Handicap WM 2007 in Belgien

  • von Ralf Töpper
  • 27. September 2007 um 22:41
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Die diesjährige Handicap WM fand im Norden von Belgien, ca. 30km vor der französischen Grenze, in Zwevegem statt.
10 Nationen gingen in diesem Jahr an den Start. Das war das größte Teilnehmerfeld seit 2001.

Das Gewässer:
Der Kortrijk Bossult Kanal hat keine oder nur wenig Strömung. Wenn geschleust wird ist die Strömung sehr langsam und das Wasser steigt und fällt um ca. 5cm. Der Schiffsverkehr ist minimal.

Vorraussetzung für die Teilnahme:
Um an dieser WM der behinderten Angler teilnehmen zu können, müssen bestimmte Voraussetzungen erfüllt sein.

Die Mannschaft besteht aus 4 Anglern und benötigt 10 Handicap-Punkte.
Die Punkteverteilung geht von 1 bis 6, je nach Schwere der Behinderung
Der Grad der Behinderung muss mind. 50% v.H. betragen.
Die Angler sollten den Umgang mir der Bolonese,- Match- und Kopfrute beherrschen.

Interessierte Angler sind herzlich willkommen.
Informationen bekommt Ihr von Ralf Töpper unter der Telefon-Nr. 01783065710

Der momentane Kader besteht aus 5, der erweiterte Kader aus weiteren 7 Anglern.

Deutschland wurde in diesem jahr von Reinhard Eder, Christian Neuendorf, Jörg Möller und Ralf Töpper (Angler und Trainer) vertreten. Fritz Emonts (Team Kapitän), Wolfgang Klatt (2. Team Kapitän) sowie Hartmut Riechen (Betreuer), vervollständigten den Kader.



Hans-Peter Weineck LAV-Präsident des Landes Brandenburg reiste  als Delegationsleiter mit nach Belgien. Klaus Ahrens, Organisator der WM  2008 in Deutschland beobachtete alle Vorgänge.
Hans Kemp, Vizepräsident des DAV und verantwortlich für das Referat Sport und Jugend, wollte unsere Mannschaft moralisch unterstützen, erkrankte aber leider kurzfristig.

Die erfolgreiche Fischerei in einem fremden Gewässer ist ohne bestimmte, verlässliche Informationen nicht möglich. Gerade an diesem Streckenabschnitt des Kortrijk-Bossult Kanals in Belgien ist eine sehr feine und technische Angelei erforderlich um nach den beiden Durchgängen auf dem Podium zu stehen. Zudem hatten die Angler diesem Jahr nur 3 anstatt 4 Tage Zeit das Gewässer kennen zu lernen.

4 Wochen vor der WM fuhr Ralf nach Belgien zu Guido Nullens um die ersten Informationen zu bekommen. Die Grundinformation war: Gewinnen kann man dort nur mit Brassen, fängt aber jeder der von uns 2,5kg bis 3kg Rotaugen, steht man auf dem Podium.



Das Problem am Kortrijk-Busselt Kanal ist ein sich ständig änderndes Beißverhalten der Fische, besonders der Brassen. So konnten wir uns nur grob auf die schwere Aufgabe einstellen und hatten noch viel Arbeit in den 6 Trainingseinheiten vor der Brust.

Im Vorfeld wurden Montagen mit Kanalschwimmern in der Tragkraft von 0,5g bis 1,5g gebaut.  Eine 2 Punktbeleiung mit einem 10ner Schrot über der Schlaufe des 20cm Vorfachs und der 30cm entfernten Hauptbebleiung sollten den gewünschten Erfolg auf die Brassen herstellen.
Bei den Rotaugenmontagen lagen die beiden Punkte bei einer Vorfachlänge von 18cm nur 20cm und 15cm bei einer Vorfachlänge von 12cm auseinander.
Die Stärke der Hauptschnur (Super-G Line) betrug 0,10mm. Als Vorfach verwendeten wir die Drennan Double Stengh in 0,083 und 0,074mm
Der Mosella TXR in der Größen 20 und 18 und der Kamasan B512 in den selben Größen war die erste Wahl.
Als Gummizug verwendeten wir den, rosafarbenen, 0,8mm Latexgummi von Browning. Dieser Gummizug wurde von vielen Nationen benutzt, weil er der einzige eingefärbte Latexgummi ist. Dieser wurde so weich wie möglich eingestellt.

