Scandinavian Masters 2011 an der Sege / Malmö

  • von Calle Rosslin, Roger Bengtsson & René Schulze
  • 18. Juli 2011 um 09:23
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Nachdem im letzten Jahr die Fänge in der Sege nahe Malmö doch eher bescheiden ausfielen, wünschte man sich in diesem Jahr wieder volle Setzkescher. Die äußeren Bedingungen gaben dazu jedenfalls alle Hoffnung, und man durfte gespannt sein, wie die Fische in diesem Jahr reagierten.

Mit 29 Anglern war das Teilnehmerfeld nicht besonders groß, mit Klaus Fix, Tamas Walter und Marco Beck sowie einigen Lokalmatadoren wie Calle Rosslin und Mikael Tono, waren aber wieder einige Größen des Angelsports am Start, und man konnte sich auf ein spannendes Angeln freuen.

Die Sege lässt in guten Jahren keine Wünsche offen.
Die Sege lässt in guten Jahren keine Wünsche offen.

Calle Rosslin und der diesjährige Masters-Gewinner Roger Bengtsson, der übrigens im letzten Jahr am Shimano-Cup teilgenommen hat, haben für Champions-Team ihre Erlebnisse geschildert:

Calle Rosslin:
Nach alter Tradition war es wieder soweit. Die Scandinavian Masters und die Milo Classics in den legendären Flüssen Sege und Lödde standen vor der Tür. Die Voraussetzungen sahen dieses Mal viel besser aus als im letzten Jahr, denn es herrschte schönes und warmes, ja fast sommerliches Wetter während der Wettkampftage.

Ich hatte es außerdem einrichten können, im Vorfeld ein paar Trainingsdurchgänge zu absolvieren, so dass ich mich in guter Form sah und mich sehr auf die Wettkämpfe freute.

Leider erfüllten die Milo-Classics am Sonnabend und Sonntag nicht die Erwartungen, denn das Angeln war schwierig und die Fische waren nicht in den Mengen vorhanden, wie ich und die anderen Teilnehmer es uns vorgestellt hatten. Weil die Milo Classics nur in der Sege ausgetragen werden, fuhren viele am Montag (dem Ruhetag vor den Masters) zum Testfischen an die Lödde.
 
Ich selbst fischte am Montag nicht, sondern zog es vor, die Angler in der Lödde zu beobachten. Es wurde wenig Fisch gefangen, und man erreichte nicht einmal in Ansätzen die gewohnten Mengen. Wenn man alles richtig machte, waren Spitzengewichte um die 10 kg möglich. Es sah trotzdem danach aus, als ob wir tatsächlich in der Lödde fischen sollten bis Roger Bengtsson von der Sege aus anrief und von massiven Fängen berichtete, die alle Pläne, die Lödde mit einzubeziehen, über den Haufen warfen. Nachdem die Sege endlich ”in Gang kam”, sah man am Abend heitere Gesichter und das Verlosen der Sektoren verlief leicht und locker. Ich selbst zog die Sektorenreihenfolge ACDB, was für mich ganz OK war. Wenn ich es mir hätte wünschen können, so hätte ich die Sektoren A und D zuerst gewählt, da die Fische nach ein paar Tagen weiter in die Mitte der Strecke ziehen.

Tag 1, Sektor A
Mein Freund Patrik Bengtsson hatte Urlaub und bot mir für die Woche seine Hilfe an. Am Dienstag Morgen tauchte er an der Sege auf. Bevor ich zur Sege fuhr, nahm ich aus dem Hotel 10 Liter Maden mit, denn heute würde VIEL Fisch gefangen werden. Wie immer wünschte ich mir eine niedrige Platznummer in der Nähe des Außenplatzes, zog aber A7, den vorletzten Innenplatz.

Ausreichend Lebendfutter ist der Schlüssel zum Erfolg bei den Masters.
Ausreichend Lebendfutter ist der Schlüssel zum Erfolg bei den Masters.

