Praxistest - Preston Absolute Float

  • von Markus Howanietz
  • 22. Mai 2014 um 10:19
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Preston Absolute 15ft Float

Bereits auf der Stippermesse 2013 war Vielerorts ersichtlich, dass die Matchrute in der Gunst der Angler gestiegen ist. Waggler waren in Windeseile ausverkauft, und nicht selten sah man einen der Besucher die Messe mit einer Matchrute verlassen.

Was sich bereits im März andeutete, wurde im Laufe des Jahres immer deutlicher. Es gab spezielle Matchrutenveranstaltungen, die riesiges Interesse hervorriefen.

Wie vielen von euch erging es auch den Mitgliedern des Redaktionsteams. Immer häufiger griffen wir zur Wagglerrute. Schnell war klar, dass ein Matchrutentest mehr als angebracht wäre.

Ein passendes Testobjekt wurde schnell in Form der Preston Absolute Float in 15 ft gefunden. Preston nutzte die Gelegenheit und schickte gleichzeitig die Preston PC-R Competition 4000 Rolle mit in den Dauertest (separater Test).

Wie sich die Rute im Langzeittest geschlagen hat, könnt ihr im Folgenden lesen.

Viel Spaß!

Preston Absolute 15ft Float

Lieferumfang:

    • Stofffutteral
    • Rute

Wie nicht anders erwartet besteht der Lieferumfang der Preston Absolute Float aus einem Stofffutteral und der Rute selber. Allerdings macht Preston bereits beim Futteral deutlich, dass das Konzept „Absolute“ durchaus ernst genommen werden kann. Das Mitgelieferte fällt sehr hochwertig aus und besteht aus dickem, reißfestem Stoff, der von Innen sogar gummiert wurde.

Preston Absolute 15ft Float

Rute:

Preston Innovations stellt Produkte für den modernen Matchangler her. Somit ist es auch nicht weiter verwunderlich, dass die Absolute Float auf die Bedürfnisse moderner Hegefischer zugeschnitten ist und vom Design klassischer englischer Matchruten abweicht.

Der Blank der 4,50m (4,55m gemessen) langen Rute ist glänzend schwarz lackiert und anschließend sehr kräftig mit Klarlack überzogen worden. Ein Aufdruck weist auf Modell und Eigenschaften der Rute hin.

Der Blank ist glänzend schwarz lackiert

Die Teilung erfolgt in drei fast gleichlangen Rutenteilen. Mit einer Transportlänge von 1,57m findet die Rute in den meisten Futteralen Platz. Der Blank macht mit maximal 14,5mm Stärke einen insgesamt schlanken Eindruck, was durch eine sehr feine Spitze zusätzlich betont wird. Das Gewicht der Rute liegt bei ermittelten 225g, für eine 15ft Matchrute ein hervorragender Wert. Im Griffbereich wird erneut deutlich, dass diese Rute für praktisch veranlagte Matchrutenangler geschaffen wurde. Leicht zu reinigendes EVA ummantelt den Screw Down Rollenhalter sowie den Wurfhandbereich.

Der Griffbereich

Gerade bei stark riechenden Futtermischungen, wie z.B. Fischmehlfutter, stellt dies mit Sicherheit einen nicht unwesentlichen Vorteil gegenüber Naturmaterialien dar. Der mittlere Bereich des Griffes hingegen ist wieder mit Kork versehen worden. Auf eine Endkappe aus Metall hat Preston komplett verzichtet und das Eva um das Rutenende herumgeführt.

Mittlerer Griffbereich 01 Mittlerer Griffbereich 02

Bei der Beringung hat Preston ganze Arbeit geleistet. 9 Dreisteg und ebenfalls 9 Zweistegringe sind auf dem Blank gut verteilt worden. Sie wirken auf den ersten Blick stabil und stehen sehr weit vom Rutenblank ab. Dies ermöglicht einen Einsatz bei Regen, ohne dass die Schnur an der Rute festklebt. Besonders auffällig sind die Ringeinlagen. Obwohl die Ringstege selbst stabil und trotzdem leicht aussehen, wird dies noch von den Ringeinlagen getoppt. Diese sind faszinierend schmal ausgefallen und können begeistern.

Der Sprengring weist einen Innendurchmesser von 2,3mm auf. Das reicht für den Einsatz von Schlagschnüren und lässt alle gängige Stopperknoten widerstandslos durch die Ringe gleiten. Die Ringe sind dick mit Epoxyharz am Blank befestigt und nahezu versiegelt worden. Dies dürfte gerade bei Liebhabern feiner Zierwicklungen nicht auf Gegenliebe stoßen, passt aber zum Gesamtkonzept einer pflegeleichten, modernen Rute.