Das Futter/Köder Setup:
Um die Fische nicht zu sättigen, bestand das Futter aus ca. 40% Futter und 60% Lehm.
Im 2. Durchgang verwendeten wir zusätzlich Futter pur für das Angeln im Mittelwasser.
Insgesamt kam jeder Angler mit 5 Liter Nassfutter aus.
 
Wir tönten den Lehm und das Futter mit etwas Baitflash von Mosella schwarz, weil wir im Training feststellten, das unser Lehm eine zu große helle Wolke machte und damit den Kleinfisch und  Barsche anlockte.

Als Hakenköder bevorzugen die Fische in Belgien fast ausschließlich die große rote Zuckmücke (Ver de Vas).  
Die Köder im Futter-Lehmgemisch bestanden zu 95% aus den kleinen roten Mückenlarven (Foulies). Für die Brassen wurden noch eine handvoll Caster darunter gemischt.

Zusätzlich sollte man noch einen viertel Liter Maden und Pinkys, sowie ein paar Mistwürmer für den Haken als Ausweichmöglichkeit auf dem Ködertablett haben.



Die Rutenlänge ist bei den Handicapanglern auf 11,50m begrenzt. Das war in diesem Fall kein Nachteil gegenüber einer 13m langen Rute, weil es in Belgien eine generelle Rutenlängenbegrenzung von 11,50m gibt.
Die Anfangsfütterung bestand bei fast allen Nationen aus 4 bis 6 Tennisball großen Bällen.
Nach gefüttert wurde entweder mit dem Browning-Polecup oder es wurden kleine Bällchen nach geworfen. Die Belgier cuppten, die Franzosen warfen.

WM-Ablauf

Dienstag Abend fand die Auslosung der Boxen aller Nationen für die drei Trainingstage statt.

Unser Teamkapitan Fritz Emonts loste uns die Boxen 1, 8 und 5 zu.
In der Auslosungsreihenfolge zog er die 9. Das heißt, dass wir am Samstag Morgen als 9. unsere Sektoren und danach die Platz-Nummern losen durften.
Am Samstag Nachmittag wurden  die Sektoren und die 4 Platz-Nrummern für die Angler gemäß einer mathematischen Formel bekannt gegeben.  Am Sonntag Morgen wurde dann dem Angler in umgekehrter Ziehungsreihenfolge eine der 4 Nummern zugelost.

Jeden Morgen durften wir um 8.30 Uhr die Boxen betreten.
Um 10.30 Uhr  begann für 5 min. die schwere Fütterung. Es durfte aber anders wie bei anderen Fischen sofort gefischt werden.  Um 13.30 Uhr endete der erste Durchgang, danach  war für 1,5 Stunden Mittagspause in der gegessen und gebastelt wurde. Um 15.00 Uhr fing der 2. Durchgang an. Trainings Ende war jeden Tag außer Freitag um 18.00 Uhr



Mittwoch 1. Trainingstag
Wir betraten um 8.30 unsere Box Nr. 1 und bauten unser Material auf.
Da die meisten Angler nur wenig Erfahrung mit Mückenlarven und Lehm hatten, setzten wir uns um 9.00 Uhr zusammen um die Mückenlarven gemeinsam mit einem sehr feinen, trockenen Lehm zu trennen.
Um die richtige Konsistenz für unser Futter hinzubekommen, fingen wir jeden Tag um 8.00 Uhr an dieses zu befeuchten. So war es nach 5 maligem nachfeuchten kurz vor dem Einsatz fertig und somit sehr aktiv.
Unser Futter bestand aus Primus Top Edition Rotaugen, Mondial Voorn und van den Eynde Turbo. Ralf hatte mit dem Einsatz seiner Gewürz-Lockstoffe in Belgien nicht gerechnet. Irgendwo in den hintersten Winkel seines Wagens fand er je 2 Tüten seines Lockstoffs, Rotaugenmagnet, Friedfisch Magie und Brassen Canabis. Leider viel zu wenig, wie sich herausstellen sollte. Ralf probierte sie 2 mal im Training und der Rest wurde für die beiden Durchgänge aufbewahrt. Leider war für den 2. Durchgang nicht mehr genug da, was sich auch im Ergebnis niederschlug. Die Gewürzlockstoffe wurden zu gleichen Teilen gemischt und ins Trockenfutter eingebracht.
 
Als wir gerade anfingen, kam ein Unwetter und schüttete ca. 40 Liter Wasser pro qm auf die Erde. Das Unwetter blieb bis um 11.00 Uhr.  Bis 10.30 Uhr mussten nun die Mücken getrennt, das Futter, der Lehm fertig gemacht und die Ballen gedrückt werden. Der erste Grundstein um die Fische anzulocken und am Platz zu halten ging schon mal gründlich daneben.
 
