Im Feeder Test - Shimano Fireblood und Speedcast

  • von ct Redaktion
  • 17. Oktober 2007 um 14:00
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Wer sich wirklich einem Hobby verschreibt, wird früher oder später auch seine Gerätschaften den steigenden Ansprüchen anpassen. Gerade beim Feedern war dieser Schritt in den letzten Jahren deutlich zu beobachten. Mit der steigenden Bereitschaft für hochwertiges Material auch mehr Geld zu investieren, ist die Anzahl an erstklassigen Feederruten sprunghaft angestiegen. Gleichzeitig sind aber auch die Bedürfnisse der Angler gestiegen. Die Zeiten, in denen eine einzige Weitwurfrute für fast alles  ausreichte sind, längst vorbei. Um dauerhaft konkurrenzfähig zu sein, muss der Feederprofi Distanzen zwischen 13 und 100m abdecken können und benötigt dafür spezielle Ruten mit unterschiedlichen Eigenschaften. Eine Rute, die sich selbst ein wenig als Spezialist sieht, ist die Shimano Speedcast Feeder. Wir haben uns die Speedcast sowie das große Schwestermodell Fireblood genau angesehen und getestet, was im oberen Segment von Shimano zu bekommen ist. Außerdem wurden die Shimano X-Aero Baitrunner und die neue Stradic Hagane gleich mitgetestet. Viel Spaß beim Lesen!


Lieferumfang:

Shimano Speedcast Feeder:

•Transportrohr

•Stofffutteral

•Rute

•3 Wechselspitzen (1 oz, 2 oz, 3 oz)

 
Shimano Fireblood Feeder:

•Transportrohr

•Stofffutteral

•Rute

•3 Wechselspitzen (2 oz, 3 oz, 4 oz)

Beide Ruten werden von Werk aus in einer stabilen Transportröhre geliefert, so dass sie jederzeit perfekt geschützt werden. Rein optisch machen die Rohre zudem einiges her. Das Transportrohr der Fireblood wurde sogar sehr ansehnlich Gold-Rot bestickt, während die Modellbezeichnung der Speedcast aufgedruckt wurde.

stabile Transportrohre
Auf den Deckeln der Röhren sind zudem die genauen Rutencodes aufgedruckt, so dass die passende Rute selbst unter einer großen Auswahl gefunden werden könnte. Nach dem Entnehmen der Ruten fallen zuerst Gemeinsamkeiten auf. Beide Ruten sind exakt gleich lang geteilt und weisen auch bei der Beringung komplett identische Abstände auf. Ein kurzer Steckversuch bei den Spitzen zeigt, dass beide Ruten die gleichen Spitzendurchmesser und sogar identische Spitzen verwenden. Ein genauer Blick offenbart, dass diese Spitzen richtig gut durchdacht sind. Steifere Spitzen sind mit größeren Ringen ausgestattet, während sehr leichte Spitzen mit passenden, kleineren Ringen bestückt wurden. So wird gewährleistet, dass jede Spitze optimal steht und nicht durchhängt.

Die Beringung wurde den Spitzen angepasst 
Die Details sind es dann auch, die die beiden Ruten auf den zweiten Blick deutlich unterscheiden. Die Speedcast weist ein grau-schwarzes Design auf, während die Fireblood feurig rot einiges hermacht.

tolle Optik bei beiden Ruten 
Beim direkten Vergleich fällt zudem auf, dass die Fireblood deutlich schmaler und filigraner als die Speedcast wirkt, obwohl sie mit einem Wurfgewicht von 35-110g sogar höhere Gewichte werfen können soll. Der Blank der Speedcast ist 14,9 mm breit, während der der Fireblood mit 13,5 mm enorm schlank daherkommt. Ermöglicht wird dies durch die spezielle Herstellung. Die Speedcast verfügt über einen HPC 200 Blank, während der der Fireblood sogar im HPC 250 Verfahren hergestellt wird.

