Klassiker unter sich - Breadpunchangeln mit Bob Nudd (Teil 2)

  • von Tobias Klein
  • 05. April 2016 um 11:10
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Hatte sich Altmeister Bob Nudd im ersten Teil unserer Serie schon tief in seine anglerische Trickkiste in Hinblick auf Platzaufbau, dem benötigten Equipment und der richtigen Zubereitung des Brotes für das Angeln blicken lassen, so geht er nun im zweiten Teil auch anglerisch endlich in die Vollen.

Gefühlte Stunden später kehrt Bob mit einem breiten Grinsen von seiner spontanen „Rettet die Enten!“-Aktion zurück. „Das war toll.“, wagt er mir dann über seine Fütterungspause zu berichten, während er auf seiner Sitzkiepe endlich Platz nimmt. „War’s schön mit Deinen neuen Freunden?“, frage ich durchaus angesäuert kurz nach. Keine Reaktion, stattdessen lässt Bob seine steife Kopfrute mit einer gekonnten Bewegung blitzschnell das erste Mal in Richtung Wasser gleiten. Es scheint fast so, als hätte der Allmächtige meine Stoßgebete erhört und wir würden uns nun tatsächlich gänzlich dem Angeln widmen. Kein Zweifel, es gibt ihn also doch.

Zeit ist beim Angeln auf Kleinfisch ein nicht zu unterschätzender Faktor. Doch gerade beim Ausloten investiert Angelikone Bob Nudd lieber ein paar Minuten mehr, um nachher vor unschönen Überraschungen gefeilt zu sein.


Während ich ehrfürchtig als Dank für die Erhörung meiner Fürbitten zehn Rosenkranz-Gebete gen Himmel sende, schildert mir Bob sein weiteres Vorgehen haargenau: „Ich bin felsenfest davon überzeugt, dass man bereits mit dem Ausloten des Angelplatzes die Weichen für einen erfolgreichen Verlauf des Angeltages stellt. Nicht wenige Angler wenden für die Erkundung ihrer auserwählten Angelstelle viel zu wenig Zeit dafür auf, das Gewässer vor ihren Füßen näher kennenzulernen. Dabei ist es doch essentiell zu wissen, wo sich Erhebungen, Kanten, Löcher oder dergleichen am Grund befinden. Einerseits sind derart markante Bereiche in Gewässern im Regelfall die unschlagbaren Hotspots, die man daher auch immer zuerst beangelt sollte. Einerseits sammelt sich dort natürliche Nahrung, die unweigerlich auch die Fische unter Wasser anlockt. Andererseits erwärmt sich an solchen Stellen auch das Wasser ein klein wenig anders, was irgendwie magisch auf die Schuppenträger zu wirken schein.“

Kleines Schwergewicht: Zum Ausloten der Angelstelle greift der Altmeister gerne auf einen Grundsucher aus Blei zurück, mit dem es ein leichtes ist, den Grund abzutasten.

Temperaturfühlige Fische also. Ja, wenn er es sagt, dann wird das auch so sein. Ich bin beileibe der falsche Schreiberling, um die jahrelangen Erfahrung einer Angel-Koryphäe ernsthaft anzuzweifeln. Zur Auskundschaftung der Angelstelle greift Bob dabei auf ein weiteres kleines Helferlein zurück, einen rund 30 Gramm schweren Grundsucher. Im Endeffekt nichts anderes als ein schweres Blei, welches am Haken angebracht wird, die Montage auf Spannung hält und beim sachten Ablassen auf dem Grund eine mehr als deutliche Rückmeldung über die Grundbeschaffenheit an den Angler gibt. Fast schon mit analytischer Genauigkeit nimmt sich der Brite auf diese Art wirklich eines jeden Quadratmeters des Gewässerbodens vor ihm an.

