Im Praxistest - Die Tubertini Concept D Stationärrolle

  • von ct Redaktion
  • 11. März 2015 um 11:31
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Stationärrollen sehen im Grunde genommen alle sehr ähnlich aus. Neben einem Gehäuse verfügen sie über eine Kurbel, eine Spule mit Bremse und einem Schnurfangbügel. Ein Schnurfangbügel? Nicht immer! Anfang des Jahres hat die Firma Tubertini mit der Concept D eine Rolle herausgebracht, die mit gleich zwei Bügeln ausgestattet ist.

Champions-Team hat sich die ungewöhnlich anmutende Rolle genauer angesehen und sie einem Kurztest unterzogen.

Viel Spaß beim Lesen!

Lieferumfang:

  • Karton
  • Rolle mit Spule
  • Anleitung
Die Tubertini Concept D - Stationärrolle


Nachdem die Rolle ausgepackt ist, fällt der erste Blick natürlich direkt auf das neue patentierte Doppelbügelsystem. Neben einem großen und kräftigen Schnurfangbügel verfügt die Tubertini Concept D zusätzlich über einen kleineren Bügel, der parallel dazu angebracht ist. Der mit dem Rotor verbundene Bügel fällt deutlich filigraner aus und fügt sich harmonisch ins Rollenbild ein. Das Auge gewöhnt sich sehr schnell an die außergewöhnliche Konstruktion.

Das Metallgehäuse ist in Tubertinis Firmenfarben lackiert

Die Concept D verfügt über ein Metallgehäuse, das in Tubertinis Firmenfarben lackiert wurde. Ein glänzendes Schwarz wird mit gelben Akzenten aufgelockert, so dass ein sportlicher und schicker Eindruck entsteht. Die hier vorgestellte 5500er Ausführung verfügt über eine große, flache Matchspule, die 160m 0,20mm bzw. 200m 0,18mm Schnur fasst. Die Kurbel ist mit einem griffigen Schaumstoffgriff versehen, der ein sicheres Zupacken bei jedem Wetter ermöglichen sollte.

Mit einem ermittelten Gewicht von 327g gehört die Concept D nicht zu den leichtesten Rollen am Markt. Sie macht andererseits aber gerade wegen des Vollmetallkörpers einen sehr stabilen Eindruck. Der Lineclip erfolgt in Standardausführung.

Die Tubertini Concept D verfügt über sieben Kugel- und einem Walzenlager, die ihr zu einem ruhigen Lauf verhelfen sollen. Die Übersetzung liegt bei 5:1, und der Schnureinzug beträgt ermittelte 83cm pro Kurbelumdrehung. Eine Ersatzspule wird nicht mitgeliefert und ist auch nicht einzeln erhältlich.

Praxistest:

Der Praxistest beginnt Mitte Februar unter nicht gerade optimalen Bedingungen an einem Kanal im Ruhrgebiet. Die Sonne strahlt, und bei 9 Grad Außentemperatur scheint der Frühling erstmalig die Überhand über den Winter zu gewinnen. Doch der erste Eindruck täuscht. Früh morgens waren die Straßen spiegelglatt und auch jetzt, nach stundenlangem Sonnenschein, taut die Umgebung erst langsam auf.

Niemand hat gesagt, dass ein Testerleben einfach sein muss, und so baue ich –dick in Thermobekleidung eingemummelt— meine Gerätschaften an einer leichten Böschung vorsichtig auf.

Der hier befischte Kanal ist mir wohlbekannt, und die Gerätewahl fällt deshalb leicht. Die Tubertini Concept D wurde im Vorfeld mit einer 0,20mm dünnen monofilen Schnur bespult und an einer leichten 3,60m langen Feederrute montiert. Besonders spannend ist die Verwendung des Doppelbügelsystems, zu dem ich noch kein richtiges Vertrauen gefasst habe. Die Schnur wird erst zwischen beide Bügel hindurch und anschließend durch die Rutenringe geführt. Eine einfache Laufmontage mit einem 30g Korb sollte heute ausreichen, um die Fahrrinne in etwa 30-35m zu erreichen.

Ein paar Probewürfe später steht fest, dass die Verwendung des zweiten Bügels kinderleicht von Hand geht. Die ersten Zweifel sind beseitigt, die Tubertini Concept D kann am Wasser genauso einfach wie jede andere Rolle verwendet werden.

