Feeder Basics Teil 2 - Schnur - geflochten und monofil!

  • von Jamie Harrison
  • 07. November 2016 um 15:00
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Erst, seit ich vor drei Jahren begonnen habe, mich intensiv mit dem Feederfischen zu beschäftigen, habe ich angefangen zu verstehen, warum es so viele verschiedene Sorten von Feederschnüren auf dem Markt gibt. Ich benutzte immer die altbekannten und bewährten Schnüre und wenn ich ehrlich bin, hatte es nie einen Grund gegeben, daran etwas zu ändern. Je mehr ich allerdings unter Angler kam und sogar einige der besten Angler Europas kennenlernte, desto mehr interessierte ich mich dafür, welche Entscheidungen sie bei der Auswahl ihrer Schnüre trafen. Als ich mit Angeln anfing, hatten wir keine große Auswahl an Schnüren und ich gebe gern zu, dass wir immer nur Bayer und Maxima benutzten. Beide Marken sind auch heute noch gut im Markt, aber wie bei jedem ernsthaften Sport sucht jeder von uns nach dem entscheidenden Vorteil und je mehr wir unterschiedliche Schnüre benutzten, desto mehr begriffen wir, dass die Benutzung von speziellen, der Situation angepassten Schnüren uns diesen Vorteil verschaffen konnte.

Schnur

Fast jede heute auf dem Markt angebotene Schnur scheint einmalig zu sein und ich habe nie Angler sagen hören, dass sie jemals zwei völlig gleichartige Marken gesehen hätten. Ich finde das großartig, denn das bedeutet doch, dass wir Verbraucher die maximale Auswahl haben! Heutige Spitzenangler investieren sowohl viel Zeit als auch großes Engagement, um die 'richtige' Schnur für die anstehende Aufgabe zu finden und schauen daher sehr genau auf alle Aspekte des jeweiligen Designs. In der Realität sind die meisten Angler jedoch Freizeitangler mit weniger hohen Ansprüchen und solange die Schnur ihre Aufgabe erfüllt, wird der Preis das entscheidende Kaufkriterium sein. Wie bei allen Waren unserer Konsumgesellschaft erwarten wir, dass die teuerste Schnur auch die beste ist, aber es gibt eine Anzahl von qualitativ guten Schnüren auf dem Markt, die ein sehr gutes Preis-Leistungs-Verhältnis bieten.

Topangler jedoch berücksichtigen alle Aspekte einer Schnur, ehe sie ihre Entscheidung treffen.

  Speziell für das Feederfischen designte Monoschnur kann euch einen Vorteil geben, wo geflochtene Schnur nicht erlaubt ist!

Dehnfähigkeit:

Das Interessante an einer dehnbaren Schnur ist, dass diese Eigenschaft oft übersehen wird und man erst beim Angeln bemerkt, wie dehnbar die Schnur tatsächlich ist! Diese Dehnbarkeit beeinflusst euer Auswerfen, wie sauber der Clip getroffen wird, wie schnell ihr die Schnur bis zum Feeder straffen könnt, euren Anhieb und den Erfolg dabei und natürlich den gesamten Drill. Sie ist immens wichtig. Wisst ihr jedoch, wie dehnfähig einzelne Schnüre  sind, könnt ihr das oft zu eurem Vorteil nutzen. Dehnbare Schnüre können z. B. sehr effektiv sein beim Drill großer Karpfen auf kurze Distanz, da die Schnur plötzliche Fluchten des gehakten Fisches abfängt und damit die Gefahr verringert, dass der Haken sich lockert oder gar ausschlitzt.

Durchmesser:

Der Durchmesser einer Schnur im Verhältnis zu ihrer tatsächlichen Tragfähigkeit ist bei allen Marken in etwa gleich, aber wenn ihr die stärkste Schnur für einen bestimmten Durchmesser finden wollt, sollte das mit ein bisschen Nachforschung möglich sein. Der Schnurdurchmesser hat Auswirkungen auf euer Auswerfen, das Wurfgewicht, darauf, wie viel Druck bzw. Zug das jeweilige Gewässer auf eure Rutenspitze ausübt und auch auf den Drill des gehakten Fisches.

Strapazierfähigkeit:

Obwohl ihr die Schnur beim Kauf mit der Hand ziehen und dehnen könnt, um eine Vorstellung von ihrer Stabilität zu bekommen, werdet ihr ihre tatsächliche Haltbarkeit erst beim Angeln selbst herausfinden. Wenn wir hier über Haltbarkeit reden, meinen wir nicht die Stärke der Schnur, sondern wie verschleißfest sie ist, wie lange ihr sie benutzen könnt, wie schnell sie sich abnutzt und ob sie robust genug ist für das Gewässer, in dem ihr fischen wollt. Es gibt da draußen einige sehr gute Schnüre, aber wenn ihr sie nach nur wenigen Angelsessions schon ersetzen müsst, sind sie vielleicht nicht für eure Anforderungen geeignet. Sehr oft ist die Haltbarkeit direkt abhängig vom Durchmesser einer Schnur, aber wenn ihr das kleine Extra für eure Performance sucht, müsst ihr versuchen, die bestmögliche Balance von beidem zu finden.

