Die Shimano Rolle Aero 4000 Ci4+ XG im Praxistest

  • von Markus Howanietz
  • 13. Oktober 2014 um 08:00
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Geht es Ihnen genauso wie mir? Bei Angelrollen bin ich wählerisch. Schier endlos schien deshalb auch die Suche nach einer Rolle zu sein, die meine Anforderungen an Ausstattung und Qualität erfüllte. Egal, welche ich begutachtet oder sogar gekauft habe, irgendetwas hat mich immer gestört. Selbst gute Rollen wiesen teils schlecht verarbeitete Lineclips auf, so dass eine sonst perfekte Rolle mich auf Dauer einfach in den Wahnsinn trieb, weil die Hauptschnur wieder und wieder beschädigt wurde.

Dies änderte sich vor knapp zwei Jahren, als mir ein Angelkollege die Shimano Aero 4000 Match empfahl. Egal, ob mit dem Waggler oder dem Futterkorb, eine gute Schnurverlegung, ein sauberes Wurfverhalten, ein perfekter Lineclip und ein solides Getriebe sorgen seitdem für entspanntes Angeln.

Getreu dem Motto „Was lange währt, wird endlich gut“ sah ich mich bereits am Ziel meiner Suche angekommen, bis Shimano im letzten Katalog eine Art Hochleistungsversion der Aero 4000 ankündigte. Eine hohe Übersetzung und ein deutlich geringeres Gewicht versprachen eine bereits gute Rolle noch einen Tick besser zu machen.

Wie sich die Shimano Aero 4000 Ci4+ XG in der Praxis tatsächlich schlägt, können Sie im Folgenden lesen.

Die Shimano Aeros 4000 Ci4+ XG  

Lieferumfang:

    • Karton
    • Rolle mit Spule
    • Line Reducer
    • Unterlegscheiben
    • Stoffbeutel
    • Bedienungsanleitung

Als ich den Karton der Shimano Aero 4000 Ci4+ XG (im Folgenden kurz Ci4+) zum ersten Mal öffne und den Inhalt vor mir auf dem Schreibtisch lege, staune ich nicht schlecht. Im Großen und Ganzen gleicht die Ci4+ der mir bereits bekannten Normalversion der Aero in sehr vielen Details. Die Gehäuseform ist nahezu identisch und zweckmäßig ausgelegt. „Form follows function“ (die Form folgt der Funktion) scheint das Motto der Konstrukteure gewesen zu sein. Trotzdem weiß die Ci4+ mit ihrem dunklen Anthrazitton und ihren Aluelementen auf Anhieb zu gefallen. Sie verfügt für eine 4000er Größe einerseits über ein vergleichsweise kleines Rollengehäuse, das andererseits durch eine übergroße Aluspule ergänzt wird. Anders als die Matchversion wurde die Ci4+ mit einer filigran wirkenden Aluminiumkurbel ausgelegt, die ihren Ursprung auch im Rennsport haben könnte. Sehr leicht und trotzdem stabil wirkend, mündet sie in einem sehr großen Kurbelknauf, der zur optimalen Griffigkeit zudem noch gummiert ist. Der Rollenbügel unterstreicht den teilweise zierlichen Eindruck. Er wurde aus einem Stück gefertigt und integriert sich ohne erkennbare Schraubverbindungen mit dem Rotor. Die Spule verfügt zudem über einen großen, runden Lineclip, der bereits von der Standardversionbekannt ist und sehr gute Dienste leistet.

Während die Optik sehr nah an den Vorgängern angelehnt ist, führt der erste haptische Test zu unerwarteten Eindrücken. Obwohl bereits im Katalog zu lesen ist, dass die Ci4+ stolze 100g leichter als die Matchversion ist, macht sich dies beim ersten Eindruck sehr viel deutlicher bemerkbar als gedacht. Ein erstes Anheben mündet in Verwunderung. Auf den ersten Blick scheinen Größe und Gewicht der Rolle auf kuriose Weise absolut nicht zusammen zu passen.

Größe und Gewicht können zuerst nicht in Einklang gebracht werden und ratlose Blicke bleiben nicht aus. Zum direkten Vergleich hole ich die Matchversion der Aero hinzu und bin geplättet. Was für ein Unterschied!