„Zuerst verschaffe ich mir eigentlich immer einen groben Überblick über meine Angelstelle. Dabei interessiert mich zuallererst die Tiefe, alles andere ist erst einmal zweitrangig. Wichtig ist, ob das Gewässer mit zunehmender Angeldistanz abfällt, ansteigt oder die Tiefe gar gleich bleibt. So macht es natürlich keinen Sinn, stur auf 13 Metern oder gar noch mehr zu fischen, sollte ich vielleicht schon auf 9-10 Metern die gleiche Tiefe vorfinden. Denn gerade beim Angeln auf kleine Fische ist Schnelligkeit und Handling absolut entscheidend, um sich vom Angler neben sich abzuheben. So sind die Wege bei einer Angelstelle nahe dem Ufer schlichtweg deutlich kürzer. Letzten Endes die Angelei damit nicht nur viel schneller, sondern um ein Vielfaches leichter.“, erläutert er mir die hinter seinen Bemühungen beim Ausloten stehenden Überlegungen.

Bobs Motto lautet „So weit wie nötig, so kurz wie möglich!“. Gerade beim Angeln auf kleine Fische muss man selten die volle Rutenlänge ausnutzen.

Nachdem er eingedenk des Vorgesagten den Boden vor sich in rund 20 cm-Schritten in Richtung Gewässermitte hin durch stetiges Anheben und anschließendes Senken der Montage mit dem Grundsucher am Haken abgegrast hat, scheint er jeden Kieselstein und jede Kante am Grund in- und auswendig zu kennen. „Die 11,50 m-Bahn, dort sieht es am besten aus. Direkt hinter einer kleinen Kante von 8 cm, dazu fällt der Boden in Richtung 13 Meter nur minimal ab. Da wären wir doch nicht ganz bei Sinnen, würden wir mit voller Rutenlänge fischen, oder? Weiterer Vorteil ist, dass ich die schwere Rute in kürzerer Länge auch noch in meinem Alter ohne Probleme bei Wind und Wetter sicher führen kann!“, stellt er fest. Naja, offenbar sitzt meine am heutigen Morgen begangene Majestätsbeleidigung doch tiefer als gedacht. Aber natürlich nicht so tief, als dass ein Gläschen guter Rotwein auf meine Kosten am heutigen Abend dies nicht wieder in Vergessenheit bringen könnte.

Schließlich widmet sich Bob der exakten Einstellung der Gewässertiefe an der fein austarierten Pose und schiebt dazu den Schwimmer solange auf der Montage zurecht, bis die feine Antenne der Pose wirklich nur noch fünf Millimeter aus der Wasseroberfläche ragt. Damit kratzt der Haken gerade so auf Grund. Mit exakt ermittelter Tiefe macht er sich dann daran, die Angeldistanz auch rund einen halben Meter zur linken und rechten Seite mit dem Grundsucher abzutasten. So könnte es ja gut sein, dass etwas weiter seitlich eine kleines Loch oder dergleichen die Fangaussichten noch weiter erhöhen könnte. Erst nachdem er sicher ist, dass dem nicht so ist, wird die Kopfrute erneut zurückgeschoben, das Kit abgesteckt und der Haken am unteren Ende des Kits eingehängt.

Wichtiges Detail: Die exakte Gewässertiefe sollte unbedingt am Kit vermerkt werden, damit diese stets im Handumdrehen wiedergefunden werden kann.

Mit fast schon ernster Stimme angesichts der elementaren Bedeutung des folgenden Satzes bläut er mir sodann ein: „Ganz wichtig ist nun, die gefundene Tiefe noch auf dem Kit zu vermerken. Dazu sollte man sich bei unten am Kit eingehakten Haken die genaue Position der am Kit anliegenden Pose markieren. Ich nehme dazu gerne Tipp-Ex oder auch einen Fettstift. Markierungen, die sich im Nachgang mit dem Fingernagel ganz leicht entfernen lassen. Dank dieser Markierung kann ich später die ermittelte Angeltiefe nicht nur blitzschnell wiederfinden, sollte sich die Pose während dem Angeln ungewollt verschoben haben. Vielmehr weiß ich auch immer genau, in welcher Tiefe ich am Angeln bin, nachdem ich vielleicht zwischendurch die Pose auf der Suche nach den Fischen verschoben hatte.“