Ein Start wie im Alptraum und es sollte noch schlimmer kommen. Ich baute 3 Top-Sets auf und einen ”Wald” Whip-Ruten mit starken Montagen sowie 2 Wagglerruten. Weil ich vorhatte, massiv mit Madenbällen auf der Whip-Bahn zu füttern, wenn die Fische in Fahrt sind, mischte ich 3 kg Futter und klebte 5 Liter Maden. Es ging doch nichts über Matchfischen. Ich fütterte die 11,5 m Kopfrutenbahn, den Wagglerplatz  und die Bahn für die 5 m Whip ordentlich und begann zu angeln. Wie gewöhnlich begann ich mit dem Waggler und bekam ein paar Fische. Schön, dort sind also heute Fische vorhanden. Stefan Holst auf Platz 8 ging ziemlich zeitig auf die 12 m Kopfrutenbahn und begann dort gut zu fangen. Ich folgte seinem Beispiel und fing ein wenig, aber nicht annähernd soviel wie er. Ich fütterte darauf hin reichlich und kürzer mit geklebten Maden, um die Fische näher heranzulocken, was aber nicht klappte. Es sah danach aus, als ob Holst sein Futter nur cuppte und damit unerhört gut mit der Kopfrute fing. Zu guter letzt bat ich Patrik herauszufinden, was er machte und ich bekam die Anweisung, eine leichtere Montage zu verwenden und noch ein Teil auf meine Kopfrute aufzustecken. Ich vertraute nicht darauf, noch länger zu fischen, aber ich gehorchte und steckte ein Teil auf und benutzte eine 0,5 g Montage mit einem größeren Abstand zwischen Pose und Rutenspitze. Diese pendelte ich dann über die Rutenspitze hinaus, was gut funktionierte. Leider änderte ich nicht meine Fütterungsstrategie, sondern setzte ziemlich aggressiv fort. Patrick teilte mir mit, dass ich zwar hinter Holst liege, die anderen im Sektor aber weit weniger als ich haben. Wenigstens etwas, aber es dürfte schwer sein, Stefans Vorsprung einzuholen. Ich hatte die ganze Zeit über das Gefühl, dass die Fische nicht richtig auf die Fütterungen reagierten, obwohl es massenweise Fische im Fluss gibt. Das hatte ich so noch nie vorher erlebt. Ich fing trotzdem eine Menge Fische, zumindest im Vergleich zu meinen linken Nachbarn und brachte 20650 g zur Wagge, was für den zweiten Platz reichte. Stefan Holst gewann mit 36200 g. Für den nächsten Tag musste ich mir definitiv noch mal Gedanken machen.

Beim Verwiegen braucht man eine starke Waage.
Beim Verwiegen braucht man eine starke Waage.

Tag 2, Sektor C
Vor Beginn des zweiten Durchgangs hatte ich mich mehr auf ein Kopfrutenfischen eingestellt mit einer nicht mehr so massiven Fütterung wie am Vortag. Heute war der C-Sektor an der Reihe, und ich wünschte mir eine hohe Platznummer, was mir mit Platz 8 nicht besser hätte gelingen können.
Ich baute dieselbe Ausrüstung wie am Vortag auf und war fest entschlossen, mit der Kopfrute zu angeln, solange die Fische nicht hysterisch beißen. Die Grundfütterung gestaltete ich wie im ersten Durchgang, und die Fische stellten sich sofort auf der 11,5 m-Bahn ein. Mikael Tono links neben mir und ich fingen in etwa gleich gut, aber nach Patricks Eindruck lag ich die ganze Zeit ein paar Fische voraus, was wohl daran lag, dass ich Dank meines stärkeren Hohlgummis die Fische schneller landen konnte.
Ich brauchte nur wenige Fische zu keschern, da ich die meisten aus dem Wasser schwingen konnte oder sie bis zum Ufer zog und sie dann an der Schnur heraushob.

Mikael Tono mit einem schönen Barsch.
Mikael Tono mit einem schönen Barsch.

Die Fische bissen 2 bis 2,5 Stunden richtig gut, danach war aber aus unerklärlichen Gründen plötzlich Ruhe. Ich fischte daraufhin mit dem Waggler auf der anderen Seite und fütterte geklebte Maden. Es gelang mir, bis zum Ende des Durchgangs noch einige verstreute Fische zu fangen. Ich war der Meinung, dass die Fangergebnisse im Sektor ausgeglichen waren, aber Patrick meinte, dass Mikael und ich viel mehr als die anderen hatten. Mikael hatte am Ende 29850 g, und mit 33700 g zog ich den ersten Sektorensieg für mich in diesem Jahr an Land. Ich war mit meiner Leistung sehr zufrieden, denn ich angelte nur einige Minuten mit der Whip, merkte aber sofort, dass diese Methode heute nicht funktionierte. Die Nachfütterung mit geklebten Maden und losen Ködern gestaltete ich viel sparsamer als am Vortag, was recht gut funktionierte. Der Durchgang im Ganzen verlief auf der gesamten Strecke sehr gut mit Höchstgewichten über 30 kg in allen Sektoren.

Mit einem solchen Fang war für Calle die Welt in Ordnung.
Mit einem solchen Fang war für Calle die Welt in Ordnung.

