Auswärtsspiel am holländischen Kanal mit Ramon Ansing

  • von Kevin Ebner
  • 10. Mai 2016 um 09:30
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Anfang April traf ich mich mit dem holländischen Nachwuchsangler Ramon Ansing am niederländischen Musselkanaal, wo es unser Ziel war, trotz noch kühler Temperaturen den Brassen und Güstern nachzustellen und einmal unsere Herangehensweise an ein uns (fast) unbekanntes Gewässer zu vergleichen. 

Ramon und mich verbindet neben der Leidenschaft zum Angeln unweigerlich auch das Alter. Beide 24 Jahre jung, stehen wir vor den richtungsweisenden Jahren unseres weiteren anglerischen, aber natürlich auch beruflichen und privaten Werdegangs. Es gilt für uns beide, nach einigen Teilnahmen an Jugendweltmeisterschaften und anderen internationalen Jugend-Veranstaltungen, den Absprung zu den Herren zu meistern und erste Erfahrungen auf diesem -  noch einmal spürbar höheren - Level zu schaffen.

Das Gewässer:

Der Musselkanaal verfügt über einen etwa 10km langen, fast geraden Abschnitt, der mit einer Tiefe von gut 2,80m und einer Breite von ca. 22m ideale Bedingungen zum feinen Kopfrutenangeln bietet. Aufgrund der Platzbeschaffenheit und des zunächst starken Seitenwindes an diesem kalten Apriltag entscheiden wir uns, beide die 11,5m-Bahn zu beangeln.

Das Gewässer - Der Musselkanaal

Die Montagen:

Die Montagen

Beim Blick auf die Montagen lassen sich noch keine wahren Unterschiede feststellen, da wir beide uns für leichte Kanal- und Fließwasserposen mit Fiberglasantenne zwischen 0,8g und 2,0g entschieden haben, wie wir noch bei der Besprechung vor dem Anfüttern feststellen. Da wir primär versuchen möchten, größere Fische zu selektieren, entscheiden wir uns gegen leichtere Montagen und Stahlantennen.

Das Kanalwasser ist bräunlich gefärbt und ziemlich undurchsichtig, sodass auch keine Veranlassung besteht, die Hauptschnüre feiner als 0,12mm sowie die Vorfächer feiner als 0,09/0,10mm zu wählen. So lassen sich die Fische voraussichtlich an den montierten 0,8mm Vollgummis und 1,4mm Hohlgummis auch im bewachsenen Uferbereich gut kontrollieren und sicher landen.

Die Bebleiung soll sehr variabel sein und wird zunächst als Kette gewählt, um ein natürliches Absinken des Köders zu erreichen. Jedoch besteht die Option, die Kette zum Bulk zusammenzuschieben und den Köder sehr ruhig am Grund zu präsentieren.

Das Futter:

Erst beim Futter werden erste Unterschiede deutlich. Beide rechnen wir zwar wegen der Kälte mit schwierigen Bedingungen, jedoch entscheidet sich Ramon dazu, zunächst 6 Bälle mit purem Futter und wenigen Castern zu werfen, um anschließend 6 weitere Bälle Erde mit kleinen Zuckmückenlarven und toten Pinkies ins Zentrum zu cuppen.

Bei der Wahl seines Futters setzt er auf einen Mix aus G5 und Gold Pro Bream von Marcel van den Eynde. Ich selbst beschließe, wie ich es von den norddeutschen Gewässern in meiner Region gewohnt bin, lieber noch ein wenig defensiver zu agieren und cuppe 10 Bälle meines Futter-Erde-Gemischs (50:50) bestehend aus Magic Black und Etang von Sensas.