Erreicht wird das unglaubliche niedrige Gewicht durch die Verwendung neuer Materialien. Ohne Sie mit technischen Details belästigen zu möchten, sei erwähnt, dass Shimano ein neues Material Namens Ci4+ entwickelt hat, das eine Mischung aus Karbon und Kunststoffen ist. Dadurch entsteht ein sehr hartes und vor allem steifes Material, das nicht nur leicht ist, sondern sehr geringe Fertigungstoleranzen erlauben soll. Im Falle der Ci4+ bestehen Rotor und Gehäuse aus diesem Material, wodurch das geringe Rollengewicht zustande gebracht werden kann.

Die Aero Ci4+ wird in diesem Test in der XG Version getestet, was für extra high gear (extra hohe Übersetzung) steht. Das Getriebe besteht aus kalt geschmiedetem Aluminium –

das Standardmaterial ist Zink— und erlaubt eine Übersetzung von 6,2:1 bzw. satte 111cm Schnureinzug pro Kurbelumdrehung. Über eine Art Serviceöffnung kann das Getriebe direkt geölt werden.

Die griffige Bremse verfügt über hochwertige Bremsscheiben und ist wasserdicht. Somit stünde auch einem Einsatz in Salzwasser nichts im Wege.

Ein Unterwandern der Spule durch Schnur wird durch den Line Safety Guard effektiv verhindert.

Hält die Schnur in Schach, der spinnenarmförmige Safety Guard
Hält die Schnur in Schach, der spinnenarmförmige Safety Guard

Der Spulenkern kann durch den beigelegten Line Reducer im Durchmesser variiert werden und fasst anschließend nur 145m 0,18mm statt 260m 0,25mm Schnur. Somit entfällt das notwendige Übel bei dünnen Schnüren unterfüttern zu müssen bzw. hunderte Meter nie verwendeter Schnur aufzuspulen.

Eine gute Idee einfach und effektiv umgesetzt: Der Line Reducer.Eine gute Idee einfach und effektiv umgesetzt: Der Line Reducer.

Sechs Kugellager und ein Walzenlager sorgen für einen sauberen Lauf. Überraschenderweise befindet sich keine Ersatzspule im Lieferumfang.

Praxistest:

Da Shimano keine Angelart für den Einsatz der Rolle vorgibt, muss sie sich beim Waggler- sowie Feederfischen beweisen. Die Vorbereitungen dafür gestalten sich allerdings ziemlich aufwendig. Während beim Matchangeln Schnüre von 0,16-0,18mm durchaus üblich sind, wird beim Feedern häufig stärkere oder geflochtene Schnur verwendet. Um es kurz zu machen, eine Ersatzspule wird schon im Vorfeld bitter vermisst und es ist klar, dass bis zum Ende des Tests unzählige Male die Schnur gewechselt werden muss.

Der erste Einsatz erfolgt bei einem Wettkampf in Holland. Da der befischte Kanal nicht besonders breit ist, verwende ich eine abriebfeste 0,25mm Schnur sowie eine 11 Fuß Feederrute. Futterkörbe kommen, je nach Seitenwind, zwischen 30 und 60g zum Einsatz.

Schnell stellt sich heraus, dass in diesem Jahr zwar ausreichend Fische im Kanal sind, sie allerdings sehr schwierig zu beangeln sein werden. Bewegungen im Schilf am anderen Ufer verdeutlichen, dass die Brassen etwas ganz anderes als Futter interessant finden und keinen Meter aus dem Schilf hervorkommen würden. Punktgenaues Feedern, am besten in einer kleinen Lücke im Grün, ist angesagt. Ein erstes Montieren der Ci4+ offenbart sofort wie perfekt die Gewichtseinsparung gelungen ist und wie positiv sich dies in der Praxis niederschlägt. Trotz der größeren Ausmaße –

normalerweise hätte ich maximal eine 3000er Rolle montiert— ist die verwendete Kombination sehr gut ausbalanciert. Die dadurch entstandene Kombination ist federleicht und liegt perfekt in der Hand. Ein weiterer Vorteil des Rollenkonzepts wird bei den ersten Würfen deutlich. Die Schnur fliegt ohne erkennbare Verdrallungen sehr sauber von der Rolle. Stück für Stück taste ich mich langsam an die Schilfkante heran. Damit dies nicht in Hängern in der Vegetation endet, ziehe ich dafür Stück für Stück Schnur ab und clippe diese in den großen Lineclip ein. An dieser Stelle zeigt sich, wie sauber er gearbeitet ist. Beim ein- und entclippen weist die Schnur keinerlei Beschädigung auf, die später im Drill mit Sicherheit zum Schnurbruch führen würde.

