Boloangeln im Strom mit Kevin Ebner

  • von ct Redaktion
  • 09. August 2017 um 08:00
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An einem der ersten heißen Tage des Jahres waren wir mit Kevin Ebner an der Weser bei Verden zum Angeln mit der Bologneserute verabredet, um seine Herangehensweise an ein strömendes Naturgewässer zu beleuchten.

Die Weser macht in dem beangelten Abschnitt eine Kurve, sodass sich interessante Strömungskanten ergeben, die trotz starker Strömung im Hauptstrom ein Angeln mit der Bolorute ermöglichen. Hauptsächlich kann man zu dieser Jahreszeit Rotaugen und Güstern, aber auch vereinzelt Alande und Döbel fangen.

Beim Futter setzt Kevin auf einen altbewährten Mix aus Sensas Gros Gardons und River (50:50), was über eine gute Struktur und Klebkraft verfügt und zusätzlich einige Lebendköder aufnehmen kann. Als Lockstoff kommt Aromix Brasem Belge zum Einsatz, welches auch in Kanälen häufig eine sichere Bank ist. Diesbezüglich hat Kevin noch zwei Tipps parat:

Kevin setzt auf einen Mix aus Sensas Gros Gardons und River
Als Lockstoff kommt Aromix Brasem Belge zum Einsatz Als Lockstoff kommt Aromix Brasem Belge zum Einsatz

Einerseits wird das Aroma erst beim letzten Nachfeuchten ins Futter eingebracht, sodass die Partikel mit dem Geruchsstoff umschlossen werden und auch mit eher geringen Dosen eine große Lockwirkung erreicht wird. Andererseits bereitet Kevin schon am Vorabend seine Portionen an toten Maden und Pinkies vor, indem er sie über Nacht in mit Aromix versetztem Wasser einlegt. Die Köder sind dann von der Konsistenz ideal und versprühen außerdem einen dem Futter angepassten Lockgeruch. Nicht selten erhalten dann tote Maden beim Angeln den Vorzug gegenüber lebendigen Maden.

Bei den Montagen kommt ein kompakter Bulk als Hauptbebleiung zum Einsatz, unter dem mindestens sechs variabel verschiebbare Schrotbleie sitzen sollten. Dies hat den Vorteil, dass man je nach Bedarf den Köder unterschiedlich ruhig präsentieren kann, was gerade im Naturgewässer den einen oder anderen Biss bringt. Generell ist anzumerken, dass das Boloangeln im Frühjahr in Naturgewässern sicherlich nicht immer die beste Option darstellt, da die Fische wegen des noch eher kalten Wassers träge sind. Dennoch kann man mit der richtigen Köderführung und Fließgeschwindigkeit Fische fangen.

Die Wahl des Angelplatzes bzw. der zu beangelnden Distanz ist abhängig von unterschiedlichen Faktoren. Hier ist neben Erfahrung und Gewässerkenntnis vor Allem das Erkennen von Gewässerstrukturen gefragt. Die heutige Strecke ist Kevin weitgehend unbekannt, der Angelplatz durch das steile Ufer eher schlecht zugänglich, nichtsdestotrotz gibt es mehrere zu beachtende Faktoren:

Kehrströmungen markieren den Übergang zur stärkeren Hauptströmung und lassen so meist Rückschlüsse zu, welche Distanz sich noch unter normalen Umständen mit der Bolorute befischen lässt. Hat man einen geeigneten Bereich gefunden wird genauer gelotet, um auch Unterwasserstrukturen zu erkennen. Statt eines Lotbleis verwendet Kevin in der Regel einfach seine Hauptbebleiung, die er bis unten an den Wirbel schiebt. Auf diese Weise lässt sich schnell und zuverlässig eine geeignete Bahn ausfindig machen. Nichtsdestotrotz empfiehlt es sich, vor Angelbeginn noch einige Testdriften mit Vorfach, aber ohne Beköderung vorzunehmen, um letzte Hindernisse und Unregelmäßigkeiten in der Spur auszumachen.

Die Entfernung wird mittels eines Fettstiftes markiert. Hier empfiehlt es sich, einen möglichst großen Kontrast für optimale Sichtbarkeit zu wählen. Heute kommt daher ein schwarzer Stift auf der orangenen Schnur zum Einsatz. Die Schnur selbst stammt aus dem Raubfischbereich von der Firma Pezon & Michel und ist gut sichtbar, was das Führen der Pose erleichtert. Außerdem ist sie sehr steif und abriebfest, sodass sie ideale Voraussetzungen für den Einsatz an der Bolorute bietet. Um dennoch ein wenig Dehnung für harte Fluchten zu haben, sind die unteren zwei Meter der Montage, auf denen auch die Bebleiung sitzt, mit einer anderen, unauffälligeren Schnur versehen. Diese ist für den Fisch weniger gut sichtbar, sodass man die beste Kombination aus allen Anforderungen an eine gut abgestimmte Montage herausholt. Ein abschließender Vorteil besteht darin, dass man sich mehrere identische Montagen vorbereiten kann, die im Falle eines Abrisses oder Verknotens des unteren Teils mittels Albright-Knoten ausgetauscht werden können.