Magic Black und Etang von Sensas

Auch meinem Futter füge ich ein paar Caster und Zuckmückenlarven hinzu. Hierbei ist insofern Vorsicht geboten, als dass die Larven nicht lange im salzhaltigen Futter überleben können. Da der Brassen neben Güstern aber an diesem Tag unser Zielfisch sein soll, ist es meiner Ansicht nach nicht zwingend erforderlich, besonders aktive und fein säuberlich getrennte Larven separat in Erde zu füttern. Manchmal geht es eben auch getreu dem englischen Motto ,,Keep it simple’’ - ein Denkansatz, den wir Stipper viel häufiger beherzigen sollten.

Beide lagern wir das nach der Startfütterung nicht benötigte Futter und die Erde voneinander getrennt in Falteimern, um auch während des Angelns das Mischungsverhältnis beim Nachfuttern anpassen zu können.

Die Anfangsphase:

Die erste Stunde ist schnell zusammengefasst. Weder Ramon noch ich bekommen auch nur einen Biss und jegliche Versuche, die Fische durch das Anheben und Absenken des Köders zum Anbiss zu bewegen, scheitern zunächst kläglich. Erst als nach knapp einer Stunde ein wenig Strömung in den Kanal kommt, bekomme ich abseits des Futterplatzes den heiß ersehnten ersten Biss und fange einen - wohlwollend geschätzt - 5 cm großen Kaulbarsch. Gerade an kalten Frühlingstagen ist es wichtig, sich nicht durch solch dürftige Anfangsphasen nach der Startfütterung verunsichern zu lassen und weiter an die eigene Taktik zu glauben.

 

Häufig benötigen die noch trägen Fische einfach ein wenig Zeit, um Vertrauen zu fassen und sich auf dem Futterplatz einzustellen. Eine Variante kann dann auch sein, zunächst eine weniger befütterte zweite Spur zu beangeln und dem eigentlichen Platz die Möglichkeit zu geben, sich zu entwickeln. Auf diese Weise sollten sich die Fische nach und nach ungestört dort versammeln und später durch den untereinander entstehenden Futterneid eine gute Frequenz verwertbarer Bisse produzieren. Fängt man jedoch bereits die ersten Fische weg, so bewirkt dies bei den ohnehin vorsichtigen Fischen weitere Scheu und die Bissfrequenz nimmt ab.

Die zweite und dritte Stunde:

Unbestritten die wichtigste Phase der meisten vierstündigen Angeln. Zwar wird besonders in Kanälen häufig in der letzten Stunde das Fangergebnis noch einmal erheblich ausgebaut, zurückzuführen ist dies aber meiner Ansicht nach darauf, wie konsequent der Angler die verstreichende Angelzeit nutzt, um sich gegen Ende den entscheidenden Vorteil zu verschaffen.

Ramon fängt nach gut 70 Minuten die ersten Güstern und liegt schnell ein paar Fische vorne, bis auch ich die ersten kleineren Weißfische fange. Unsere Startfütterung ist für die bisher dürftige Fangausbeute mehr als ausreichend ausgefallen, sodass keine Veranlassung besteht, bereits nachzufüttern. Vielmehr liegt unser Fokus nun darauf, erst einmal ein paar Fische zu landen und die merklich besser werdenden Verhältnisse zu nutzen. Dazu ist zu sagen, dass Ramon dies zunächst erheblich besser gelingt und er schnell mit über zehn Fischen vorne liegt.

Nach 90 Minuten entschließe ich mich, das erste Mal nachzufüttern und forme einen festen, haselnussgroßen Ball aus Erde und kleinen Zuckmückenlarven, den ich mit ein wenig Futter ummantele und ins Zentrum meines Futterplatzes cuppe. Das Futter habe ich zuvor mit einer winzigen Menge rotem Pastoncino versetzt. Mein Gedanke hierbei ist, die Attraktivität des Futters durch leicht aufsteigende Partikel zu erhöhen, um in der Folge die nach weiteren Partikeln und Ködern suchenden Fische mit der fest zusammengedrückten Erde direkt im Zentrum zu beschäftigen. So gelingt es mir unter Einsatz von Kleinstmengen an Ködern und Futter/Erde, ein Areal zu schaffen, auf dem die Fische fressen können und bei Laune gehalten, jedoch nicht gesättigt werden. Im englischsprachigen Raum spricht man in diesem Falle auch von einer sogenannten ,,killing zone’’ - ohne Zweifel ein fragwürdiger Begriff, der jedoch gut beschreibt, dass dies die Zone des Futterplatzes ist, in der die Fische konzentriert und beangelt werden sollen.