Viele internationale Topangler nutzen ausschließlich Matrix Submerge an einer großen Anzahl von Gewässern.

Sinkend:

Dieser Punkt ist ein bei vielen Topanglern ein Hauptthema und für andere hat es wiederum gar keine Relevanz. Ich persönlich habe immer eine gut sinkende Schnur vorgezogen und ich glaube, dass ich erheblich effizienter fische, wenn meine Schnur unter Wasser ist. Manche Schnüre sinken besser als andere und glücklicherweise kennzeichnen viele Hersteller ihre Schnüre inzwischen ordentlich, so dass wir genau sehen, welche Sorte wir kaufen. Sinkende Schnur kann ein großer Vorteil sein bei starkem Wind, wenn sie möglichst schnell unter die Wasseroberfläche kommen soll. Ist es allerdings windstill und ihr bekommt schnelle Bisse, kann eine schwimmende bzw. langsam sinkende Schnur helfen, die Bisse eher zu sehen und mehr erfolgreiche Anhiebe zu setzen.

Geflochtene Schnur

In Europa ist das Feederfischen sehr populär geworden und in Großbritannien nutzen offensichtlich immer mehr Angler dafür geflochtene Schnüre (Braid). Tatsächlich weiß ich aus eigener Erfahrung, dass diese Schnüre in UK noch populärer wären, wenn mehr kommerzielle Angelbetriebe sie erlauben würden! Die Angler haben die Vorteile der geflochtenen Schnur gesehen und für sich entdeckt, weshalb sie sie überall hier bei Angelveranstaltungen gern benutzen. Ursprünglich galten geflochtene Schnüre als 'Brassentaktik', aber die Erfahrung zeigt, dass sie für die verschiedensten Anwendungen beim Matchfischen geeignet sind. Bis zu diesem Jahr war das Angebot an diesen Schnüren recht begrenzt, aber inzwischen verkaufen immer mehr Hersteller ihre eigene Version der geflochtenen Schnur und es wird interessant sein zu sehen, welche davon den Praxistest bestehen werden. Ein oder zwei Jahre lang nutzten die meisten Leute Preston Innovations Schnur. Das hat sich mit Erscheinen der Matrix Submerge jedoch schnell geändert, die in den letzten drei bis vier Jahren den Markt dominiert hat und in meinen Augen noch immer die Beste auf dem Markt ist. Es war nicht allgemein bekannt, aber auffällig, wie viele der besten Angler Großbritanniens die Matrix Submerge benutzt haben, obwohl sie von anderen Herstellern gesponsert wurden. Meiner Meinung nach das beste Statement dafür, wie viel sie von dieser Schnur hielten. Dank der Popularität des Feederfischens und der Änderung des Käuferverhaltens werden immer mehr Hersteller ihre eigenen geflochtenen Schnüre herausbringen und nur die Zeit wird zeigen, wie effektiv diese neuen Schnüre sind.

Der beste Rat, den ich bekam, als ich anfing mit Braid zu fischen, war, dass egal welche Schnur ich benutzen würde, sie mit zunehmender Nutzung immer besser werden würde! Ich kenne einige hauptberufliche Angler, die seit über 10 Jahren die selbe geflochtene Schnur auf ihrer Rolle haben und überzeugt sind, dass sie noch immer besser wird. Das liegt daran, dass diese Art Schnur mit der Zeit ihre äußere Schicht verliert und feiner wird und genau diese Eigenschaft mögen diese Angler an ihr. Andere Angler allerdings bevorzugen Schnüre wie die Submerge neu, weil sie dann ihre obere Schicht noch haben und dadurch schneller und direkter sinken. Egal welche Qualität ihr bevorzugt, die Haltbarkeit und Nicht-Dehnbarkeit von geflochtenen Schnüren ist konkurrenzlos und der Hauptgrund dafür, dass wir sie in bestimmten Situationen der Monoschnur vorziehen.

