Feeder Basics 1 mit Jamie Harisson - Ruten und Rollen

  • von Jamie Harisson
  • 22. Juni 2016 um 10:00
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Die Auswahl an Ruten und Rollen ist heute größer denn je und ich kann sehr gut nachvollziehen, dass dieses riesige Angebot sehr verwirrend ist für den Freizeitangler auf der Suche nach neuem Gerät. Auch die aus anderen Bereichen gewohnte Treue zu bestimmten Marken ist verständlich, trotzdem sollte Angelzubehör grundsätzlich danach ausgewählt werden, wie gut es für eine bestimmte Aufgabe geeignet ist. Hat der Angler die genauen Anforderungen festgelegt, sollte er in der Lage sein, eine sinnvolle und fundierte Kaufentscheidung zu treffen. Eine große Hilfe dabei ist, dass viele namhafte Hersteller bei der Vermarktung ihrer Produkte inzwischen sehr detailliert angeben, für welche Aufgabe das jeweilige Gerät entwickelt wurde. Eine F1-Rute beispielsweise wurde für den Fang von Fischen der Größe F1 konzipiert, es wird also mit großer Wahrscheinlichkeit eine weiche Rute mit einer parabolischen Aktion sein, deren Ringe für monofile Schnur entwickelt wurden und die für das Angeln mit leichtem Geschirr auf Fische von 1 bis 3 Pfund bestimmt ist. Diese Praxis kann euch die Auswahl enorm erleichtern und euch helfen, schon früh einige ungeeignete Optionen von eurer Liste zu streichen.

Rutenwahl

Die Vielzahl der technischen Spezifikationen kann leicht dazu führen, dass man sich bei der Auswahl in Einzelheiten verliert, aber das Wissen um diese Details wird euch davor bewahren, beim Kauf oder auch am Wasser die falschen Entscheidungen zu treffen.

Rutenlänge

Sie hängt ab von der Entfernung, in der ihr voraussichtlich fischen werdet und den Bedingungen, die ihr antreffen werdet. Ruten mit einer Länge von 3,30m sind üblicherweise für eine Entfernung von bis zu 40m geeignet, während es bei einer Entfernung von 40m - 60m schon eine Rutenlänge von 3.60m sein sollte. Wurfweiten von über 60m werdet ihr am einfachsten mit einer Rute von über 4m Länge erreichen.

Denkt sorgfältig darüber nach, in welchen Entfernungen ihr fischen wollt, bevor ihr Rute und Rolle für ein Fischen wählt.

Handgrifflänge

Dieser Aspekt wird oft vernachlässigt, doch die Länge des Rutengriffs kann sowohl euer Werfen als auch eure allgemeine Zufriedenheit mit der Rute und ihrem Handling entscheidend beeinflussen. Ein längerer Rutengriff bietet einen besseren Hebel und erleichtert damit größere Wurfweiten. Aus diesem Grund besitzen Ruten für Distanzwürfe längere Griffstücke, während die gleichen Ruten für kürzere Distanzen mit kurzen Griffen ausgestattet sind. Außerdem lassen sich Ruten mit kurzen Griffen besser vor dem Körper hin und her bewegen, was die Performance beim Speedfischen erhöht.

Rutenaktionen

die Aktion einer Rute ist wahrscheinlich der Aspekt, auf den beim Kauf am meisten geachtet wird, gleichzeitig ist es überraschend, wie viele Käufer gar nicht genau wissen, welche Rutenaktion sie überhaupt benötigen! Ich bin sicher, dass uns allen das schon passiert ist: man kauft eine Rute, überzeugt davon, dass sie genau richtig ist, nur um beim ersten Wurf oder Fisch festzustellen, dass sie viel zu weich oder zu steif ist! Generell sind weichere Ruten, deren Biegung bereits kurz über dem Griff beginnt, für kürzere Distanzen und für Fische mit weichen Mäulern wie Rotaugen und Güstern gedacht. Ausnahmen von dieser Regel sind einige Ruten, die in Großbritannien an gewerblichen Fischgewässern verwendet werden, um auf kurze Distanz schnell Karpfen zu fangen. Ruten, deren Aktion näher an der Spitze beginnt, sind konzipiert für größere Wurfweiten und schwerere Fische wie Brassen. Sie können aber auch auf kurze Distanz nützlich sein bei starkem Wind und bieten eine hervorragende Leistung beim Angeln im Fließgewässer.