Auch Ramon cuppt nach, beschließt aber ausschließlich Erde mit Ködern nachzusetzen. In der Folge steigt bei uns beiden die Bissfrequenz und ich kann langsam aber sicher mit seinem Fangrhythmus mithalten. Zwar bin ich ein wenig erleichtert, dass endlich auch bei mir ein paar Fische im Netz landen, zufrieden bin ich jedoch mit dem bisherigen Tagesablauf nicht. Daher beschließe ich, im 25-Minuten-Takt weiter zu füttern, um das vorher erwähnte Aufbauen des Futterplatzes voranzutreiben.

Langsam, aber sicher kann ich zu Ramon aufschließen, da ich nun neben Güstern die ersten kleineren Brassen landen kann. Überraschenderweise beißen die Fische heute auffällig besser auf helle Köder wie Pinkies und unsere Zuckmückenlarven bleiben weitgehend unbeachtet. Dies können wir uns nur durch das trübe, braungefärbte Wasser erklären, da die Brassen für gewöhnlich nicht die nahhaften Larven oder gar Würmer verschmähen.

Endspurt - die letzte Stunde:

Wie erwartet fangen wir beide nun regelmäßiger Brassen und erhöhen den Wurmanteil im Futter. Die Bebleiung ist mittlerweile zu einer Zweipunkt-Bebleiung zusammengeschoben, sodass die beköderten Pinkies oder Würmer ruhig am Grund angeboten werden können. Deutlich mehr Bisse kommen, wenn die Montage direkt auf dem Futterplatz schräg eingesetzt wird und so ein herabsinkender, loser Köder imitiert wird. Diesen Effekt versuche ich durch das Cuppen loser Caster noch zu verstärken. Das Risiko, dass die Fische dadurch den herabfallenden Ködern ins Mittelwasser folgen, ist bei den Brassen im trüben Wasser recht gering, da es sich um kleine Mengen handelt und der Bärenanteil an Futter und Ködern ruhig am Gewässergrund liegt, was die Brassen bevorzugen.

Durchschnittlich sind die Brassen nun bei mir ein gutes Stück größer als bei Ramon und ich kann  - so wie ich es einschätze - die Oberhand gewinnen. Bald darauf klingelt unser Handywecker dann auch schon und wir sind gespannt, wie sich die für uns beide sehr unterschiedlich verlaufenen vier Stunden in Fischen niederschlagen.

Das Resultat:

Wie erwähnt ging es uns an diesem Tag nicht in erster Linie darum, wer mehr gefangen hat und bei einer Veranstaltung das höhere Fanggewicht erzielt hätte. Für uns beide war es ein lehrreicher Angeltag, der uns vor Augen geführt hat, dass zahlreiche Parallelen zwischen unserer Herangehensweise bestehen, aber dass es eben auch wichtig ist, an die eigene Strategie zu glauben. Vorschnelles Handeln und schlechtes Timing kann in Kanälen schlechte Platzierungen nach sich ziehen. Wer aber kontinuierlich seiner Linie treu bleibt und konsequent nachfüttert, der wird die Fische unter normalen Umständen irgendwann auf seinen Futterplatz locken können. Mit simplen Ideen und auch einer Portion Geduld gelingt es dann manchmal auch, das Blatt spät zu wenden und in der letzten Stunde deutlich größere Fische zu fangen. So ist es mir gegen Ende unseres Vergleichs zum Glück heute ergangen. Kurzum war das Fangergebnis und die gesammelten Erfahrungen für mich die Anreise von knapp 150 km wert.

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