Wir fingen an mit der 11,50m Ruten auf Brassen zu angeln. Bedingt durch den zu nassen Lehm war die Wolke so heftig, das wir sehr viele Barsche fingen, Ralf ging sogar ein Zander an den Haken.
Jörg konnte in dieser Trainingseinheit 6 Brassen fangen. Reinhard und Christian fingen je 2 Brassen.
In der Mittagspause philosophierten wie wir mehr Brassen fangen würden.
Reinhard wollte es mit der Matchrute versuchen. Jörg und Christian gingen noch mal auf Brasse und Ralf versuchte mit Rotaugen dagegen zu halten.



Jörg hatte mit ca. 6 Brassen und ein paar Rotaugen einen knappen Vorsprung auf Ralf, Reinhard und Christian folgten auf den Plätzen.

Nach der all abendlichen Mannschaftsbesprechung wollten Reinhard und Jörg den nächsten Trainingstag mit der Match fischen. Ralf sollte versuchen mit einer 8m langen Schnur an der 11m Rute hinter die Kante zu kommen.  Christian und Fritz fischten an der Kante auf Brassen.

Diese Taktik ging am Donnerstagmorgen gründlich daneben. Reinhard, Ralf, und Jörg fingen unter 1kg Fisch. Leider regnete es auch noch den ganzen Donnerstag, so dass die Motivation auf dem Nullpunkt angekommen war. Jörg und Reinhard waren zu diesem Zeitpunkt noch von Ihrem Matchrutenangeln überzeugt und fischen den zweiten Durchgang, wie den Ersten.
Ralf wurde unterdessen skeptisch und fischte konzentriert auf Rotaugen. Mit ca. 2,5kg Rotaugen konnte Ralf am Nachmittag mit Abstand das größte Gewicht fangen. Jetzt war es amtlich, wer auf die Matchrute verliert das Fischen. Die Tschenchen versuchten es und wurden im Gesamtklassement letzter.

Uns blieb nur noch der Freitagvormittag um entweder die Brassenangelei noch zu lernen oder auf Rotaugen umzustellen.
Jörg und Reinhard versuchten es die erste halbe Stunde und immer mal wieder zwischen durch auf Brasse ansonsten versuchten sie die wenige noch verbleiben Zeit auf Rotaugen zu fischen.
Christian und Ralf setzten wieder auf die Rotaugen. Christian fing 2,5kg Ralf knapp 3kg, Reinhard und Jörg lagen weit darunter.
Jetzt stand die Taktik fest. Wir wollten versuchen mir der Rotaugenangelei hinter den Franzosen und den Belgiern den dritten Platz zu belegen. Nur die Angler, welche im A und B Sektor in der Nähe der Brücken saßen, sollten aus dem Bauch heraus entscheiden ob sie es mal zwischen Durch auf Brasse probieren.



Samstag, erster Durchgang:
Ralf saß im D Sektor, wo im Training nur wenig Brassen gefangen wurden. Für das richtige Training wurde er mit 3140g und Platz 2 belohnt. Jörg hatte im C Sektor nichts zu lachen, er wurde 10. mit 580g. Reinhard Eder belegte mit 1700g den 6. Platz im B Sektor und Christian meisterte seine Sache mit einer kombinierten Rotaugen/Brassenangelei sehr gut und fing 3000g. Damit belegte er Platz 5 im A Sektor. Christian musste sogar noch eine Brasse zurücksetzen, weil diese nach dem Abpfiff nicht aus dem Wasser war.

Nach der Bekanntgabe der Ergebnisse machte sich Ernüchterung bei uns breit. Ralf, der sich unter normalen Umständen noch Hoffnung auf einen Podiumsplatz machen durfte, ahnte,  dass die ersten drei Platze mit je 2 Punkten aus beiden Durchgängen weg gingen.

Die Franzosen und Belgier waren einfach zu stark an diesem Gewässer. Die an diesem Tag stark fischenden Slowenen hatte sicher niemand auf der Rechnung.

Rangfolge nach dem ersten Tag:

Frankreich8 Punkte
Belgien
13 Punkte
Slowenien
13 Punkte
Italien
20 Punkte
Deutschland
23 Punkte
Polen
23 Punkte
Kroatien
24 Punkte
Portugal
26 Punkte
Bosnien Herzigowina
34 Punkte
Tschechien
36 Punkte

Wir nahmen uns für den zweiten Tag vor die Italiener noch vom vierten Platz zu verdrängen.