Die Entfernung wird mittels eines Fettstiftes markiert.

Ist der geeignete Platz final gefunden und markiert, wird das Futter für die Startfütterung präpariert. Zwar sind die Fische nach dem Winter wahrscheinlich hungrig, sodass dem Futter einige Caster und tote Pinkies hinzugefügt werden, jedoch muss man gerade im Fluss immer darauf achten, dass die Lebendköder nicht den Reiz des Hakenköders schmälern. Das Fischaufkommen ist in der Regel einfach nicht so groß wie beispielsweise im Silokanal, wo ein großer Futterneid vorherrscht und der Hakenköder teilweise mehrfach pro Drift attackiert wird. Vielmehr hat man auch mit Leerfahrten zu rechnen, durch die man sich nicht entmutigen lassen sollte. Wer viel probiert und die Durchlaufgeschwindigkeit variiert, der fängt auch früher oder später seine Fische.

Das Futter für die Startfütterung
Futterbälle Futterbälle Futterbälle

Kevin entscheidet sich heute für eine Bahn auf ca. 22m, auf der er zunächst 15 Futterbälle einwirft. Die ersten Driften bleiben noch ohne Biss, dennoch wird nach etwa 6-8 min ein Ball nachgefüttert, um durch das Geräusch und einfallende Köder, Fische heranzuziehen. Schließlich beißt das erste kleinere Rotauge nach gut zehn Minuten. Weitere Fische folgen und bei etwas verzögerter Fahrt werden die Fische teilweise größer. Sukzessive erhöht Kevin den Anteil der Lebendköder im Futter und wird mit kleinen Alanden und einem Döbel belohnt, die sich vor allem auf die Maden und Pinkies im Futter zu stürzen scheinen. Auch größere Rotaugen, die an der Bolorute im Strom schöne Drills liefern, beißen nun im freien Trieb auf der Montage mit der Kettenbebleiung, die heute klar im Vorteil zu sein scheint.

Das erste kleinere Rotauge

Ein weiterer Tipp zur erleichterten Bisserkennung ist das Verwenden von zwei- oder mehrfarbigen Antennen. Kevin hat hierzu seine schwarze Antenne mit roter Antennenfarbe so gekennzeichnet, dass auch Hebebisse gut erkannt und sicher verwertet werden. Die Montage für den freien Trieb ist fein ausgebleit und es schaut nur der obere rote Antennenteil aus dem Wasser. Unter Umständen ist es aber auch erforderlich - zum Beispiel, wenn Brassen zu erwarten sind - das Schrotblei leicht am Gewässergrund schleifen zu lassen. Hierzu sollte (mindestens) eine zweite Montage aufgebaut werden, deren Antenne nicht so fein ausgebleit ist und ausschließlich bei Bissen vollständig abtaucht. Wie erwähnt ist diese Variante aber heute klar im Nachteil.

Zwei- oder mehrfarbigen Antennen erleichterten die Bisserkennung Zwei- oder mehrfarbigen Antennen erleichterten die Bisserkennung

Bei der Wahl der Rute setzt Kevin auf eine 7m Variante der Orthéz von Sensas. Wichtig ist ihm bei der Wahl seiner Boloruten in erster Linie die parabolische Aktion, wie er erklärt. Die Rute soll harte Schläge der Fische besonders im Nahbereich abfedern und deshalb nicht zu hart und steif sein. Dies gilt nicht nur an Gewässern wie der Weser, sondern auch an extrem fischreichen Gewässern, wie beispielsweise dem Silokanal, denn es verhindert ein Ausschlitzen des Hakens und somit den Verlust des Fisches. Unterm Strich ist sich Kevin sicher, sei es wichtiger, die Zeit zwischen der sicheren Landung des einen Fisches und dem Biss des nächsten Fisches zu beschleunigen, als überhastet zu drillen und einen Verlust zu riskieren.

Kevin setzt auf die 7m Variante der Orthéz von Sensas

Am Ende der Session schlagen einige schöne Rotaugen und ein bunter Mix aus Alanden, Güstern, Döbeln und Rapfen zu Buche.

Es war ein abwechslungsreicher Angeltag und obwohl keine riesigen Einzelfische gefangen wurden, ziehen wir eine positive Bilanz. Gerade naturbelassene Gewässer haben eben einen besonderen Reiz, denn man weiß nie, welche Fischart als nächstes die Pose nach unten zieht.

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