Stippvisite bei Zebco-Europe / Browning

  • von Markus Howanietz
  • 02. Juni 2014 um 09:00
  • 0

Für den bereits vierten Bericht der Reihe „Stippvisite bei…“ sind wir diesmal bei der Firma Zebco-Europe zu Besuch gewesen. Zebco Manager Frerk Petersen führte mich durch die Firmenzentrale und öffnete unseren Lesern bereitwillig die Türen, um einen Blick hinter die Kulissen werfen zu können.

Es ist Mitte Oktober, als ich nach 3 Stunden Autobahnfahrt in der Firmenzentrale von Zebco eintreffe. Der Gebäudekomplex ist von außen nicht besonders auffällig, und nur das Firmenschild lässt erahnen, was im Folgenden auf uns zukommt.

Zebco-Europe in Tostedt

Nach einer kurzen Begrüßung durch Frerk Petersen, klärt mich dieser direkt über ein paar wichtige Fakten bezüglich Browning auf.

Wichtig ist es zu verstehen, dass Browning, so wie wir es als Stipper kennen, eine Marke der Firma Zebco Europe ist. Browning deckt also die Friedfischsparte der Firma ab. Daneben existieren noch sechs weitere Marken, die unterschiedliche Angelbereiche bedienen und international einen guten Ruf genießen. Diese sechs Marken (Rhino, Quantum, Black Cat, Zebco, Fin-Nor und van Staal) werden, wie Browning auch, von Tostedt aus geleitet. Von hier aus werden europaweit die Fachhändler mit 7400 verschiedenen Produkten beliefert und ein Großteil der jährlich 1300-1400 neuen Produkte entwickelt.

Damit alles reibungslos funktioniert, sind neben 30 Außendienstmitarbeitern noch ca. 50 Mitarbeiter vor Ort tätig.

Nach dieser kurzen Erklärung startet dann die Führung durchs Firmengebäude.

Als erstes führt Frerk mich ins Zentrallager, wo Waren angeliefert und dann in den Hochregallagern einsortiert werden.

Anlieferung der Waren

Zebco bezieht zum Großteil der Waren aus Übersee, und jährlich treffen zwischen 300-350 Container wie der obige in der Firmenzentrale ein.

Nach diesem ersten Eindruck sehe ich mich dann im Zentrallager genauer um. In der großen Halle reihen sich Hochregal an Hochregal, und auf beinahe 5000 Palettenstellplätzen warten Kartons voll Ware darauf kommissioniert zu werden. In den Zwischengängen sehe ich immer wieder Warenladungen, die offenbar auf Auslieferung warten. Dabei handelt es sich um Speditionslieferungen für europäische Großhändler, die hier gut verpackt auf Abholung warten.

Zentrallager

Neben Adressen aus Holland, Belgien und der Schweiz kann ich noch Zielhäfen in Portugal, Spanien und England ausmachen.

Je weiter ich durch die Gänge stöbere, umso mehr fallen mir die vorhandenen Stipputensilien auf. Neben Kartons voller Kleinteile sind Ruten in nicht erwarteter Vielzahl vor Ort. Alleine der Bestand an Kopfruten erscheint gewaltig. Nicht selten stehen 40-50 Stück je Sorte, bis hin zum Spitzenmodell, in den Regalen und warten darauf zum Kunden Versand zu werden.

Während ich noch versuche die Dimensionen zu begreifen, gibt Frerk mir bereitwillig Auskunft über den Lagerbestand. Waren mit einem UVP- Wert von 20-25 Millionen Euro werden hier auf Vorrat gehalten, um eine schnelle Versorgung der Händler zu garantieren. Da dies allerdings längst nicht mehr ausreicht, hat Zebco in der Umgebung noch zwei weitere Lager angemietet bzw. ein altes Firmengebäude reaktiviert. Zebco wächst seit Jahren kontinuierlich, was hier besonders deutlich wird.