 

Exkurs HPC:

Shimano gibt im Katalog bei vielen Ruten HPC Werte an. HPC steht für High Pressure Carbon, was auf Deutsch so viel wie Hochdruckkarbon bedeutet. Ruten werden immer aus vorimprägnierten Karbonmatten hergestellt. Dieses Gewebe enthält bereits Harz, das für den Rutenbau unerlässlich ist. Erst wenn die Rute gebacken wird, verflüchtigen sich die Lösungsmittel aus den Karbonmatten und das Material erlangt eine Festigkeit.
Ohne jetzt eine Abhandlung über Rutenbau schreiben zu wollen (als Angler kenne ich mich da auch wirklich zu schlecht aus), kann gesagt werden, dass dieser Härtungsprozeß entscheidend für die Eigenschaften der fertigen Rute ist. Je weniger Lufteinschlüsse im Blank vorhanden sind und je weniger Harz eine Rute am Ende aufweist, umso leichter und straffer wird sie am Ende sein.
Shimanos HPC wird beim Backen nicht nur im Ofen ausgehärtet, sondern wie in einem Schnellkochtopf unter enormen Druck gesetzt. Das sorgt für schlanke, sehr belastbare, aber auch in der Herstellung deutlich teurere Blanks, die sich aber von der Standardware vieler Hersteller absetzen.

Die Beringung beider Ruten ist laut Katalog mit Fuji Alconite Ringen erfolgt. Das sind hochwertige Ringe, die in Punkto Preis/Leistung und vom Härtegrad gut zu Feederruten passen. Sie sind auch langfristig für geflochtene Schnüre geeignet.
Dennoch sind bereits bei einem kurzen Blick Unterschiede erkennbar. Der Leitring der Speedcast fällt mit 14,9 mm Innendurchmesser zwar genauso groß wie der der Fireblood aus, ist aber als verwicklungsfreier Weitwurfring ausgelegt.

Spitzenring der FirebloodWeitwurfring der Speedcast  


Bei der Auswahl des Rollenhalters hat Shimano Wert auf Qualität gelegt und bei der Speedcast direkt zum Fuji DPS bzw. bei der Fireblood zum hauseigenen Fossilwood gegriffen. Ein guter Rollenhalt ist bei Feederruten unabdingbar und in dieser Preisklasse darf deshalb auch zu hochwertigen Komponenten gegriffen werden.

die Speedcast wurde mit einem hochwertigen Fuji DPS Rollenhalter ausgestattet

 

Shimano Fossilwood
Die Griffe beider Ruten fallen für eine Rute mit einer Länge von fast 4 m vergleichsweise kurz aus. Hier wird direkt deutlich, dass es sich bei der hier getesteten Speedcast um das Precision-Modell handelt (Präzisionsmodell), dass für zielgenaue Würfe bis 50 m eingesetzt werden kann und keine Ambitionen bei der Weitenjagd verfolgt. Die Grifflänge beträgt bei der Speedcast 45 cm und bei der Fireblood 43,5 cm. Beide Ruten sind mit Powerkork und EVA versehen worden. Diese Materialien lassen sich leicht von Futterresten reinigen, altern Erfahrungsgemäß nur langsam und sehen damit lange Zeit gut aus.
Die Überprüfung der Katalogwerte ergab keine besonderen Überraschungen. Beide Ruten sind bei angegebenen 3,96 m exakt 3,972 m lang. Die Speedcast bringt die angegebenen 262 g auf den Punkt auf die Waage, während die Fireblood mit 237 g sogar etwas leichter als im Katalog (253 g) daherkommt. Einzig bei der Ringangabe hat jemand gewaltig geschlafen und vermutlich einfach die Ringe aller Spitzen mitgezählt. Natürlich verfügen beide Ruten nicht jeweils über 28 bzw. 29 Ringe, sondern kommen mit 15 Ringen absolut aus.