Die Beringung der Rute

Eine Angabe zum Wurfgewicht macht Preston nicht. In der Praxis haben sich Waggler von 4-25g optimal werfen lassen.

Praxis:

Zu einem der ersten Einsätze kommt die Preston Absolute Match an einem kleinen Privatsee, der beinahe schon als CT-Testgewässer bezeichnet werden könnte. Er verfügt über einen hervorragenden Fischbestand an großen Giebeln sowie Karpfen und eignet sich deshalb bestens, um die Testrute auf Herz und Nieren zu prüfen.

Heute, einem wolkigen Sommertag, suche ich mir einen Angelplatz am schmaleren Stück des Sees aus. Das gegenüberliegende Ufer ist nur ca.30m entfernt und genau dort möchte ich auch angeln. Die Erfahrung aus vorherigen Angeltagen hat gezeigt, dass die Giebel relativ einfach und in guter Stückzahl zu überlisten sind, während die Karpfen extrem heikel beißen. Erst nach und nach wurde klar, dass diese sehr dicht am Ufer fressen und der Köder fast schon trocken liegen muss, damit sie überhaupt reagieren.

Die heutige Platzwahl trägt diesem Verhalten Rechnung.

Nachdem die Sitzkiepe steht, stecke ich die Absolut Float zum ersten Mal zusammen und montiere die ebenfalls im Test befindliche Preston PC-R Competition in der 4000er Größe. Die Rute ist damit sehr gut ausbalanciert und scheint wie für größere Rollen gemacht. Außerdem wird sofort deutlich, dass sie unheimlich schnell ist. Die dünne Spitze schnellt beim Wippen sofort in die Ausgangsposition zurück und schwingt nicht nach.

Nachdem die 0,20mm Hauptschnur durch die Ringe gezogen wurde, montiere ich den durchsichtigen Crystal Waggler direkt darauf. Gestoppt wird das Ganze von zwei 8er Bleischroten. Die Montage wird dabei so einfach wie möglich gehalten. Zur Bissanzeige wird noch ein kleiner, aber stabiler Wirbel montiert, der einerseits das Vorfach aufnimmt und andererseits Verwicklungen verhindern soll. In die Öse des Wirbels wird das Vorfach einfach eingehängt. Dabei handelt es sich um ein fertig gebundenes, das mit 0,18mm Schnur und einem widerhakenlosen Haken der Größe 16 perfekt auf größere Fische ausgelegt ist.

Ein erstes Loten ergibt, dass die Wassertiefe nur knapp 60cm beträgt. Um möglichst nah ans andere Ufer zu kommen ist nun ein kleiner Trick notwendig. Die Hauptschnur wird in den Clip eingehängt, und anschließend wird ausgeworfen. Nach und nach wird nun die Distanz durch Lösen und wieder Einclippen der Schnur verlängert, bis der gewünschte Bereich getroffen wird.

Nachdem dies gelungen ist, werden 4-5 kleine Kugeln des sehr trockenen Futters mit der Schleuder geschossen. Als Köder dient ein Maiskorn, das am Haar präsentiert wird. Durch den geringen Abstand von 3-5mm zum Haken liegt dieser komplett frei und die Fehlbissquote sinkt ungemein.

Die Rute schneidet mit dem typischen Wurfgeräusch die Luft. Dank der dünnen, schnellen Rutenspitze und des großen Hebels beim Werfen gelingt es das gegenüberliegende Ufer ohne Kraftanstrengung zu erreichen. Der 4g leichte Waggler schnellt zum Angelplatz und taucht mit ca. 1m Abstand vom Ufer ins Wasser ein.

Eine ganze Weile passiert erst einmal gar nichts, bis nach ca. 10 Minuten sich die ersten Wasserverwirbelungen an der Oberfläche zeigen. Obwohl der Waggler sich nun unentwegt in Bewegung befindet und sogar ab und zu seitlich wandert, erfolgt kein Biss. Ein paar Schüsse mit losen Maiskörnern folgen um die Fische zum fressen zu animieren. Obwohl die Streuung auf diese Entfernung relativ groß ist, zeigt das Füttern den gewünschten Effekt. Wenige Sekunden später erfolgt der erste Biss des Tages und die Pose taucht zügig ab. Dank der Rutenlänge und der schnellen Rutenaktion kann schnell Kontakt zum Fisch aufgenommen werden. Der Anhieb sitzt.

