Eine Saison gefischt - Die Sensas Power Match 763 - ein Erfahrungsbericht

  • von ct Redaktion
  • 28. November 2014 um 13:40
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Ich fische jetzt seit einigen Jahren dieselbe Kopfrute (Sensas PM 774) und ich schätze diese Rute wirklich sehr, aber im Laufe der Jahre (trotz dem ein oder anderen Ersatzteil), lässt so eine Kopfrute einfach nach. Die Steckverbindungen sind nicht mehr so exakt, mal ziehen sich die Teile beim Fischen auseinander, das nächste Mal lassen sie sich nicht mehr lösen.... Dazu knackt die Rute mittlerweile an diversen Stellen, so dass es wohl Zeit für die wohlverdiente Rente ist.

Das Stippers liebstes Kind - die KopfruteDas Stippers liebstes Kind - die Kopfrute

Ich habe die letzten Jahre eine Rute aus dem Hause Sensas gefischt und war zufrieden. Mittlerweile habe ich eine große Anzahl von Kits, die ich mein Eigen nenne und eigentlich möchte ich diese gerne weiter nutzen. Bei der Firma Sensas lassen sich die alten Kits (zurück bis zur Serie 4) auf fast allen neuen Kopfrutenmodellen einsetzen und dies war auch der ausschlaggebende Punkt, warum ich wieder eine Rute von Sensas im Blick hatte. Mein Auge war hier vor allem auf die 3er Serie gefallen. Die Ruten sollten solide und gleichzeitig schlank im Durchmesser sein, für meine Bedürfnisse ideal. Warum dies? Ich fische oft bei Wind und da macht sich ein dünner Rutendurchmesser natürlich positiv bemerkbar. Dann fische ich mittlerweile gerne auf Karpfen oder auch in der Elbe und da ist wiederum eine kräftige Rute von Vorteil. Leider ist die Kombination dünn und solide meistens mit dem Attribut schwabbelig und weich verbunden und dass passt nicht unbedingt zu meinen weiteren Lieblingsgewässern Geeste und Aue, denn hier geht es um feines, schnelles Angeln.

Es ist also quasi unmöglich meine Wünsche zu erfüllen und wir Angler sollten auch aufhören zu glauben oder zu verlangen, dass wir alles geschenkt bekommen! Für sehr gutes Gerät, welches die oben aufgeführten Attribute alle gut erfüllt, muss einfach auch viel Geld auf den Tisch gelegt werden. Nach Durchsicht des Sensas Katalogs fiel meine Wahl auf die 773 Carp Competition. Der erste Eindruck (und mehr kann ich aus all den Werten des Katalogs nicht gewinnen) war für mich gut. Mit einem Anruf beim Sensasvertreter sollte das ganze fix gemacht werden, doch am Ende des Anrufs hatten ich dann eine andere Rute geordert, die ich dann in der Redaktion auch für einen Langzeittest gut fanden. Uns wurde die 763 empfohlen, die der 773 nicht viel nachstehen sollte, preislich aber um einges interessanter war. Die 763 ist eine Allrounderrute, die sicher ihre Stärken im Fluss und auf Großfisch hat und damit eine Nachfolgerrute meines alten Lieblings 764 River sein dürfte. Die Rute sollte ein sehr gutes Preis-Leistungsverhältnis haben und damit eine ideale Rute für den Allroundangler sein. Da ich mich als genau so ein Angler sehe, war ich gespannt, was mich erwarten würde.
Bevor ich jetzt zur Rute komme, ein paar Anmerkungen zu dem, was der Leser in diesem Bericht zu erwarten hat! Es gibt diese Artikel, in denen der Tester wirklich haargenau weiß, was die einzelnen Merkmale / Features der einzelnen Ruten bedeuten. Ich habe schon sehr viele Kopfruten in der Hand gehabt und gefischt und verlasse mich auf mein Gespür als Angler und beschreibe wie sich die Rute für mich fischen lässt. Natürlich sind meine Eindrücke subjektiver als eine Messtabelle aus dem Formelbuch, aber ich hoffe und denke, dass meine Eindrücke ein Hilfestellung sind. Hier nun mein Erfahrungsbericht, nachdem ich die PM 763 eine Saison gefischt habe.

Da ist das Ding - Sensas Power Match 763Da ist das Ding - Sensas Power Match 763

Der erste Kontakt

Da war sie nun, meine „Neue“. Eine Neue hat es immer schwer und man ist skeptisch, gerade wenn man mit der „Alten“ doch glücklich und zufrieden war. Ich schaute also als erst mal genau  nach, was die Neue so zu bieten hat:

  • Kopfrutenfutteral
  • Kopfute 13m (840 Gramm und damit leichter als die 773)
  • Miniextension
  • 2 x Competition Kit 5 teilig
  • 1 x Match Kit 5 teilig
  • Cupping Kit 4 teilig
  • Cuppingbecher
  • Aufsteckprotektoren
  • Plus Joker Card
  • Schutzröhren

