgebaut. Wobei sich eigentlich nur die Tragkraft Sowohl  der Abstand Bulk zu Bissblei als auch die Größe des Bisslbei waren identisch (No 9).

Luc schwört auf die beschichteten Schrotbleie. Keine anderen Schrotbleie finden den Weg in seine Montagen. Luc schwört auf die beschichteten Schrotbleie. Keine anderen Schrotbleie finden den Weg in seine Montagen.

Für die feine Rotaugenangelei verwendet Luc maximal 0.08 – 0.09 mm starke und 20 cm lange Vorfächer und setzt dabei insgesamt auf 3 Hakenmodelle. Je nach Beißverhalten der Rotaugen, werden der Durchmesser des Vorfachs sowie die Größe des Hakens angepasst.

Luc´s Auswahl an Haken für die diffizile und anspruchsvolle Angelei auf Rotaugen mit Mückenlarven: Sensas 3405 Black, Sensas 3260 und Sensas 3210.

Für die feine Angelei mit Mückenlarve auf Rotaugen setzt er insgesamt auf drei Modelle. Von der Verwendung von Haken ohne Widerhaken hat er mir abgeraten, da man damit zu viele Fische verlieren würde.

Nach dem Aufbau des Platzes, der Rute und Montagen wurde mir schnell klar dass Luc sehr viel Wert auf kleinste Details legt. Bei Schnüren geht er keinen Kompromiss ein. So misst er Beispielsweise jede Schnur gründlich nach und benutzt nur zu 100% kalibrierte Schnüre. Passt der Durchmesser nicht, dann fischt er sie auch nicht. Die heute verwendete Sensas Super Competition erfüllt seine hohen Ansprüche.

Aufbau der Montagen.

Die heute verwendete Sensas Super Competition erfüllt seine hohen Ansprüche. Standardmäßig verwendet er hier im Kanal eine Hauptschnur mit 0.10 mm Durchmesser. Heute waren es ausnahmsweise 0.12 mm, da er die heutigen Rigs für das morgige Trainingsangeln in Almere (EM 2016) einfischt. Er versicherte mir, dass das heute nicht problematisch sei, da wir den Kanal heute für uns haben. Ich stellte ihm nun die Frage Frage, ob man hier auch mit 0.14 mm Hauptschnur und 0.12 mm Vorfach Erfolg haben könnte? Dies verneinte er eindeutig. Über die Jahre hat sich einfach herausgestellt, dass die belgischen Rotaugen sehr sensibel auf zu dickes Material (Schnüre, Haken) reagieren.

Im zweiten Teil der Berichtserie: „Belgische Rotaugen mit Luc Thijs“, geht es um die Futterzubereitung, die anvisierte Taktik.

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