River Renaissance - Wiedererwachen des Flusses mit Gary Miller

  • von ct Redaktion
  • 10. Juli 2018 um 09:25
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Gary Miller ist an Flüssen aufgewachsen. Deshalb war er natürlich begeistert einen Tag damit zu verbringen, was er am besten kann. Und da war sie... Eine kleine orangene Antennenspitze gleitet scheinbar mühelos mittig den Fluss hinunter. Der eiskalte Wind trägt die Rufe zahlreicher Vögel, die hier im nahegelegenen Reservoir bei den ersten Anzeichen des nahenden Winters Unterschlupf gesucht haben, den Fluss hinauf.

Gary Miller - Fluss Renaissance

Und da war sie... Eine kleine orangene Antennenspitze gleitet scheinbar mühelos mittig den Fluss hinunter.

Gary entfacht, mit 11,5m Carbon bereitstehend, einen heiß brennenden Strom Adrenalins. Als würde er zwei Feuersteine in einer dunklen Höhle aneinanderschlagen, füllt er die trostlose Landschaft mit einer lebhaften Spannung, als 60 Zentimeter des 4er Gummis aus seiner ultrafeinen Rutenspitze schießen. Ein Crows Foot Knoten verhindert, dass sich die Schnur lösen kann, als sich der Übeltäter an der Oberfläche zeigt und dabei seine verräterische, unverwechselbare sowie perfekte silber-blaue Flanke präsentiert. Wie durch Magie schleudert die Schwanzflosse winzige Perlen Wasser hoch in die Luft, die in der tiefstehenden Wintersonne wie leuchtende Glühwürmchen strahlen, als das auf Brotflocke gehakte Rotauge vehement die Freiheit sucht.

Mit einer großen Anzahl an patrouillierenden Hechten in der Nähe verschwendet Gary keine Zeit und schiebt seine Maver 501 Kopfrute durch die winterlich ummantelte Landschaft hinter sich, die im Sommer einen sonst undurchdringlichen Dschungel an Ästen und Sträuchern bietet. Nachdem er die ersten vier Teile seiner Rute entfernt hat, platziert er vorsichtig die Steckverbindung des fünften Teils in der provisorisch montierten Rutenhalterung, bevor er anschließend das Kit vorsichtig in die Luft hebt, um seine Beute hereinzuschwingen. Wie in Zeitlupe verlässt das Rotauge in etwa acht Metern Entfernung das Wasser und windet sich dabei wie ein auf dem Schwanz tanzender Marlin im Zickzack, während die warme Wintersonne jede Minute des Drills in atemlose Schönheit taucht.

Das Spiel heißt Geschwindigkeit... ... so schnell wie Gary das Netz füllt 

In Wirklichkeit benötigt Gary natürlich nur Sekunden bis sich dieser Fisch zu den weiteren 132 im Setzkescher gesellt... und er angelt gerade einmal 74 Minuten! Die Fische wiegen zwischen 30 bis 60 Gramm, und sind somit ganz klar keine Bonusfische. Gary erklärt aber, dass in einem fünf-stündigem Match mit Leichtigkeit zweistellige Gewichte erzielt werden können. Wenn der Plan stimmt!

Mit einem 4mm kleinen Brotstück bestück er den Haken und schiebt die Kopfrute erneut Richtung Angelplatz. Dank der kompakten Bebleiung stellt sich die 4x18 (0,72g) Pose sofort auf, und der winzige Köder enteilt in Richtung heißer Fangzone. Seine rechte Hand wandert zu der Futterschüssel, die er an seinem rechten Sitzkiepenbein befestigt hat. Als er den Deckel aufklappt, legt er eine ordentliche Menge perfekten Brotmehls frei. Mit großer Präzision wirft er davon eine Walnussgroße Kugel ein paar Meter stromauf seiner Kopfrutenspitze ein. „Hier mit Bällchen aus Brotmehl zu fischen, bedeutet sich der Strömung zu stellen. Sie erlaubt mir aber gleichzeitig meinen Köder in einer losen Spur aus Futterpartikeln zu führen“, sagt er.

Eine Tüte Aquarium-Kies ist ein Muss Bevor der Kies beigemischt wird, das Brotmehl vorsichtig anfeuchten Mehr Kies hinzufügen um das Futter schwerer zu machen Ein kleiner Ball sinkt schnell bevor er aufbricht

„Ich benutze für diese Angelmethode zu 100 % Brotmehl und kein liqudised bread (Weißbrot, das im Mixer fein zerkleinert wird), weil es sich unter Wasser komplett anders verhält“, sagt Gary. „Liquidised bread ist sehr leicht und kommt deshalb viel zu weit stromab zum Liegen. Brotmehl nimmt Wasser auf, ist fertig gemixt sehr kompakt und kommt deshalb als intakter Ball am Grund an.“ Während er diese Theorie erläutert, wirft Gary ein Bällchen davon in den glasklaren Uferbereich, wo dieses, während es schnell zum Grund absinkt, nur eine kleine Spur abtreibender Partikel hinterlässt. Dort angekommen, zerbricht der Ballen fast sofort, bevor einige der Partikel von der Strömung fortgetragen werden können.
Wird das Futter, obwohl es beinahe zu Nichts zerfällt, eine nebelhafte Spur des hoch attraktiven weißen Brotmehls erzeugen, dem mit Sicherheit kein hungriges Rotauge widerstehen kann?