Direkt nebenan befindet sich die hauseigene Versandabteilung. Hier arbeiten Profis daran die Versandware möglichst effizient und geschützt zu verpacken. Schwere und leichte, zerbrechliche Teile müssen zusammen so verpackt werden, dass die Ware keinen Schaden nimmt. Retouren sind kostspielig, und daher wird schon im Vorfeld nichts dem Zufall überlassen, wird mir erklärt. Eine Menge Erfahrung und Geschick sind für diese Aufgabe notwendig, die sehr viel anspruchsvoller ist als gemeinhin angenommen wird. Dabei ist das Versandvolumen von Zebco gewaltig. Kartonagen im Wert von 100tsd Euro liegen bereit um täglich über 300 Pakete zu verschicken. Damit ist Zebco einer der größten Kunden von UPS in Norddeutschland.

Nachdem ich den Verpackern eine Weile zusehen konnte, führt mich Frerk eine Etage höher ins Versandlager. Während im Zentrallager die Ware angeliefert und aufbewahrt wird, wird hier in chaotischer Lagerhaltung die Auftragsbestellung abgewickelt. Chaotisch bedeutet, dass ein Produkt keinen festen Regalplatz hat, sondern dort einsortiert wird, wo gerade Platz ist. Dies führt in Kombination mit einem Strichcodesystem zur bestmöglichen Ausnutzung der Lagerkapazität.

Kommt eine Bestellung per selbst entwickeltem Auftragssystem herein, so kann der jeweilige Lagerarbeiter schnell und effizient Warenkörbe erstellen und per Software überprüfen. Per Strichcode werden die Waren eingescannt und dann der Soll mit dem Ist-Zustand im Rechner verglichen. So bekommt jeder Kunde im Regelfall bereits 1-2 Tage nach Bestellung vollständig seine Lieferung und Fehlsendungen werden vermieden. Dafür ist Zebco in der Branche bekannt.

Ein weiterer Punkt für den Zebco bekannt ist, ist der Service. Auf einer Zwischenebene liegend, befindet sich die Serviceabteilung von Zebco. Hier reparieren Mitarbeiter Rollen sowie Außenbordmotoren (Rhino) und tauschen, falls Notwendig, auch die eine oder andere Ringeinlage. Defekte Rutenteile werden in der Regel ausgetauscht.

die Serviceabteilung von Zebco

Damit der bewährte Service auch weiterhin geboten werden kann, legt Zebco Wert auf vorrätige Ersatzteile. Jede Rolle der letzten 10 Jahre kann repariert werden, weil ganz einfach das KnowHow in Form der Mitarbeiter, aber auch jede einzelne Schraube vorgehalten wird.

Das gleiche gilt für Kopfrutenteile. Ich staune nicht schlecht, als ich einen Blick ins Ersatzteillager für unsere geliebten Stippen werfen darf. Hier finde ich die großen Namen vergangener Zeiten, aber auch aktueller Modelle wieder.

Ersatzteillager


Typisch Norddeutsch kommentiert Frerk meinen verdutzten Blick: „Von Nichts kommt Nichts“ und kann dabei ein Ersatzteilelager für Kopfruten im Wert von über 180tsd Euro vorweisen. Dabei fällt mir auf, dass auch noch Teile vorrätig sind, die schon lange nicht mehr im Katalog gelistet sind. Selbst Teile für die Weltmeisterrute von Bob Nudd (1999 Spanien), der CC808, sind noch vorhanden. Eine Anfrage in Tostedt kann sich also auch für sehr alte Ruten lohnen.

Anschließend werde ich noch durch die Büroräume geführt. Besonders interessant ist für mich ein kleines „Entwicklungslabor“, in dem erste Ideen umgesetzt werden und Fotos für die Kataloge erstellt werden. Auch Geräte für die Produktion von Mustern sind vorhanden. Im Nebenraum haben die Produktmanager ihr Büro. Hier entstehen und reifen erste Ideen bis hin zum fertigen Produkt. Diese werden zu 20% in Südkorea und zu 80% in China hergestellt. Hier gibt es die Kapazitäten und Fertigkeiten für die moderne Produktion. Dennoch, betont Frerk, werden die Produkte hier in Deutschland entwickelt. Auf Basis der Erfahrungen und Wünsche der Testangler werden erste Prototypen hergestellt und im Zeitverlauf optimiert. Erst wenn alles stimmt, geht der Auftrag zur Produktion nach Ostasien. Die Kunst dabei, erfahre ich, ist es den Produzenten zu verdeutlichen, welche Aufgaben die Produkte erfüllen müssen. Das technische Knowhow ist vorhanden, doch weiß eine Firma mit mehreren tausend Arbeitern, die z.B. Metallrahmen fürs Iphone produziert, nicht, worauf es bei Teile für Angelprodukte ankommt. Hier liegt die Stärke der eigenen Mitarbeiter, die mit dem Fachwissen die Produkte ins Leben rufen.