 

Rollen:

Bei der Entnahme der Rollen gab es im ersten Moment keine großen Überraschungen. Der Baitrunner X-Aero 4000 ist die Zugehörigkeit zur X-Aero-Reihe deutlich anzusehen. Der schwarze Körper ist mit allen Vorteilen ausgestattet, die bereits durch die Match- und Feederrollen bekannt sind. Die übergroße Spule, die eigentlich eher einer 6000er entspricht, die Linereducer, die optimierte Abwurfkante, der runde Schnurclip und viele andere Features, haben sich bereits bei tausenden Anglern bewährt und bedürfen keiner erneuten Erklärung.

 bewährte Technik- die X-Aero verfügt über einen guten Schnurclip

Neu hingegen ist der integrierte Freilauf, der per Hebel zugeschaltet werden kann. Dadurch steigt das Gewicht im Vergleich zu den baugleichen Rollen ohne Freilauf auf 415 g an. Die Bremskraft des Freilaufsystems kann per Drehknopf am Heck fein dosiert werden. Die Übersetzung der Rolle beträgt 4,8:1, wobei sie 86 cm Schnur einzieht. Dies lässt eine kräftige Rolle erwarten. 4 Kugellager und ein Walzenlager sorgen für einen sauberen Lauf. Geliefert wird die Baitrunner X-Aero 4000 mit einer zusätzlichen Ersatzspule.

Baitrunner X-Aero 4000
Während sich die Baitrunner X-Aero beim Auspacken also weitestgehend vertraut anfühlt, ist das bei der Stradic unerwartet ganz anders. Sie weicht bereits optisch komplett vom Vorgängermodell ab. Besonders extrem fällt dies bei der Rollengröße auf. Die vorliegende 5000er Rolle hat so rein gar nichts mit der zuerst erwarteten Weitwurfrolle zu tun. Das Rollengehäuse fällt sehr klein aus, und würde eher zu einer 3000er Größe passen. Die Spule selbst ist schon etwas größer, reiht sich aber in den ersten Eindruck ein. Völlig aus der Reihe tanzt der fast schon übertrieben große Rollenknauf. Optisch mindestens drei Nummern zu groß, möchte er nicht ins Gesamtbild passen.

riesiger Rollenknauf

Bei der Farbe geht Shimano ebenfalls neue Wege. Die Stradic Hagane ist silbern lackiert und wird an der Spule durch dunkelblaue Elemente aufgewertet. Der Schnurclip wurde ebenfalls neu entwickelt und soll jetzt nochmal deutlich Schnurschonender sein.



gute Schnurverlegung und ordentlicher Clip


Nach der ersten Überraschung wird das Konzept der neuen Hagane Reihe ein weniger näher betrachtet, hat es doch deutlichen Einfluss auf die vermutlich beliebteste Rollenserie bei Shimano gehabt. Hagane ist der japanische Ausdruck für Stahl und soll darauf hinweisen, dass es sich bei Haganae-Rollen um besonders stabile, langlebige und damit auch zuverlässige Modelle handelt. Erreicht wird dies laut Shimano durch ein solides Getriebe, das beispielsweise über ein Antriebsritzel aus kaltgeschmiedetem Aluminium anstatt aus Zink verfügt. Das Vollmetallgehäuse schützt die Rolle effektiv und soll ihr, auch unter harten Bedingungen, ein langes Leben garantieren. Trotzdem bringt sie nur 320 g auf die Testwaage.
Natürlich passt das integrierte X-Ship Getriebe perfekt in diese Baureihe, wird doch eine direkte Kraftübertragung und somit auch Kraft beim Kurbeln gewährleistet. Anders als bei der X-Aero, liegt der Stradic Hagane keine Ersatzspule bei. Dies mag den Preis für Spinnfischer senken, ist für Friedfischangler allerdings lästig. Der Kauf einer Ersatzspule sollte direkt eingeplant werden.
Die Stradic C 5000 XG verfügt bei einer Übersetzung von 6,2:1 über einen flotten Schnureinzug von 105 cm pro Kurbelumdrehung. Sechs abgedichtete Kugellager und ein Walzenlager sollen für einen runden Lauf sorgen und machen die Stradic sogar salzwasserfest. Mit 11 Kg Bremskraft und einer Schnurfassung von 240 m 0,25 mm Schnur ist sie auch für große Fische absolut geeignet. 

beide Rollen im direkten Vergleich 

 

Vorbereitung:

Da die Ruten mitten beim Packen für einen Angelurlaub eingetroffen sind, werden sie, einfach so wie sie sind, mit ins Futteral gepackt. Die Rollen werden schnell mit einer Power Pro in 0,10mm bespult. Diese Schnur verwende ich schon länger, und bin damit zufrieden. Die Ersatzspule der X-Aero wird zudem mit einer 0,25 mm Monofilen versehen.

