Ein Angler kommt selten allein!

  • von Thorsten Küsters
  • 30. April 2018 um 11:45
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Es ist gerade in Deutschland und in den Niederlanden gang und gebe das es Koppelangeln gibt. In England und anderen Ländern sind sogenannte Pairs Matches zwar ähnlich, aber hier sitzen beide Angler einzeln am Wasser. Beide angeln zwar in einen Topf aber meist in verschieden Gewässern oder Sektoren. Bei uns ist dies etwas anders, bei unseren Koppelangeln sitzen beide Partner unmittelbar nebeneinander. Das kann Vorteile haben, wie Austausch von Taktik und Entfernung, birgt aber auch viele gefahren und Probleme mit sich. Ich möchte euch in meinem nächsten Artikel, meine Erfahrungen, wie man richtig koppelt weitergeben.

Ich habe mich für dieses Vorhaben mit meinem Teamkollegen Benjamin Schröder an der Elbe verabredet, dort wollen wir koppeln und versuchen einige Fische zu überlisten. Angekommen am Wasser verschaffen wir uns erstmal einen Überblich über die Strecke und Uferbeschaffenheit. Schnell haben wir einen guten Platz in der Steinpackung ausfindig gemacht, der uns genügend Platz bietet um nebeneinander aufbauen zu können. Circa 30 Minuten später stehen unsere beiden Kiepen in einem Abstand von 1.5m mit allen Anbauteilen. Für die heutige Session haben wir uns für die Matrix Horizon XD in 4m entschieden, ich werde das 100gr. Modell fischen und Benjamin das 130gr. Modell.

Fertig aufgebaut beginnen wir mit dem Loten der Gewässertiefe und der Bodenbeschaffenheit. In 18m Entfernung haben wir unabhängig voneinander den tiefsten Punkt ausfindig gemacht. Nach diesem Punkt wird es stetig flacher, bis auf 30m dort fällt der Boden noch einmal leicht ab und wird ab 33m wieder flacher. Hier haben wir uns auch die Beschaffenheit des Bodens durch abziehen mit einem schweren Futterkorb genauer angeschaut. Zwischen 16m und 19m haben wir einen Hängerfreien Sandboden ausfindig gemacht. Das selbe finden wir auch am zweiten Spot auf 30m, hier haben wir ebenfalls einen sauberen Hängerfreien Boden gefunden. Unsere Angelentfernungen stehen somit fest, beginnen werden wir auf 17m und 30m. Die Frage die sich jetzt die meisten stellen werden ist, wer angelt jetzt wo und warum. Auch hier gibt es im Fließwasser eine einfache Formel und die lautet! „ Wer Stromab sitzt, angelt immer weiter als der Partner Stromauf. Egal ob 10cm oder 100m“. Warum ist auch ziemlich einfach und schnell erklärt. Dieses Prinzip ist dem Schnurbogen geschuldet. Wenn man in der Strömung angelt entsteht zwangsläufig ein Schnurbogen der sich immer Stromab legt. Fischt jetzt der Angler Stromaufwärts weiter, würde der Angler unterhalb zwangsläufig in den Schnurbogen des anderen hinein werfen und es würde zu vielen Verhedderungen kommen, da sich die Schnüre überschneiden. Genau diese Prinzip kommt auch bei starkem Seitenwind im Stillwasser zum Einsatz, so können beide Angler gut und ohne sich zu behindern angeln.

Punkt 9 Uhr fällt der Startschuss, da ich unterhalb sitze, beginne ich auf 30m und Benjamin auf 17m Entfernung. Als Köder dienen heute neben Maden, Castern und Würmern auch Mais als Haken bzw Futterköder. Gerade in der Strömung sind Maiskörner sehr attraktiv weil diese recht schwer sind und lange liegen bleiben, zudem mögen eigentlich alle Fische diesen Köder. Als Startfütterung füttern wir beide drei Körbe mit 10-15 Castern und 2-3 Maiskörnern. Wir wollen so erstmal das Beißverhalten der Fische abwarten und dann gegebenenfalls die Ködermenge anpassen. Wer zu Beginn sehr viele Köder dem Futter beifügt läuft Gefahr, wenn wenige Fische zu fangen sind, diese zu übersättigen. Wir wollen die Fische ja bei Laune halten und nicht satt füttern.

Nach der Startfütterung knüpfen wir unsere Vorfächer an. Benjamin verwendet ein 80cm langes Vorfach in Stärke 0.165 mit einem 14er SW Feederhaken und ich habe es weiter draußen auf die Dicken abgesehen und gehe dementsprechend gröber zu Werke. Ich knüpfe ein 1m langes Vorfach in Stärke 0.165 mit einem 10er SW Feederhaken an und starte mit 3 Dicken Würmern meine Session. Benjamin hingegen setzt auf eine kleinere Köderkombination aus einer Caster und einer Made. Nach 20 Minuten bekommt Benjamin seinen ersten Biss und er kann eine schöne Güster von 400gr fangen, es folgen in der ersten Stunde 20 weitere Güstern zwischen 250-500gr.