Sanft zur Schnur- Der große Lineclip arbeitet perfekt.Sanft zur Schnur- Der große Lineclip arbeitet perfekt.

Nach mehreren Wiederholungen des Vorgangs ist die optimale Länge gefunden, und ich beginne mehrere Körbe mit geschnittenen Würmern und Castern in eine ca. 50cm tiefe Lücke im Schilf zu versenken. An diesem Tag geht der Plan auf. Bereits nach wenigen Minuten wird die Rutenspitze brutal herumgerissen und der Drill kann beginnen. Nur wenig später liegt ein schöner Brassen von ca.4-5 Pfund im Kescher, dem noch einige folgen werden.

Nachdem die Ci4+ beim Feedern zeigen konnte was in ihr steckt, wird neue Schnur aufgespult um mit der Matchrute zu angeln. Am CT-Testgewässer geht es wieder einmal auf die Karauschen- und Karpfenjagd. Hier ist eine besonders gute Schnurverlegung der Rolle wichtig, da mit verhältnismäßig kleinen und leichten Posen gefischt werden muss. Am heutigen Sommertag bläst ein leichter Seitenwind, der auch im Stillwasser für eine ordentliche Drift sorgt. Ich schieße mehrere Futterballen einer Mischung aus Fischmehlfutter und eingeweichten Pellets vor die gegenüberliegende Uferseite und taste mich erneut per Lineclipmethode möglichst nah an dieses heran. Als Köder dient vorerst ein Maiskorn am 16er Haken. Das 18er Vorfach ist 20 cm lang und aufgrund der großen Karpfen notwendig.

Erneut wird sofort wieder deutlich, wie leicht die Rolle ist. Ein Gefühl, dass selbst nach mehreren Einsätzen nicht nachlässt und immer wieder für Verblüffung sorgt, obwohl der Effekt längst bekannt sein sollte. Allerdings tut sich am heutigen Tag zuerst nicht viel. Der Waggler driftet trotz eines Kratzschrotes schnell aus dem heißen Fangbereich und muss permanent eingeholt und wieder ausgeworfen werden. Hier macht sich die sehr hohe Übersetzung bezahlt. Bei normaler Einholgeschwindigkeit kommt die Pose geradezu auf mich zugeschossen und ist zügiger eingeholt als gedacht. Da ich Verwicklungen vermeiden möchte –Vorfächer verdrallen schneller bei hoher Geschwindigkeit— und auch keinen zusätzlichen Wirbel mit auf die Hauptschnur bringen möchte, hole ich nun langsamer, fast gemächlich ein und lasse das Getriebe für mich die Arbeit machen. So wird häufiges Ein-und Ausholen zu einer entspannten Sache, während bei einer niedrig untersetzten Rolle der Tag im puren Kurbelstress ausarten würde. Besonders Vorteilhaft erweist sich die Kombination aus leichter Rolle und übergroßer Spule beim Fischen mit den leichten Posen. Während ich mit einer zweiten Ersatzrute samt kleiner Rolle nur mit Mühe und Not den Angelplatz erreiche, kann dieser trotz Windes und geringem Wurfgewicht mühelos erreicht werden. Dank des besonderen Konzepts kann einfach ein paar Meter weiter geworfen werden. Ein Effekt, der gerade auch bei sehr leichten Wurfgewichten durch die sehr gute Schnurwicklung unterstützt wird.