Auch die weiteren Kits bekommen nun die Aufmerksamkeit des Meisters. An einem der zwei weiteren Kits wird eine etwas schwerere Pose von 1,5 Gramm Tragkraft und leicht bauchiger Form angebracht bzw. schließlich anhand des bereits markierten Kits die genaue Gewässertiefe auch auf das zweite Kit übertragen. Er wolle eben auf plötzlich aufkommenden Wind samt stärkerer Oberflächenströmung vorbereitet sein und nachher keine einzige Sekunde seiner Angelzeit mit unnötigen Umbaumaßnahmen vergeuden, erläutert er den Griff auf eine zweite, schwerere Montage. Übrigens ziert auch diese Montage eine Kette aus kleinen Bleischroten, - wie Bob sagt - ein kleiner Rattenschwanz. Das dritte Kit ist ein besonders steifes Cupping Kit, mit dessen Hilfe Bob nachher jeden einzelnen der Futterballen punktgenau auf dem Gewässergrund ablegen will. Macht Sinn, denn sonst hätte er sich das aufwändige Zentimeter-genaue Ausloten seiner Angelstelle gleich schenken können.

Ohne weitere Zeit zu verlieren, kommt eine kleine Portion Pinkies, ein paar Maden sowie einige Caster aus Bobs Kühltasche und finden Platz auf der kleinen seitlichen Ablage an der Kiepe. „So gut die Breadpunch-Angelei auch sein mag, ab und zu brauchen die Jungs unter Wasser etwas Bewegung am Grund. Da kommen die Pinkies ins Spiel, die ich gerne unter meine Anfangsfütterung mische. Auch zwischendurch zwei Caster oder zwei bis drei Pinkies am Haken können gerade die größeren Fische zum Anbiss verleiten und werden daher bei mir selbst beim Breadpunch-Angeln nie ganz außer Acht gelassen.“, sagt er und rückt ein letztes Mal alles perfekt zurecht auf der Ablage. Nunmehr sind Bobs Gedanken an all die Entlein auf dem See wie weggeblasen, er befindet sich stattdessen in einem regelrechten Tunnel. Jeder Handgriff sitzt dank jahrzehntelanger Routine perfekt und ich muss mich durchaus anstrengen, dem rasanten Fortgang der Session mit entsprechender Bebilderung folgen zu können.

Genauigkeit ist alles - beim Anfüttern vertraut Bob auf einen Polecup an der Koprfute, mit dessen Hilfe er punktgenau die Starfütterung setzen kann.

Zuerst kommt der große Auftritt des Cupping Kits. Blitzschnell wird der montierte Polecup mit einem Mandarinen-großen Futterball füllt und in einer fast schon beneidenswert fließenden Bewegung sicher in Richtung Angelstelle manövriert. Mit einer sanften Bewegung aus dem Handgelenk wird die wertvolle Fracht schließlich punktgenau abgeladen. „Am besten man merkt sich dafür einen Punkt auf der Kopfrute, bis zu welchem man die Kopfrute hinausschieben muss. Dann landet wirklich jeder Brotball punktgenau auf der Angelstelle.“, rät Bob, während er schon den nächsten der Brotbälle gen Seemitte schiebt. Jeder dieser Brotbälle ist dabei mit einer kleinen Prise Pinkies gespickt. Einerseits sollen diese dafür sorgen, dass der Brotball am Grund noch schneller zerfällt, andererseits aber auch dafür, dass die Fische den Platz dank optischer Reize durch die Bewegungen der kleinen Krabbler am Boden noch schneller finden.

So gut Brot als Futtermittel auch sein mag, ein optischer Reiz kann nicht schaden. Einige Pinkies in der Startfütterung sorgen für das gewisse Extra unter Wasser.