Ich hingegen kann meinen ersten Biss erst nach 50 Minuten verzeichnen und auch nur, weil ich meine drei Würmer gegen eine Made/Caster Kombination getauscht habe. Benjamin hat seinen Platz nun richtig gut im Griff, kann den Köderanteil im Futter erhöhen und fängt auf 17m Schlag auf Schlag Güstern der 300 gr Klasse im 5 Minuten Rhythmus. Ich kann trotz aller Bemühungen mit Futterrhythmus und wechselnden Hakenköder nur sporadisch mal eine kleine Güster fangen, große Brassen bleiben gänzlich aus.

Nach kurzer Absprache mit meinem Koppelpartner beschließen wir unsere Taktik zu ändern. Benjamin fängt kontinuierlich Güstern und ich möchte versuchen etwas von seinen Fischen abzubekommen. Der Plan sieht wie folgt aus, wir möchten versuchen den Platz von Benjamin noch optimaler auszunutzen, denn das ist es was ein Koppelangeln ausmacht. Mein Futterplatz auf 30 m bringt nicht genug Fische um mit Benjamin mithalten zu können, da wir beide in einen Topf angeln ist es immer wichtig das Ego hinten anzustellen und das optimale für Team herauszuholen. Kurzerhand entschließen wir uns meine Angelentfernung anzupassen. Ich werde nun ein Meter versetzt sprich auf genau 18 m in der Spur von Benjamin meinen Köder anbieten. Die Taktik sieht wie folgt aus. Benjamin wird seine Taktik beibehalten und ich werde Strom ab 1 m versetzt versuchen auch ein paar Güstern anzufangen. Ich werde zu Beginn einen kleineren Korb verwenden und das Futter sehr feste in den Korb drücken, so ist es gewährleistet, dass unser Futterplatz nicht zu groß wird und wir beide Fische fangen können. Warum verwende ich einen kleineren Korb ist auch einfach erklärt. Ich möchte erstmal abwarten wie die Fische auf mehr Futter und Köder reagieren, ohne den Platz zu überfüttern.

Direkt mit dem zweiten Wurf kann ich auch meine erste Güster auf 18 Meter fangen. Die nächsten Würfe zeigen, dass unser Plan voll aufgeht. Wir bekommen jetzt beide regelmäßig Bisse wobei Benjamin immer noch etwas besser fängt als ich. Wir experimentieren weiter und ich verändere genau wie Benjamin meine Vorfachlänge und verwende einen kleinen Haken. Die Bisse sind zwar nun mehr geworden, dennoch sind wir mit der Ausbeute immer noch nicht hundertprozentig zufrieden. Deswegen entscheiden wir uns, das auch ich einen größeren Korb verwende um noch mehr Futter und Köder auf unseren gemeinsamen Futterplatz zu bringen. Schon nach wenigen Würfen merken wir dass diese Entscheidung völlig richtig war. Ab jetzt fangen wir beide im 5 Minuten Takt Güster auf Güster und unsere Spitzen stehen gar nicht mehr still. Zwischenzeitlich kommen die Bisse sogar so schnell, dass wir gar nicht die Rute in die Rutenauflage legen können, sondern direkt nach dem Aufschlagen des Futterkobes wieder reinholen können und die nächste Güster von 300g keschern.

Große Brassen bleiben uns heute leider verwehrt, dennoch haben wir beide ein wahres Feuerwerk an Gütern abgeliefert. Benjamin und ich konnten in fünf stunden Angeltzeit über 220 Güstern zwischen 200 und  500g fangen, ein unglaubliches Ergebnis was uns beide riesig freut. Für uns war es wieder ein sehr aufschlussreicher Angeltag wo wir beide wieder gemerkt haben das Teamwork sehr sehr wichtig ist. Desweiteren hat sich unsere Taktik mit Verlegen des Futterplatz voll ausgezahlt. Wir konnten zwar keine großen Brassen fangen aber dennoch hatten wir mit über 55 kg Fanggewicht einen unglaublich tollen Tag.

Fazit:

In einem Koppelangeln gewinnt nicht derjenige der die meisten Fische fängt als Einzelperson fängt, sondern es gewinnt meistens das Team was auch wirklich als Team arbeitet und es versteht seinen Futterplatz bzw. seine Futterplätze perfekt auszunutzen. Wer dies schafft und sein eigenes Ego hinten anstellt, weil es vom Prinzip wirklich egal ist wer die Fische fängt, es zählt nur was beide nachher im Netz haben. Wir beide hatten heute wirklich viele tolle Fische im Netz und einen wunderschönen Angeltag.

Nach dem Angeln mussten wir natürlich noch die Eisdiele ansteuern und beide noch ein dickes Eis verdrücken. Das lag mir noch sehr am Herzen, da ich gerne ab und zu mal ein Eis esse.

Taklekunde:

Ruten: Horizon XD 4m in 100gr und 130gr.

Rollen: Horizon 6000 mit 0.10 Submerge Braid und 8m 28er Monofile Schlagachnur.

Montage: Seitenarm in 10cm Länge mit 80cm Vorfach und SW Feederhaken. Als Futterkörbe verwendeten wir Openend Edelstahl Futterkörbe in L 60-80gr. aus dem Hause Matrix.

Ich hoffe wir konnten euch einige tipps erklären, die euch bei eurem nächsten Koppelangeln weiterhelfen werden. Wir hatten sehr viel Spaß, ich hoffe ihr beim Lesen auch.

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