So lautet zumindest die Theorie, die Gary in die Realität umsetzt, als Rotauge auf Rotauge seinen Setzkescher beehren.

Gary startet mit Breadpunch bevor er zu Hanf wechselt

Wenn die gefangenen Fische eher klein ausfallen, liegt Garys Ambition immer darauf Wege zu finden mehr aus seinem Platz zu machen. Er versucht Lösungen zu finden, sie entweder schneller zu fangen oder größere Exemplare zu selektieren.
Der heutige Tag stellt keine Ausnahme dar, und Gary wirft ein paar dutzend fluorfarbene Pinkies auf eine Stelle, die er mit den ersten vier Teilen seiner Kopfrute befischen kann. Seine Montage ist dabei grundsätzlich mit derjenigen, die er auf der langen Spur verwendet, identisch. Allerdings ist es hier flacher, und da er die Schnur zwischen Spitze und Pose angepasst hat, kann er die Fische nun hereinschwingen ohne Abstecken zu müssen.

Bronze und rote Maden sind ein guter Backup-Plan Hanf

„Normalerweise würde ich in dieser Jahreszeit, bei so klarem Wasser, nicht so nah am Ufer füttern. Ich habe es aber immer wieder unter der Oberfläche silbern aufblitzen gesehen, als ich die neue Stelle mit den losen Pinkies befüttert habe“, sagt er. Nachdem er seine Montage für die lange Spur beiseitegelegt hat, nimmt er seine vierteilige Zur-Hand-Montage auf, beködert seinen 20er Kamasan B511 mit einem einzelnen Pinkie und pendelt die Montage auf den Angelplatz hinaus. In weniger als vier Sekunden schwingt er ein Rotauge, das in etwa die gleiche Größe aufweist, wie er sie auf der Brotmehlspur fing, in seine Hand. Jedes weitere Einsetzen in den nächsten 30 Minuten wird sofort durch einen weiteren Fisch gekrönt. Mehr und mehr Fische folgen dem ersten!

Gary verfällt in eine Routine, die immer gleiche Abläufe beinhaltet: er füttert ein Dutzend Pinkies, schwingt die beköderte Montage auf den Angelplatz, schlägt jeden Biss an, schwingt den Fisch herein, fängt ihn mit der linken Hand, hakt ihn ab und wiederholt kontinuierlich den Vorgang von Neuem. Kunst in Reinform.

Eine Auswahl an Posen gibt Gary jede menge Optionen

Optimistisch, wie Gary immer ist, denkt er, dass, obwohl hunderte heißhungrige kleine Rotaugen den Platz beherrschen, auch einige bessere Exemplare zu fangen sein sollten. Doch wie selektiert man sie? Neben großen Verwirbelungen an der Oberfläche, die eindeutig von Hechten stammen, die sich einen kleinen Snack zwischendurch gönnen, gibt es auch einige kleine, die Garys Ansicht nach von größeren Rotaugen stammen müssten.

Der jetzige Angelplatz, der direkt neben einer schmiedeeisernen Brücke liegt, könnte es heute durchaus mit dem Piccadilly Circus aufnehmen. Unzählige Spaziergänger, Hundebesitzer, Angler sowie Fahrradfahrer verweilen gut und gerne in dreieinhalb Metern Höhe über der Rutenspitze auf der Brücke und sind schnell dabei Ratschläge zu geben, wie der Topangler seine Fangrate noch verbessern könne. Allerdings haben die meisten dabei eher die großen Wettkämpfe des Sommers im Hinterkopf, in denen bei geradezu optimalen Bedingungen große Rotaugen auf Brotflocke gefangen werden konnten. Heute herrschen allerdings komplett andere Verhältnisse, und Gary muss die störende abendliche Wanderung ertragen, die mit ihrem Trommelfeuer an Zurufen auch nicht in der Lage ist, die hungrigen scharen Kleinfisch, die im klaren Wasser zu sehen sind, zu vertreiben. Die Fische kennen diesen Lärm, und der örtliche Fischereiaufseher berichtet, dass er immer unzählige leere Brotverpackungen mitnehmen muss, was wiederum bedeutet, dass dieser Fluss und seine Bewohner das Weißbrot der Entenliebhaber gewohnt sind.