Hinzu kommt, dass die Kurbel direkt mit dem Getriebe verbunden ist und deshalb selbst kleinste Bewegungen sofort auf den Rotor bzw. die Pose und den Köder übertragen werden. So kann sehr leicht mit dem Köder ein Bewegungsreiz ausgeübt werden, was heute nach etwa 30 Minuten in einen Biss resultiert. Ein Schneller Anhieb kommt direkt durch und der erste Fisch des Tages ist gefangen.

Als letzte Testmethode wird die Rolle zum Bolofischen an einen langsam fließenden Naturfluß zum Einsatz gebracht. Die faszinierend leichte Rolle passt nicht nur gut zur schlanken 7m Bolo, sondern wirkt wie dafür gemacht. Die große Spulendimension erlaubt es permanent einen Finger an deren Kern zu haben und erleichtert somit die Kontrolle beim Drift.

Die große Spulendimension erleichtert die Kontrolle beim Drift

Insgesamt kann festgehalten werden, dass die Ci4+ auch beim Boloangeln eine sehr gute Figur macht. Während eine normale 4000er Rolle mit Sicherheit nicht besonders angenehm an den beringten Stangen zu fischen wäre, kann die High-Tech-Rolle vollkommen überzeugen. Das Getriebe weist, genauso wie die Rücklaufsperre, absolut kein Spiel auf. Die geringen Fertigungstoleranzen resultieren in der Praxis in einer unheimlich direkten Rolle. Dies geht soweit, dass die Rolle nicht einmal ein zu überwindendes Anlaufmoment aufweist. Selbst eine kleinste Berührung reicht aus um die Zahnräder in Gang zu bringen. Präzision pur!

Fazit:

Die Leistung der Shimano Aero 4000 ci4+ XG kann mit nur einem Wort beschrieben werden: Perfekt!

Egal, wohin man schaut, die Ci4+ bringt Bestleistungen in jeder Disziplin. Das Getriebe arbeitet höchst präzise und gehört zweifelsfrei zu den besten am Markt. Es läuft ohne Widerstand an und arbeitet unglaublich sanft. Der komplette Lauf, aber auch die Schnurverlegung können nur als perfekt beschrieben werden. Weitere Ausstattungsdetails wie ein sehr guter Lineclip und ein innovativ gearbeiteter Schnurfangbügel verfestigen diesen Eindruck. Die Bremse arbeitet ebenfalls auf hohem Niveau und überzeugt durch sanfte Reguliermöglichkeiten.

Die Verwendung des Ci4+ Materials ist kein Gimmick, sondern verwandelt eine sehr gute Rolle in eine außergewöhnliche. Das gefühlte Rollengewicht ist unglaublich leicht und erlaubt den Einsatz selbst an den leichtesten Ruten. So wird aus einer guten Rute mit der Ci4+ schnell eine Traumkombination. Das geringe Gewicht erlaubt zudem den Einsatz, wo normalerweise nur kleine Rollen eingesetzt werden. So kann weiter bzw. müheloser geworfen werden.

Besonders innovative und hochwertige Produkte sind leider nicht zum Schnäppchenpreis erhältlich. Die Shimano Aero 4000 Ci4+ XG kostet im Fachhandel beinahe 300 € und liegt somit weit über dem Rollendurchschnittspreis. Damit aber leider nicht genug. Match- und Feederangler benötigen mindestens eine weitere Ersatzspule, die nochmals mit 50€ zu Buche schlägt, was den Preis auf stolze 350€ anschwellen lässt. Eine ebenfalls sehr gute Aero 4000 Match ist bereits ab 140€ erhältlich. Die Ci4+ rangiert somit eindeutig im Luxussegment.

Wer sich diesen Luxus erlaubt, erhält eine Rolle höchster Qualität, die vermutlich ein Anglerleben lang halten und bei jedem einzelnen Einsatz sehr viel Freude bringen wird.

Auch wenn der Kopf Nein zum Kauf der Ci4+ sagt, schreit mein Herz bei jedem Einsatz immer lauter Ja. Ich bin mir nicht sicher, was am Ende die Oberhand gewinnen wird. Ich ertappe mich zumindest immer häufiger dabei den Preis kleinzureden und kann nicht schwören, dass am Ende keine Shimano Aero 400 ci4+ XG unter dem Weihnachtsbaum liegen wird…

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