Tag 3, Sektor D
Nun wurde es spannend, denn oft wird das Festival im Außensektor D entschieden, und es war dementsprechend wichtig, ein gutes Los zu ziehen. Es konnte wieder nicht besser laufen, denn ich zog den Außenplatz. Da der Fluss dort schmaler und das Wasser tiefer ist (wenn man in der Sege überhaupt von tief sprechen kann), baute ich mehr Whip-Ruten auf. Es sollte wieder dieselbe Prozedur wie an den Vortagen sein, nur war ich dieses Mal mehr auf ein schnelles Fischen mit der 4 – 5 m Whip vorbereitet, was hier vorher schon richtig gut funktioniert hat. Ich begann den Durchgang mit dem Waggler und fing eine Menge Alande und nach 30 – 40 Minuten einen schönen Brassen von 2,5 kg. Aber dann wendete sich das Blatt, und ich versuchte alles zu fangen, was gerade biss. Ich probierte das meiste aus meiner Trickkiste, und es gelang mir, einige kleine Alande auf Wurm zu überlisten, nachdem ich ein paar geschnittene Würmer und Caster gecuppt hatte, um die Brassen oder Barsche anzusprechen.

Wie bei Tamas Walter zu sehen, gingen auch Plattfische an den Haken.
Wie bei Tamas Walter zu sehen,
gingen auch Plattfische an den Haken.


Alles in Allem war der Wettkampf ein großes Fiasko, schätzungsweise hatte ich nicht mal 10 kg, und das auf dem Außenplatz! Es schmerzte schon, dass man auf diese Weise seine Felle davonschwimmen sah und damit die Chance auf den Sieg vergab. Es zeigte sich jedoch, dass auf der gesamten Strecke schlechter als an den beiden Vortagen gefangen wurde und meine 12050 g für den Sektorensieg reichten, was zu guter letzt nicht so ganz schlecht war. Das höchste Tagesgewicht betrug etwas mehr als 22 kg, aber es ist ein starkes Gefühl, nun an der Spitze zu liegen, wenn auch das Gewicht des ersten Tages etwas besser hätte ausfallen können.

Am Abend wurde in gemütlicher Runde gefachsimpelt.
Am Abend wurde in gemütlicher Runde gefachsimpelt.

Tag 4, Sektor B
Zeit für den B-Sektor, der entscheidend für das Endresultat war. Ich war mir etwas unsicher. Würden die Fische wieder gut beißen oder sollte es noch schlechter werden? In jedem Fall aber war ein hohes Gewicht notwendig, um das höchste Gesamtgewicht zu erzielen. Zumindest für den etwas weniger prestige- und gewinnträchtigen Punktsieg hatte ich eine extrem gute Ausgangssituation. Wiederum baute ich die gleichen Montagen auf. Obwohl mir die Whip-Ruten maximal 5 Fische pro Tag einbrachten, machte ich sie trotzdem fangbereit, denn man wollte ja die Hoffnung auf viele Fische nicht aufgeben. Die Startfütterung fiel etwas sparsamer aus und für den Fall, eine Chance auf Brassen oder Barsche zu bekommen, hatte ich Würmer und Caster parat.

Der Kopfrutenplatz, auf dem ich begann, war mausetot, und ich machte mit dem Waggler weiter, der mir ein paar Einzelfische einbrachte. Nach einer Weile sah ich meinen Nachbarn mit der Whip Fische fangen und wechselte sofort auf die Kopfrute, mit der ich einige Fische bekam bis der Platz wieder ausstarb. Die Fische blieben nicht auf dem Futter und es herrschte allgemeine Beißflaute. Die ganze verbleibende Zeit wechselte ich zwischen Waggler und Kopfrute, fand aber kein Rezept mehr, an die scheinbar vorhandenen Fische heranzukommen, was aber letztlich egal war. An der Waage zeigte sich, dass ich mit bescheidenen 7700 g wieder meinen Sektor gewann, 50 g vor Anders, der in der letzten halben Stunde noch einige Fische landete. Etwas überrascht über mein Abschneiden war ich trotzdem. Drei Einsen und eine Zwei sollten wohl zu einem sicheren Punktsieg reichen, aber das zu geringe Gewicht des ersten Tages führte dazu, dass ich mit 74100 g in der Gesamtplatzierung nur auf dem 12. Platz landete.

Den Gesamtsieg holte sich Roger Bengtsson mit 92850 g, nur 200 bzw. 300 g vor Stefan Holst und Klaus Fix. Das war verdammt knapp nach 4 Angeltagen.

Solche Brassen, wie hier von Klaus Fix gefangen, sind in der Sege keine Seltenheit.
Solche Brassen, wie hier von Klaus Fix gefangen, sind in der Sege keine Seltenheit.

Ich möchte mich an dieser Stelle auch kurz bei Patrik Bengtsson bedanken, der mir in der ganzen Wettkampfwoche als Coach und „Fischzähler“ hilfreich zur Seite stand. Er hat seinen Job unheimlich gut gemacht, und ich werde wohl einige Zeit brauchen, mich daran zu gewöhnen, dass ich bei anderen Wettkämpfen kein „Extragehirn“ dabei habe. Ich hoffe, wir sehen uns nächstes Jahr an der Sege, ich werde auf jeden Fall da sein.