 

Praxis:

Der erste Einsatz der Testobjekte erfolgte weitaus früher als gedacht. Am Urlaubsort angekommen, zeigte sich bereits am Folgetag das Wetter von der schlechtesten Seite. Windböen über 70 km/h, Starkregen und kühle Temperaturen sorgten dafür, dass der Einsatz der Kopfrute unmöglich wurde. Auch der Einsatz der sonst verwendeten Methodruten sollte unter diesen Umständen eher zur Qual werden. Vom Blank her viel zu weich, wurden bei dem Wind die Würfe mit jeder Böe ungenauer und ungenauer. Die Chancen waren somit nicht gerade gut, akkurat auf die großen Brassen zu angeln. Zum Glück befanden sich die Shimano Fireblood und die Speedcast im Auto, die im Urlaub eigentlich nur ein wenig genauer angesehen werden sollten.
Die Ruten wurden jeweils mit einer 2 Unzen Spitze bestückt. An beiden Rollen wurde die geflochtene Power Pro Schnur bevorzugt um überhaupt noch einen Biss mitzubekommen.
Die Montage war eine einfache Seitenarmmontage, die ins vorgeschaltete, ca.  4 m lange Fluorocarbon geknüpft wurde. Wenn auch nur Würfe um 32-35m notwendig waren, gestaltete sich das Anfüttern erheblich einfacher als mit den Methodruten. Die zusätzliche Kraftausübung über den längeren Blank und dessen gute Schnellkraft sorgten für die Möglichkeit selbst unter solch schlechten Bedingungen punktgenau zu füttern. Mit einem soliden, kräftigen Rückgrat gelang das punktgenaue Werfen spielend leicht.
Die Rollengröße der hier verwendeten X-Aero 4000 Freilaufrolle passt dabei wunderbar zur Speedcast Rute. Nach und nach flog so Korb für Korb relativ genau vor die Schilfkante am anderen Ufer, und allmählich wurde ein Platz mit Futter, Caster und vor allem Wurm aufgebaut. Sehr positiv hat sich in diesem Zusammenhang die Verwendung des Freilaufs zum Befüllen des Korbes herausgestellt. Nicht immer war die Schnurlänge optimal, um den Korb direkt in die Hand fliegen zu lassen. Mit einem genau aufs Korbgewicht eingestellten Freilauf reichte allerdings ein kurzes Umlegen des Hebels, und schon glitt der Korb langsam auf die optimale Länge herunter.
Natürlich wurde die zweite Kombination aus Fireblood Feeder und Stradic 5000 ebenfalls exakt abgelängt und zum Einsatz gebracht. Das Rutengefühl war aber ein komplett anderes. Während die Speedcast wie eine kraftvolle, robuste Rute daherkommt, ist der erste Eindruck, den die Fireblood hinterlassen hat, deutlich filigraner, fast schon zerbrechlich, obwohl sie als Heavy Feeder ausgezeichnet ist. Die ersten Würfe erfolgten deshalb unbewusst deutlich defensiver und kamen nicht genau ins Ziel. Nach ein wenig hin- und herüberlegen fiel dann die Entscheidung. Sinn und Zweck der Tests ist natürlich auch das Ausloten der Grenzbereiche. Lieber knackt die Rute im Test, als dann Zuhause beim Leser! Kaum stabil auf der Plattform sitzend und vom Wind kräftig durchgeschüttelt, wurde die Fireblood nun voll durchgezogen und belastet. Das erwartete Knacken blieb allerdings aus. Obwohl der Blank nur hauchdünn ist und als alles andere wie ein Lastenesel erscheint, ist er zugleich auch schön stabil und belastbar. Jetzt, nachdem die erste Zurückhaltung gewichen war, kamen die Körbe endlich auch ins Ziel. Dabei zeigte sich, dass die Aktion der Fireblood nicht ganz so spritzig wie die der Speedcast ist und insgesamt weicher erscheint.
Nach kurzer Zeit konnten auf beide Ruten Brassen gefangen werden, die die Aktion der Ruten ans Tageslicht brachten. Die Speedcast hat ein strammes Rückgrat, sorgt im Drill aber mit einer gutmütigen Aktion im oberen Drittel für ausreichend Feingefühl, um auch größere Fische zügig drillen zu können. Die Fireblood biegt sich hingegen nochmals ein wenig mehr durch. Die Brassendrills wurden zum Hochgenuss.
Bei den Rollen zeigten sich dann im Laufe der Woche Stärken und Schwächen. Der Freilauf der X-Aero hat sich beim Befüllen der Körbe als sehr praktisch erwiesen und machte das Angeln ein wenig einfacher. Die Schnurwicklung der Rolle ist sehr gut. Der Schnurclip war sowieso bereits als für gut befunden und selbst bei kraftvollen Würfen, die hart in den Clip gingen, nahm die Schnur keinen Schaden. Ein wenig ungewohnt, aber fast schon erwartet, war das Gefühl beim Einholen der Körbe. Sobald diese ein wenig schwerer wurden, fühlte sich der Vorgang an der Doppelkurbel zunehmend mühsam an. Das liegt mit Sicherheit an dem kurzen Hebelarm, die die Bauweise der Doppelkurbel vorgibt. Dafür ist diese dann aber jederzeit perfekt austariert und verharrt auch ohne Last immer an Ort und Stelle.