Kinderleicht- die Concept D lässt sich wie jede andere Rolle fischen

Weiterhin zeigt sich, dass die Ingenieure in Italien ganze Arbeit geleistet haben. Die Schnur fliegt ohne nennenswerte Verdrallung sauber von der Rolle. Nachdem die Zuversicht in die neue Technik gestiegen ist, taste ich, indem ich den Korb einfach langsam über Grund ziehe, vorsichtig meinen Angelplatz ab. Die Kante zur Fahrrinne findet sich bei etwa 30 Meter, während auf den ersten 25 Metern noch ein paar abgestorbene Pflanzen das Angeln im deutlich flacheren Wasser erschweren. Mit einem mulmigen Gefühl fixiere ich die Schnur im Standardlineclip der Rolle, um möglichst Präzise immer wieder den gleichen Platz anwerfen zu können. Das mulmige Gefühl rührt aus der Erfahrung mit den Lineclips anderer Rollen, bei denen die Standardclips nicht selten schlecht verarbeitet waren und scharfe Kanten aufwiesen. Schnurbruch war dabei regelmäßig ein großes Ärgernis.
Überraschenderweise ist dies bei der Concept D anders. Der Lineclip ist auch mit kalten Fingern gut zugänglich, und die Schnur gleitet ohne Probleme in den Clip. Ich beginne mit einer leichten Startfütterung von fünf Körben mageren Futters, denen ein paar Pinkis zugegeben wurden. Natürlich erfolgen alle Würfe bis in den Clip, um akkurat Füttern zu können. Mit Erleichterung kann jetzt festgehalten werden, dass sich Tubertinis Lineclip positiv von der Masse abhebt. Die Verarbeitung ist tadellos, und die Schnur wird nicht beschädigt. Auch mehrfaches Entnehmen und erneutes Fixieren ändert daran nichts.

Der Lineclip-Standardoptik, aber einwandfrei verarbeitet

Beim Angeln selbst zeigt sich zudem, dass die Rolle nicht nur am heimischen Schreibtisch einen soliden Eindruck macht. Das gesamte Rollengefühl weckt Vertrauen in die Technik. Nichts wackelt oder hat Spiel. Das Getriebe arbeitet zudem präzise wie ein Uhrwerk und läuft angenehm sanft. Kein Wunder, dass Tubertini die Concept D auch zum Forellenangeln mit Schleppködern empfiehlt.

Der Einsatz des Doppelbügels ist auch im weiteren Verlauf der Testphase überraschend einfach. Zwar ist das Problem des Unterwanderns der Spule durch Schnur beim Match- und Feederangeln weniger präsent als beim Spinn-oder Forellenangeln, doch der zusätzliche Bügel macht sich auch für Friedfischangler bezahlt. Er fungiert als Abstandhalter und hält die Schnur von der Spule weg. Zeitgleich verringert er das Spiel zwischen Spule und Schnurlaufröllchen, so dass die Schnur besonders sauber aufgewickelt wird.

Der zweite Bügel stützt die Schnur. Verwicklungen haben keine Chance!

Gerade bei der Verwendung sehr dünner und weicher Schnüre, wie z.B. Geflochtener beim Feedern, wird dadurch der Angelalltag ein wenig einfacher.

Eine weitere Stärke der neuen Concept D ist die Bremse. Die Rasterung ist sehr fein ausgelegt, und der Druck kann wohl dosiert werden. So ist gewährleistet, dass die Rolle sich sowohl für den Einsatz dünnster Schnüre beim Matchangeln, als auch für dickere Monofile am Carpodrom eignet. Dank der robusten Bauweise und einer Bremskraft von über 5kg ist sie für den Großfischkampf nahezu prädestiniert.

Fazit:

Tubertini hat mit der Concept D einen guten Allrounder geschaffen, der sich überall zu Hause fühlt. Egal, ob sie eher Feedern oder mit der Match- bzw. Bolorute losziehen, die Rolle macht alles mit. Eine gute Schnurverlegung, eine feine Bremse und eine hervorragende Laufruhe kombiniert mit einem soliden, aber nicht zu schwerem Metallgehäuse machen sie zu einem echten Kauftipp.

Die anfängliche Skepsis in Punkto Doppelbügelsystem baute sich im Testverlauf nach und nach ab. Die Benutzung ist spielend einfach, und gerade bei sehr dünnen und geflochtenen Schnüren bietet das System einen echten Mehrwert.

Am Ende des Tests kann festgehalten werden, dass Tubertini mit der Concept D eine ehrliche, solide Rolle gebaut hat, die auch anspruchsvolle Angler langfristig zufrieden stellen wird.

Der Preis von 120€, für das hier getestete 5500er Modell, geht voll in Ordnung.

In welchen Grössen die Rolle lieferbar ist erfahrt ihr HIER

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