Ihr fragt euch, welche Situationen das sind? Ich benutze Braid inzwischen fast überall in stehenden Gewässern, es sei denn, ich angele auf Karpfen. Die geflochtene Schnur hat so viele Vorteile gegenüber monofiler, dass ich die monofile mittlerweile gar nicht mehr in Erwägung ziehe, wenn die geflochtene eine Option ist. Im Moment herrscht bezüglich Fischen mit Braid unter 20 Metern eine große Einigkeit und viele Leute fischen hauptsächlich deshalb mit Monoschnur auf diese kurzen Distanzen, weil sie keinen Vorteil sehen in der Benutzung von geflochtener Schnur. Dieses Argument kann ich gut verstehen, besonders wenn man bedenkt, dass dieselben Angler Braid immer mit einem Mono-Vorfach benutzen. Ich selber ziehe die Direktheit und gute Bissanzeige von Braid auf allen Distanzen vor, aber das ist eine rein persönliche Wahl. Die Direktheit von geflochtener Schnur ist eine ihrer vielen Qualitäten, die zwar in jeder Distanz zählt, besonders aber auf kurze Entfernungen auffällt. Daran solltet ihr denken, wenn ihr dort auf bessere Fische angelt und den Anhieb setzt.

Außer beim Angeln auf Karpfen ist geflochtene Schnur immer meine erste Wahl.

Durchmesser

An das Braid-Fischen herangeführt hat mich damals Dean Barlow, Drennan/Bait-Tech gesponsert und Angler im britischen Nationalteam. Er hat mir erklärt, wie mir geflochtene Schnur einen Vorteil verschaffen kann und einer der Schlüsselpunkte war die Haltbarkeit. Nach vielen Experimenten habe ich festgestellt, dass ich grundsätzlich nur zwei Durchmesser benutze, egal, wo ich fische. Größtenteils nutze ich 0.10er Schnur, welche dünn genug ist, um die Entfernung zu werfen, in der ich normalerweise fische und stark genug, um auch die rauesten Bedingungen zu überstehen. Die 0.10er Schnur ist auch die Wahl, wenn wir die Weltmeisterschaft im Teamangeln in Irland fischen, wo einige der Gewässer sehr steinig sind. Dort ist Geschirr nötig, das nicht nur wiederholtes Auswerfen von schweren Feedern übersteht, sondern auch stabil genug ist, um die wilden Brassen und Hybriden zu drillen, die dort unser Ziel sind.

Der einzige andere Durchmesser, den ich benutze, ist 0.08er und diese Schnur benutze ich nur auf größere Distanzen. Eine wichtige Sache, die Dean mir damals beigebracht hat, ist, dass all diese Kleinigkeiten beim Angeln in der Summe den großen Unterschied im Ergebnis machen können. Das ist zwar insgesamt ein anderes Thema, aber ein Aspekt dieses Themas war der Punkt, dass ein kleinerer Schnurdurchmesser größere Wurfweiten ermöglicht. Aus diesem Grund benutze ich für weite Würfe nur 0.08er Schnur, weil sie durch den geringeren Durchmesser besser von der Rolle kommt, leichter durch die Ringe läuft, einen feineren Vorfachknoten ermöglicht, weniger strömungsanfällig ist - und trotzdem eine große Haltbarkeit aufweist.

Egal ob geflochtene oder monofile Schnur - sorgt immer dafür, dass sie richtig aufgespult ist. Das erleichtert das Auswerfen.

Man sollte noch erwähnen, dass die höheren Kosten für geflochtene Schnur einer der größten Stolpersteine ist für Leute, die mit dieser Art des Fischens anfangen wollen. Auf den ersten Blick ist Braid nicht billig, aber wenn man bedenkt, dass eine einzelne, gut gepflegte Spule mit geflochtener Schnur problemlos 10 Jahre konstanter Nutzung übersteht, ist das Preis-Leistungs-Verhältnis fantastisch. Sogar für versierte, erfolgreiche Feederangler lohnt sich ein genauerer Blick auf die Vorteile dieser Schnur, da sie die Performance noch weiter verbessern kann. Eine Spule geflochtener Schnur hält Jahre; die Hauptlast trägt jedoch das Vorfach, was niemals übersehen werden sollte.

Meiner Meinung nach sollte die Wahl der Schnur von einem Schlüsselaspekt abhängen, den wir in allen Bereichen unseres Sports schätzen: Haltbarkeit. Ja, unterschiedliche Schnüre reagieren unterschiedlich und man sollte alle Aspekte bedenken, aber ohne gute Haltbarkeit kämpfen wir auf verlorenem Posten. Wer so viel Glück hat wie ich und jedes Wochenende fischen kann, der sollte im eigenen Interesse Schnüre kaufen, die ihre hohe Leistungsfähigkeit für viele Jahre behalten und es uns dadurch ermöglichen, dass wir uns auf andere Bereiche unseres Angelns konzentrieren. Ihr müsst eurer Schnur hundertprozentig vertrauen, von dem Moment an, wo ihr ein Geschirr zusammenbaut, über das Auswerfen bis zum Drill des Fisches.

Im ersten Teil geht es um die passenden Ruten und Rollen, den Artikel findet ihr HIER

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