Das war schon mal ganz ordentlich und was ich sah gefiel mir gut. Da ich allerdings ein sehr kritischer Mensch bin, erlaube ich mir auch zwei Punkte zu bemängeln. Ein Problem mit meiner alten Kopfrute war die die Länge. Die Rute war selbst mit Miniextension kaum 12,60 Meter lang (2,0mm Düsen). Die Miniextension bei der neuen Rute war nun sooo lang, dass ich Befürchtungen wegen der Länge der Rute hatte, doch dazu gleich mehr. Punkt 2 waren die Aufkleber der Kits… Sensas markiert seine Kits mit unterschiedlichen Aufklebern und mittlerweile habe ich den Überblick über den Sinn dieser Aufkleber verloren. Matchkits haben diese Farbe, Competition Kits haben eine andere Frage  (soweit so gut), jetzt haben aber die Kits welche zur „Erstausstattung“ der Rute gehören wiederum eine andere Farbe. Warum das? Wie soll man sich nach Jahren noch zurecht finden? Dieser Punkt tangiert natürlich nicht die Funktion der Rute und darum soll es in diesem Bericht gehen.

Dann ging es an das Vermessen. Die Rute ist ohne Miniextension knappe 12 Meter lang, mit Mini Extension ist sie dann knapp über 13 Meter lang. Diese Längen habe ich mit einem Kit gemessen, welches mit einer 2mm Düse bestückt ist. Mein erster Eindruck war der, dass die Rute schon ganz schön kurz ist, mit der Mini Extension wird jedoch die volle Länge erreicht, auch wenn die Rute dann deutlich an Komfort verliert. Jeder sollte sich daher die Frage stellen, wie oft im Jahr er wirklich auf 13 Meter Fischen will oder muss?

Die 763 (3. Rute von unten) ist auch in 13m noch angenehm stiff
Die 763 (3. Rute von unten) ist auch in 13m noch angenehm stiff, wenn auch etwas kopflastig

Bei mir war und ist es nicht wirklich oft der Fall, so dass ich mit der Länge der Rute eigentlich gut leben kann. Was mir sehr gut gefallen hat, ist der Fakt, dass die Rute einen stabilen Eindruck macht. Gefühlt ist sehr viel Material verbaut, auch wenn das niedrige Gewicht eine andere Sprache spricht. Dazu ist die Rute, abhängig vom Kit, noch sehr steif und reagiert gut auf schnelle Anhiebe (mit dem Competition Kit natürlich besser als mit dem Match Kit). Im Gegensatz zu meiner alten Serie ist das 11,5m Handteil der 763 übrigens nicht lackiert, sondern im neutralen schwarz mit Sensas Schriftzug gehalten, was mir optisch gut gefällt.

Bei der 3er Serie ist nur noch das 13m Teil lackiert
Bei der 3er Serie ist nur noch das 13m Teil lackiert

Die Rute hat mich in den nächsten Monaten auf meinen Angeltouren begleitet und wusste dort durchaus zu überzeugen. In Ungarn ging es auf Karauschen und Karpfen, hier war die Rute sichtlich zuhause und konnte gerade im Duell mit den kampfstarken Karpfen Punkte sammeln. Ich habe die Rute dort übrigens mit der 11,5 Miniextension meiner alten Sensas PM774 gefischt und mit dieser Extension war die Rute 12,5 Meter lang. Durch die kürzere Extension war das Handling der Rute deutlich angenehmer als mit der langen Extension. Zum Ende der Durchgänge habe ich die Extensions getauscht und konnte dann auf voller Länger fischen. Die Kompatibilität der Teile kam hier voll zum Zuge. Was mir in Ungarn aufgefallen war ist der Fakt, dass die 763 ob ihres geringeren Durchmessers deutlich besser im Wind zu fischen ist. Hier scheinen Theorie (geringerer Durchmesser = besseres Verhalten bei Wind) und Praxis endlich einmal merkbar übereinander zu stimmen! Ein weiterer Punkt der mir aufgefallen und sich auch in den folgenden Monaten bestätigte ist, dass die Rute wirklich sehr schön durch die Hand gleitet. Dies wird sicherlich mit der Oberflächenbeschichtung des Blanks zusammenhängen, aber logischerweise hat die Rute durch den geringeren Durchmesser eine kleinere Oberfläche und damit weniger Reibungswiderstand in der Hand.

Die schlanke 763 gleitet schön schnell durch die Hand
Die schlanke 763 gleitet schön schnell durch die Hand

Der nächste Test war das nächste Extrem. Nach den kampfstarken Karpfen in Ungarn wollte ich die Rute in punkto Schnelligkeit testen. Gefischt wurde im tidenbereich der Elbe. Der Hauptfisch sind hier kleine Güstern und die Anforderung ist das Verwandeln der schnellen, nervösen Bisse. Bei Hochwasser konnte ich die Rute auf 12 Meter angeln und das hat richtig Spaß gemacht. Die Rute ist auf dieser Länge schön stiff und gleitet wie bereits geschrieben dank des geringen Durchmessers schnell durch die Hand. Gegen Ende des Fischens musste ich auf 13 Meter aufstecken und ausserdem hatte sich noch ein kritischer, unparteiischer Tester angekündigt.