Calle freut sich bereits auf das nächste Jahr und volle Setzkescher.
Calle freut sich bereits auf das nächste Jahr und volle Setzkescher.

Roger Bengtsson
Vor den diesjährigen Scandinavian Masters war ich guter Hoffnung, dass es ein schönes Angeln werden würde. Das Wetter war über eine längere Zeit schön, und bereits Wochen zuvor gab es in der Sege gute Fangresultate. Leider ergab ein Probefischen in der Lödde kein ähnlich gutes Ergebnis, sondern nur ein paar kleine Rotaugen. Am Montag vor den Masters wurde daher beschlossen, dass wir alle Durchgänge in der Sege fischen würden.

Am ersten Tag hatte ich Glück und loste im D-Sektor den stromabwärtigen Außenplatz D7. Ich baute 2 Rollenruten auf mit 4g-Pose und Hakengröße 12 für das Fischen in der Flussmitte in 20 m Entfernung vom Ufer. Des weiteren montierte ich 3 Top-Sets für die Kopfrute mit Posen von 0,5 g bis 1 g, 16er Schnur, 14er Vorfach und Haken in den Größen 12 - 14 sowie 3 Whip-Ruten zwischen 4,4 m und 6 m mit Posen von 2 - 4 g, 18er Schnur, 16er Vorfach und Haken in den Größen 10 - 12. Futter und Köder bestanden aus 1 kg 3000 Gros Gardons, 5 Liter weißen und 5 Liter roten Maden. Als Taktik wollte ich das gesamte Futter auf den Kopfrutenplatz in 11 Meter Entfernung einbringen und danach beginnen, auf der Rollenrutenbahn kontinuierlich geklebte Maden zu füttern.
Zu Beginn verlief das Angeln ziemlich schwerfällig, aber nach etwa einer halben Stunde begann ich einige Fische mit der Rollenrute zu bekommen. Nach etwa anderthalb Stunden wechselte ich zum Kopfrutenplatz, den ich kontinuierlich mit losen Maden befütterte. Nach einer kurzen Weile waren die Fische aktiv und ich wechselte zur 6 m Whip, die ich bis zum Ende benutzte. Ich brachte 38850 g Alande und Rotaugen zur Waage, was mir den Sektorensieg und die Führung nach dem ersten Tag einbrachte.

Am zweiten Tag saß ich im B-Sektor. Weil der Fluss hier etwas breiter ist, wechselte ich die 4 g Posen auf der Rollenrute gegen 8 - und 10 g Posen aus, um auf der anderen Seite fischen zu können. Im übrigen waren Montagen und Taktik die gleichen wie am ersten Tag. Es gelang mir nach einer Weile wieder, die Fische auf die 6 m Whip einzustellen, was mir am Ende 33400 g einbrachte.

Der A-Sektor war am dritten Tag mein Arbeitsplatz. Hier lief es bisher am schlechtesten und man brauchte eine hohe Platznummer um gut abzuschneiden. Ich zog Platz A4 und fische die meiste Zeit mit der Kopfrute. Einen richtigen Einstieg fand ich nie und hatte hin und wieder große Probleme mit den Kleinfischen. Ich bekam nur 11350 g zusammen und wurde von Sascha Schneider auf der A5 übertrumpft, der den Sektor dominierte und mit 20500 g gewann.

Vor dem letzten Tag ging es ziemlich eng zu und mehrere hatten die Chance auf den Gesamtsieg. Als ich zu meinem Platz im C-Sektor kam, sah ich einige Fische umherschwimmen, so dass ich an einen guten Fang glaubte. Ich begann mit der 11 m Kopfrute, wo ich 1 kg Futter und mehrere Bälle geklebte Maden einbrachte. Schnell ging ich jedoch zum Waggler über, da es mit der Kopfrute nicht klappte. Auf diese Weise fischte ich bis zum Schluss des Durchgangs und brachte 9250 g zur Waage. Auf der Wagglerbahn fischte ich kontinuierlich geklebte Maden. Auch dieses Mal wurde ich von meinem Nachbarn, Carl Visser, geschlagen, der mit 16750 g den Sektor überlegen gewann.

Am Ende ging es ziemlich eng zu zwischen mir, Stefan Holst und Klaus Fix, aber ich konnte mich mit 200 g vor Stefan Holst und 300 g vor Klaus Fix durchsetzen.

Von der Sonne gezeichnet, aber dennoch glücklich, der Gesamtsieger 2011 Roger Bengtsson.
Von der Sonne gezeichnet, aber dennoch glücklich, der Gesamtsieger 2011 Roger Bengtsson.

Einen Link zu den Scandinavian Masters und den vollständigen Ergebnissen gibt’s unter www.splashfishing.com
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