Der Rutenblank geht von einer anfänglichen Spitzenbiegung direkt in eine durchgehende Aktion über und biegt sich bis ins Handteil. Der Fisch schwimmt seitlich und kann langsam heran gedrillt werden. Wie nicht anders zu erwarten, haben die Giebel den Platz als erste gefunden und ein schönes Exemplar von ca. 600g wird vorsichtig gekeschert.

Als wäre ein Schalter umgelegt worden, folgt nun Biss auf Biss, Giebel auf Giebel. Die Preston Absolut Float zeigt dabei, dass sie für diese Angelei sehr gut geeignet ist. Auch wenn die Länge von 4,5m auf den ersten Blick für ein so flaches Gewässer übertrieben erscheint, zeigt sich, dass sich der direkte Kontakt zum Waggler sehr positiv auf die Quote der gelandeten Fische auswirkt. Einerseits kann mit voller Kontrolle über Schnur und Pose der Fisch, durch kleine Bewegungen, zum Biss animiert werden, andererseits sorgt die schnelle Schnuraufnahme für einen raschen Anhieb. Weiterhin ist die Fischkontrolle im Drill sehr gut. Dank des kräftigen Rückgrats der Rute können Fische effektiv von Hindernissen weggehalten werden, während die durchgehende Aktion in dieser kritischen Situation ein Ausschlitzen des Hakens verhindert.

Nach drei Stunden Angelzeit hat sich der Setzkescher bereits ansehnlich gefüllt und beinahe 30 Giebel konnten zum Landgang überredet werden. Da es bereits dunkel wird, entscheide ich mich noch zu 15 weiteren Minuten, bevor der Angeltag leider ein Ende finden muss. Dies vor Augen entscheide ich mich dazu das Risiko zu erhöhen und noch ein wenig näher am anderen Ufer zu fischen. Dafür bewege ich die Rute einfach beim Stoppen ein klein wenig weiter nach vorne.

Anders als beabsichtigt knallt der Waggler gegen die gegenüberliegende Uferkante und fällt ins Wasser. Trotzdem greife ich zur Futterschleuder und befördere ein paar weitere Maiskörner in Richtung Pose, bevor ich den Wurf wiederholen möchte. Noch im Ablegen der Schleuder nehme ich eine Wasserbewegung war und suche meinen Waggler. Der ist nirgends zu finden.

Nach einem schnellen Anhieb wird sofort klar, dass nach den Giebeln nun auch die Karpfen am Platz sind. Die Matchrute krümmt sich Ansatzlos bis in den Rutengriff und der Fisch gibt Vollgas. Voller Zuversicht in das zusammengestellte Gerät und aufgrund der örtlichen Begebenheiten -der Fisch kann nur nach links oder rechts flüchten- schließe ich die Bremse der Rolle vollständig und lasse die Rute die gesamte Arbeit erledigen. Diese fängt die ersten Fluchten souverän ab und zeigt, dass sie neben einem kräftigen Rückgrat auch eine sanftmütige Seele besitzt. Egal, was der Fisch versucht, die Rute hält voll dagegen und mildert gleichzeitig alle Schläge ab. Nach beinahe endlos wirkenden 10 Minuten taucht der Fisch zum ersten Mal in Ufernähe auf.

Es handelt sich tatsächlich um einen schönen Spiegelkarpfen. Ein erster Kescherversuch geht schief, und der Fisch versucht sein Glück im naheliegenden Strauch. Dank der langen Rute gelingt es aber ihn davon fernzuhalten, und nach weiteren 5 Minuten gleitet er in den großen Kescherkopf.

Ein Spiegelkarpfen - Mit geschätzten 6-8 Pfund ein strammes Exemplar

Mit geschätzten 6-8 Pfund ein strammes Exemplar. Zufrieden beende ich den Tag.