Nachdem der Letzte der fünf Brotbälle in den Fluten versenkt ist, geht es endlich in die Vollen. Das Kit mit der 0,5 Gramm-Montage wird zur Hand genommen und die erste noch in Frischhaltefolie eingewickelte Toastbrotscheibe kommt zum Einsatz. „Man sollte die Toastbrot-Scheiben für den Haken stets einzeln verpacken. Denn das Brot trocknet an der frischen Luft recht schnell aus, sodass man grob alle 30 Minuten eine neue Scheibe Brot verwenden muss. Schließlich hält feuchtes Brot einfach besser am Haken als solches, das schon an- bzw. ausgetrocknet ist.“, verrät mir Bob und drückt zum ersten Mal den 4 mm-Breadpunch ins vorbereitete Brot, das er zur besseren Handhabung in einer flachen Madendose platziert hat. Sodann führt er den feinen 18er Haken mittig von unten durch das Brotstückchen im Ausstecher, zieht dieses aus dem Ausstecher, rückt das Stückchen Brot am Haken noch ein klein wenig am Hakenbogen zurecht und schwingt die Montage sogleich mit einer resoluten, aber dennoch sanften Bewegung am Kit ins Wasser.

Soviel Zeit muss sein: Beim Anbringen des ausgestochenen Brotes am Haken sollte man besonders sorgsam vorgehen.

Bevor er die Kopfrute aufsteckt, presst er den Punch noch schnell ein weiteres Mal ins Toastbrot. Während er das Kit aufsteckt und die Rute fast schon liebevoll in Richtung Angelstelle bugsiert, geht er weiter ins Detail: „Du siehst, ich versuche jedes Detail zu optimieren. Dazu gehört auch, den Breadpunch gleich neu zu bestücken, damit ich diesen Schritt nachher nicht mehr machen muss. Das spart am Ende wertvolle Minuten, die nicht selten den Unterschied machen. Auch beim Hinausschieben der Rute ist behutsames Vorgehen angesagt, denn so gut das Brot auch am Haken halten mag, aus Gummi ist es nunmal nicht und hektische Bewegungen könnten es vom Haken schütteln.“

Das Warten auf den ersten Biss des Tages beginnt. „Das kann jetzt durchaus etwas dauern. Denn wenn Du mich fragst, dann steht der Wind heute genau ins falsche Eck. Hätten wir uns doch lieber etwas mehr in Windrichtung gesessen.“, so Nostradamus Nudd. „Es sagte niemand, dass es heute einfach werden wird. Sonst könnte es doch jeder!“, stecke ich ihm mit einem aufmunternden Grinsen zu. Gelassen ob der Dinge, die da kommen mögen, geht der erfahrene Friedfisch-Spezi dazu über, der Brotflocke am Haken Leben einzuhauchen. Mit stoischer Ruhe hebt Bob dazu seine Montage in den nächsten Minuten eine Handbreit an, nur um sie sodann wieder sachte abzulassen. Nach einiger Zeit hebt er sogar die ganze Montage aus dem Wasser, um zu sehen, ob die Flocke noch am Haken hängt. Dass dies erst nach gut fünf Minuten geschieht, ist für mich durchaus überraschend. Die Präparation des Brotes zu Hause scheint wohl jetzt Früchte zu tragen.

 Bob schwört darauf, den Breadpunch immer in bereitem Zustand zu halten. Dies spart enorm viel Zeit beim Beködern.

Im Handumdrehen wird rasch neu beködert und erneut beginnt das Schauspiel von vorne. Nachdem ich mir nach gut fünfzehn Minuten meine ersten Sorgen mache und ich ins Grübeln komme, ob Bob wirklich mit der Windrichtung Recht behalten sollte, werde ich durch einen abrupten Anschlag aus Bobs Handgelenk aus meinen Gedanken gerissen. Der fein ansprechende, doppelt gelegte Gummizug verrichtet tadellos seinen Dienst, hat die überraschend kraftvollen Fluchten des Rotauges am Haken schnell gebändigt und Bob sorgt für den ersten „Rotaugen-Freiflug“ des Tages. Perfekt gehakt, mittig und ganz vorne in der Oberlippe. „Schau dir mal dieses Prachtstück an.“, freut er sich wie ein kleine Junge, als er mir das fingerlange Rotauge entgegenstreckt. Naja, ein Rotauge halt und dürfte für meinen deutschen Geschmack gerne etwas größer sein. Aber wer der kleinen Fisch nicht ehrt, ist den großen Fisch nicht wert, nicht wahr?