Bei der Stradic sorgte der große Rollenknauf zuerst für ordentlich Verwunderung. In der Praxis konnte er allerdings total überraschen. Von Stunde zu Stunde konnte der zuerst belächelte Rollenknauf mehr begeistern. Er liegt auch bei kalten, nassen Fingern perfekt in der Hand und vermittelt ein unglaublich kraftvolles Gefühl.
Dazu passt das hervorragende Hagane Konzept. Der kleine Rollenkörper aus Metall vermittelte ebenfalls einen soliden, fast unzerstörbaren Eindruck und sorgte für ein sehr wertiges Gefühl.
Das Getriebe der Stradic ist enorm gut gelungen. Es läuft wie ein Uhrwerk und vermittelt ebenfalls das Gefühl, als könne kein Fisch der Welt dieser Rolle etwas anhaben. Dabei arbeitet es sehr präzise und bietet absolut kein Spiel. Der Schnurclip der Stradic ist ungewöhnlich geformt und sorgte zu Beginn für zweifelnde Blicke. Er arbeitet aber zuverlässig und ist sanft zur Schnur. Dazu ist er noch ein wenig besser zugänglich als der Clip des alten Modells. Allerdings reicht er in diesem Punkt nicht an den guten Clip der Aero-Modelle heran.
Die Schnurverlegung der Stradic C 5000 XG könnte kaum besser sein. Der Bremsknopf passt rein haptisch allerdings nicht ganz ins Bild. Er besteht aus Kunststoff und weicht vom exzellenten Hagane Konzept ab. Dennoch ist er angenehm groß gestaltet worden und sehr gut zugänglich.