Entgegen der vielen „guten“ Ratschläge der Spaziergänger denkt Gary, dass er die besseren Fische mit Hanf aussortieren kann.

„Hanf ist ein Köder, auf den viele Flussangler gerade in der wärmeren Jahreszeit schwören. Im Laufe der letzten Jahre habe ich aber auch in Kälteperioden wie dieser beachtliche Erfolge darauf erzielt.“, erklärt er und entnimmt seiner Köderdose ein kaum geöffnetes Hanfkorn. Indem er auf eine Seite des Korns drückt, öffnet er dieses, so dass er den Schenkel seines Kamasan B 511 der Größe 18 hineinschieben kann. Als er den Druck vom Korn nimmt, schließt sich dieses und sitzt perfekt auf dem Haken.

Gary hakt den Hanf indem er auf eine Seite des Korns drückt und sich dadurch öffnet

Gary erklärt schnell, dass die gröbere Brotmontage nicht ideal fürs Hanfangeln ist, schiebt aber trotzdem die Rute raus, bevor er etwa 20 bis 30 Hanfkörner auf die Posenspitze füttert. Der Hakenköder wird wie beim Brotangeln präsentiert und berührt nur knapp den Boden. Sofort als er auf Grund angekommen ist, zieht die Pose auch schon seitlich weg. Ein kleines Rotauge kann im Anschluss gelandet werden. Auch wenn dies nicht der erhoffte größere Fisch war, weiß Gary doch, dass es ein wenig dauern kann die besseren ans Fressen zu bekommen.

„Ich bleibe einfach meiner Taktik treu und angle mich durch die kleinen Fische hindurch. Es sind definitiv große Fische am Platz, und dies ist der richtige Köder um sie zu fangen“, erklärt er voller Zuversicht. Mehr und mehr Hundebesitzer kommen an Garys Platz vorbei, und selbst als einer das Bein hebt, als wolle er Garys Angelplatz als den seinen markieren, hat das keinen Einfluss aufs Angeln. Als dunkle Wolken aufziehen, hat Gary seinen ersten besseren Fisch im Drill. „Jetzt geht´s los“, frohlockt er, während sein Gummizug ein paar zusätzliche Fuß aus der Spitze schießt. Auf der anderen Seite der Brücke sitzend, bin ich nicht gerade in der optimalen Position ein Foto zu machen, aber als Gary seinen Kescherkopf unter das dralle 180g Rotauge schiebt, gelingt es mir trotzdem ein umfassendes Foto samt Brücke, Spaziergänger und Umgebung zu ergattern!

„Nun ist es soweit“ kommentiert Gary. „Die besseren Fische sind da!“

„Ich habe einfach immer ein Dutzend bis 20 Hanfkörner pro Trieb direkt auf die Posenspitze gefüttert. So kommt am Ende des Tages maximal ein halber Liter Hanf zusammen, was zu dieser Jahreszeit mehr als genug ist.“
„Die Pose ist hierfür einfach zu schwer, und ich würde auf einer leichteren 4x14 (0,34g) Montage, die es dem Köder erlaubt langsamer durchs Wasser zu fallen, deutlich besser fangen“ sagt er. Gary gibt zu, dass die leichtere Montage deutlich geeigneter wäre, und dass er in einem Match sofort wechseln würde.

Wie auch immer, ein zweiter Regenschauer lässt mich aus Angst um meine Kameraausstattung ins trockene unter die Brücke flüchten, während Gary weiter Vollgas gibt, aber noch immer zögert die Montage zu wechseln. Er fängt trotzdem sehr schnell! Obwohl ein paar weitere Hechte ihre raubtierhafte Dominanz gegenüber dem Rotaugenschwarm demonstrieren, kann Gary trotzdem noch ein paar schöne Fische überlisten, bevor wir den Tag-Tag sein lassen und zusammenpacken.
Dank der größeren Fische kann Gary mit über 10 Pfund Gewicht einen sehr ordentlichen Fang vorweisen.

„Ich habe vielleicht 180 Fische mit einem Gewicht von 6 Pfund gefangen und gut und gerne 60 Fische mit einem Gewicht von über 7 Pfund auf Hanf gefangen! Das zeigt eindeutig den Größenunterschied... und alles, was ich gemacht habe, war den Köder zu wechseln! Wirklich unglaublich“, resümiert er.

Abenddämmerung

Ich schieße noch ein paar schnelle Fotos im Dämmerlicht und verwende viel Blitzlicht um die kleinen beschuppten Barren Silber zum Leuchten zu bringen.

Finde den richtigen Angelplatz und solche Fänge sind möglich

Längst nicht jeder Angelplatz produziert solche Fänge. Aber wenn man alles richtig macht und auf den richtigen Plätzen sitzt, sind solche Fänge möglich.

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