Perfekt gehakt: Bereits der erste Fisch des Tages zeigt, wie perfekt die Herangehensweise des Meisters funktioniert. Es ist ein leichtes, derart gehakte Fische schonend vom Haken zu befreien.

Endlich scheint der Bann gebrochen und ein Silberling nach dem anderen kann der Brotflocke am Haken nicht widerstehen. Wie eine Maschine spielt Bob nun seine ganze anglerische Routine aus, jeder Handgriff sitzt, Fisch um Fisch wird zum Landgang überredet. „Siehste, Breadpunch-Angeln ist eben international. Das klappt auch hierzulande extrem gut.“, bestätigt er selbst seine These von heute Morgen. „Solange die Fische so gut beißen, sollte man sich übrigens hüten, nachzufüttern. Denn dies würde nur für unnötige Unruhe auf dem Platz sorgen. Besser ist es, die Bissfrequenz zu verfolgen und erst dann nachzulegen, wenn diese merklich abnimmt.“, fährt Bob schließlich fort.

Schnell sind etliche Rotaugen und Rotfedern im Kescher und der Experte an der langen Rute will plötzlich mehr: „Schauen wir mal, ob sich nicht auch die ein oder andere Brasse  unter Wasser rumtreibt.“, spricht er mir fast schon aus der Seele, wechselt im Anschluss auf die 1,5 Gramm-Montage und stellt die Angeltiefe durch Verschieben der Pose eine gute Handbreit auf Grund. Rund 10 cm des Vorfachs liegen jetzt auf dem Grund auf. „Versteh mich nicht falsch, hier kannst Du nach wie vor auch mit 0,5 Gramm angeln. Nur sind mittlerweile so viele Rotaugen auf dem Platz, dass wir Probleme haben werden, unseren Köder auf den Grund in Brassen-Nähe zu bringen.“, rechtfertigt Bob seine Umstellung.

Das hat nicht lange gedauert. Bereits kurze Zeit nach der Umstellung der Angeltiefe kann Bob den ersten Skimmer des Tages zum Landgang überreden.

Und tatsächlich: Nach einigen weiteren Rotaugen, die sich auch trotzt der 1,5 Gramm an der Montage nicht vom Einsaugen des Brotes am Haken hatten abhalten lassen, taucht die Antenne der bauchigen Pose irgendwann ganz langsam in den Fluten ab, schießt dann aber abrupt aus dem Wasser. „Yesssss!“, platzt es aus Bob beim Anblick des immer länger werdenden Gummizugs heraus. Mit flacher Rutenspitze werden die ersten Fluchten des Fisches gebändigt und wenig später zeigt sich der erste „skimmer“ des Angeltages an der Wasseroberfläche und wird schließlich mit einem beherzten Stoß des Unterfangkeschers eingenetzt. „Wegen mir kann es nun gern so weitergehen!“, freut er sich angesichts der ersten Rüsselträgerin des Tages.

Fast schon nach Belieben verführt Bob mit Brot am Haken Fisch um Fisch.

In der Folge wechseln sich Brassen und Rotaugen ab, hin und wieder kann Bob auch eine stattliche Rotfeder landen, die ihn in angesichts ihrer schönen Färbung in den höchsten Tönen schwärmen lässt. Immer wieder schiebt Bob nun auch die Bleie seiner Montage etwas auseinander, sobald er merkt, dass die Bisse etwas spitzer werden: „Mit zunehmenden Verlauf der Angelsession wird es oft nötig, den Widerstand am Haken zu verringern. Dazu schiebe ich die kleinen Schrotbleie einfach ein Stück weiter weg vom Haken. Ein kleines Schrotblei bleibt allerdings immer unmittelbar vor dem Haken, denn sonst kann es vorkommen, dass man feine Bisse gar nicht mehr mitbekommt.“

Eine Bleikette macht’s möglich: In Windeseile kann Bob seine Montage von einer Einpunkt-Bebleiung durch Verschieben der kleinen Schrote in eine besonders feinfühlige Mehrpunkt-Bebleiung umbauen. Ein kleines Schrot sollte allerdings unbedingt vor dem Haken verbleiben.