Die in der ersten Woche gemachten Eindrücke haben sich dann im Testverlauf bestätigt. Die Speedcast stellt bei Distanzen bis zu 60 m ein hervorragendes Sportgerät dar, das vor allem durch hohe Präzision auffällt. Futterplätze können ohne Mühe zielgenau angeworfen werden, was sich positiv in der Bissausbeute bemerkbar macht. Dabei ist die Rute auch fürs Rotaugenangeln schnell genug und kann in jeder Hinsicht überzeugen. Der qualitative Eindruck ist hervorragend. Der Rollenhalter hat selbst größere Modelle fest im Griff.
Die Fireblood spielt in Punkto Qualität nochmal eine Nummer höher und lässt sogar Besitzerstolz aufkommen. An dieser Rute stimmt einfach alles. Die Verarbeitung ist absolut tadellos, und die einzelnen Komponenten sind perfekt aufeinander abgestimmt. Beim Blank gibt es keine offenen Fragen. Shimano tut gut daran diese im eigenen Haus selbst zu entwickeln und kann sich dadurch vom Markt absetzen. Schnell, kraftvoll und absolut hochwertig, gibt es am Blank der Fireblood kaum noch etwas zu verbessern. Bei der Einordnung der Rute als Heavy Feeder lag Shimano meines Erachtens allerdings falsch. Die Fireblood ist herrlich leicht und ultra-dünn. Das angegebene Spektrum von 35-110 g mag zwar erreicht werden, doch liegt das Hauptaugenmerk bei leichteren Gewichten. Im Test lag das gefühlte Wurfgewicht irgendwo bei 80-90g inklusive Futter, wobei sie sich gerade im unteren Bereich um 40 g sehr gut Werfen lässt. Die Aktion der Fireblood ist exzellent. Die progressive Aktion geht bei größeren Fischen bis ins untere Drittel über und lässt den Blank hervorragend mitarbeiten. Harte Kopfstöße von dicken Brassen werden deshalb sehr gut abgefedert. Es kann trotzdem ordentlich Druck gemacht werden. Die erzielte Wurfweite hängt wie immer vom Können des einzelnen Anglers ab. 50-60 m sind aber auch hier kein Problem. Der kurze Griffbereich zeichnet die Rute sowieso nicht als Weitwurfgerät aus; dafür gibt es andere Modelle der gleichen Rutenreihe. Jedoch kann festgehalten werden, dass der kurze Griff einfach praktisch ist. Er ermöglicht eine gute Handhabung der Rute und bringt viel Bewegungsfreiheit rund um den Angler mit sich.

Bei den Rollen gab es im Testverlauf einige Veränderungen.
Die Doppelkurbel der Baitrunner X-Aero verhinderte mein Warmwerden mit der Rolle beim Feedern mit schwereren Gewichten. Deshalb wurde sie vermehrt beim Methodfeedern und Pelletwagglerangeln eingesetzt. Der Freilauf bringt gerade bei Angelarten, bei denen sich die Fische selbst haken, echte Vorteile. Die erste heftige Flucht großer Fische und die damit verbundene Gefahr des Rutenverlustes bei Unachtsamkeit, wird durch die Freilauffunktion abgefangen, und der Griff zur Rute kann entspannter erfolgen. Die Konzentration kann ganz aufs Füttern gelegt werden, der Freilauf agiert mit seinem Schnurren sogar als Indikator und zeigt den Biss mit einem leisen Ablaufgeräusch akustisch an. Eine kurze Kurbelbewegung reicht, und die voreingestellte Bremskraft wirkt, sobald die Rute sicher in den Händen des Anglers liegt. Die Schnuraufwicklung ist sowohl mit geflochtener als auch mit monofiler Schnur sehr gut und bietet keinen Anlass zur Kritik. Die X-Aero fühlt sich übrigens auch dort wohl, wo zwar schwere Gewichte geworfen werden müssen –die Achse ist dafür mehr als stabil genug ausgelegt—, aber nicht permanent eingekurbelt werden müssen. Beim Barbenangeln ist diese Rolle mit Sicherheit eine echte Option. Insgesamt ist die X-Aero Baitrunner eine tolle Rolle fürs leichtere Angeln auf schwere Fische.
Die Stradic C 5000 XG ist eine Rolle, die im Laufe des Testes immer mehr überzeugen konnte. Sie bietet unglaubliche Kraftreserven, die Bremse arbeitet feinfühlig und selbst der ungewohnte Rollenknauf liegt perfekt in der Hand. Die Haptik der Rolle ist sehr gut. Sie wirkt extrem hochwertig und unzerstörbar. Dabei ist der Lauf absolut rund. Das Getriebe konnte total überzeugen und wirkt, als könne diese Rolle ewig halten. Die Fertigungstoleranzen scheinen noch einmal verbessert worden zu sein. Die Kurbel hat kein bisschen Spiel und gibt jede Bewegung direkt weiter. Beim Ankurbeln ist sofort die ganze Kraft der Rolle spürbar. Verbesserungspotential gibt es nur in Bereich des Schnurclips. Er ist zwar deutlich besser zugänglich als der Clip älterer Modelle, doch wäre hier immer noch ein runder Clip von Vorteil gewesen. Des Weiteren ist die Tatsache, immer direkt eine Ersatzspule mitbestellen zu müssen, ein wenig ärgerlich und treibt den realen Preis der Rolle nochmals in die Höhe. Alles in allem ist die Stradic Hagane allerdings eine Rolle, die auf voller Linie überzeugen kann. Sie dürfte mit Abstand die beste Stradic sein, die Shimano jemals gebaut hat!