Ringe

Die Ringe an einer Rute sind ein Detail, dem ich persönlich sehr lange gar keine Aufmerksamkeit geschenkt habe. Erst als ich anfing, regelmäßiger mit geflochtener Schnur zu fischen, wurde mir klar, wie sehr unterschiedliche Ringe mein Werfen und die allgemeine Performance beim Fischfang beeinflussen. Ich fand bald heraus,  dass einige meiner Ruten zwar perfekt geeignet waren für das Fischen an bestimmten Gewässern, es aber nur gut funktionierte, solange ich keine Schlagschnüre benutzte. Dies hatte einen einfachen Grund: die Ringe an den Rutenspitzen waren einfach zu klein, um selbst die kleinsten Knoten hindurch zu lassen. In der Vergangenheit hatte ich auch bei vielen Anglern beobachtet, dass ihre Montagen beim Auswerfen aus demselben Grund abrissen. Wenn ihr also plant, mit Schlagschnüren zu angeln, vergewissert euch unbedingt, dass die Spitzen der gewählten Ruten Ringe mit ausreichendem Durchmesser haben!

Rutenspitzen

Ich bin sicher, wir alle sind uns bewusst, wie wichtig die Wahl der richtigen Rutenspitze ist. Umso mehr erstaunt es mich, wie häufig dieser Punkt übersehen wird. Ruten, die mit einer Auswahl unterschiedlicher Spitzen verkauft werden, sind eine gute Sache; ihr sollten aber keinesfalls glauben, dass solche Ruten damit für jede erdenkliche Situation geeignet sind. Wenn ihr eine große Anzahl unterschiedlicher Gewässer befischt, werdet ihr höchstwahrscheinlich zusätzliche Spitzen kaufen müssen, die für die vorhandenen Gegebenheiten besser geeignet sind.  Der Hauptgrund dafür, dass sich viele Angler wenig Gedanken über die Wahl der richtigen Spitze machen, liegt meiner Meinung nach darin, dass wir unser Gerät fertig aufgebaut in entsprechenden Rutentaschen an das Gewässer bringen. Versteht mich nicht falsch, diese Rutentaschen sind genial und ich benutze sie selber ständig, aber sehr oft kann man die richtige Rutenspitze erst am Gewässer wählen, wenn man die Bedingungen wie Wurfentfernung und Strömung am Angelplatz gesehen hat. Aus diesem Grund baue ich meine Ruten sehr selten bereits zuhause auf.

An vielen großen Naturgewässern braucht ihr eine gute Auswahl an Ruten, um alle Eventualitäten abzudecken.

Es gibt viele Debatten über die Frage,  aus welchem Material die Rutenspitzen sein sollten und das meiste davon scheint auf persönlichen Präferenzen zu basieren. Inzwischen bevorzugen jedoch mehr und mehr Angler Spitzen aus Kohlefaser. Trotzdem haben auch Glasspitzen ihren Platz und ich kenne viele gute Feeder-Angler, die in fast jeder Situation Kohlefaserspitzen benutzen. Fischen sie aber bei extremen Wind- und Strömungsverhältnissen in Talsperren, bevorzugen sie Glasspitzen, deren Biegung in der Strömung viel gleichmäßiger ausfällt.Um also die richtige Spitze für eure Angelsession zu finden, gibt es nur einen guten Weg: baut eure Rute am Gewässer auf, wählt die Spitze, die ihr für am geeignetsten haltet und werft mit einem Lotblei an den gewünschten Angelplatz. Dann legt die Rute auf den Halter, spannt die Schnur und wartet ab, was geschieht. Tut das, während ihr euer restliches Gerät vorbereitet und ihr werdet bald feststellen, ob eure Wahl richtig gewesen ist. War sie es, prima. Wenn nicht, müsst ihr den Aufbau ändern, aber wenigstens habt ihr das dann vor Beginn des Angelns gemerkt.