Um ehrlich zu sein, langsam aber sicher ist der heutige Tag für mich durch. Wir sind zwar erst zweieinhalb Stunden am Angeln, Bob fängt Fisch um Fisch. Dennoch überlege ich, wie ich ihm am besten mitteile, dass wir nun genügend Material im Kasten haben und die derzeit günstigen Lichtverhältnisse für eine Ablichtung seines Tagesfanges nutzen sollten. Dies um jeden Preis aber auf eine Weise, die mich nicht noch ein zweites Glas Rotwein am Abend kostet. Gerade als ich mir die „Akku-wird-langsam-leer“-Ausrede zurecht gelegt habe und ansetzen will, kommt mir Bob zuvor: „Das ist ja alles schön und gut, aber das dauert mir noch einen Tick zu lang. Das muss doch auch schneller gehen? Warte mal, ich probier’ mal was.“ Noch schneller? Der alte Knabe ist am Ende auch noch Komiker? Schließlich gesellt sich mittlerweile im Minuten-Takt ein weiterer Fisch zu seinen zahlreichen Artgenossen in den Maschen von Bobs Setzkescher. Brassen - äh, ich vergaß: „Skimmer", Rotaugen und Rotfedern geben sich regelrecht die Klinke in die Hand. Steter Wechsel des Köders am Haken von einer Brotflocke auf eine Caster, dann zu zwei Pinkies oder einer Made bringt Bisse am laufenden Band. Abwechslung muss eben sein, das ist auch beim Angeln mit Brot nicht viel anders.

Klein, aber dennoch gern gesehen beim mehrmaligem Weltmeister: ein weiterer kleiner Skimmer.

Wie angekündigt, will es der Weltmeister kurz vor dem inoffiziellen Ende des Angeltages noch einmal wissen: Direkt vor seinen Füßen, etwa 4 Meter vom Ufer entfernt, wird ein zweiter Futterplatz angelegt. Das in feinstem Multitasking mit einer natürlichen Leichtigkeit gewissermaßen nebenbei. Denn während er nach wie vor Fisch um Fisch an der langen Kopfrute an Land zieht, wirft Bob in den nächsten zehn Minuten immer wieder einen Walnuss-großen Brotball mit einigen Pinkies darin an die neue Angelstelle vor seinen Füßen. Freilich hatte der alte Fuchs bereits zu Anfang der Session auch diese Angeldistanz penibel ausgelotet bzw. diese am Kit vermerkt und nach Ästen und sonstigem Unrat abgesucht, welche ein Angeln in Ufernähe allzu schnell zur Zerreißprobe werden lassen würden.

Kleiner Futterball, große Wirkung. Mit kleinen Brotballen lockt der Friedfisch-Guru gegen Ende der Session die kleinen Silberlinge fast bis vor seine Füße. Ziel? Mit dem Kit zur Hand noch schneller an den Fisch kommen.

Mit einem „Jetzt pass mal auf!“ wechselt der Weltmeister sodann zum ersten Mal auf den neu angelegten Angelplatz, um sein „Glück“ nahe dem Ufer zu versuchen. Wie auf Kommando taucht die mittlerweile wieder 0,5 Gramm-Pose ab und Bob quittiert sicher mit einem gekonnten Anschlag. Sein folgendes Grinsen könnte angesichts seines goldrichtigen Riechers nicht breiter ausfallen. Mal unter uns: Ich bin sicher nicht der einzige, den alles andere als das schon sehr gewundert hätte, oder?

Da sage noch einer, Breadpunch-Angeln funktioniere nur in England. Bobs Fangergebnis von rund drei Stunden Angelzeit spricht eine mehr als deutliche Sprache.

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