Kritische Blicke bei der Bewertung der 763
Kritische Blicke bei der Bewertung der 763

Nach diversen Tests war dieser mit der Rute im Großen und Ganzen zufrieden und konnte meine Eindrücke bestätigen.

Mit einer abschliessenden Funktionsüberprüfung
Mit einer abschliessenden Funktionsüberprüfung

Testumgebung Nummer 3

Die Elbe bei Glindenberg mit dem Tunkblei. Die Ruten, die an der Elbe oder ähnlichen Flüssen gefischt werden, müssen schon ein bisschen was „wegstecken“ können. Hänger müssen gelöst werden, dicke Brassen im unglaublich schnellen Elbewasser gebändigt werden und dazu muss die Rute noch so sensibel sein, dass man das Blei gefühlvoll über den Boden führen kann. Das Resultat ist relativ einfach… Die Rute ist genau für diese Angelei gemacht! Mit der Wahl der richtigen Gummis ist diese Rute in unseren heimischen Gewässern, ohne das Gefühl für die Angelei zu verlieren, kaum kaputt zu kriegen.

Schnelle Anhiebe auf 12m - kein Problem für die 763
Schnelle Anhiebe auf 12 Meter - kein Problem für die 763

Und dann ging es noch nach Irland. Hier stieß die Rute dann an Ihre Grenzen in Bezug auf die Länge, bzw. stellte ich fest, dass man nicht länger als 13 Meter mit der 763 fischen sollte. Wer gerne 14,50 oder gar 16 Meter angelt, was in Irland manchmal nötig war, der sollte nicht zur 763 als Grundmodell greifen. Fairerweise sollte man aber auch feststellen, dass man für einen fairen Preis keine absolute Spitzenklasse in allen Bereichen erwarten konnte. Bei meinem Aufenthalt in Irland herrschte über den gesamten Zeitraum windstille und es hätte mich interessiert, ob die anderen Rutenmodelle bei Wind genauso gut fischbar gewesen wären, wie meine 763. „Hätte, wenn und aber“ in diesen Tagen konnte ich es nicht testen. Da das Wasser aber klar und die Oberfläche glatt war, musste man möglichst weit raus, so dass ich das Handteil der 763 mit meinem Handteil der 774 verlängerte. Mit einer Frontbar fischbar, aber nicht wirklich attraktiv. Also möglich, aber eher eine Not- und keine Dauerlösung für ein 5stündiges Match.

Konnte in Irland nicht zeigen was in ihr steckt - Sensas 763
Konnte in Irland nicht zeigen was in ihr steckt - Sensas 763

Meiner Meinung nach gibt es keine perfekten Ruten in dem Preissegment unter 3000€ und das Pack der 763 ist für Preise unter 1700€ im Netz zu finden. Dem Preis entsprechend bietet die Rute durchaus Ihre Vorteile, sie ist stabil, schnell und direkt, allerdings nur ohne Verwendung der Miniextension. Mit der Miniextension verliert die Rute deutlich an Charme, ist aber immer noch problemlos fischbar! Genau über diesen Punkt sollte sich jeder Angler im Klaren sein, der mit dem Gedanken spielt sich die Rute zu kaufen. Reichen mir 12 Meter aus, oder sind 13 Meter für mich zwingend notwendig, wobei mir die Option mit dem halben Extension auf 12,50 Meter zu fischen gut gefallen hat. Sind 12 Meter ok, dann kann ich ruhigen Gewissens die Rute empfehlen, sind volle 13 Meter eine oft geangelte Länge, dann sollten man eher zur XL Variante der Rutenserie greifen. Diese Serie nutzt einen anderen Mandrill und ist als volle 13 Meter Rute konzipiert. Eine reale Länge, die man sonst im Markt übrigens kaum findet, denn die meisten Ruten sind nur zwischen 12,4m und 12,7m lang.

Auf 12m ist die 763 - richtig nett, steif, robust und schnell
Auf 12m ist die 763 "richtig nett"... steif, robust und schnell

P.S. wer eine Rute der Serie 4 sein Eigen nennt, der wird nette Synergieeffekte feststellen. Obwohl von Sensas nicht angegeben, scheint es, dass man die Miniextension der Serie wie beschrieben 4 nutzen kann. Damit ist die Rute 12,5 Meter lang und deutlich angenehmer zu fischen als in 13 Meter. Das 13 Meter Handteil der Serie 4 passt dazu auf das 13 Meter Handteil der Serie 3. Die Rute ist dann zwar wirklich kopflastig, aber mit einer Frontbar kann man dann auf 13,8 Meter fischen. Diese Synergien sind von Sensas nicht abgesegnet und man verliert wahrscheinlich seinen Garantieanspruch, ich konnte aber während des Tests keine Probleme feststellen.

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