Ein weiteres kleines, aber wichtiges Detail ist die Sichtbarkeit der Spitze. Bei widrigen Bedingungen, wenn sich die Sonne hinter Wolken versteckt und bei starkem Wind sind manche Spitzen nur schwer zu sehen. Denkt in solchen Fällen also daran, Spitzen mit gut sichtbaren Farben zu wählen. Auch größere Spitzenringe verbessern die Sichtbarkeit.

Während der letzten paar Jahre habe ich gelernt, meine Auswahl bei Angelgerät möglichst klein zu halten. Das reduziert die Zeit, die ich zuhause mit der  Zusammenstellung von Geschirren verbringe, erheblich. Mir ist bewusst geworden, dass die meisten Angeln, an denen ich in UK und Europa teilnehme, mit 3.3m oder 3.6m langen Ruten gefischt werden und ich im Grunde nur zwei Versionen von jeder Länge mitnehmen muss. Die 3.3m-Variante, die ich schon den ganzen Winter über fische, ist eine Matrix Legend Slim und sie ist in den letzten Monaten die perfekte Wahl gewesen für das Fischen auf Güstern mit dünnen Schnüren und feinen Haken. Mit einer Länge von 3.3m kann ich bequem bis in einer Entfernung von 40m fischen, außerdem hat die Rute eine sehr schöne durchgehende Aktion und ist damit bestens geeignet für den Fang von Fischen mit weichen Mäulern.

Darüber hinaus ist die Rute ideal für das Fischen mit Schlagschnur, die ohne Reibung durch die großen Ringe passt und ein ungehindertes Auswerfen garantiert.

Die Matrix 3.6m S-Class ist meine erste Wahl für das Fischen an natürlichen Gewässern mit Wurfweiten bis zu 60m.

Sind Würfe von über 40m erforderlich, benutze ich immer die 3.6m Horizon S-Class. Diese wurde von Matrix ebenfalls mit großen Ringen ausgestattet und ist damit eine weitere Rute, die sowohl für geflochtene, als auch für monofile Schnur geeignet ist. Ihre Spitzenaktion bietet aber ausreichend Steifigkeit für Würfe von bis zu 60m. Diese Rute habe ich im letzten Jahr an größeren Naturgewässern in England und Irland  sowie am Ghent-Terneuzen-Kanal in Hollend benutzt.

Muss ich allerdings auf extreme Distanzen fischen, wähle ich immer den Matrix 4m Horizon Feeder. Es gibt dieses Rutenmodell auch in Längen von 4.3m und 4.5m, doch für meine Bedürfnisse und Wurftechnik ist das 4m-Modell am besten geeignet und ich erreiche damit die größten Wurfweiten. Die längeren Modelle sind ideal für das Fischen auf größere Entfernung an Flüssen geeignet. Ein Szenario, das ich bisher noch nicht hatte, aber ich bin sicher, dass ich innerhalb der nächsten ein oder zwei Jahre bei einem Fischen irgendwo in Europa so angeln werde.

Die Matrix Horizon Ruten spielen für mich bei Fischen eine große Rolle.