Zu guter Letzt führt mich Frerk in das große Zelt, das mir gleich zu Anfang schon aufgefallen ist. Hier werden seit Herbstbeginn alle Neuigkeiten für das kommende Jahr ausgestellt. Fachhändler können sich diese genauestens ansehen und anschließend Bestellungen tätigen. Hier herrscht eine sehr lockere Atmosphäre, und es geht international zu. Händler aus Spanien informieren sich gerade vergnügt und laut lachend über Produktneuheiten für 2014. Aus den Augenwinkeln erkenne ich, dass offenbar auch Teile der spanischen Damennationalmannschaft anwesend sind und Brownings neue Matchrolle gebutachten.

Als Stipper schaue ich mir die Produkte von Browning natürlich ebenfalls ganz genau an. Da ich sie euch nicht vorenthalten möchte, hier ein kurzer Rundgang im Vorführzelt.

Als erstes fällt mir hier die neue Xitan Taschenserie auf. Während man bei Vorgängerserien, aufgrund der Farbgestaltung, manchmal schon eingefleischter Browningfan sein musste, um sich damit ans Wasser zu wagen, kommt die neue Taschenserie sportlich und schick daher. Die schwarze Optik, kombiniert mit einem hellblauen, weißen und burgundfarbenden Zierstreifen wirkt auf mich elegant und attraktiv. Fast schon ein wenig Retro!

Besonders die mittelgroßen Modelle mit festem Boden dürften in der kommenden Saison häufiger am Wasser zu sehen sein.

die Produkte von Browning

Für die Feederangler unter uns hat sich Browning ebenfalls ein paar Neuigkeiten ausgedacht. Neu und besonders praktisch ist das beleuchtete Targetboard, dass auch nachts ein präzises Angel erlauben sollte. Komplettiert wird das Sortiment durch eine Vielzahl neuer Edelstahl- und Kunststofffutterkörbe, die eigentlich jeden möglichen Bereich abdecken.

Edelstahl- und Kunststofffutterkörbe

Als besonderes Highlight kommt zusätzlich zu dem bestehenden Programm noch eine Futtersparte Namens Dutch Danger heraus. Anders als bei vielen anderen Futtersorten wird dieses direkt aus Rohstoffen hergestellt und nicht aus bereits fertigen Mehlen. So ist Frische garantiert. Zusätzlich kommt dort ein besonderes Brotmehl zum Einsatz, dass das Futter besonders gut aus dem Korb drückt.

Für die Stipper gibt es neben den bereits bekannten Modellen wie Z6, Z8 und Z12 ein neues Modell Namens Z10, das einen ersten positiven Eindruck hinterließ. Am anderen Ende der Range löst die Xitan Power Combat die beliebte Sniper Carp ab.

Natürlich sehe ich mich auch ein klein wenig bei den Nicht-Stipperprodukten um und staune über die Vielfalt. Egal, was man sich vorstellt, es ist im Sortiment vorhanden. Alleine über 800 verschiedene Ruten befinden sich derzeit bei Zebco im Sortiment.

Ziel ist es, betont Frerk, dass egal, was ich vorhabe, einfach nach unten gehen kann, ins Regal greife und ein gutes Produkt in unserem Sortiment vorfinde. Sei es beim Meeresangeln, beim Welsangeln oder beim Nachmittagsansitz mit der Pose oder Feeder am Dorfweiher. Dies, berichtet er mit voller Überzeugung, ist uns mittlerweile definitiv gelungen.

Am Ende des Tages verlasse ich mit schwirrendem Kopf das Firmengelände von Zebco und mache mich auf dem Heimweg. Es gab eine Menge zu sehen und besonders beeindruckt hat mich die offene sowie sehr professionelle Atmosphäre, die ich vorgefunden habe.

Werbepartner