 

Fazit:

Die Fireblood-Reihe ist Shimanos Aushängeschild. Nicht ohne Grund! Die Rute gehört eindeutig zu den qualitativ besten Ruten, die derzeit erhältlich sind. Besonders der HPC 250 Blank kann sich durch Schnelligkeit, geringem Durchmesser und Stärke gewaltig von der Konkurrenz absetzen. Aber auch die weitere Verarbeitung und Materialauswahl sprechen eindeutig für die Fireblood Feeder. Hier passt alles! Besonders anspruchsvolle Angler, die einfach das technisch machbare fasziniert oder die einfach schlicht das Beste haben möchten, sind mit dieser Rute perfekt bedient. Außerdem ist sie auch noch wunderhübsch anzusehen.
Preislich liegt sie bei ca. 280 €.

Die Shimano Speedcast ist eine hochwertige Rute für Praktiker. Der HPC 200 Blank ist ebenfalls eine echte Wucht und kann begeistern. Er macht die Speedcast schnell und extrem präzise. Würfe bis 60 m gelingen spielend leicht und dabei hochpräzise. Die Verarbeitung und Materialwahl liegt ebenfalls auf sehr hohem Niveau. Fuji Rollenhalter und Ringe, Power Cork und die wirklich durchdachten Spitzen können absolut überzeugen. Die Speedcast ist eine tolle Rute, an der es rein gar nichts auszusetzen gibt und die beim Angeln einfach hervorragende Leistung erbringt.
Im Laden konnte sie bereits für 210 € gesichtet werden.

 

Bei den Rollen tat sich die Baitrunner  X-Aero 4000 rein subjektiv etwas schwer beim Einkurbeln höherer Gewichte. Das liegt an der Doppelkurbel, die man entweder mag oder auch nicht. Bei Angelarten mit leichteren Gewichten, konnte sie dann zeigen, was in ihr steckt. Gute Schnurverlegung, ein sauberer Lauf und der eingebaute Freilauf prädestinieren sie als erstklassige Rolle für die moderne Wettangelei auf Karpfen. Der Freilauf ist dabei extrem nützlich, um den Korb neu zu befüllen oder einfach deutlich entspannter Angeln zu können. Eine tolle Rolle, die für ca. 135 € samt Ersatzspule und Linereducern geliefert wird.

Die Shimano Stradic-Reihe war schon immer eine Reihe, auf die sich Angler verlassen konnten. Nicht ohne Grund sieht man gerade diese Modellreihe, unabhängig vom Sponsor, zu Hauf am Wasser. Die neue Stradic Hagane ist nochmal eine Spur besser in allem, was eine Stradic bisher ausmachte. Robustheit, Zuverlässigkeit und Präzision, Shimano hat mit der Stradic Hagane eine gute Rolle noch einmal deutlich verbessert. Grandios!
Für knapp 150 € ist die Shimano Stradic C 5000 XG im Fachhandel zu haben. Eine Ersatzspule schlägt allerdings noch einmal mit 50 € zu buche.

 

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