Rollen

Den meisten Anglern dürfte bewusst sein, wie wichtig gute Rollen für den Feeder-Angler sind. Einmal mehr sind es die Details, die meine Wahl beeinflussen, wenn ich auf der Suche nach einer Rolle für eine bestimmte Aufgabe bin. Im Laufe der Zeit habe ich wirklich schon dutzende verschiedener Marken und Modelle benutzt, aber obwohl es ganz nett ist, teure Rollen zu besitzen und zu nutzen, sehe ich ehrlich gesagt keinen besonderen Nutzen darin. Ich verstehe sehr gut, dass der Preis einer Rolle sehr häufig ihre Qualität und theoretisch auch ihre Zuverlässigkeit widerspiegelt, aber aus Erfahrung weiß ich, dass das leider nicht immer der Fall ist. Wäre eine teure Rolle zum Beispiel wie eine Sitzkiepe, von der man nur eine kaufen muss, wäre das in meinen Augen okay. Doch wie wir alle wissen, brauchen wir diverse Rollen, was eine gute Ausstattung zu einer sehr kostspieligen Angelegenheit machen kann. Meiner Erfahrung nach sind Rollen im Preisbereich von 100 EUR bis 125 EUR bestens geeignet für die meisten Varianten des Feederfischens. Rollen aus diesem Preissegment halten etwa 2-3 Jahre, sind günstig zu ersetzen und bieten damit in meinen Augen ein sehr gutes Preis-Leistungs-Verhältnis. Die einzige Ausnahme sind Rollen für das Fischen auf große Entfernung; für solche speziellen Rollen mit der dafür benötigten Spule und Wurfkraft solltet ihr ein wenig mehr Geld ausgeben.

Generell werden kleinere Rollen für das Fischen auf kürzere Distanz benutzt, während die größeren bei Distanzwürfen zum Einsatz kommen oder an Fließgewässern, wo man größere Gewichte werfen muss. Die 3000er Rollen werden von vielen Anglern für Würfe bis 30m benutzt; dank ihrer geringen Übersetzung sind sie besser dafür geeignet, weichmäulige Fische zu landen, da der Feederkorb langsamer eingeholt wird und damit der Zug auf das weiche Fischmaul und die Gefahr des Ausschlitzens verringert wird.

Rollen, die auf die Rutenlänge abgestimmt sind, erleichtern das Werfen und die Genauigkeit dabei sehr.

Die nächsten beiden Größen, 4000er und 5000er Rollen, benutze ich am häufigsten. Die 4000er Rolle ist sehr gut geeignet für Würfe bis 50m, hat eine praktische Größe und eine relativ geringe Übersetzung, wodurch sie sehr vielseitig einsetzbar ist. Die 5000er Rollen sind gedacht für Wurfweiten von bis zu 70m, eignen sich aber auch sehr gut für das Speedfischen auf 40 - 70m, wenn der Fisch schnell gelandet werden muss. Diese Eigenschaft macht die 5000er Rolle zu einem Favoriten z. B. in Irland, wo die Einhol-Geschwindigkeit entscheidend sein kann.

Bei Wurfweiten von über 70m kommt man in den Bereich der Weitwurfrollen, welche sehr viel spezieller sind und viele Matchangler benutzen heute die verschiedensten Karpfenrollen für diesen Zweck.

Messlatten machen den Wechsel zwischen verschiedenen Ruten und Rollen sehr viel einfacher.

Ich persönlich benutze nur eine kleine Anzahl an Rollen für meine gesamte Feederangelei, was einen großen Einfluss hat auf meine Vorbereitungszeit vor einem Fischen. Die Rollen für all die Gewässer, in denen ich fische, basieren im Prinzip nur auf drei Modellen. Am häufigsten und für Weiten zwischen 15 und 70m benutze ich die Modelle Matrix Aquos 4000 bzw. 5000. Dieses sind recht kompakte Rollen mit Frontbremse, welche sich als extrem zuverlässig erwiesen haben und deren perfekte Schnurclips mich nie im Stich gelassen haben.

Wenn ich weiter als 70m werfen muss, nutze ich die Matrix 5500 Feederrolle, mit der ich bei korrektem Setup Weiten von über 100m erreichen kann. Die Spulen dieser Rolle sind mit zwei Schnurclips ausgestattet, was sie sehr vielseitig macht.

Gleichgültig, welche Rolle oder welches Modell ihr wählt, ist es wichtig zu wissen, WARUM ihr euch  überhaupt dafür entschieden habt. Wie oft habt ihr einen Topangler beobachtet oder in einem Video gesehen, bei dem das Auswerfen, der Drill der Fische und das gute Fangergebnis wie ein Kinderspiel aussahen? Das liegt zu einem großen Teil daran, dass Topangler genau das richtige Gerät für die anstehende  Aufgabe auswählen.

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