Der zweite Durchgang:

Reinhard hatte im A Sektor mit 1555g zwar seine beiden Nachbarn im Griff aber keine Chance einen vorderen Platz zu belegen. Er musste sich mit Platz 8 zufrieden geben.

Im Sektor B ging Jörg Möller ans Limit und ließ nichts unversucht eine vordere Platzierung zu erreichen. Mit 2120g belegte er Platz 6, war aber nur 415g vom 3. Platz entfernt.

Ralf saß an diesem Tag im sehr schwierigen Sektor C neben dem stärksten Franzosen Bruno Bell.Die ersten 20min. verliefen normal, die Rotaugen ließen sich gut fangen. Der Franzose fing genau zu diesem Zeitpunkt seine erste Brasse und im Laufe der drei Stunden noch 5 Stück.
Ralf musste zusehen wie neben ihm eine Brassenangelei par exelance stattfand. Trotzdem blieb er ruhig und fischte weiter auf Rotaugen. Die Rotaugenbisse ließen nach einer halben Stunde merklich nach, so dass der Italiener nun anfing regelmäßig Futterbällchen auf der Wasseroberfläche aufplatzen zu lassen um die Fische ins Mittelwasser zu locken. Eine Taktik, die im ersten Durchgang zumindest im Sektor D den ersten Platz für einen Franzosen brachte.



Ralf versuchte nun das Gleiche, ab diesem Zeitpunkt wurde es ein Kampf gegen die Uhr. Er fing nun seine Rotaugen im ständigen Wechsel mit drei verschiedenen Montagen. Von 1,20m Wassertiefe bis zum Grund waren überall Rotaugen zu fangen. Mit 1990g erkämpfte sich Ralf Platz 4 im Sektor.

Im Sektor D hatte Christian dieselben Probleme. Er fing nach der Umstellung auf die halbe Wassertiefe zwar besser als am Grund, hatte aber große Probleme mir seiner Bissausbeute.
Die Rotaugen, der unterschiedlichen Größen bissen sehr spitz und verzeihten keine Fehler beim Anschlag.  Mit 1325g blieb leider nur Platz 7 für Christian.

Gespannt warteten wir auf das Endergebnis:

Frankreich17 Punkte
Belgien
25 Punkte
Italien 33 Punkte
Slowenien 35 Punkte
Deutschland
48 Punkte
Polen
50 Punkte
Kroatien
50 Punkte
Portugal
53 Punkte
Bosnien Herzigowina
60 Punkte
Tschechien
69 Punkte


Ergebnis der Einzelangler

Demoor Rudi, Belgien
2 Punkte9485g
Bel, Bruno, Frankreich 2 Punkte
9350g
Romero Xavier, Frankreich2 Punkte7305g
Blaszczak, Eugeniusz Polen4 Punkte6800g
De Roover Paul, Belgien 4 Punkte5910g
Schaeffer Alain, Frankreich5 Punkte6585g
Bottazzi, Giovanni Italien  
6 Punkte5135g
Töpper, Ralf  Deutschland 
6 Punkte5130g
...
  
24. Neuendorf, Christian 12 Punkte4325g
26. Eder, Reinhardt 
14 Punkte3255g
32. Möller, Jörg
16 Punkte2700g


Fazit:
Die deutsche Mannschaft hat die Erwartungen nicht ganz erfüllt, ist aber motiviert bei der WM in Deutschland 2008 auf dem Podium zu stehen.
Wir werden uns im nächsten Jahr gezielt vorbereiten und mit einander so oft wie möglich in Potsdam fischen um die Angelstrecke kennen zu lernen und eine Einheit zu bilden. Weiter werden wir Unterstützung von den in der Nähe wohnenden Herren Nationalkadermitgliedern bekommen.
Ganz wichtig ist in diesem Zusammenhang die Unterstützung vom DAV.
Der DAV hat sich sehr für uns eingesetzt. Im Namen der Teilnehmer ein herzliches Danke schön.
Weiter möchte wir uns bei unseren Sponsoren bedanken: Die Fa. Browning  kleidete uns komplett ein und stellte uns Polecups, Hemden, Handtücher sowie Spitzengummis zur Verfügung.
Die Fa. Primus, die auch Miloangler sponsert, steuerte das Futter bei.
Die Fa. www.ralf-toepper-angelshop.de sponserte die Lockstoffe
Nicht zu vergessen ist unser weiterer Hauptsponsor Mosella. Die Fa. hat uns in den letzten Jahren schon mehrmals unterstützt und wird auch 2008 ein Grundstein für unseren Erfolg sein.
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