Wie bei den CT-Langzeittests üblich wird die Preston Absolute Float im Laufe der Zeit so oft und so Variabel wie möglich unter die Lupe genommen. Ein weiter Einsatz erfolgte z.B. am Trebelsee beim Matchrutencup. Obwohl die Bedingungen mit starkem Wind alles andere als optimal waren, gelang es zügig ein paar Fische zu fangen. Dies artete allerdings in einen Kraftakt für Mensch und Material aus. Bei geschlossener Bremse mussten die Fische regelrecht zum Kescher gepumpt werden, um nicht im dichten Krautfeld oder Seerosengürtel festzuhängen. Außerdem erforderte der von schräg vorne kommende Wind der Rute beim Wurf alles ab, um den erst 16g, später dann 20g Waggler, überhaupt auf 30-35m zu bringen. Aber auch hier zeigte die Absolute Float keine Schwäche und bewies ihre Weitwurfambitionen. Der lange Griffbereich (ca. 50cm vom Rutenende bis Rollenfuß) erleichterte das Werfen ungemein und das tolle Aufladeverhalten des Blanks machte ein Angeln erst möglich. Wer mit zu leichtem Gerät angereist war, hatte nun ernsthafte Probleme.

Durchbiegung bis in den Griff- hier trotzt ein 10g Waggler an der Absolute Float Wind und WetterDurchbiegung bis in den Griff- hier trotzt ein 10g Waggler an der Absolute Float Wind und Wetter

Am Ende des Angelns war ich mit der Preston Absolute Float hoch zufrieden, auch wenn einige Angler die Situation deutlich besser gemeistert haben und doch einiges mehr zur Waage bringen konnten.

Ein letzter Test erfolgt dann am tiefen Baggersee auf kleine Rotaugen, um die Fähigkeiten der Rute auf Kleinfisch mit dünnen Schnüren zu testen. Jetzt im Herbst sind die tiefen Stellen nicht selten im Vorteil, und ein Futterplatz wird mit normalem Grundfutter sowie Maden in ca. 7m tiefe und 25m Entfernung angelegt. Gefischt wird mit der Laufmontage. Bereits nach kurzer Zeit geht der 10g Waggler zum ersten Mal auf Tauchstation, und der Anhieb kann aufgrund der schnellen Aktion gesetzt werden. Dabei wird deutlich, dass die Rute auch sehr gut für die Angelei auf kleine Fische an dünnen Vorfächern geeignet ist. Obwohl der Anhieb voll durchgezogen wird, puffert die feine Spitze diesen ab und sorgt dafür, dass das 0,08mm Vorfach nicht gesprengt wird.

Dies wiederholt sich das ein ums andere Mal und Rotauge um Rotauge, aber auch ein paar schön gezeichnete Rotfedern, können sicher gelandet werden.

ein paar schön gezeichnete Rotfedern, können sicher gelandet werden

Fazit:

Preston Innovations Absolute Range beinhaltet laut Preston Produkte, die ganz klar im Top End-Bereich angesiedelt sind und als Aushängeschild der Firma dienen sollen.

Dieser Anspruch wird auch mit der Absolute Float verwirklicht. Prestons Ingenieure haben es geschafft eine sehr gute Matchrute mit tollem Blank zu entwickeln. Der Übergang von schneller Spitzenaktion in eine durchgehende, kräftige Aktion ist hervorragend gelungen und erlaubt es viele Bereiche der Matchrutenangelei abzudecken. Sie ist für die schnelle Angelei auf kleine Fische sowie für die Großfischangelei bestens geeignet.

Die Bestückung mit gleich 18 stabilen, aber unglaublich feinen Ringen ist sehr harmonisch erfolgt.

Die moderne Auslegung mit Hochglanzlackierung und EVA Ummantelung mag zwar nicht jedermanns Geschmack treffen, doch für den modernen Matchfischer liefert dies den praktischen Nutzen einer leichten Reinigung. Wer darüber hinweg sehen kann, erhält eine sehr gelungene Matchrute, die als Allrounder universell einsetzbar ist und in jedem Bereich einen exzellenten Eindruck hinterlässt.

Die hier getestete 15ft Version ist neben den getesteten Bereichen natürlich auch im Fluss bei der Stickfischerei einsetzbar. Die Rutenlänge erlaubt eine gute Kontrolle und hat das eine oder andere Mal die Bologneserute ersetzt.

Wer kürzere Ruten bevorzugt, findet in der Absolute Float-Reihe Ruten in 13 und 14ft. Als Exoten bietet die Reihe noch eine 17ft Variante, die ganz klar für die Flussangelei ausgelegt wurde.

Im Einzelhandel werden ca. 280€ für die 15ft Variante verlangt, was ein stolzer Preis für eine Matchrute ist. Dennoch ist sie jeden Cent wert.

Die gebotene Leistung spricht für sich und somit kann der Preston Absolute Float die CT-Kaufempfehlung ausgesprochen werden.

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